Sonntag, 23. 25 Uhr, Spiegel TV (RTL): Unter Linken von Jan Fleischhauer. Das mediale Begleitfeuer im Vorfeld ist beträchtlich. Für die Bild-Zeitung ist es schlicht die lustigste Doku des Jahres, und Ulf Poschardt von der Welt am Sonntag wäre restlos glücklich, müsste er im Gespräch mit Fleischhauer nicht die für ihn frustrierende Frage stellen: "Warum gelingt es bürgerlichen Parteien nicht, die Linke so vorzuführen wie Ihr Film?"
Kein Satiriker
Ich habe kein Problem damit, wenn der als linksradikaler Redenschwinger bekannte Claus Peymann im Fernsehen als geldgieriger Staatsdiener vorgeführt wird. Ich habe auch nichts dagegen, wenn man den Streit um das Mahnmal der ermordeten Homosexuellen belächelt (wer darf wen küssen im Film, der im Mahnmal gezeigt wird?), oder wenn Frank Bsirske als bornierter Gewerkschaftsboss dasteht und Christian Ströbele keine gute Figur abgibt, wenn er erklären soll, warum Kreuzberger Schülern die fettigen Fritten einer Imbissbude eher zuzumuten sind als ein Salat im ersten MacDonalds am Ort. Und ich habe nichts dagegen, wenn gezeigt wird, wie ein Autonomer zur Polizei rennt und petzt, nachdem er einem CDU-Mann Wasser über den Kopf geschüttet hat.
Die Wirklichkeit hinkt den Idealen nun einmal hinterher, und es ist die vornehme Aufgabe des Satirikers, auf diesen Wesenszug hinzuweisen. Das Problem ist, dass Fleischhauer in seinem Film nur am Rande als Satiriker auftritt. Er ist auch nicht erkennbar ein Aufklärer. Das heißt, es liegt ihm, so hat man den starken Eindruck, nicht wirklich an einer Lösung des Dilemmas, in das er sein Gegenüber treibt. Man muss Fleischhauer einfach unterstellen, dass er weder wirklich an einem "dritten Geschlecht" (als Lösung für das Mahnmal), noch an einem fairen Finanzierungsmodell für die Theater und ihre Direktoren interessiert ist, geschweige denn an einer art- und menschengerechten Ernährung in Kreuzberg und dem Rest der Welt – jedenfalls nicht in seinem Film.
Unter Renegaten
Nein, das Vorführen genügt sich hier ganz selbst. Darin vergleichbar den Auftritten eines Martin Sonneborn, dem Fleischhauer mindestens so ähnlich ist wie seinem erklärten Vorbild Michael Moore. Aber selbst das könnte man goutieren, wäre Fleischhauer ein Zyniker, und das heißt ein enttäuschter Moralist, der feststellt, dass die vermeintlichen Toleranten intolerant, die vermeintlich Machtkritischen machtgeil und die vermeintlich Solidarischen selbstsüchtig sind. Aber Fleischhauer ist auch kein Zyniker.
Unter Linken ist das Werk eines Renegaten. Ein Renegat ist bekanntlich ein Mann, der sich aus einer Weltanschauung befreit hat. Die Publizität des Renegaten besteht einerseits aus der heroischen Erzählung dieser Befreiung, andererseits im beharrlichen Hinweis darauf, dass diese falsche und gefährliche Weltanschauung immer noch da ist, ja heimlich-unheimlich sogar stärker wirkt denn je (was seine Befreiung zu einem heroischen und nicht zu einem sinnlosen Akt macht, man vergleiche vor diesem Hintergrund die Abrechnungen mit den 68ern).
Entsprechend ist der Film aufgebaut. Der erste Teil erzählt eine Kindheit ohne Comicheftchen und Zitrusfrüchte, aber mit einem fanatischen Rudi Dutschke und "Israelis, die gemein zu den Palästinensern sind" – der unsägliche Sendung-mit-der-Maus-Sound, der schon das hinterletzte Politmagazin verseucht hat, wenn es darum geht, Politik "ironisch" oder "witzig" aufzubereiten, durchzieht auch diesen Film. Der zweite Teil verfährt dann wie beschrieben mit dem Michael-Moore-Sonneborn-Klon Fleischhauer, aber der eine ist ohne den anderen nicht zu haben.
Der Bestseller, auf dem der Film beruht, heißt im Untertitel "von einem, der aus Versehen konservativ wurde". Ist Fleischhauer also ein Konservativer? In einigen Gesten bestimmt: Konservativ heißt für ihn, gelassen zu bleiben. Der Hauptvorwurf an "die Linke" sind folgerichtig weder Inkonsequenz noch Hypokrisie, sondern fehlende Gelassenheit im Umgang mit dem Gegner.
