Kultur

Attitüde | 20.01.2010 21:00 | Marc Fabian Erdl

Dürfen? Sollen? Können!

Die Neue Frankfurter Schule hat sich zu Tode gesiegt. Oder: Der traurige Zustand der deutschen Satire am ­Beispiel der Zeitschrift „Titanic“. Ein Lehrstück

Am Abend des 10. November 2009 nahm sich der Torhüter Robert Enke das Leben. Er warf sich vor einen Zug. Bereits am nächsten Tag sah man auf der Internet-Seite des Satiremagazins Titanic das Foto eines Mannes im mittleren Alter in der Führerkabine eines Zuges. Die bildzeitungsartige Überschrift lautete: „Jetzt meldet sich der Zugführer zu Wort: ‚Ich habe Enke überlistet‘.“

Technisch gesehen war die Satire mustergültig. Gestalterisch überzeugend, stilgetreu in der verknappten Sprache, gelungen in der Erzeugung „komischer Fallhöhe“ (Gernhardt) durch Vermischung zweier Sphären: hier Fußball, da (Selbst-)Mord. Das kristallisiert in dem Bild der „Überlistung“ des Torwarts und der aufgeregten Ankündigung, dass der Zugführer als Täter/Torjäger sich „jetzt zu Wort zu meldet“. Kurzum, ein journalistisches Arrangement, wie man es in Revolverblättern in der Berichterstattung über Sport und Mord findet.

Die Titanic hatte schnell gehandelt. Um eine Satire auf die seltsame Berichterstattung über Enkes Tod konnte es sich schon aus Zeitgründen nicht gehandelt haben. Die vermeintliche Parodie war mithin integraler Bestandteil genau des Rummels, den sie zu karikieren vorgab. Man tat als Fußball- wie als Titanic-Fan gut daran, diesen Dreck zu ignorieren.

Allein, aufgrund der Medienlogik, die solchen Angelegenheiten zu eigen ist, gab es im Internet einige Aufregung. Daraufhin nahm die Titanic das Bild von der Homepage – mit einer weiteren dämlichen Bemerkung, einem schlichten Wortspiel mit dem Begriff „Entgleisung“.

Es wurde noch besser. Das Dezember-Titelblatt der Titanic zeigte – na, klar – Adolf Hitler mit dem Titel Depression. Wenn Promis am Leistungsdruck zerbrechen. Im Heft durfte der talentfreie neue Titanic-Chefredakteur Leo Fischer dem Sportler noch ein wenig Müll ins Grab hinterherwerfen.

Im Januarheft allerdings, als wäre nichts gewesen, moralisiert die Titanic allen Ernstes gegenüber Sport-Bild, diese habe mit ihrer Schlagzeile Robert Enke – Das miese Geschäft mit einem Toten! bei sich selbst recherchieren können, da ja Sport-Bild bekanntlich ebenfalls blablabla. Spätestens hier stellt man sich die Frage, was das alles noch soll.

Was darf Satire? „Alles!“, lautet die reflexartige Antwort, die nicht einmal der Autor Tucholsky selbst ernst nahm. Oliver Maria Schmitt, langjähriger Mitarbeiter der Titanic, hält diesem oft missverstandenen Bonmot entgegen, dass Satire „natürlich“ nicht alles dürfe: „Sie darf vor allem nicht langweilen“. Gewiss.

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„Witze“ über Westerwelle

Juristisch ist die Sache heikel. Wird einem Text vor Gericht zugestanden, eine Satire zu sein, so fällt die Verbreitung unter GG Artikel 5, Abs. 1 (Meinungsfreiheit) und Abs. 3 (Freiheit der Kunst und Wissenschaft). Eine Einschränkung findet sich dann nur noch im Abs. 2 (allgemeine Gesetze, Jugendschutz und persönliche Ehre), sowie in der Abwägung zwischen Artikel 5 einerseits und den Artikeln 1 (Menschenwürde) und 2 (Schutz der Persönlichkeit) andererseits. Diese Abwägung sinnvoll durchzuführen ist für die Juristen oft zu kompliziert und verspricht, bei ausreichender Prominenz der Beteiligten, peinlich genau von der Öffentlichkeit beobachtet zu werden. Es ist aufgrund dieser Unsicherheit für die streitenden Parteien entscheidend, vor Gericht einen Text als Satire oder Nicht-Satire durchsetzen zu können. Wird der Text nicht als Satire, sondern als „Schmähkritik“ verurteilt, darf man sich als Satiriker auch heute noch warm anziehen.

Unvergessen ist das Manöver Björn Engholms, der sich im Fernsehen über ein Titanic-Titelbild beklagte, das an Barschels Stelle ihn selbst in das bekannte Badewannenfoto collagiert hatte, nachdem klar geworden war, dass Engholm in der Kieler Barschel-Affäre keineswegs so unschuldig war, wie er tat. Trotz nachweislichen Rumlügens in diesem Zusammenhang, auf das die Satire anspielte, fabulierte Engholm von einer Anstiftung zum Selbstmord, klagte und setzte sich in der Folge bei Gericht durch. Ebenso erstaunlich ist es, dass Gertrud Höhler einen Prozess gegen Konkret und Eckhard Henscheid gewann, nachdem Henscheid sehr berechtigte Spekulationen über ihren Gemütszustand angestellt hatte, die sich einer abenteuerlich ödipal inszenierten American-Express-Reklame verdankten, bei der Höhler sich und ihren Sohn bis auf die Knochen blamierte.

Angesichts solcher juristischen Fehlleistungen und Zensurbestrebungen mag es wünschenswert erscheinen, dass Satire alles dürfe. Die Betreffenden hatten Spott verdient, und die Satiren waren der Sache angemessen, korrespondierten die angeprangerten Fehltritte und deren satirische Beurteilung miteinander. Auf Geschmacklosigkeiten kann, ja sollte Satire ebenfalls geschmacklos oder auch mit übersteigertem Geschmacksempfinden reagieren. Aber Robert Enke?

Es ist nicht die politische Ausrichtung, sondern die Reziprozität einer Satire, die den Kern ihrer Legitimation ausmacht. So kann dem Außenminister alles um die Ohren gehauen werden, was seine politische Person ausmacht, etwa die Diskrepanz zwischen seinem Leistungsgeschwafel und der eigenen Leistung. Aber es ist ebenso unerträgliche wie verstörend, dass der Titanic in erster Linie Schwulenwitze zu Guido Westerwelle einfallen. Gerade weil Westerwelle sein Privatleben erfreulich diskret behandelt, ohne seine Homosexualität zu verleugnen, ist wiederum diese Diskretion ihm gegenüber zu wahren. Für wen, fragt man sich, schreibt Titanic mittlerweile?

Seit den sechziger Jahren, spätestens aber seit 1979, als die Künstlergruppe um Robert Gernhardt und F.K. Waechter die Titanic gründete, wurde eben diese Neue Frankfurter Schule (NFS) prägend für das Satireverständnis einer ganzen Generation im nicht-sozialistischen deutschsprachigen Raum. Bei den meisten heute erfolgreichen Comedians, Humoristen und komischen Schriftstellern unter 50 lassen sich die Einflüsse der NFS problemlos nachweisen. Und selbst Leute, die die Titanic nicht mal vom Hörensagen kennen, haben etwa über Otto Waalkes gelacht.

„Witze“ aus Kalkül

Für diesen Erfolg waren drei Faktoren entscheidend. Erstens: der bedingungslose Kunstwillen. Malen, Zeichnen, Dichten, Romane schreiben, auch Komik-Kritik – die Mitglieder der Gruppe konnten mit ihrem Fleiß, Wissen, Können und Ideenreichtum in verschiedenen Ressorts reüssieren. Anders als die Nur-Satiriker, die heute bei der Titanic arbeiten, waren sie NFS-Mitglieder Nebenerwerbssatiriker. Das hilft.

