Erziehung zur Mündigkeit. So hieß mein erstes Suhrkamp-Buch. Jedenfalls das erste, das ich mit einigermaßen klarem Bewusstsein gekauft habe. Der Titel des kleinen blauen Bändchens, das ich in einem Taschenbuchladen in der Frankfurter Innenstadt erwarb, zog mich magisch an: Er schien mir die passende Antwort auf die Erziehungsversuche meines Vaters.
Das schmale Bändchen trug die Nummer 11 der neuen Reihe suhrkamp taschenbuch. Ein Schulfreund hatte mich auf sie aufmerksam gemacht, der sich gleich die ersten zehn Bände gekauft hatte. Die Reihe war nämlich umstritten. Schon wegen der modischen Aufmachung: Große Lettern, leuchtend bunte Cover, darauf ein Foto des Autors.
Zu Hause besahen wir uns das neue Format, diskutierten Vor- und Nachteile, rätselten angesichts uns unbekannter Autorennamen - von dem schwedischen Journalisten Olof Lagercrantz hatten wir noch nie gehört. Und fragten uns, ob die Publikation von George Bernhard Shaws Traktat Die Aussichten des Christentums wirklich dem Fortschritt diente. Am Ende des Abwägungsprozesses sammelte auch ich die neuen Bücher.
Wo sie im Laufe der Zeit alle abgeblieben sind, weiß ich nicht mehr. Aber Adorno ist mir geblieben. Das Bändchen ist inzwischen einigermaßen abgegriffen. Aber es steht noch immer an einem festen Platz in meinem Bücherregal, unter allerlei linkskritischen Geisteswissenschaften. Zwischen Hans Mayers Außenseiter (suhrkamp taschenbuch 736) und Peter Weiss‘ In Gegensätzen denken (suhrkamp taschenbuch 1582).
Jugend in Frankfurt
Es war die Mischung aus intellektueller Neugier und die Lust am Neuen, die mich zu Suhrkamp gebracht hatte. Aber nie wäre mir damals in den Sinn gekommen, in die Straße zu gehen, aus der diese Bücher kamen. Ich habe meine Jugend in Frankfurt verbracht. Ich kannte jeden Stein in der Stadt. Ich kannte sie am Ende meiner ersten zwanzig Lebensjahre so gut, dass ich dachte, ich muss dort weg, bevor ich vor Langeweile sterbe.
Und ich kann noch heute, in Frankfurt am Hauptbahnhof angekommen, mit geschlossenen Augen den Weg zu meinem Elternhaus in Eschersheim wiederfinden. Aber ich habe die Stadt verlassen, ohne je gewusst zu haben, wo das Haus steht, in dem die Bücher „gemacht“ wurden, denen meine Sammelleidenschaft galt. Und ohne die meine intellektuelle Entwicklung womöglich ganz anders verlaufen wäre.
Das war einigermaßen verwunderlich. Denn ganz in der Nähe war ich zur Schule gegangen. Das Gymnasium am Frankfurter Westend, auf dem ich mich dem Abitur entgegen quälte, lag kaum einen Kilometer Luftlinie entfernt von dem Suhrkamp-Haus in der Lindenstraße. In den Cafes der Umgebung habe ich unzählige „Freistunden“ vertrödelt, ohne jemals diesen sagenumwobenen Ort aufgesucht zu haben.
Und dass die vornehme Eck-Villa im Frankfurter Holzhausenviertel, an der ich einmal in der Woche auf dem Weg zur Jugendmusikschule mit meinem Cello vorbeiradelte, dem Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld gehörte, habe ich erst erfahren, als ich, viele Jahre später, zum ersten Mal zum berühmten „Kritikerempfang“ geladen wurde, mit dem traditionell die Frankfurter Buchmesse beginnt.
Kurzum: Auf einen Genius Loci habe ich die Attraktivität der Suhrkamp-Bücher und des ganzen Suhrkamp-Clans nie zurückgeführt. Das einzige Haus, an dem ich in Frankfurt immer mit einer gewissen Ehrfurcht vorbeigelaufen bin, war das gänzlich schmucklose Institut für Sozialforschung, dem Adorno von 1958 bis 1969 als Direktor vorstand.