Dieser doch etwas überraschende Befund zeigt, wie sehr Fleischhauer von den Medien her denkt. Wer nicht gelassen wirkt, macht keine gute Figur (etwa der unwirsche Verdi Chef). Umgekehrt erstrahlt umso stärker, wer sich nicht provozieren lässt, auch wenn er mit seiner Erscheinung natürlich genau dies intendiert: Fleischhauer sieht so aus, wie man sich früher einen FAZ-Feuilletonisten vorgestellt hat. Also ein wenig schlaksig und streberhaft, mit akkuratem Haarschnitt, Anzug und Nickelbrille, hinter der die Augen dann allerdings so schalkhaft blitzen, dass eine hüftsteifere Karriere im Politikressort noch umgebogen werden konnte.
Unter Journalisten
Nun denn, Fleischhauer ist Redakteur beim Spiegel geworden. Die Frage, was er ist, muss also unbedingt so beantwortet werden: Er ist ein Journalist. Oder wie Jürgen Kaube gestern in der FAZ präzisierte (leider nicht online): Er verkörpert eine bestimme Berufseinstellung von Journalisten.
Das relativiert alles, was hier bisher gesagt wurde. Er ist Satiriker, Zyniker, Konservativer und vor allem Renegat eben nur insofern, als seine "Befreiung" eine "witzig" zu lesende Abrechnung ist, die es locker in die Bestsellerliste geschafft hat. Und deren Verfilmung nun ein mediales Begleitfeuer erzeugt, das sich weniger aus der Sache, als mehr durch gute Beziehungsarbeit ergibt (Auch an mich erging von meinem hochverehrten Chef der Vorschlag zu berichten, allerdings nicht verbunden mit dem Wunsch, dies positiv zu tun.)
Die Backstory zu Fleischhauers halbstündigem Filmchen heißt also schlicht und langweilig: Unter Journalisten. Und natürlich unterscheidet man sich auch da von der dämlichen Linken. Anders als im Fall der 500 Euro, die Peymann für jedes Interview und also auch das mit Fleischhauer nimmt – und auch noch so blöd ist, darüber frank und frei zu sprechen –, ist anzunehmen, dass weder die Lobhudelei in der Bild-Zeitung noch die Welt-Gratiswerbung einer der beiden Seiten einen Cent gekostet hat. Eine Win-win-Situation, wie man sie unter Linken selten antrifft. Man sieht sich bei der Verfilmung des Sarrazin-Werks.
Jan Fleischhauer, Unter Linken, 23. 25 Uhr auf Spiegel TV (RTL)
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Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Michael Moore und Jan Fleischhauer.
Michael setzt sich für Leute ein, die über wenig (reale) Macht verfügen und die unterste Schicht der gesellschaftlichen Hierarchie bilden. Demhingegen setzt sich Fleischhauer für diejenigen ein, die ohnehin mächtig sind und in der gesellschaftlichen Hierarchie die Spitze bilden. Das ist ungefähr so, als ob man einem Kleinkind den Lolli wegnimmt und sich danach für diese heroische Tat auf dem Pausenhof feiern lässt. |
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nochn renegat? ach, wie unendlich öde. ich dachte den unsinn hätten wir schon in den neunzigern hinreichend durchgehechelt.
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Na freaking Jan 'The Butcher' Fleischhauer! Was bin ich froh, dass ich keinen Handwerkernamen habe.
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Der Unterschied ist, dass Jan Fleischhauer ein pseudo-gewitztes, überangepasstes Anzugträger-Frettchen ist, das im neoliberalen Zeitgeist der 80er ("Tempo") hängengeblieben ist. Das erste Mal habe ich von der Existenz eines Fleischhauer im TV-Kaffeekränzchen für überangepasste Literatur-Leistungsträger bei der frisch blondierten Wortwalküre "Thea Dorn" erfahren. Dort, unter Rechten, schwadronierten auch der mediengeile Mythenmakler Herfried Münkler, der deutschnationale Fähnchenschwenker (und Autor der Nazi-Zeitung Junge Freiheit) Ulrich Schacht und Münklers (zweite) rechte Hand, Jens Hacke, um im internationalen Mythenabgleich das Deutschtum zu reanimieren. Seltsam, fand "the Adorn" (Gremliza), dass in Deutschland historisch betrachtet die wichtigsten Intellektuellen meist Linke waren. Woran dieses Gripsdefizit unter Rechten wohl liegen könnte, fand trotz angestrengten Grübelns keiner der Geladenen heraus.
