Kultur

Film | 02.10.2009 12:30 | Marcus Engler

Mikael Blomkvist lebt gefährlich

Mit "Verblendung" kommt der erste Teil von Stieg Larssons Bestseller-Trilogie in die Kinos. Ein gelungener Thriller, bei dem die Darsteller überzeugen.

In dieser Woche kommt die Verfilmung eines Bestsellers (allein drei Millionen verkaufte Exemplare in Deutschland) mit einer eigentümlichen Geschichte in die Kinos: Verblendung heißt der erste Teil der so genannten Millenium-Trilogie von Stieg Larsson. Larsson, der im Hauptberuf als Journalist über die Rechtsradikalen in seiner Heimat schrieb, starb 2004 im Alter von 50 Jahren an einem Herzinfarkt – vor der Veröffentlichung und dem Erfolg seiner Bücher. Dieser Erfolg stellt die Macher von Verblendung vor Probleme: Wie kann man die Erwartungen der Leser erfüllen? Und wie 700 handlungsgefüllte Seiten auf die Leinwand bringen?

Die Drehbuchautoren und der bisher nur durch schwedische Fernsehserien bekannte Regisseur Niels Arden Oplev haben sich bemüht, die packende Geschichte von Begleitwerk zu befreien. Lieb gewonnene Figuren und gesellschaftliche Schraffierungen fielen der Strichfassung zum Opfer. Übrig blieb die Essenz der Story. Und die trägt auch im Film.

Den Tod im Nacken unternimmt der 82-jährige Großindustrielle Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) einen letzten Versuch, das große Rätsel seines Lebens zu lösen. Vor 40 Jahren verschwand seine Lieblingsnichte Harriet überraschend und spurlos. Er beauftragt den 40-jährigen Investigativjournalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) mit der Recherche. Der Kreis der Verdächtigen ist auf einem Familienfoto abgelichtet: „30 spießige und habgierige Personen.“ Zusammengehalten einzig durch den Wunsch, am Reichtum Vangers teilzuhaben.

Blomkvist zieht auf die winterliche Insel Hedeby, wo Vangers Clan sein Anwesen hat, und beginnt die Unmengen von Material zu sichten. Unaufgeforderte Unterstützung erhält er von Lisbeth Salander (Noomi Rapace), dem eigentlichen Star der Millennium-Triologie, einer Hackerin, Mitte 20, die durch die Hölle gegangen zu sein scheint, tätowiert, gepierct, dreiviertel­autistisch, mit fotografischem Gedächtnis und ohne Skrupel. Ein dunkler Rache­engel, der neben Gesetz und Gesellschaft steht. Während der Suche stößt das Duo auf eine Serie ungeklärter Frauenmorde, die alle in Zusammenhang mit Bibelzitaten stehen.

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Verblendung ist ein düsterer Film, der von seinen Hauptfiguren lebt, die sich trotz der erdrückenden Handlung – vor allem zu Beginn wird von Einstellung zu Einstellung gehetzt – behaupten können. Blomkvist, das Alter Ego Larssons, wird einigen Lesern fremd vorkommen. Er ist im Film nicht der Frauenheld des Romans, seine zahlreichen Affären kommen hier nicht vor. Lisbeth Salander auf die Leinwand zu bringen ist eigentlich unmöglich, doch Noomi Rapace löst die Aufgabe großartig, auch wenn sie ihre Figur vielleicht etwas zu tapfer, zu wenig verletzlich spielt.

Für uneingeweihte Zuschauer ist Verblendung ein sehr spannender Thriller, auch wenn bei der Aufbereitung des Buchs für das Kino vieles verschenkt wurde. Regisseur Oplev traut sich keinen eigenen filmischen Zugang, die Bestseller-Verfilmung begnügt sich mit einer handwerklich gut gemachten, aber letztlich braven Nacherzählung des Romanstoffs. Es steht die Frage, was ein Könner des Genres mit der Vorlage angefangen hätte – jemand, der noch etwas hinzufügt, in dem er selbst mehr weglässt.

 
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