Ich konnte es aus dem Busfenster sehen, wenn ich vom Messegelände die Senckenberg-Anlage entlangfuhr, wo die meisten Universitäts-Institute standen. Dass das Suhrkamp-Haus nur einen Steinwurf weit dahinter lag, habe ich nie gewusst, wollte es nie wissen. Es war mir gleichgültig. Die Potenz dieses glatzköpfigen Denkers zog mich an. Nicht die Energie, die womöglich von dem Ort ausging, wo er seine Bücher verlegte.
Geistiger Standort-Vorteil
Der Verlag selbst hat das offenbar immer anders verstanden. Jetzt will uns nämlich Ulla Berkéwicz, die derzeitige Leiterin des Hauses Suhrkamp, genau diese Idee vom Genius Loci verkaufen. Und uns weismachen, dass die Straßen in Berlin so etwas wie ein geistiger Standort-Vorteil für den Verlag seien. Dass Suhrkamp umziehen will, erschüttert ja seit geraumer Zeit die Republik. Man versteht nicht so recht warum. Auch Berkéwiczs diverse Orakel zu dieser kulturgeschichtlichen Zäsur beantworten die drängende Frage nicht wirklich.
Bis heute rätseln beispielsweise die Beobachter, was sie gemeint haben könnte, als sie in einem Spiegel-Essay im letzten Frühjahr mit Blick auf Berlin von den „Orten, die erarbeitet werden müssen“ sprach. Offenbar müssen sie ergangen werden. So kann man ein Interview deuten, in dem Berkéwicz ihre raunenden Andeutungen präzisierte: „Die Straßen der Hauptstadt sind breiter, dort kann man nebeneinander gehen, dort kann man vielleicht sogar ein Stück weit aufrecht gehen und geradeaus, mal sehn“ erklärte sie der durchaus ortskundigen Berliner Zeitung.
Das wirft grundsätzliche Fragen auf. Zum Beispiel, ob Suhrkamp-Bücher in Zukunft im Gehen gemacht werden. Ob Suhrkamp-Autoren wie Amos Oz, Thomas Meinecke oder Isabel Allende in Zukunft vor jedem neuen Buch ein hauptstädtisches Flanierpensum absolvieren müssen. Denn diese Kreativen, nicht die Straßen auf denen sie wandeln, stellen her, was der britische Philosoph George Steiner 1973 als „Suhrkamp-Kultur“ bezeichnet hat.
Und ist ein Buch wie Adornos Ästhetik nun nachträglich schlechter (geworden), nur weil es durch die engen Gassen Frankfurts zum Verlagshaus gelangte? Wurde es schlechter lektoriert, weil die Lektoren gebückt durch die Stadt am Main schlichen? Wer Berkewicz' Einlassungen zu Ende zu denken versucht, wünscht diesem Verlag jedenfalls nichts sehnlicher als möglichst viele Autoren, die nicht aus Berlin kommen, sondern aus der großen weiten Welt.
Irgendwie kann man natürlich verstehen, dass die Verlagschefin sich für sie selbst und ihre Mitarbeiter ein kreativeres Umfeld wünscht. Frankfurt ist derzeit wirklich kein geistig-kultureller Jungbrunnen. Obwohl die Stadt das Potential dazu hätte.
Doch wenn schon Suhrkamp-Cheflektor, Raimund Fellinger, der Zeitschift Literaturen auf die Frage nach Berlin sagt: „Euphorisch bin ich nicht“ und lieber in Frankfurt in Ruhe llektorieren will, scheint es es mit der Magnetwirkung der rauen Berliner Wirklichkeit auf die Leute, die die „bewegliche Arbeit“ (Berkéwicz) machen, nicht allzu weit her sein.
Leben an der Spree
Wie auch: Anderen ist dieses Experiment schließlich genauso wenig geglückt. Der Deutsche Bundestag hatte seinen Umzug nach Berlin auch mit der Tuchfühlung zum wirklichen Leben begründet, die nirgends so gut sei wie an der Spree. Nun sitzt er gut abgeschottet in seinem demokratischen Elfenbeinturm namens Regierungsviertel.
Den Mythos Suhrkamp mit Hilfe des Mythos Berlin fortschreiben – kein Wunder, dass sich Berkéwicz bei diesem denkwürdigen Unterfangen in immer neue Widersprüche verwickelt. Einerseits schätzt sie die Berliner als „resilienten Menschenschlag“, als „widerborstig, widerständig“. Und liegt damit ganz auf der Linie Adornos, für den „Erziehung eine Erziehung zum Widerspruch und zum Widerstand ist“.
