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Kultur : Langsamer Abschied vom Vollprogramm

Das Netz schafft immer mehr kleine Teilöffentlichkeiten, da haben es die großen TV-Sender schwer. Zum Glück gibt es die Sparten.

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Natur- und Geschichtsreportagen, Dokusoaps und US-Serien. Das ist ungefähr der Mix des neuen Digitalkanals ZDFneo, der am vergangenen Sonntag ZDFdoku abgelöst hat. Die frühmorgendlichen Wiederholungen der Telenovelas Alisa und Bianca einmal ausgenommen, sind tatsächlich viele empfehlenswerte, wenn auch nicht eben bildungsorientierte Sendungen dabei. Das Programm ­füllen Dokusoaps, die informieren statt denunzieren, manches beinahe schon Essayistische sowie Serien, die in ­Amerika zwar zurecht mit Preisen ­gekrönt wurden, den meisten deutschen Sendern aber bislang als zu speziell erschienen, um ausreichenden Erfolg zu versprechen. Ansprechen will das ZDF mit dieser Mischung die 30- bis 40-Jährigen – an deren Bildschirm-Nostalgie soll vermutlich die Ausstrahlung von Serien wie Seinfeld und Miami Vice ­appellieren –, jenes Publikum also, das oft gar nicht mehr fernsieht.

Ausdifferenzieren

Auch andere Sender wollen der ­Abwanderung der Zuschauer ins Netz und an den DVD-Rekorder entgegentreten. Der Konzern ProSiebenSat.1 kündigte deshalb jüngst die Einrichtung von Spartenkanälen an, für die der Zuschauer bezahlen muss. Das bedeutet zwar noch lange nicht das Ende des Vollprogramms, aber doch ein Eingeständnis von dessen zunehmender Unzeitgemäßheit. Die Zukunft des Fernsehens dürfte darin bestehen, dass die Sender ihre Marke ausdifferenzieren und sich in einzelnen Ablegern spezialisieren – während der Mutterkanal der Existenzrechtfertigung dient, der durch Belanglosigkeiten und Bösartigkeiten wie Der Bergdoktor, Tierärztin Dr. Mertens oder Super Nanny die Werbeeinnahmen abgeschöpft; den zahllosen Nebenher-­Guckern sei Dank.

Darin eben liegt der Vorteil, den das Fernsehen gegenüber der Tageszeitung hat: Es läuft, ohne dass man viel dafür tun muss. Es ist immer schon da und bezahlen muss man ohnehin, sei es der GEZ oder „nur“ mit der eigenen, mehr oder weniger dissoziativen Aufmerksamkeit. Während die Print- und ­Onlinepresse sehr genau weiß, wie ­viele Menschen pro Tag zugegriffen ­haben, wird die TV-Quote auf der Grundlage ein paar ausgewählter Haushalte (denen stets bewusst ist, dass sie fürs Fernsehen bezahlt und dabei beobachtet werden) mehr schlecht als recht hochgerechnet. Der Segmentierung der Masse in kleine Teilöffentlichkeiten, die vor allem das World Wide Web vorantreibt, wird das Fernsehen also, wenigstens pro forma, länger standhalten ­können als die Tageszeitung. Aber eben auch nicht ewig. Wer hier ein Patent­rezept fände, hätte ausgesorgt.


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