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h.vanna hat Recht. Was die Aporie am Ende betrifft: Ein Grundproblem besteht m.E. darin, daß Typen vom Schlage eines Fleischhauers einfach keinen Sinn für Humor und Ironie besitzen. (Zynismus und Schadenfreude ja, aber Humor und Ironie nein.) Beides sind aber Grundvoraussetzungen für Distanz und Reflektion.
Und bevor nun konservative Leser über mich herfallen: Nein, ich meine das nicht allgemein und auf alle Konservativen bezogen, sondern auf eine bestimmte Gruppe - quasi das Gegenstück zu einigen der linken Typen, die im Fleischhauer-Opus vorgeführt werden: letztlich haben sich da einfach nur zwei Varianten desselben defizitären Typus gefunden und begaffen sich aneinander. |
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Nun ja Zynismus wurde ihm im Artikel auch abgesprochen, nun kommt noch Humor & Ironie dazu. Die besitzt er aber nun mal. Die Frage warum Linke das nicht erkennen, wenn sie zum Thema werden, eröffnet sich aber in aller Regelmäßigkeit. ;-)
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@B.V.
Geben Sie's zu, Sie sind ein Community-Automat. Ihren Programmierer würde ich gern mal kennenlernen. |
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Find ich gut, wie Michael Angele mich hier am Hype teilhaben lässt.
"Das heißt, es liegt ihm, so hat man den starken Eindruck, nicht wirklich an einer Lösung des Dilemmas, in das er sein Gegenüber treibt." Mir kommt genau so was immer wieder wie eine besonders deutsche Methode vor. Es wird geredet und geschrieben, aber was es trotzdem ganz bestimmt nicht ist, ist eben Kommunikation. Ist es ihr Schweizer Blick, der sie das Muster erkennen lässt? |
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Lieber Herr Angele,
Gratis-Werbung und Promotion, die kann es im real existierenden Kapitalismus nur für ideologisch einwandfreie und vor allem, mit hoher Gewinnerwartung erzeugte Produkte geben. Einige seltene Ausnahmen von der Regel sind alsdann: Milde Gaben an Konvertiten und beispielgebende Renegaten, die Freiräume für Zirkusdirektoren (Intendanten und Stars, Balla-Balla und Gaga Gaga werden zu gut bezahlt, das ist schon wahr), die Aufstellung des "dF", online und gedruckt, das Wort zum Sonntag, ganz allgemein, einige Spritzer Glaube, Liebe, Hoffnung, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das Geheimnis einiger gut verdienender Kulturschaffender ist übrigens längst die (milde) Gabe, denn sie wissen um das derzeit noch fest im Sattel sitzende wirtschaftliche und gesellschafliche Faktum. Von ein paar Leuten, die gerade bei konservativen und sich neo-geschminkt gebenden Journalisten (m/w) nicht hoch im Kurs stehen, weiß ich es. Manche sind schon alte Fossile der Literatur, andere machen mit Liebe Zeitungen, wieder andere treiben die Aufklärung durch stille Spenden und dabei wenig öffentlichem Gehabe, z.B. für Filmprojekte, Literatur, Kunst und soziale Dinge, voran. Grämen Sie sich nicht, die Wahrhaftigkeit kommt mit der Zeit ans Licht und die Vorliebe der Öffentlichkeit für die, wie auch immer, gelassenen auftretenden oder gekünstelt erregten Polemiker, die Kanäle sind nun wahrlich voll gelaufen, erschöpft sich, wie die Angst vor blutigrot triefenden Kommunisten, vor Kopftuchmädchen, vor den Küssen der Spinnenfrauen. - In der Suppe, die derzeit so medial gelöffelt werden muss, ist nämlich kein hoher Nährwert, das fällt auf an den bereits mehrfach abgenagten Knochen. Grüße Christoph Leusch |
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Darf man amerikanisch werden?
*GREAT* Danke für Befassung mit denkwürdigem Nicht-Thema trotz Chef-Anregung. Es ist... interessant ;) Schade, dass no jokes on names erlaubt sind (Fleischhauernde Schenkelklopfer) Und noch schader, dass *konservativ* durch die Konservativen verdorbener wurde als Gammelfleisch. Man könnte sonst glatt, also: unglatt, medienunwirksam (langweilig, finanzunkräftig, unbesprochen), umso wirklicher und krisenfester - konservativ werden. Massenhaft und gar nicht aus Versehen. Hugh. |
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Danke für diese aufmunternden Kommentare, das freut mich wirklich sehr. Mich würde interessieren: Nun ist der Film ja gelaufen, vielleicht hat ihn jemand gesehen und ist anderer Meinung als ich?