Ein Widerspruch, den sie im eigenen Hause aber offenbar ungern duldet. Die Zahl der Kreativen, die sie erst an den Suhrkamp-Hof holte und dann schnell wieder von ihm verstieß, steigt unaufhörlich.
Sieht man einmal davon ab. Wie stellt sich Berkéwicz die Übertragung dieser subversiven Berliner Energien auf den Verlag, die Autoren und die Mitarbeiter vor? Durch Handauflegen? Tröpfcheninfusion? Oder Tage der Offenen Tür im neuen Übergangs-Domizil in Prenzlauer Berg?
Und wenn sie dann aber wieder glaubt, dass die Mitarbeiter „gemeinsames Erleben, am selben Ort, zur selben Zeit“ brauchen - grenzt diese Anrufung des von Adorno beargwöhnten Kollektivs nicht letztlich an eine Erziehung zur Unmündigkeit?
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Ein sehr schöner Beitrag, der mich zu einer ergänzenden biografischen Notiz verführt, von der ich allerdings nicht weiß, ob sie deine Argumentation wirklich stützt. Ich bin in der Nähe der Stadt Bern aufgewachsen und habe später daselbst studiert. Begegnet mir heute in einer wissenschaftlichen Arbeit die folgende imposante Aneinanderreihung von Orten im Literaturverzeichnis
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien Also zum Beispiel: Tuczay, Christa Agnes, "Disponible Ekstase im Kontext Mittelalterliche und neuere Diskurse einer Entgrenzungserfahrung", Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2009 dann weiß ich, dass es sich nur um ein Buch aus dem Verlag Peter Lang handeln kann. Der Peter Lang Verlag wurde 1977 in Bern gegründet, wo immer noch der Hauptsitz ist. Nebensitze (Briefkästen?) hat der Verlag, wie man sieht, mittlerweile in aller Welt. Ich kann mich nicht an das Verlagsgebäude erinnern, weiß überhaupt nicht, wo es steht, aber es amüsiert mich doch, dass mein kleines Bern nun in so mancher Disseration (die es nicht in den Suhrkamp-Verlag geschafft hat!) in einer Reihe mit den Welt- und Verlagsmetropolen Berlin, New York und last but not least: Frankfurt steht. Frankfurt steht sogar an erster Stelle, warum eigentlich? Das Alphabet kann nicht der Grund sein – drei Städte fangen mit B an! – und so ist die Reihenfolge vielleicht eben doch dem Mythos Suhrkamp geschuldet. Sicher ist es aber nicht. Sagen wir also: Erst wenn der Peter Lang Verlag in naher Zukunft an erster Stelle Berlin statt Frankfurt nennt, ist das Kalkül von Frau Berkewicz voll und ganz aufgegangen. |
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lieber michael, danke für dein interesse und die interessante beobachtung. ich bin nicht sicher, ob der ominöse peter-lang-verlag mit dem ortshinweis frankfurt wirklich dem suhrkamp-mythos erlegen bzw gefolgt ist. denn frankfurt war ja immer auch: studentenbwegung, börse, messe, kritisches theater, hilmar hoffmanns kulturpolitik, bundesbank. suhrkamp war ein, wenn auch wichtiger teil davon.
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Das überrascht mich, ganz bestimmt. Ich hätte nie geahnt, dass der Ort eines Verlages eine große Rolle spielt. Ob der Verlag nun in Pusemuck, Bochum, Frankfurt oder Berlin ist, dachte ich früher, spielt gar keine wirklich Rolle. Wohl aber ist es in der echten Provinz sehr viel einfacher, lokale Zeichen zu setzen. Frankfurt ist nicht provinziell genug, echte Provinzialität gibt es nur bei den Preußen. Suhrkamp hat entschieden. Auf nach Berlin. Durchaus originell, dieses Pflaster als Verlag zu besetzen.