Zweitens bestach der Humor von Gernhardt und den Anderen durch die Ausweitung der Kampfzone. Als Folge der sechziger Jahre hatte sich eine lebensweltlich homogene, weltanschaulich aber zersplitterte Szene aus Bioläden und Buchhandlungen, Zeitschriften und allerlei Initiativen etabliert. Sie wurde durch nichts zusammengehalten außer Selbstgerechtigkeit und der Unzufriedenheit über die aufkeimende Kritik an den sechziger Jahren. Eine Szene, die sich vor Satire sicher wähnte und in der Gründung einer entsprechenden Partei mündete, den Grünen. Hier gab es für Satiriker neue Felder zu bestellen, neue Opfer zu entdecken, die neben den herkömmlichen Zielen wie Staat und Kirche den Witz herausforderten. Hier gab es viel Arbeit für die NFS.

Drittens schließlich fungierte ein radikales Vergnügen als Relais, mit dem die Titanic-Gründer die ersten beiden Faktoren kurzschlossen, was zu einer immer genauer kalkulierbaren Aufregung der tatsächlichen und vermeintlichen Opfer führte: „Das kann man doch nicht bringen!“ – „Doch!“ – „Neinnein!“ – „Dochdochdoch!“

So notwendig und komisch dieses Treiben lange Jahre über war ­– die Neue Frankfurter Schule hat sich überlebt, genauer: Sie hat sich zu Tode gesiegt. Heute scheint der Titanic, die gleichwohl noch immer als erster Ansprechpartner in Satirefragen gilt, nur mehr das Drittens geblieben zu sein: Talent und Anspruch vererben sich nicht so einfach wie Attitüde. Der „Tabubruch“ ist zum Selbstzweck geworden, obwohl es kaum noch Tabus gibt. Was Gernhardt und die Anderen einst gesät haben, ernten und verwalten heute Arbeitgeber für Gagschreiber wie Harald Schmidt sowie Schwachstromkomiker wie Martin „Die Partei“ Sonneborn und ihre politisch ach so unkorrekt bloggenden Fans. Von Figuren wie Raab, Bohlen und Barth zu schweigen.

Wenn alles geht, läuft nichts mehr. Das hat die Titanic einmal gewusst. Dieser Entwicklung müsste sie im 31. Jahr entgegensteuern. Wenn sie das noch kann. Vielleicht will sie aber auch gar nicht mehr: Mit Stefan Gärtner hat im Herbst der letzte politische Kopf die Redaktion verlassen.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Lydia Esche schrieb am 21.01.2010 um 18:33
Ja, also Satire verteidigen ist ja an sich schon lächerlich.Allerdings scheint mir Ihre etwas sonderbare Kritik ein bisschen allgemein geraten.
Von der Tatsache, dass die Titanic auch Werbung für sich macht indem sie aktuelle Ereignisse und ihre mediale Aufbereitung verwurstet gleich überzuleiten zu der angeblichen Unbegabtheit der Autoren und gesellschaftlichen Belanglosigkeit der ganzen Unternehmung...Ja, man weiss nicht wo man anfangen soll.Lesen Sie doch einfach mal regelmässig eine ganze Titanic, dann würde Ihnen auffallen, wie politisch beispielsweise die Stilimitationen von aktuellen Bestsellern sein können.Oder wie gut viele Cartoons oder Comicstrips sind.Über Humor allerdings lässt sich natürlich nicht streiten.
Nur das mit dem fehlenden Talent und der politischen Brisanz ist eigentlich nicht wirklich verhandelbar.
Also vielleicht einfach mal mehr als den Titel lesen, dann hebt sich das gefühlte Niveau der Satire in Deutschland von ganz alleine.
Michael Angele schrieb am 22.01.2010 um 11:21
@Lydia Esche

Ich teile die These von Erdl, wonach ein Grundfehler der Titanic heute darin liegt, in einer weitgehend tabufreien Zeit fortwährend den "Tabuburch" zu inszenieren - dann kommen eben so widerwärtige Dinge wie diese Enke-Überschrift raus. Stark finde ich die Titanic immer noch da, wo sie sich nicht auf diese Logik einlässt. Also zum Beispiel in den von Ihnen erwähnten Stilimitationen. Glänzend geschrieben war zum Beispiel die Parodie/Travestie von Daniel Kehlmanns letztem Werk (Ruhm respektive Rahm)
Jakob Augstein schrieb am 22.01.2010 um 11:53
Lieber MA,

ich finde die Terminologie einfach nicht angemessen: "Dreck" ist eine Sprachebene, die man meiden sollte.
Der Sound dieser Titanic-Kritik gefällt mir nicht.

Ihr JA
Michael Angele schrieb am 22.01.2010 um 12:33
Lieber JA

wir haben ja eben schon in der Blattkritik intensiv darüber gestritten. Wie gesagt, ich sehe das anders. Bestimmt sollte man das Wort Dreck im Normalfall nicht verwenden. Nur mit äußerstem Bedacht. Und ich glaube, genau das hat der Autor an dieser Stelle getan.

Wie anders soll man eine solche Überschrift denn bezeichnen? Wie drücke ich aus, was sie bedeutet? Ist sie "missraten?" Ist sie einfach nur "nicht witzig"? Nein, sie ist viel mehr als das: sie ist das Gegenteil von allem, was schön und gut und wahr ist. Also Dreck. Nicht die Terminologie ist hier menschenverachtend, sondern die Art und Weise, wie Titanic mit dieser Überschrift auf den Selbstmord von Enke reagiert hat.

Über die Wortwahl zu Martin Sonneborn kann man sich dagegen streiten. Sie ist bestimmt nicht das stärkste Stück an diesem Artikel.
Ihr MA
Lydia Esche schrieb am 22.01.2010 um 20:40
@Michael Angele

Ich fand die Enke-Sache deshalb lustig, weil sie den Mechanismus in der Berichterstattung über Enke an sein logisches Ende führt.Die ständige Inszenierung des toten Torwarts, mit Bilderschwenk auf ein leerstehendes Tor mit darauffolgenden Diskussionen darüber warum uns der Tod eines bisher nicht übermäßig bekannten Sportlers so nahe geht, machen es doch gerade legitim diese Verquickung zwischen dem Selbstmord der Person und der öffentlichen Figur zu thematisieren.
Ich finde es doch ausreichend zu sagen,dass man darüber nicht lachen konnte.Die Benutzung von einigen Schlaglichtern der letzten Zeit wie diesem, um dann ganz allgemein ohne jeden weiteren Beleg zu schreiben, dass die ganze neue Generation unbegabt ist und der Chefredakteur im Besonderen, das finde ich schon sonderbar.
Michael Angele schrieb am 23.01.2010 um 14:09
@Lydia Esche

ganz allgemein gesprochen: mir reicht es einfach nicht (mehr), wenn sich eine Satire dadurch begründet, im Zweifelsfall irgendwie die "Medien-Logik" vorgeführt zu haben. Und bei dem, was ich z.B. von Martin Sonneborn gesehen habe, beschleicht mich oft dieses Gefühl.

Aber ich würde Ihnen gerne eine Anregung machen: Wie wäre es mit einer kleinen Blattkritik der Februar-Nummmer der Titanic? Hätten Sie nicht Lust, so etwas in ihrem Blog zu schreiben? Ich (und bestimmt noch andere) würden sich dann beteiligen.
Schöne Grüße
Lydia Esche schrieb am 23.01.2010 um 16:52
@ Michael Angele

Na das wäre mal einen Versuch wert, allein aus Gründen der sportlichen Fairness.
Grüsse, Lydia.
misterl schrieb am 23.01.2010 um 22:05
Lieber JA

Das Missfallen am "Sound" einer Satiremagazinkritik deutet immer darauf hin, dass da jemand inhaltlich nichts verwerfliches Mitteilte, aber man den Kritiker doch zur Ordnung rufen möchte. Solch eine Deutung ist immer eine Position aus der persönlichen Befindlichkeit. Das ist so in Ordnung aber an sich wenig sachlich.