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Den Film hab ich nicht gesehen, aber Anne Will gucke ich gerade nebenher "nach" - und finde bedauerlich, dass von den "Linken" zumindest der Vorsitzende der gleichlautenden Partei leider vorhersehbar, langweilig, unlogisch und, namensenstprechend, garanteirt humorfrei "argumentiert", fast, als müsse er sich strikt ans linke Skript halten.
B.V., "eitel und fade" kommt als Kombi mindestens so häufig vor wie "links und selbstironiefrei" - leider ;) |
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Der Mann ist ein Unikum.
"Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Michael Moore und Jan Fleischhauer." Nicht wirklich. Fleischhauer ist nur besser angezogen. Und er begnügt sich ins linke Fleisch zu hauen ohne noch was anderes vorzugeben, wie es M.M. macht mit seiner Doppelmoral." Aha: "Das Problem ist, dass Fleischhauer in seinem Film nur am Rande als Satiriker auftritt. Er ist auch nicht erkennbar ein Aufklärer. Das heißt, es liegt ihm, so hat man den starken Eindruck, nicht wirklich an einer Lösung des Dilemmas, in das er sein Gegenüber treibt. Man muss Fleischhauer einfach unterstellen, dass er weder wirklich an einem "dritten Geschlecht" (als Lösung für das Mahnmal), noch an einem fairen Finanzierungsmodell für die Theater und ihre Direktoren interessiert ist, geschweige denn an einer art- und menschengerechten Ernährung in Kreuzberg und dem Rest der Welt – jedenfalls nicht in seinem Film." Sprach die saure Gurke. Weil Satire angeblich immer links sein muß? ( Gegenbeispiel Karl Kraus!) Weil Satire Lösungen bereit halten muß, - seit wann das denn? "Er ist ... vor allem Renegat eben nur insofern, als seine "Befreiung" eine "witzig" zu lesende Abrechnung ist, die es locker in die Bestsellerliste geschafft hat." Das kann man auch als Therapie bezeichnen. Immerhin gehört er zur nicht anerkannten und diskriminierten BRD-Opfergruppe der Linksmißbrauchten und niemand setzt sich für ein Opfer- Mahnmal dieser armen Menschen ein oder fordert einen Gedenktag,- gegen das Vergessen gilt hier nicht, -eine Schande aber auch. Wie gesagt er ist ein Unikum, nicht gerade schlauer als viele seiner angegangenen Linken, aber durchaus gelassener, das schon. |
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Wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf: Durch eine große Gelassenheit war sein "Anne Will"-Auftritt gestern nicht gerade gekennzeichnet :)
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Das stimmt allerdings, habe ich an anderer Stelle hier auch schon geäußert.
Da hat er bewiesen das man eitel und fade zu gleich sein kann. Irgendwie auch eine Leistung. Von allen Teilnehmern ist mir zumindest deren Grundposition im Hirn geblieben. Bei Fleischhauer weiß ich nur das er was gesagt hat, aber was hat er gesagt? ;-) |
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schrieb am
27.09.2010 um 16:15
Habe ich da etwas verpaßt? Hatte er, während ich Wein holte, einen Brüllanfall oder ähnliches?
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Nein, leider nicht, du hast nichts versäumt.
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schrieb am
28.09.2010 um 13:47
die bemerkung ist erlaubt herr angele, was gesagt werden muss muss gesagt werden.
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Ein bisschen der eigenen Gelassenheit aufhelfen würde auch, Linksschickeria, Gefühlslinke, Lebensabschnittslinke und Linksästheten nicht mit der Linken zu verwechseln.
Den letzten Satz, stünde er nicht da, hätte ich hinzugefügt. |
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"...nicht mit der Linken zu verwechseln."
Die da wäre? |
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schrieb am
27.09.2010 um 17:33
Der Einwand ist berechtigt. Behauptet Fleischhauer doch allen ernstes, selbst die CDU sei inzwischen eine "linke Partei". Wer die Schar seiner Feinde solcherart vergrößert hat, der tut sich natürlich leicht mit seiner "Beweisführung".
Irgendwie erinnert mich das an so manchen in der F.C., der alles rechts der MLPD als "rechts" bezeichnet. |
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derDonnerstag,
berichten Sie vom Programm der MLPD, damit wir mitreden können. |
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Die "Doku" habe ich gesehen, den Auftritt bei Anne Will nicht.