Leider gibt es für meinen privaten Bedarf kaum "zeitgenössisch relevante" Literatur bei Suhrkamp. Das Verlagsprogramm ist sehr abgestanden bzw. erinnert mich an Topfblumen. Ganz perfekt bei den Inseltaschenbücher, mit dem Wert der Dekoration(gerade im prestigeträchtigen abgewetzten Zustand, drum immer fleissig Second Hand kaufen und in der Küche bereit halten), der wohnkulturell alles Inhaltliche übertrifft. Der Charakter eines Suhrkamp Biedermeier (das volle Regal als Ausweis der studierten Kreise) manifestiert sich auch in ihrem Verlagsprinzip, auf Personen statt auf spannende Gedanken zu setzen. Damit gibt der Verlag zwar dem Affen (Leser, Kunden) Zucker, es führt aber zu einer kariösen Portfoliobildung. Je nach Betrachtungsweise also Verkitschung, Akademisierung, Moderne Klassiker. Durchaus entlarvend für eine Geisteshaltung der Autoren des Verlages steht für mich ein Adorno-Zitat: „Ich träumte, Peter Suhrkamp habe ein kulturkritisches Buch geschrieben – auf Plattdeutsch. Titel: Pa Sürkups sin Kultur.” Ältere Werke aus dem Verlagsprogramm, die man z.B. einmal gerne lesen möchte, gibt es für Ei&Apfel bei ebay, vor allem, wenn man sich genug Muße für den Erwerb nimmt. Neulich z.B. habe ich das Hörbuch Hans Wollschläger liest Karl Kraus (st1435) bei ebay ersteigert, originalverpackt: 1,50 Eur ...oder war es ein Euro und 1,50 das Porto? Im Internet ist der Auftritt vom Suhrkamp-Verlag noch nicht richtig angekommen. Wenig inspirierend und funktional, dieser Katalog. Berlin darf also als eine Chance für eine überfällige kreative Injektion in den Verlag und eine Reprovinzialisierung begriffen werden. Das sollte jeder sehr ernst nehmen, das sollte uns froh stimmen. Ein Buch mit dem Titel "Pa Sürkups sin Kultur" würde ich bestimmt kaufen. Oder vielleicht eine Lyrikedition des Autors Heinz Schenk als Reminiszenz an die Herkunft des Verlages. www.youtube.com/watch?v=wc3svRmNGsU |
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lieber wolkensieber, die suhrkamp-website finde ich auch überarbeitungsbedürftig. die hat schon was von dem abgestandenen klassizismus, der dem verlag manchmal eignet. was die inhalte anbetrifft, muss ich widersprechen. immerhin werden bei suhrkamp veritable denker wie michel foucault, judith butler veröffentlicht oder auch jüngere denker wie kaushik sunder rajan mit seinem buch: "biokapitalismus" (wird im freitag noch besprochen).
und in der belletristik finden sich bei suhrkamp viele der der vielversprechendsten jungen deutschen autoren. thomas meinecke zum beispiel. oder denken sie an einen herausragenden schriftsteller wie juri andruchowytsch aus der ukraine. insbesondere im letzten jahr hatte man zudem den eindruck, der verlag ist quasi mit dem staubsauger durch die berlin-kreuzberger kreativszene gezogen und hat verrückte, eigenwillige autoren wie wolfgang müller oder kuhlbrodt eingesammelt und mit büchern beglückt. also untätig sind die nicht. aber diese ganze berlinmythisiererei kann sich frau berkéwicz sparen - finde ich. suhrkamp ist auch ohne berlin stark. |
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Natürlich, im Granteln zeigt sich doch erst die echte Wertschätzung. Es bleibt merkwürdig, wie wenig zeitgenössische Relevanz diese Suhrkamp-Autoren für mich besitzen, und wie wenige bekannte Geister in meinem Universum Suhrkampautoren sind.
Suhrkamp muss etwas tun zur Erneuerung. Vielleicht ist die Flucht nach Berlin auch genau dieser Versuch, aber zum jetzigen Zeitpunkt selbst eine Art konservativer Schritt. Foucault scheint mir ein faszinierender und intelligenter Philosoph, aber seit 1983 ist er in der Kiste. Sein Erbe nervt, sein Personenkult, und die esoterische Art, in der seine Anhänger Texte häkeln. Ich lese lieber direkt die russsischen Formalisten, weil sie bodenständig und gerade sind, und einen Gedanken weniger kräuseln. Ewig "verschärfen" sich "zunehmend" die Verhältnisse des marxistisch geprägten Analytikers, bis ein anderer den Sprachstroh gewendet durch ein neues Dorf reitet. Das Buch von kaushik sunder rajan hört sich spannend an, auf Englisch "Biocapital". Es ist ja doch so, dass Menschen etwas zu sagen haben, und dass sich so viel bewegt. Es geht so viel Unglaubliches vor sich, und es fehlt an intelligenter und sachkundig formulierter Kritik. Zum Beispiel kenne ich keine treffende Kritik der Europäischen Union in Buchform. Die maßgebliche kritische ökonomische Würdigung des Patentsystems ist 60 Jahre alt. Usw. Wie stellt man eigentlich seinen "Realnamen" hier in diesem Freitag-System ein? |
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Suhrkamp - dieser Name war für mich immer mit Frankfurt am Main verbunden. Suhrkamp steht für ich aber nicht nur für linkskritische Gesellschaftsliteratur. Unter anderem heißt Suhrkamp für mich auch, einem Hang zum Konsumismus zu erliegen; denn erscheinen neue Geschichten und zuweilen auch noch große Erzählungen in diesem zum Mythos erhobenen Verlagshaus, dann greift eine Angst um sich, nicht allzu lang mit dem Erwerb des begehrten Bandes warten zu dürfen.