Kontroversen um Ethik und Moral sind so.

Öffentlich das Fenster aufmachen, rufen "gefällt mir nicht", patsch - Fenster wieder zu. Deratige Verhalten sind einer solchen Kontroverse unwürdig.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.01.2010 um 19:36
Für mich die Krönung der Satire war der Umgang mit dem öffentlichem Sterben von Johannes dem 23.Dem polnischen Papst.
Besser gesagt, das begleitende Heft zum Thema Tod.

Über das Papst-Püppchen in blau kann ich immer noch grinsen. Und die Sprüche: "Was ich sterbe jetzt? Aber ich wollte doch noch zur Bank!"
Es entspricht eben meinem persönlichem Humor.

Für Robert Gernhard gibt es keinen Ersatz. Aber es gibt immer noch Satire. Und die darf alles.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.01.2010 um 19:53
Ich denke, die Kritik stimmt Richtiges an. Dass (Doppel-s ist meiner Tastatur geschuldet) nämlich die neue Neue Frankfurter Schule etwas anderes ist als die alte Neue Frankfurter Schule. Weil die Gegebenheiten anders sind.
Sonneborn und Die Partei und die Werbevideos für dieselbe bleiben in meiner Erinnerung, Leo Fischers Titanic aber nur in meiner Gegenwart.
Lesen tue ich sowieso alleine und nach meiner Fasson.
Wenn dann alles richtig ist, unterschreibe ich mit meinem Namen:
Rainer Kühn
Jakob Augstein schrieb am 22.01.2010 um 00:30
Lieber MFE,
das überzeugt mich auch nicht.
Ich schließe mich da Lydia Esche an.

Natürlich "darf" Satire alles außer langweilen. Das ist ja nun auch schon eine Binse!

Ich langweile mich aber zum Beispiel bei der Titanic gar nicht so oft und ich habe auch nichts gegen Schwulenwitze, solange sie lustig sind.
Und schon grad gar nicht kann ich Ihnen bei Sonneborn zustimmen. Sein Parteiprojekt ist viel intelligenter und konsequenter als Sie es hier vermitteln wollen.
Es überschreitet mehrere Grenzen, die zur Satire, die zur Dokusoap, die zur Aktionskunst. Sonneborn ist ein Radikaler und wenn man ihn eine Weile beobachtet kann man sich nicht sicher sein, ob er nicht auch wirklich einen echten Knall hat. Mit einem Wort: Ich bin ein großer Fan.

JA
Matthias Dell schrieb am 22.01.2010 um 14:34
nichts für ungut, aber das wort RADIKAL würde mir im fall sonneborn nicht einfallen. höchstens in der zusammensetzung mit unlustig. diese pseudo-politsatire PARTEI ist doch vielmehr ausdruck von politverdrossenheit als parodie derselben.
was die lustigen schwulenwitze angeht: den mit westerwelle und der gurke auf dem cover finde ich noch nicht mal pubertär, das ist "unterste schublade" (rudi völler), und dabei sprechen wir noch nicht einmal von moral.
@lydia esche
unser autor liest die titanic regelmäßig, und es ist und war ja auch nicht alles schlecht in der letzten zeit. diesen enke-satz würde ich dennoch das nennen, was er ist: dreck. jegliche kritik an der titanic wegzuwischen mit dem hinweis, dass satire "alles darf", sich über humor nicht streiten lässt, und alle kategorien, in denen hier doch sehr genau kritik geübt wird, nicht verhandelbar sind, führt dazu, diese kritik nicht mehr üben zu können. mir fällt immer wieder auf, dass die titanic bei ihrer peer-group in gewisser weise sakrosankt ist: das, was die titanic macht, ist richtig und witzig, weil es ja die titanic macht. den enke, die schwulenwitze in anderen kontexten - würde jedem aufstoßen. bei der titanic - isses satire.
Lydia Esche schrieb am 22.01.2010 um 20:59
@Matthias Dell

Na man merkt es jedenfalls nicht wirklich in der Kritik, dass er dies tut.Also zu schreiben etwa, dass mit Stefan Gärtner, der letzte politische Autor die Zeitschrift verlässt, das wirft schon Fragen auf wie es sich mit dem Verständnis von Politik und Satire beim Autor verhält.
Ich meinte mit dem Satz, vom Humor über den sich nicht streiten lässt auch vielmehr etwas anderes.
Ich meine es ist eben im Bereich der Realsatire, wenn man jetzt sich gegenseitig erklärt, warum ein Witz funktioniert oder nicht.Ich habe in einem Kommentar weiter oben meine Sicht auf die Enke-Sache erläutert und ich finde auch, dass man nochmal genauer den Westerwelle-Titel besprechen kann.Also zunächst ist doch lustig die Zonen-Gabi mit dem Bonner Bundes-Guido zu assoziieren, der jetzt auch raus darf in die grosse weite Welt.
Das darf er als erster offen bekennend schwul lebender Aussenminister.Das ist doch auch schon ein Anhaltspunkt dafür, dass ein Schwulenwitz 2009 nicht mehr dasselbe ist wie 1989.
Ab wann ist es nun erlaubt Witze über Sexualpraktiken zu machen, die immer noch Anlass für Diskriminierung sind, aber auch in breiten Bevölkerungsschichten als eben eine von vielen Sexualpraktiken gelten?Ich weiss es nicht, ich würde annehmen in der Regel probiert die Satire das aus.
merdeister schrieb am 22.01.2010 um 15:45
Meine erste Titanic hielt ich mit 13 in Händen und verstand ca. 10% der Witze. Mittlerweile sind es sicher 25%.
Ich würde Herrn Erdl zustimmen, dass sich die Titanic in den letzten Jahren Gelegentlich mal vergriffen hat. Andererseits wäre sicher auch so manches Glanzstück nicht entstanden wenn man sich nicht nah an der Grenze bewegen würde, die Gelegentlich überschritten wird.

Dreck darf man sicher nach der Titanic werfen, sie kann sich wehren. Ich bin gespannt auf die "Briefe an die Leser" in der nächsten Ausgabe.

Mein Favorit an Startcartoons ist das CNN-Bild vom Flugzeugabsturz über einem New-Yorker Wohngebiet im Dezember 2001 mit der Bildunterschrift:
"Nach Verlängerung in New York: 2:1 für die Bärte."

Was auch immer das nun über mich sagen mag.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 22.01.2010 um 22:06
'Meine erste Titanic' hielt ich 1980 in den Händen, da hatte ich beim Bund wenigstens was zum Lachen. Meine letzte Titanic (als Heft) hielt ich 2004 in den Händen, und 25 Jahre gesammelt stehen auch noch im Haushalt als Funktion im Alltag: Kerzenständer, Leseangebot im Gästeraum, Klolektüre, Frühstücksuntersatz. Heute lese ich im Netz, und Donnerstag kam immer das Gedicht.
Ich sage nur: "endgültig".
Nebelmännchen schrieb am 22.01.2010 um 15:57
Ich würde solche Sachen auch als Dreck bezeichnen - und kann herzlich darüber lachen. Oder zumindest gehässig grinsen. Ich bekomme hin und wieder ganz gerne ein wenig ungeschminkten Dreck vorgesetzt. Das erheitert mich ungemein, weil ich doch sonst regelmäßig an der ganzen Verlogenheit leide, die einem moralinsauer aufgetischt wird. Außerdem steckt für mich noch etwas anderes darin, was dem ganzen schmutzigen Unsinn durchaus wieder Sinn gibt, wie ich meine:

Der Narr darf ruhig böse sein. Der braucht kein Vorbild sein, sondern hat uns den Spiegel vorzuhalten.