Den Artikel finde ich gut. Meine Probleme habe ich nur mit dem Satz: "Das heißt, es liegt ihm, so hat man den starken Eindruck, nicht wirklich an einer Lösung des Dilemmas, in das er sein Gegenüber treibt." Das ist sicher richtig, aber ist das - in allen Fällen - unbedingt erforderlich und ist das bei Michael Moore - immer - anders? Moore hat bestimmt auch nicht allzu lange darüber gegrübelt, wie das "Dilemma" zu lösen sei, dass das extrem liberale Waffenrecht in den USA u.a. die Zahl der Tötungsdelikte nach oben schnellen lässt, andererseits aber viele Bürger auf ihrem Recht, eine Waffe zu besitzen, bestehen. Moore hat sich sehr wahrscheinlich mit dem "andererseits" kaum auseinandergesetzt. Muss er das? Zur "Doku": Alles in allem recht ärmlich, finde ich, wie man es von Spiegel TV leider gewohnt ist. Peinlich für Fleischhauer fand ich seine, m.M.n. völlig missglückten, Versuche, Ströbele und Bsirske bloßzustellen. Ströbele hat nie behauptet, dass Fritten vom Büdchen gesünder seien als der Salat von McDoof. Fleischhauer hat ihm diese Aussage nur penetrant versucht, in den Mund zu legen. Und Bsirske regt sich zu Recht auf, wenn F. ihn quasi persönlich dafür verantwortlich machen will, dass bei einer Demo, zu der diverse Ver.di-Gruppen mit aufgerufen haben, Polizisten verletzt wurden. Genau so gut hätte F. den Polizeipräsidenten der Stadt X fragen können, warum er sich nicht dafür entschuldigt, dass bei einer Demo in dieser Stadt Demonstrant Y von Polizisten verprügelt wurde. Gepunktet hat F. nach meinem Eindruck bei der Grünen Jugend. Dass Linke bei ihrem Einsatz für diverse Minderheiten schon mal den Blick für das Ganze vergessen, ist ja allzu bekannt. Unisex-Toiletten sind natürlich eine ganz tolle Innovation. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Feministinnen vorher gefühlte 50 Jahre dafür gekämpft haben, dass jeder noch so kleine Betrieb unbedingt getrennte Toiletten braucht. Was kommt nun als nächstes: Unisex-Umkleiden und -Duschen in sämtlichen Schulturnhallen? Oder geht es wieder in die andere Richtung: Geschlechtertrennung nach Frauen, Männer und "Transgender" und vielleicht noch eine Extrawurst für die besonders prüden Religiösen? Der Gipfel der Blödheit waren aber natürlich die wackeren Kämpferinnen für ein Lesben-Mahnmal. Die Tatsache, dass die Nazis nur Schwule, aber keine einzige Lesbe wegen ihrer sexuellen Orientierung ins KZ verfrachtet haben, wird dann mal locker mit dem "Argument" überspielt, auf "die Zahlen" komme es ja nicht an. Wenn Null auch o.k. ist, warum dann nicht auch ein Mahnmal für die Taubenzüchter und die Briefmarkensammler? |
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"Gepunktet hat F. nach meinem Eindruck bei der Grünen Jugend. Dass Linke bei ihrem Einsatz für diverse Minderheiten schon mal den Blick für das Ganze vergessen, ist ja allzu bekannt."
Das ist ja sehr milde ausgedrückt. Ich würde denen durchaus mal einen gang zum Psychiater empfehlen: auch Jugendirrsinn ist heilbar. Ach so, was die Toiletten anbelangt reicht doch neben Männlein & Weiblein die Behindertentoilette, da gehen dann alle die drauf die auf Männlein & Weiblein nicht können. Ganz rührend die Genderdame ganz links in der "Expertenrunde", die gar nicht merkte wie sie von Fleischhauer hops genommen wurde und bierernst dessen dadaistische Irrsinnsvorlage aufnahm. Wenn man bedenkt das solch ein Leerstoff (kein Schreibfehler) an den Unis platz findet, da kann man ja nur noch nach Kürzungen schreien. "Der Gipfel der Blödheit waren aber natürlich die wackeren Kämpferinnen für ein Lesben-Mahnmal. Die Tatsache, dass die Nazis nur Schwule, aber keine einzige Lesbe wegen ihrer sexuellen Orientierung ins KZ verfrachtet haben, wird dann mal locker mit dem "Argument" überspielt, auf "die Zahlen" komme es ja nicht an." Da gibt es anscheinend eine Minderheit von einer Minderheit die den Nazis heute noch nachträgt, das sie vergessen wurden. Perverser geht´s nicht. Jetzt hat man denen auch noch das Opfer sein verdorben. In dem Zusammenhang fand ich den (einen) Witz von Dieter Hildebrand über Linke auch gut. Sagt ein Linker zum Anderen: " Der Hitler war gar nicht so schlecht, aber das mit der Autobahn hätte er nicht tun dürfen". :-)))) |
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Re. Kommentar von B.V.
