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Es scheint, als sei die amerikanische Musiklandschaft unlängst frisch begrünt worden. Zurück zur Natur, scheint das Motto zu sein. Die geschmacklosen, verspiegelten Oberflächen der Post-Justice-Ära wurden von sanften Low-Fidelity-Hügelchen und verträumten Pop-Weiden abgelöst.

Man muss sich nur einmal die Namen der angesagten Bands anschauen. Von den Bergen (Mountain Man, Mount McKinley Speck Mountain) führt ihre Spur durch die Wälder (Tall Firs, Woods) bis an die Küste (Beach House, Wavves, Surfer Blood, Best Coast, Beach Fossils, Coastings). Eine Rainbow Bridge führt zu einem Summer Camp, Silk Flowers und Blue Roses wachsen in High Places. Hauptsache man ist raus aus der Stadt, raus aus dem Job, raus aus dem Amerika der Gesundheitsreformen und der anhaltenden Kriege.

Die Begeisterung dieser Bands für das Idyllische und Apolitische wird durch eine andere Tendenz in der amerikanischen Independent-Musik verstärkt: die Hingabe an die Nostalgie. Bands und Künstler wie Ducktails, Julian Lynch und James Ferraro ziehen sich aus der Realität der modernen Gesellschaft in die rosafarbenen, verklärten Gefilde ihrer Kindheit zurück, wo Teenage Mutant Ninja Turtles, T-Shirts der Marke Global Hypercolor und rote Lamborghinis herumschwirren.

Was ist passiert? Vielleicht lässt es sich mit den Worten von Kevin Drew, Mastermind der kanadischen Band Broken Social Scene erklären, der die Songwriting-Krise unlängst in einem Interview mit Pitchfork als ein Problem der Post-Bush-Ära beschrieb: „Wir sind in der „Ja, wir könnten es schaffen“-Welt angekommen.“ Es gibt keine Maschine mehr, gegen die man wüten könnte und niemanden, der uns zur Flucht in den puren Hedonismus drängt.

Hippe Lo-Fi Slacker

Natürlich kann man darüber streiten, ob diese hippen Lo-Fi-Slacker untern anderen Umständen jemals rebelliert hätten. Sie benutzen die Lo-Fi-Technik, die einst ein Statement gegen das Perfektionsdiktat der Musikindustrie war, um bewusst retro oder möglichst wahrhaftig zu klingen.

Und doch hat auch diese Musik einen politischen Kern. Mountain Man etwa erteilen mit ihren spartanischen Kompositionen und ihrer Lagerfeuerintimität der Hektik und Leere des modernen Zeitalters eine ruhige aber doch deutliche Absage. Das Duo Pearl Harbor aus L.A. zeichnet sich durch wunderschön geträllerte Popsongs aus, man kann ihren Namen aber durchaus als einen Versuch verstehen, den Ort den Fängen der Geschichte zu entreißen und seine ursprüngliche hawaiianische Glückseligkeit heraufzubeschwören. Und auch in James Ferraros Nostlagie lässt sich implizit eine Ablehnung der Gegenwart erkennen.

Trotz allem hat es etwas erfrischendes, wenn man sich US-Bands anhört, die das unerbittliche Tempo, die Stumpfheit und die Banalität des modernen Lebens frontal in Angriff nehmen. Da wären zum Beispiel Gary War, die die rotzige Attitüde des Hardcore Punk mit verwaschenen Ambient-Sounds und Killing-Joke-Anleihen vermischen und so etwas erschaffen, das lebendig, paranoid und greifbar urban klingt.

Oder Kurt Vile, dessen dylanesker Stream of Consciousness nach der leicht panischen Orientierungslosigkeit der Jugend riecht. Zweifellos können wir mit all den harmoniesüchtigen Bands auf eine akustische Reise gehen, doch es ist gut zu wissen, dass es zum Ausgleich auch noch diejenigen gibt, die unsere Probleme zuhause reflektieren.

Übersetzung: Christine Käppeler
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