Grüße
Nebelmännchen
derpeter schrieb am 22.01.2010 um 17:17
Um ehrlich zu sein, ich sehe das Problem nicht. Die Titanic war seit Anfang ihres Bestehens sowohl grandios als auch unterirdisch. Das gehört bei Satire aber auch zusammen. Ansonsten wird daraus gemeinsames Schenkelklopfen in der "wir-sehen-allesgleich"-Gemeinde", die Harald Schmidt seit längerem lange angeboten hat. Ebenso wie der "Scheibenwischer", der seit Jahren darauf abzielt, das alle die es sowieso genauso sehen feixend auf dem Sofa sitzen. Zu Mario Barth und Konsorten sage ich mal lieber gar nichts. Meinungsfreiheit und Nettiquette gehen manches Mal nicht Hand in Hand.

Ich schaue mir das seit Jahren nicht mehr an.

Ich finde die Titanic-Beiträge zu Enke nicht witzig. Aber ich fand zuvor, in den letzten Jahrzehnten, eine ganze Menge Beiträge witzig, die andere nicht witzig fanden. Die Dame meines Herzens verdreht da seit geraumer Zeit häufiger ihre Augen wenn ich ihr etwas zu lesen gebe. Lauter lachen als bei der Titanic kann ich nur bei F.J.Wagner.

Ich vermisse die alte Garde, gerade Gernhadt, Wächter und Pfarr. Aber auf den Zuckelzug "Früher war alles besser" möchte ich dann doch nicht aufspringen. Manchmal ist das Florett angemessen, manchmal die Keule. Und wenn Satire weh tut, dann hat sie ihr Ziel erreicht. Auch wenn ich es selbst nicht witzig finden sollte.

Es gibt positive Diskriminierung, nämlich an dem Punkt an dem ich mich nicht mehr traue über etwas einen Scherz zu machen. Ob der Scherz dann gut ist oder diskriminierend muss jeder für sich selbst entscheiden.

Herr Erdl und ich sind da bezüglich der Scherze bezüglich Herrn Enke eher einer Meinung. Bezüglich der Ttanic liegen wir da weit auseinander.

derpeter
derpeter schrieb am 22.01.2010 um 18:29
Ich glaube das ist ein Teil des Problems (bei voller Zustimmung zu Deinem Beitrag).

Viele möchten ja schon, dass es Satire gibt, aber so richtig stören soll sie im Gewohnten halt auch nicht. Irgendwann ist da "Schluss mit Lustig".

Sonneborn hat all denjenigen ihren "Zimmer Frei" Abend verdorben, die dem Glauben nachhängen das sei doch schon alternatives Fernsehen. Ich habe auch nicht gegen Frau W. und Herrn A., ganz im Gegenteil, sie gehören eher zu den klügeren Köpfen im TV.

Allerdings wird diese Art von Unterhaltung kein bisschen anders konsumiert als unsere Eltern "Der Blauen Bock" oder "Was bin ich" konsumiert haben. Hauptsache es stört nichts.

Ich finde längst nicht alle Störer spannend, aber die Haltung Dinge aufbrechen zu wollen ist mir allemal lieber als ein vergnüglicher Fernsehabend oder in der Zeitung/Zeitschrift xyz meine eigene Meinung wieder zu finden.

Insofern ist auch der Beitrag von Herrn Eidl interessant, wobei er wohl eher weder dem "Mainstream" gerecht wird.
Matthias Dell schrieb am 22.01.2010 um 21:14
@armanda, derpeter
bei dem "zimmer frei"-abend möchte ich heftig widersprechen, obwohl ich sonneborn da auch zugute halten würde, dass fernsehen einfach nicht sein medium ist. aber was an diesem verklemmten rumgeeiere lustig oder gar satire gewesen sein soll, das versteh ich nicht. satire ist doch nicht nur, wenn ich mich darauf zurückziehen kann, dass es die anderen nicht verstehen - der abend hat gezeigt, dass sonneborn im richtigen leben nicht funktioniert, wobei man noch darüber streiten kann, ob frau westermann wirklich so früh keinen bock mehr haben muss. aber alsmann! das ist die alte schule, und dass sonneborn dazu nichts einfällt, ist trostlos für einen, der mit humor sein geld verdient. ob er nun abitur hat oder nicht.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 22.01.2010 um 21:55
"Horst" "Sonnenborn" hat eine Zimmer-frei-Routine einfach zur Kenntlichkeit entstellt. Die Gastgeber konnten nicht auf den Gast eingehen. Man will ja wohl nicht verlangen, dass die Gäste bei diesem Konzept auf den Gastgeber eingehen. Sonneborn hat gezeigt, dass Westermann und Alsmann total unwitzig sind, ganz entgegen ihrem Anspruch. - Und das ist ja noch nicht alles.
Onkel Wanja schrieb am 22.01.2010 um 23:54
Also ich habe mir die Sendung angesehen und fand Sonneborn richtig gut. Nun muss ich zugeben, dass ich die Sendung hasse und ich finde, gerade Götz Alsmann hatte schon lange mal einen Gast verdient hat, der ihn zeigt, dass er ein eitler und selbstverliebter Hanswurst ist. Alsmann, der seinen Gästen gerne zeigt, wie verdammt schlau er ist und wie saudumm sie selber. Da steht er dann, die Tolle wippt, dass Grinsen ist breit, gewinnt er in seiner eignen Show seine bescheuerten Spielchen!
Frau Westermann war durch den Gast überfordert und kam dessen Gedanken und Sprüchen nicht hinterher, wofür ich nachsichtiges Verständnis habe.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang, an ein mediales Opfer von Herrn Alsmann: Cherno Jobatey, denn er als betroffener Legastheniker eine wahre Höllenshow bereitete und bewies, dass man als betroffener besser schweigt. Zumal wenn man an einer Behinderung leidet, die bei uns in Deutschland immer noch bei 50% unserer Bürger, den unstillbaren rohen Wunsch auslöst, zu verletzen und herabzusetzen!
Dabei hat Herr Jobatey wahre Nervenstärke und Größe bewiesen, welcher Betroffene schafft es schon, so was durchzustehen! Schade, dass Legasthenie damals wie auch heuer, immer noch nicht als Behinderung anerkannt wird. Sonst hätte der Herr Alsmann sicher einen Knick in seiner Karriere und seinem "beeblebroxgroßen" Ego hinnehmen müssen.

Ich habe deshalb jede Minute der Sendung genossen, Herr Jobatey sicher mit mir und allen anderen Deppen,Dummschülern, Hilfsschülern!
Sonneborn wirkte wie ein Erwachsener unter besoffenen Kindern, er war schlagfertig, witzig und cool. Weshalb dann die Sendung erst mal ZENSIERT wurde.

