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Die Powerfrau macht Dauerlauf. Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) muss immer rennen durch die Tatorte von Ludwigshafen. Macht sonst kein Tatort-Kommissar, zumindest fällt uns auf die Schnelle keiner ein, die Männer sind eher so Genusstypen – Schenk (Dietmar Bär), Lannert (Richy Müller) und natürlich Odenthals Kollege Kopper (Andreas Hoppe). Lena Odenthal aber rennt, um ihrer Dynamik Ausdruck zu verleihen.
Am Anfang von Tod auf dem Rhein rennt sie durch die Bilder, die die Geschichte anrichten, und das ist ein wenig unmotiviert: Zuerst ist da der Unfall der Frau des Mechanikers Konrad Hanke (Andreas Patton) auf der Rennstrecke, der aus einem Crash mit der Kollegin Gabi Stein (Susanne Uplegger) resultiert – diese Erinnerungsfetzen sind in einer Manier inszeniert, dass Hans Meiser feuchte Augen bekommen muss, weil alles so aussieht wie in den gestellten und von Laien gespielten Szenen seines einstigen Fernsehaufregers Notruf. Dann ist da Konrad Hanke, der aus seiner Erinnerung erwacht und mit der Schwester seiner Frau, Silke Grimm (Karin Giegerich), in einem pittoresken Rhein-Pavillon über der familieneigenen Kleinwerft wohnt. Und dann ist da die Siegesfeier im Rennstall des Elektromarktbesitzers Christian Hamacher (Bruno F. Apitz), die selten vulgär dargestellt als Zusammenkunft von lauter Männern und einer Frau (Gabi Stein), die zum Tote-Hosen-Song Steh auf, wenn du am Boden bist – bei dem man nie sicher ist, ob es sich wirklich um die Tote-Hosen-Version handelt oder um ein Cover von einem Sänger, der versucht, wie Tote-Hosen-Sänger Campino zu klingen – den jungen Tagessieger Martin Berger (Enno Hesse) zu feiern. Und zwischendrin joggt Lena Odenthal, die, soweit haben wir die Konventionen des Tatorts verstanden, ja sowieso wird aufklären müssen, weshalb es das Geheimnis des Schnitts bleibt, ihre Laufübungen in den bunten Strauß an Vergangenheiten, Verdächtigen und Motiven zu flechten, mit denen sich Tod auf dem Rhein rumschlägt.
Die Tatort-Folge ist auf eine Weise uninteressant, die erstaunlich ist: Die Geschichte vermag nicht so recht zu interessieren, weil sie am Anfang zu wenig von sich preisgibt, damit sich am Ende das ganze Bild fügen kann. Die Schauspieler geben wenig Anlass, sich besonderer Leistungen zu erfreuen. Der gesellschaftspolitische Gehalt der Intrige (Rennwagenmilieu, Kleinwerftunternehmertum, Computerprogramme, Liebesgeschichten) ist nicht von Belang. Und Inszenierung und vor allem die schrecklich deutliche Musik rufen wenig Begeisterung hervor. Es ist aber alles wiederum nicht so schlimm, dass man sich permanent ärgern müsste.
So bleiben zwei bemerkenswerte Aspekte: Enno Hesse, Darsteller des Martin Berger, sieht aus wie Oliver Pocher. Und Geschlechterpolitik wird diffus groß geschrieben: Männer (Berger) und Frauen (Gabi Stein) fahren in einer Klasse gegeneinander. Konrad Hanke ist, wiewohl ein zu Larmoyanz und Hängertum neigender Vertreter seines Geschlechts der Hahn im Korb sämtlicher Begehrlichkeiten: nicht nur seine tote Frau, auch deren Schwester sowie die Konkurrentin Gabi Stein waren von dem talentierten Mechaniker hingerissen. Darüber hinaus erfreuen die Bilder durch waghalsigen Phallozentrismus: Schon beim ersten Aufwachen steht die leere Wodkaflasche Hankes vor der Mitte seines Körpers, und ab dann geht kaum einer durch diesen Film, der nicht etwas in der Hand hat, das an eben einen Phallus erinnern könnte. Die Mordwaffe, man ahnt es: eine Champagner-Flasche.

AUS DEM NÄHKÄSTCHEN DES WERFTBESITZERS: „Kein Boot ist wie das andere.“
EIN DIALOG, AN DEN MAN SICH GERN ERINNERT: „Haben Sie Konrad geliebt?“ - „Mir platzt gleich der Kopf.“

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