"(...) Ach so, was die Toiletten anbelangt reicht doch neben Männlein & Weiblein die Behindertentoilette, da gehen dann alle die drauf die auf Männlein & Weiblein nicht können ..." @Redaktion Ich fühle mich durch diese Aussage, als schwuler Mann, diffamiert und beleidigt, weil Homosexualität keine "Behinderung" ist. Wenn Sie den o.g. Ausspruch nicht moderieren möchten, nehmen Sie bitte wenigstens zur Kenntnis, dass die öffentliche Äußerung von B.V. gegen die Europäische Antidiskriminierungsrichtlinie verstößt, danke. SexPower |
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schrieb am
29.09.2010 um 13:59
qed
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schrieb am
29.09.2010 um 17:16
@ SexPower
Kann Er bitte näher erläutern, an welcher Stelle B.V. Homosexualität als Behinderung beschrieben hat. Bitte etwas mehr BrainPower statt gleich nach der Moral-Polizei zu rufen. |
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Nachdem geklärt wäre was Herr Fleischhauer alles nicht wirklich ist, scheint mir nur zu fehlen, was er vor allem nicht mehr sein möchte: ein Journalist.Wenn die klassische Wechselbeziehung zwischen Amerika und Europa noch gilt,dann gehört er doch nun eher in die neue Welle der punditry, die gerade herüberschwappt.Mit der Medienmacht des Spiegel im Kreuz kann er eine Medienpersönlichkeit entwickeln, die klar erkennbar ist und ähnlich wie Broder(der allerdings, von allen Werturteilen mal abgesehen, deutlich begabter ist) für eine Palette an spezifischen Themen gut ist, falls irgendwo noch ein Stuhl in einer Diskussionsrunde frei sein sollte.
Eigentlich braucht es jetzt nur noch einen 24h Nachrichtenkanal, wo die Herrschaften dann ihre eigenen Shows bekommen. Der Journalist Fleischhauer fällt in seinen Artikeln schon länger durch eine Empathielosigkeit auf, die schaudern lässt.Egal um welches Thema es sich dreht, man kann sicher sein, wer sein Fett wegbekommt und für welche Zustände er grenzenloses Verständnis zeigen wird. Man hält sich nicht mehr mit irgendwelchen Abwägungen auf, man weiss von vornherein, dass das Ergebnis der "Recherche" immer die eigene Weltsicht bestätigt.Das ist natürlich sehr praktisch um Bücher zu verkaufen und als Marke immer erkennbar zu bleiben. Der weitere Weg scheint mir vorgezeichnet, wenn man sieht welchen Einfluss auf die öffentliche Diskussion diese selbst ernannten Aussenseiter(die natürlich egal von welcher Ecke immer eint, dass sie ein regelmässiges öffentliches Forum zur Verfügung haben, wo sie ihre "Randstellung" besingen können) mittlerweile haben. Eine win-win Situation für die jeweiligen Presseorgane, mit dem kleinen Problem kosmetischer Natur, dass man alle paar Wochen ein Mediengestöber auslöst, dass die seriös arbeitenden Kollegen der Herrschaften in mühseliger Faktenarbeit wieder ordnen müssen. Als hätte das Land nicht schon genug Schwierigkeiten im Kampf mit PR, Lobby und Boulevard, müssen nun unbedingt noch einzelne "Edelfedern" zum Zirkus beitragen, statt aufklärerisch zu wirken. |
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@Donnerstag
'Das heißt, es liegt ihm, so hat man den starken Eindruck, nicht wirklich an einer Lösung des Dilemmas, in das er sein Gegenüber treibt.' Das ist sicher richtig, aber ist das - in allen Fällen - unbedingt erforderlich und ist das bei Michael Moore - immer - anders?" Nein, aber mir ging es darum, dass F. so erkennbar gezeigt hat, dass er auch dann nicht an einer Lösung interessiert wäre, wenn wir uns sozusagen in einem anderen Film befänden. Anders gesagt: Man spürte - im Fall des Mahnmals - sehr deutlich, dass ihm die Sache selbst, also das Gedenken an die Opfer, am Allerwertesten vorbei ging. |
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schrieb am
27.09.2010 um 18:53
@Michael Angele
Mal abgesehen davon, dass ich Fleischhauer eh für einen Kotzbrocken halte ... Da haben Sie natürlich Recht. F. hat deutlich durchblicken lassen, dass es ihm nicht um die Sache geht. Ich finde auch, dass ihn das nicht gerade glaubwürdiger macht. Im Falle der Lesben finde ich allerdings, dass F. trotzdem punktet. Ihm geht es in dem Fall einzig darum, den scheinheiligen Opferkult zu desavouieren, der da getrieben wird. Und das gelingt ihm, da die Kämpfer für ein Lesben-Mahnmal das ganz alleine erledigen. Wer ein Mahnmal für nicht existente lesbische KZ-Opfer fordert, dem geht es offenbar nicht um die Opfer (die es ja gar nicht gibt), sondern nur darum, die eigene Gruppe als Opfer zu stilisieren. |
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"Nein, aber mir ging es darum, dass F. so erkennbar gezeigt hat, dass er auch dann nicht an einer Lösung interessiert wäre, wenn wir uns sozusagen in einem anderen Film befänden. Anders gesagt: Man spürte - im Fall des Mahnmals - sehr deutlich, dass ihm die Sache selbst, also das Gedenken an die Opfer, am Allerwertesten vorbei ging."