Neuerdings heißt Suhrkamp auch: den Verlagsumzug finanzieren mit überteuerten Neuerscheinungen. So kostet zum Beispiel der neue Band von Charles Taylor "Ein säkulares Zeitalter" 68 Euro bei knapp 1300 Seiten. Ja, Literatur kostet und besonders geisteswissenschaftliche, welche als spezielle eingeordnet wird. Aber zurück zum Eigentlichen: Suhrkamp bedient mit dem Umzug nach Berlin den Mythos einer Metropole in Deutschland und dazu noch mitten in der Provinz. Wäre der Verlag in Frankfurt geblieben, hätte er bewiesen, dass es Berlin nicht benötigt und es keiner Mythisierung eines vermeindlichen kulturellen Schmelztiegels bedarf. Berlin ist nicht die Welt - es ist langweiliger denn je und Suhrkamp kann dies nicht verhindern. |
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Der Liberianische Charles Taylor, der in Den Haag vor dem Menschenrechtstribunal sitzt, schreibt Bücher bei Suhrkamp? Hin, hin...
Wird übrigens mal Zeit für eine historisch-kritische Ausgabe von Mein Kampf, gerne bei Suhrkamp. Die Langeweile kann man auch anders besiegen als durch Berlinumzüge. |
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@zelotti: wie du sicherlich weißt, gibt es auf dieser Welt auch Namensdopplungen. Wenn du den Titel des bei Suhrkamp veröffentlichten Buches gelesen hättest, würdest du dahinter steigen, dass mit dieser Nennung der kanadische Philosoph und Politikwissenschaftler Charles Taylor gemeint ist und nicht der Menschenschänder aus Liberia, der nebenbei bemerkt ganze 17 Jahre jünger ist als der Philosoph.
Vllt. solltest du dich mehr aufs denken konzentrieren und das lenken lieber sein lassen. |
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Diesen Artikel habe ich gerne gelesen. Nicht, weil auch ich Adorno et al. vom IfS zuerst mit dem Suhrkamp Verlag verbinde, sondern weil mir komplett einleutet, einen Verlagssitz oder eine Autorenvilla nicht zu suchen. Ich habe ja das Buch, den Text gefunden.
Den Artikel habe ich auch gern gelesen, weil das illustrierende Foto so schön ist. So etwas macht nur, wer Texte und Bücher liebt. Also, Ingo Arend, ich hab ähnliche Fotos auch gemacht, denn der Platz im eigenen Regal ist der Genius Loci. Und nichts anderes. Erst viel später in meiner eigenen Bücherbiographie habe ich mich für Verlagshäuser (Orte) und Autoren (Schreibbiographien) interessiert. Der Erkenntnisgewinn war immer geringer als der aus deren Büchern. Der Ort des Schreibens ist weiterhin real wie egal, aber die Schnittstelle von Produktion und Rezeption ist auch weiterhin der Mensch in seiner aktuellen Gesellschaft. - Kontrafaktisch dazu möchte ich Arends kritisches Zitat zu etwas (ganz) anderem an den Schluss stellen: "Der Deutsche Bundestag hatte seinen Umzug nach Berlin auch mit der Tuchfühlung zum wirklichen Leben begründet, die nirgends so gut sei wie an der Spree. Nun sitzt er gut abgeschottet in seinem demokratischen Elfenbeinturm namens Regierungsviertel." Grüsse aus dem Regiertenviertel, R.K. (Erzogen zur Mündigkeit) |
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schrieb am
31.12.2009 um 19:35
Für Ingo Arend zum neuen Jahr
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09.02.2012
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