de.wikipedia.org/wiki/Cherno_Jobatey
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.01.2010 um 00:10
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.01.2010 um 03:13
thanx. keine ahnung, ob dat satire oder gar satisfaction ist/sein soll. der gute benecke und dat sonnenscheinchen haben jedenfalls auch taschenrecher in der wahlk(r)ampfphase ausgeteilt- für dyskalkulatiker? ;o) :o)))
was mit den c.j. damals gelaufen ist, finde ich, gelinde gesagt, auch zum kotzen.
Matthias Dell schrieb am 25.01.2010 um 11:17
liebe amanda,
ich entscheide überhaupt nichts, aber wenn sie schon mich fragen: ja, kleinkunstbühne. sonneborn ist ein mann des live-acts, vermittelt durch fernsehkameras leidet sein zauber
Marc Biskup schrieb am 22.01.2010 um 22:23
War nicht die Trauerfeier inkl. Live-Übertragung schon Realsatire genug? Mehr Leute holt nur Mario Barth ins Stadion. Aber seine Witze sind ja auch tot...
Onkel Wanja schrieb am 22.01.2010 um 22:53
Ach sicher darf man das Satiremagazine TITANIC analysierend auseinandernehmen und kritisieren, wie es Herr Erdl hier in seinem Artikel tut. Bitte, bitte, teilweise treffend ist sie ja, diese Kritik. Nur, die Kritik wird die Redaktion der TITANIC genauso wenig jucken, wie die treue Leserschaft der Titanic, zu der ich mich zähle und die mit ihrem Abonnement das alte Schlachtschiff der Satire über der Wasseroberfläche halten!
Dass Schlimme sei ja an der Erderwärmung, meint Reinhold Grebe in seinem Programm „Hongkong-Konzert“, dass die Titanic immer weiter fahren würde, immer weiter, und dass die Schiffskapelle immer weiter spielen würde, weiter und weiter. Dass also bei TITANIC dabei ein gewisse Widerholung mit einhergeht, ein Echo des Grundrauschens quasi, wer vermag das zu bestreiten.
So muss irgendwie auch Satire sein, sie muss den medialen Scheißdreck, die Faust dicken Lügen die uns aufgetischt werden, aufnehmen, Monat für Monat.
Die unglaubliche Arroganz der Mächtigen bloßstellen, und jene, die sich für wichtig halten, von Ben Becker bis Sarazin fertigmachen. Den Aberwitz verdeckter Medienkampagnen bloßstellen, verwerten, alles und noch viel mehr aufnehmen, und als Satire wieder ausscheiden!
Ein hartes Geschäft, es kann einem unbringen. Man denke nur an den armen Tuchoklsky, der buchstäblich an der veröffentlichten Meinung, der politischen Entwicklung seines Landes und der Dummheit seines Volkes zu grunde ging. Erinnert sei hier, dass die Rubrik "Briefe an die Leser" in der damaligen "Weltbühne" seine Erfindung gewesen ist und bei TITANIC ist es immer noch die Rubrik die viele Leser als erstes lesen!
In diesem Sinne halte ich TITANIC für eine Art Kläranlage. Dass dann manchmal das was dann die „Lenzpumpen“ wieder über Bord gehen lassen, noch ein wenig "riecht", ja was kann denn da die Redaktion der TITANIC dafür?

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch an eine Stelle auf der Doppel LP „Eins in die Fresse mein Herzblatt“ von Wolf Biermann. In dieser ging es damals, um 1979 rum, um Fanz Josefs Straus hingebungsvolle Titulierung seiner linken Gegner als „Ratten und Schmeißfliegen“. Biermann, damals noch richtig obenrum, meinte die Mächtigen sollten nicht so Reden über andere Menschen, denn das sei gefährlich, sie hätten ja die große Fliegenklatsche, hingegen müssten die machtlosen die Oberen nicht schonen, weil sie eben die machtlosen, die wehrlosen wären.

So soll die TITANIC weiter alles dürfen, wir müssen weiterhin manchmal angeekelt weiterblättern („Die Realität mit Wurst nachempfunden“), dürfen uns auf Briefe an die Leser und „nie gedruckte Nachrufe“ freuen. Hoffentlich weiterhin Monat für Monat!
   
 
misterl schrieb am 23.01.2010 um 21:52
Ach...

"Dürfen? Sollen? Können!"

...wenn die letzte Grenze überschritten wurde und man an sich nur noch mit sich selbst kolidieren kann, wird sich Ihre Überschrift wandeln in:

"Dürfen? Sollen? Können! Wurde geworden werden!"

Die Titanic ist auf gutem Kurs. Nicht zuletzt wegen der Generation "Bohlen & Barth" und dessen Kundschaft, deren Kinder wahrscheinlich die Titanic einst nur noch von Buchstaben befreit in Comicform verstehen werden würde - gäbe es sie dann noch.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.01.2010 um 21:57
Ich finde auch: Endgültiger kann der Untergang von Satire in Comedy nicht erledigt werden. Und das ist ja, irgendwie, der Auftrag.
leyden schrieb am 24.01.2010 um 13:59
Ach Gottchen, Früher-war-alles-besser-Gebräse vom Feinsten. Vor zehn, fünfzehn, zwanzig, fünfundzwanzig Jahren hätte Erdl uns genau dasselbe geschrieben (mit entsprechend anderen Beispielen und Namen) - als hätte die "Titanic" nicht seit eh und je lustvoll an der Geschmacksgrenze operiert und als sei gerade das bei der alten NFS anders gewesen.
Gut, über Humor lässt sich kaum streiten, und Erdl verfügt offenbar über gar keinen (sicherstes Indiz: "Witze" in Anführungszeichen zu setzen). Dabei ist doch gerade der Depressions-Hitler-Titel ein wahres Highlight der Titanic-Geschichte, der uns vermutlich zum 40-jährigen Jubliäum in jeder Klickstrecke jeder anderen Zeitung als "Highlight aus 40 Jahren Titanic" präsentiert werden wird. Aber nun gut.

Ärgerlich wird es aber, wenn Erdl versucht, seine Satire-Frigidität irgendwie mit Substanz anzureichern, denn dann stimmt einfach nicht viel: Zunächst mal macht er den angeblichen Verfall der Zeitschrift "Titanic" in wesentlichen Teilen (nämlich den belegten Beispielen) an ihrem Online-Auftritt fest. Natürlich korrespondiert das eine mit dem anderen, aber eben nur in gewissen Grenzen. Erdl bezieht sich ausdrücklich auf die Online-Startcartoons und die Ticker-Meldungen, Elemente, die mit dem gedruckten Heft gar nichts zu tun haben und für die es ausweislich des Online-Impressums eigene Autoren gibt. Und hier fängt es arg an zu knarzen in seinem Argumentationsgefüge: denn wie der Klick auf das Impressum der Titanic-Seite und ein bisschen Googeln verrät - die wird nämlich gerade von "Nebenerwerbssatirikern" gemacht, anders als das Heft. Nicht, dass das groß von Belang wäre, aber wenn man schon seine Kritik auf ein solches Fundament stellt, dann sollte das doch faktisch vielleicht auch stimmen - sonst bricht`s halt zusammen.
Ähnlich porös ist die Darstellung des inkriminierten Enke-Startcartoons samt folgendem Ticker-Witz: Beim Freitag-Leser wird der Eindruck erweckt, als sei der Cartoon wegen Protesten im Internet von der Seite genommen worden ("es gab im Internet einige Aufregung. Daraufhin nahm die Titanic das Bild von der Homepage") und als sei der wieder als Geschmacklosigkeit (um den Titanic-Witz der Entgleisung hier nicht selbst zu benutzen) empfundene Tickerwitz dazu eine Erklärung gewesen. Das allerdings stimmt ja gar nicht. Erstens ist der Cartoon gar nicht von der Seite genommen worden, sondern steht immer noch schön da, wo alle Startcartoons stehen, nämlich im Startcartoon-Archiv und kann somit immer noch problemlos als kleine Grußbotschaft z. B. an Herrn Erdl verschickt werden (www.titanic-magazin.de/fileadmin/core/images/letter_icon.png). Zweitens ist er einfach von der Startseite ins Archiv gewandert, weil das allen Startcartoons nach 2-4 Tagen so ergeht, um Platz für den nächsten Startcartoon zu machen. Und drittens hat die Titanic-online-Redaktion sich, zumindest in meiner Wahrnehmung, in der genannten Tickermeldung einfach nur über empörte Kommentare, wie sie von den Erdls der Republik sicher zahlreich eintrudelten, lustig gemacht, wie man das von der Titanic erwarten durfte, und keineswegs damit das angebliche von-der-Seite-Nehmen begründet.

Das ist nur Kleinkram, gewiss. Allerdings ist es neben einigen befremdlichen Allgemeinplätzen (auf die Idee, ausgerechnet Sonneborn als "Schwachstromkomiker" zu bezeichnen, würden wohl auch nicht viele kommen) praktisch das einzig Substanzielle im Artikel - und das ist leider falsch.