Und genau weil man das spürt finde ich ihn ehrlicher als Michael Moore. M.M. schauspielert immerhin so gut, das es ihm gelingt das Viele ihm auf dem Leim gehen. ;-) |
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Ich finde Ihren Artikel gut, Herr Angele. Da ich mich dem Hype verweigern wollte und gestern Abend nicht noch einen Grund mehr brauchte um vor Wut in die Tischplatte zu beißen, schenkte ich mir Fleischhauer im Film, musste den aber leider dann doch - Sie wiesen ja bereits darauf hin - bei Anne Will ertragen. Crosspromotion nennt man das wohl. Fleischhauer ist für mich persönlich recht uninteressant und das Bashing Linker, seien sie nun "68er" oder jünger ist für mich spätestens seit der Lektüre des Buches "Das bleierne Herz der Revolution" des Pseudonyms Sophie Dannenberg durch. Eine ernsthaftere und dennoch recht amüsante Herangehensweise an dieses Thema hatte vor einigen Jahren der Film "Lenin kam nur bis Lüdenscheid" mit R. D. Precht an den Tag gelegt.
Es gibt ja nun inzwischen genug "Ex-Linke", die sich im neuen Dagegensein gefallen und die aus ihrer Sicht "noch Gläubige" zu provozieren versuchen. Henrik M. Broder fällt mir da ein, oder Reinhard Mohr. Ich sach nur: lasse machen. Sie tun keinem wirklich weh. Sie tun nur nicht gut. Aber Herr Angele, eins muss ich noch loswerden, Sie ahnen es sicher, die Einlassungen zum Satire-Vergleich (Moore-Sonneborn-Fleischhauer) kann ich nicht teilen. Das wissen Sie ja schon aus älteren Diskussionen. Sonneborn, so meine ich, führt niemanden vor (im Sinne eines Raab). Vielleicht, falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie mal den Film "Heimatkunde" schauen. Ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser TitanicEr ;-) ... ich empfehle aktuell einen Blick auf die Startseite von Titanic-Online ... |
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Gut, lieber Mahnung, ich will ja nicht stur sein, und werde mir den Film gelegentlich mal in der Videothek meines Herzens ausleihen :)
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Der Film war doch sehr lehrreich. Immerhin weiss ich jetzt, dass Journalist_innen Menschen sind welche mit Bill Gates in die Schule gingen und in Sorge leben, ihre Frauen/Männer/Neutra hielten Sie für arm_selig. Sehr lustig zwei Journalisten bei Ihren Selbstdefinitionsversuchen zu lauschen. Insofern ist Ihre Überschrift gut gewählt.
Übrigens befördert Roger Koeppel in mir stets einen gewissen Antihelvetismus, von dem ich nie gedacht hätte, dass er in mir schlummert. |
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Lieber Michael Angele,
danke für diesen Beitrag. Ich finde, dass die Rolle Jan Fleischhauers allmählich schon ein bisschen komisch riecht. Auch beim Spiegel wird er sich nicht halten können. Aus was schöpft einer wie Fleischhauer (holländisch: Beenhacker, aber ok, kein Spiel mit Namen) denn aus dem Vollen? Nach Anne Will noch ein paar mal Maischberger, Hart oder Plasberg, MayBritt - dann geht's ab zu N24 oder so. Das war's dann. |
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Nein, lieber weinsztein, dann bleibt immer noch TV Berlin ("von Berlinern für Berliner"), sitzen in der Axel-Springer-Passage, passt doch.