So wie auch die Bemerkung fragwürdig ist, mit Stefan Gärtner verlasse der letzte politische Kopf des Heftes die Redaktion. Das ist zwar richtig, aber: Gärtner ist jetzt lt. Angaben im Heft seit November nicht mehr Redakteur - und hat seitdem seinen Anteil an Texten im Heft deutlich erhöht (vielleicht, weil er jetzt mehr Zeit zum Schreiben hat?). Und der talentfreie Chefredakteur Fischer hat ihm den Platz offenkundig gerne eingeräumt. Ein etwas eigentümlicher Beleg also für Erdls wacklige Thesen.

Ich lese Titanic gern und mit großem Gewinn seit ca. 20 Jahren. Und ich habe den Eindruck, dass das Heft immer auf der Höhe der Zeit bzw. eben immer ein bisschen voraus war. Dass da einzelne Titelbilder mal mehr, mal weniger, mal gar nicht gefallen, ebenso einzelne Beiträge oder gar einzelne Witze oder Cartoons im Internet-Auftritt, das finde ich wenig überraschend. Unterm Strich habe ich aber keine große Qualitätsveränderung bemerken können. Aber, wie gesagt, früher war ja ohnehin alles besser, und jemand wie Herr Erdl findet Satire vermutlich erst dann lustig, wenn sie mindestens 15 Jahre alt ist und also nicht mehr allzu sehr stören kann.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.01.2010 um 21:58
Also, am besten war die Titanic immer, wenn ich sie gelesen habe.
Matthias Dell schrieb am 25.01.2010 um 11:14
was an dem depressionshitler lustig war, würde mich dann irgendwann aber schon noch mal interessieren. hitler? weil hitler immer lustig, wenn er auf der titanic erscheint? funny.
Matthias Dell schrieb am 25.01.2010 um 11:15
immer lustig IST
Eberhard Spohd schrieb am 25.01.2010 um 13:47
Ach, Herr Erdl! Wie kann man nur so danebenschießen und trotzdem noch ein bisschen treffen? Chapeau für diese Leistung, die eher dem Zufall denn der Absicht geschuldet ist. Denn leider entziehen sie sich von Anfang an, nein, genauer: ab dem dritten Satz die Grundlage ihres Artikels selbst: "Bereits am nächsten Tag sah man auf der Internet-Seite des Satiremagazins Titanic ..."

"Bereits am nächsten Tag ..." heißt in diesem Fall: Es ist hinreichend Zeit verflossen, dass Medienprofis wie die Titanic-Jungs schon an allerhand Blog-Beiträgen, Betroffenheitsgeschwafel in Online-Medien, Berichterstattung in Zeitungen etc. erkennen konnten, in welche Richtung sich die Geschichte drehen würde: In eine arg ungute. Das haben sie sofort zum Thema gemacht und einen Start-Cartoon auf die Website gesetzt. Zitat: "Um eine Satire auf die seltsame Berichterstattung über Enkes Tod konnte es sich schon aus Zeitgründen nicht gehandelt haben." Doch genau das könnte schon sein. Bereits zu dem Zeitpunkt. Ob die zuständigen Menschen da schon erkannt haben, welcher Hype (englisch für: der Schwindel) daraus erwachsen würde, weiß ich natürlich nicht. Aber eine Nase für so etwas hatte die Titanic schon immer.

"... sah man auf der Internet-Seite des Satiremagazins Titanic ...". Dazu hat der Kommentator Leyden in seinem Beitrag weiter oben schon alles Wesentliche gesagt

Und schwupp, bleibt von Ihrem Artikel gar nicht mehr richtig viel übrig. Den nicht sehr gelungenen Online-Auftrtitt der Titanic als Grundlage heranzuziehen für seine Kritik an der Zeitschrift, ist gelinde gesagt dämlich. Nur mal als Indiz: Wer so verbohrt an der alten Rechtschreibung festhält wie die Titanic, Schreibfehlerarmut auch in heutiger Zeit noch durchhält und dafür wahrscheinlich sogar antiquierterweise Geld ausgibt (fast möchte ich im Vergleich zu anderen Medien sagen: extreme Schreibfehlerarmut), so sehr auf das gedruckte Wort und Bild setzt, dem ist sein Online-Auftritt vielleicht nicht egal, aber zumindest nicht so wichtig. So kommt er eben daher wie eine Sammlung von Witzen, die es nicht in die Printausgabe geschafft haben oder einer Aktualität geschuldet sind, die ein wochenlanges Warten nicht erlauben. Paradebeispiel sind die kalauernden Berufswitze, die offensichtlich beim Herumalbern am Mittagstisch zustande kommen.

Nehmen wir uns jetzt mal Herrn Erdls Kritik an der Enke-Sache an. Da geht's nämlich grad weiter:

"Technisch gesehen war die Satire mustergültig. Gestalterisch überzeugend, stilgetreu in der verknappten Sprache, gelungen in der Erzeugung „komischer Fallhöhe“ (Gernhardt) durch Vermischung zweier Sphären: hier Fußball, da (Selbst-)Mord."

Da zeigt der Herr Erdl, dass er leider von der falschen Seite angreift und wenig Ahnung von Satire, Humorkonstruktion und Fallhöhe hat (und nebenbei auch nicht mal zwischen Mord und Selbstmord unterscheiden kann oder will). Das geht schon bei der Verständlichkeit der Aussage los: Wenn der Lokführer Robert Enke überlistet hätte, also etwas gegen dessen Willen hätte unternehmen wollen, wäre das doch in dieser Situation wohl gewesen: Rechts antäuschen und dann in der linken unteren Ecke am bedröppelt dastehenden Enke vorbeirauschen, dass der sich nur noch überrascht umschauen kann, wie der Zug in der Torecke einschlägt oder so ähnlich. Das war aber, wie wir wissen, keineswegs der Hergang am fraglichen Abend. Gestalterisch mag das okay sein, ist aber schlecht ausgeführt. Man ahnt den Willen, eine Boulevard-Optik zu erzeugen, das wurde aber schludrig und nur mit wenigen Schriftsatzmitteln erzeugt. Schnellschuss eben, würde ich sagen. Bei etwas intensiverer Beschäftigung wäre da mehr drin gewesen. So hätte man vielleicht auch die Stoßrichtung des Bildes besser herausgearbeitet: Es geht nicht darum, einen Menschen zu diffamieren, nachdem er sich auf die Schienen gelegt hat, sondern hier wird die Medienreaktion, insbesondere von Bild & Co. karikiert. Und wo die „komische Fallhöhe“ liegt (Warum stammt die von Gernhardt?) kann Erdl folgerichtig auch nicht so richtig erklären. Dass sie in diesem Falle nicht ganz so hoch war, dass es zum Klassiker reichen könnte, ergibt sich aus dem Gesagten und dem erwartbaren Witz auf Kosten des Boulevard-Journalismus.

Dass Ihnen, Herr Erdl, die Satire nicht gefällt ist Ihre Sache. Ich finde sie ja auch, wenn auch aus anderen Gründen, nicht so gelungen. Aber das erwähnte Hitler-Cover "Depression - Wenn Promis am Leistungsdruck zerbrechen" ist schon jetzt ein Klassiker. Aber dazu müsste man es in die Reihe der Hitler-Titel des Spiegels, Verzeihung, der Titanic einordnen. Das können oder wollen sie allerdings nicht.

Alles weitere an Ihrem Text ist schwach belegt, tiefgründelnder Meinungsschmalz oder einfach Quatsch. Tatsächlich ist die Titanic, und zwar die gedruckte, im Moment nicht ganz auf der Höhe. Auch ich halte Leo Fischer nicht gerade für den („Sonnen“-)born an Originalität. Aber das ging mir bei fast allen Chefredakteurswechseln so. Denken wir an Bernd Fritz, der als Bleistiftlutscher bei „Wetten dass...?“ zur Legende wurde: Seine Amtszeit war eine der schwächsten der Titanic. Sonneborns Anfänge waren auch nicht dolle, trotzdem ist sie furios zu Ende gegangen. Nicht wegen der Parteigründung, (Das ist wahrscheinlich sein größtes satirisches Talent: Tatsachen so umdeuten, dass offensichtliche Niederlagen oder belanglose Nebensächlichkeiten zu blendenden Siegen und strahlenden Ereignissen werden. Deshalb ist die Partei in meinen Augen ein mustergültiges Stück Satire. Das stimmt die Fallhöhe!), sondern weil er und das Heft sich gefunden und in ungeahnte Höhen gedreht haben.

Tabubruch hin oder her, Schwulenwitze pro oder kontra sei hier egal. Obwohl, auch wieder nicht. Dass die Titanic sich mit dem Außenminister nicht inhaltlich auseinandersetzt, sondern nur warme Witze über ihn macht, ist eben auch ein Zeichen dafür, dass sie ihn als Außenministerdarsteller (bislang) nicht ernst nimmt. Zu Recht, wie ich finde, denn wenn sich Angela Merkel jemals vor Gericht verantworten muss, dann doch wohl, weil sie Gustav Gans zum Außenminister gemacht hat (Ja, "Gustav Gans ist deutscher Außenminister" stammt von Dietmar Dath, bevor jemand grantelt). Tabubruch hin oder her: Die Titanic zeigt von jeher schwankende Leitungen. Die Titanic ist nicht von ihren Redakteuren abhängig, sondern von ihren Mitarbeitern. Die ganzen NFS-Jungs waren ja selbst gar nicht lange Redakteure, sondern haben ziemlich schnell wieder was anderes gemacht. Eben damit sie so vielfältig unterwegs sein können. "Nebenerwerbssatiriker" sein dürfen, wie es Herr Erdl so seltsam ausdrückt. Und genau das trifft ja auch auf die heutige Generation zu. Die, die das Heft ausmachen, sind nicht die Redakteure sondern Stefan Gärtner, Max Goldt, Rattelschneck, Kitty Hawk, Eugen Egner, Martin Sonneborn, Thomas Gsella etc.

Ich könnte noch eine ganze Weile weitermachen, aber kurz zusammengefasst: Herr Erdl hat den Einstieg vergeigt, Äpfel mit Birnen verglichen, schwadroniert und im Großen und Ganzen das Thema verfehlt. Im Grunde wäre eine fundierte Titanic-Kritik an der Zeit. Von Herrn Erdl sollte sie aber bitte nicht kommen.

So lang, so gut. Von einem, der seit über 20 Jahre abonniert hat, war ja nichts anderes zu erwarten.
Eberhard Spohd
Michael Angele schrieb am 25.01.2010 um 16:49
Lieber Herr Spohd,

"Im Grunde wäre eine fundierte Titanic-Kritik an der Zeit. Von Herrn Erdl sollte sie aber bitte nicht kommen." Wollen Sie sie schreiben? Oder soll ich Ihren Kommentar gleich an die "Titanic-Jungs" als Bewerbungsschreiben weiterleiten?

Kleiner Scherz am Rande (der wie jeder mittelprächtige Titanic-Pups ja auch nur unsere kleine Medienwelt auf die Schippe zu nehmen versucht...).

Aber im Ernst: "Tabubruch hin oder her (...) sei hier egal". Ist es eben nicht. Das zielt doch auf die Kernthese von Erdl - den Selbstzweck des Tabubruchs in einer Zeit, die kaum noch Tabus kennt. Und diese These finde ich überzeugend.

MfG
Michael Angele
Eberhard Spohd schrieb am 26.01.2010 um 10:35
Lieber Herr Angele,

ich bin ja so froh, dass Sie's erwähnen. Da habe ich doch tatsächlich meine halbe Argumentationskette im Schreibrausch irgendwo liegen lassen! Weil der Beitrag aber sowieso schon so lang war, dieses Mal nur ein paar Stichworte.

Auf der einen Seite ist es nicht Aufgabe der Titanic, Tabus zu brechen. Noch weniger: Die Titanic zielt nicht auf den Tabubruch ab. Das wäre ein dünnes Heftchen jeden Monat und ein langweiliges drauf zu, wenn das die Intention der Titanic-Jungs (kaum Frauen in der Neuen Frankfurter Jungsschule. Komisch, was?) wäre. Der Tabubruch wird einfach begangen, wenn es der Satire dient. Sie benötigt ihn aber nicht, um eine gute Satire zu sein. So kann man sich denn Monat für Monat immer mal wieder überzeugen, dass die Titanic auch ohne auskommt. Eine ganze Reihe der von mir bereits genannten Mitarbeiter der Titanic tut das sogar explizit. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an einen Text von Max Goldt, in dem er die Redaktion als schwulenfeindlich bezeichnet, weil ausgerechnet er für einen Artikel über Outing prädestiniert sei. Vorbildlich verweigerter Tabubruch mit prima Reaktion, und abgedruckt wurde es auch.

Auf der anderen Seite ist der Tabubruch so eine Sache. Eine ganz persönliche nämlich. Probieren Sie es mal aus und veröffentlichen im Freitag, sagen wir, ein paar lustige Karikaturen nahöstlicher heilsgeschichtlicher Vorreiter, z. B. Mohammed, Jesus, Zoroaster und Abraham, und schauen sich mal an, wer sich in welcher Form bei Ihnen meldet. Sie werden sehen, dass unterschiedliche Religionsgemeinschaften unterschiedliche Tabus haben. Wie auch alle Menschen. Ich weiß nicht ob Herr Erdl einen Scherz im Zusammenhang mit dem Freitod Robert Enkes nur als Dreck oder eben auch als Tabu bezeichnen würde. Manche tun das offensichtlich, ich persönlich tue das nicht. Manche Leute finden Hitler auf einem Zeitschriftencover tabu, manche nicht. Darum sollte man das Wort Tabubruch nur dann benutzen, wenn es ein solcher ist, in einem bestimmten Zusammenhang und mit Verweis auf den Grund dafür.

Nach Tabus kann man lange suchen, um sie zu brechen. Man kann auch einfach ein Satireheft machen und von Zeit zu Zeit jemand gehörig auf die Füße oder unsaubererweise in die Eier treten. Ein Satireheft auf Tabus aufbauen, kann man nicht.

Eine winzige Kleinigkeit noch: Irgendwie bekommt man immer den Eindruck, Robert Gernhardt und seine Clique seien die einzigen humorigen Menschen der BRD gewesen, davor gab es nix, danach kommt nix. Das stimmt nicht. Die Mario Barths von früher hießen beispielsweise Heinz Erhardt oder Peter Frankenfeld. Und auf der anderen Seite gab es mit Loriot (ein Tabubrecher erster Güte übrigens, schauen sie sich mal die Leserbriefe zu seinen Cartoons in der Quick an!), Ulrich Roski, Insterburg & Co., Schobert & Black etc. in verschiedene Humorrichtungen ziemlich gewiefte Komiker, die man mögen konnte oder nicht. Ganz wie heute.
Eberhard Spohd

P.S.: Vielen Dank für das Angebot, den Kommentar weiterzuleiten. Ist aber nicht nötig, denn, Pssst, der Frankfurter lauscht mit! Ganz sicher!
Janko Morić schrieb am 25.01.2010 um 14:48
Die Satire der Titanic ist weniger politisch ausgerichtet als in früheren Jahren. Ich würde aber auch behaupten, dass politische und ideologische Fragen bei den Lesern eine geringere Bedeutung einnehmen als in früheren Jahren. Deshalb hat sich der Fokus der Titanic verschoben.
Gut ist die Titanic immernoch, auch wenn sich die Angriffe jetzt vermehrt gegen Promis und Business Punk anstatt gegen Politiker und Parteien richten.
juliano schrieb am 27.01.2010 um 12:51
@MKK Das liegt aber vor allem an der Politik selbst. Wieso sollte man sich z.B.: über Westerwelle, Öttinger oder Stoiber noch noch lustig machen, wenn ihre Auftritte Satire genug sind. Die PARTEI z.B. tut genau das Richtige. Sie spiegelt nur die phrasendrescherhafte Politik in unerträglicher Überhöhung wider. Wenn sich die Angriffe jetzt "vermehrt gegen Promis und Business Punk" richten, ist das schon an sich eine Kritik an der langweiligen Politik.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.01.2010 um 11:09
Hallo Marc Fabian Erdl,

klar ist das bitter, dass die Gründerväter der Titanic wie alle übrigen Sterblichen den Löffel abgegeben haben.

Natürlich ist Robert Gernhardt unersetzlich und wegbereitend für die heutige Comedy und Satire.

Kabarett und Satire haben alle Hände voll zu tun, die Absurditäten und slapstickreifen Performances von Promis und Politikern aufzugreifen und wenigstens noch herzhafte Lacher daraus zu erzeugen.

Das erwähnte Beispiel von Enke ist sicher grenzwertig, sowas finde ich überflüssig und stimme Ihnen da zu.

Allerdings, die Fettnäpfchen stehen nun wirklich überall, Satire muss sich auch was trauen.

wichser
kalterkaffee
(beide Fotos aus dem Titanic-Magazin)
merdeister schrieb am 28.01.2010 um 07:16
Feli, gerade diese "Kampagne" im Meinungsmedium Freitag...das riecht nach Rauswurf aus der Community. Außer Du schaffst das als neuen Untertitel zu etablieren.

derFreitag
Das Meinungsmedium - Wer eine hat, hat's gut.
misterl schrieb am 27.01.2010 um 22:10
Ich glaube Georg Schramm als Lothar Domrowski - meinte die Welt einmal - politisches Kabarett (und damit auch Satire) unterscheidet sich durch Kommödiantentum durch einen wesentlichen Punkt.

Relevanz.

Da hatte der Weltkommentator tatsächlich recht mit. Was könnte das für die "Titanic" von heute bedeuten? Übrigens ein Wort zu Alternativen ...
Zwetschge schrieb am 30.01.2010 um 00:19
"Dreck"? Hm, ja das Niveau hier ist gut. Nicht schlecht. Darf ich dann meine Fäkalsprache auspacken? Ich glaube damit würde ich hierher gut passen. *LOL*
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.01.2010 um 00:22
danke für diesen beitrag, total süß.
carlfatal schrieb am 30.01.2010 um 04:01
Also ich lese die Titanic jetzt schon bestimmt seit 25 Jahren, ich halte sie für das Magazin mit der besten Recherche und dem höchsten Niveau in der gesamten deutschen Medienlandschaft. auch ich habe am Anfang nur jede zehnte Pointe mitgekriegt und noch weniger verstanden. Aber jahrelanger Konsum der gesamten Zeitschrift und vor allem der hier noch überhaupt nicht erwähnten Humorkritik im gleichen Heft (durch sie habe ich Musil, Charms, Lichtenberg, Altenberg und Niebelschütz, um nur einige zu nennen, kennengelernt) bilden und machen es mir oft möglich, die Titanic wie ein Nachrichtenmagazin zu lesen. Ich gebe der Kritik eines Herrn Spohd vollkommen recht, und von den Machern der Titanic zu verlangen, sie sollten die Welt verbessern, wie es ein Herr Erdl im tiefsten Inneren wohl wünscht, geht an der Sache voll vorbei. Zumindest mir wäre es neu, daß Satire in irgendeiner Weise das "Gute" zu vertreten hätte. Der Feind der Satire ist die Dummheit, nicht das Böse. Dafür gibt es Religion.
Hans Kelsen schrieb am 30.01.2010 um 11:15
1. "Juristisch ist die Sache heikel."
2. "ja sollte Satire ebenfalls geschmacklos oder auch mit übersteigertem Geschmacksempfinden reagieren. Aber Robert Enke?"
3. "Es ist nicht die politische Ausrichtung, sondern die Reziprozität einer Satire, die den Kern ihrer Legitimation ausmacht."

zu 1.: Das ist ein großes Problem in D. Schade, dass wir nicht in den USA leben. Art. 1 GG sollte heißen:
"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

PUNKT.

zu 2.: Ist ausschließlich eine Geschmacksfrage (s. 1.). Aber vielleicht ist der vom Autor aufgezeigte Zusammenhang zwischen Grünen und Titanic bezeichnend ...

zu 3.: Satire braucht Legitimation? Nicht Ihr Ernst, oder? s. 1.

Grüße
misterl schrieb am 30.01.2010 um 16:17
zu 3.: Satire braucht Legitimation?

Nein, aber Relevanz. In der Sache Robert Enke ist davon im Ansatz nichts zu entdecken. Also auch keine Satire. Jeder Witz darüber (Selbstmord) ist an sich geistiger Ausschuss mam brüllenden Stammtisch.
carlfatal schrieb am 30.01.2010 um 17:57
Welche Relevanz? Was ist relevant und für wen? Ist es für Herrn Ackermann von der Deutschen Bank relevant, was hier irgendwer schreibt (im Freitag oder anderen linken Medien)? Warum also sollte es eine linke Öffentlichkeit geben, wenn sie keine Relevanz hat? Über die Frage, was auf der Welt wichtig ist, läßt sich bestimmt hervorragend streiten, und ich wage zu behaupten, daß wir da nie auf Einstimmigkeit stoßen werden. Vielleicht ist das zum glück aller so...
misterl schrieb am 31.01.2010 um 10:18
"...ich wage zu behaupten, daß wir da nie auf Einstimmigkeit stoßen werden. Vielleicht ist das zum glück aller so..."

Einverstanden, aber dann ist jederzeit Kritik erlaubt und nicht per se gegen das vermeintlich eigene "Nest" Netzbeschmutzung, welche dann als Steigerung geistiger armer Argumentation dazu verwandt wird aus der Existenz der Kritik die Richtigkeit des Kritisierten abzuleiten ohne sich weiter mit dem Inhalt der Kritik zu befassen. Was dann letzlich darin zum Ausdruck kommt, dass a priori Kritik an Satire, der Satire recht gibt. Ein geistiger Schluss auf der Ebene von Hexenprozessen.
carlfatal schrieb am 01.02.2010 um 16:38
Ich denk, da sag ich jetzt besser garnix zu...aber wenn´s wer versteht, bitte ich um Aufklärung.
christiansteifen schrieb am 01.02.2010 um 21:51
Mahlzeit zusammen,
eine Anmerkung zum Artikel kann ich mir nicht verkneifen:

Der vom Autor dieses Artikels als so billig herausgestellte Schwulenwitz auf dem Cover ist ein Meta-Witz. Ein Witz über Schwulenwitze sozusagen, der damit arbeitet dass:

1. Zu Westerwelle manchem Blatt nicht viel mehr einfällt als seine Homosexualität. Zum Beispiel dem Freitag, der in der gleichen Printausgabe in der Erdls moralische Kritik erschien in armseliger Bild-Manier über die Japanreise mit Lebensgefährten fabuliert.

2. Noch dem allerletzten Dödel beim Hinweis auf eine nicht im Bild befindliche »Banane« und »mehr Gurken innendrin« scheinbar etwas im Kopf abläuft, eine schmierige Mischung aus Sabber und aufgestauten Sekreten. Das ist der eigentlich Ort an dem der ewige Schwulenwitz immer wieder erzählt wird: Der verwinkelte Denkbrägen von Typen denen es komischerweise trotz Genderbewusstsein und Toleranz nicht einfach scheißegal sein kann, wer sich oder wem was wo rein steckt.

Damit ist der Witz leider so zeitgemäß wie unsere Medienlandschaft bigott. Ihr habt einfach nichts besseres verdient ;-)


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