Schöne Grüße |
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Ich hasse ja Sätze wie "Ein Renegat ist bekanntlich ein Mann, der sich aus einer Weltanschauung befreit hat." Was will uns das Wort "bekanntlich" eigentlich sagen? Ist die Definition allgemein bekannt? Warum folgt sie dann direkt? Oder soll sich der Leser hier unterlegen fühlen, weil er beim zweiten Halbsatz "Ach so." denkt?
Im übrigen fand ich den Film äußerst amüsant. Hier haben sich viele Menschen selbst disqualifiziert, und Herr Köppel hat deutlich gemacht, dass Dummheit nicht exklusiv der Linken vorbehalten bleibt. |
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Bekanntlich habe die Kritiker des Wortes bekanntlich immer Recht. Hab mir nicht viel gedacht dabei, sorry.
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Bei Fleischhauer haben meiner Ansicht nach die Eltern trotz allergrößten Bemühens jämmerlich versagt!
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Die personen der öffentlichkeit wie Peymann, Ströbele und Bsirske seien zum "witzigen" abschuss durch Jan Fleischhauer freigegeben, sie haben die öffentlichkeit ja freiwillig gewählt.
Dass es in begleitung einer fernsehkamera auch fast immer gelingt, ahnungslose amateure dazu zu bringen, unsinn zu schwafeln, haben uns am besten und lustigsten Wigald Boning und Emmanuel Peterfalvi, alias Alphonse, gezeigt. Und nur in diese untergruppe des genres "klamauk" würde ich Fleischhauers befragungen einordnen. Was Fleischhauer aber in jeglicher hinsicht diskreditiert, ist die denunziation der eigenen mutter vor laufender kamera. Bei uns zuhause nannte man das "die eigene großmutter für'n appel und'n ei zu verkaufen. Ein feiner mensch ist er nicht, so sehr er sich auch darum bemüht. Seine eigene psychoanalyse trägt man nicht auf diese weise in die öffentlichkeit. |
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Ob J. Fleischhauer wirklich ein Renegat ist, "der sich aus einer Weltanschauung befreit hat"?...: zu sehr spielt er mit [übrigens auch bei einigen Linken, wieso sollten Linke sui generis davon frei sein (müssen), mitunter anzutreffenden] eingeübten Argumentationsfiguren und beruft sich auf sie beim "Vorhang auf" fürs: "seht, wie sie sind". Daher wäre es eine eigenartige Überhöhung Fleischhauer den Renegaten zu attestieren, ebensowenig wie Sarrazin ein Renegat genannt werden kann, bei dem furiosen Marketingfeuerwerk, das er im Verbund mit seinen Gegnern zünden konnte.
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Hallo Herr Angele,
tatsächlich habe ich eine andere Meinung :) Ich weiß nicht mit welchem Anspruch Sie an diese Sendung gingen, aber mir wurde nach den ersten Minuten klar, dass es sich um rechtes Kabarett handelt. Und das war mal erfrischend anders! Das biedere Streber-Auftreten und die teilweise lackaffigen Anzüge... ein perfektes Stilmittel - wie sollte man besser über Linke berichten? Eben. Und das wollte Herr Fleischhauer ja auch - über Linke berichten. Es verwundert mich, dass es Sie da stört, dass er nicht an Lösungen für Mahnmale und Kreuzberger Essensgewohnheien interessiert ist. Natürlich nicht. Schauen Sie auf den Titel der Sendung. Diese Themen sind doch ideal, um Linke in all ihren Facetten zu beschreiben. Und er tut das doch äußerst liebenswert. Hat er die grüne Jugend oder die lesbischen/schwulen Mahnmalstreiter verurteilt? Mitnichten. Er hat nicht ein mal über den Wasserkipper oder den unglaublich pietätlosen Bsirske etwas Negatives gesagt. Sie alle wirken nur putzig. Herr Fleischhauer argumentiert ja auch gar nicht, er fragt nur - und es ergibt sich eine amüsant-harmlose Milieustudie. Vor dem Hintergrund des Wasser-predigen-Wein-saufen-Gehabes von Schröder, Lafontaine, Ernst, Schily, Fischer, Peymann oder etwa gar den genannten Opfern linker Gewalt (den Polizisten) wirkt dieses "nicht kommentieren - Eindrücke wirken lassen" schon fast fehl am Platze. Aber es ist wohl das schelmischste Mittel, diese Leute zu entlarven. Sie dürfen gern schreiben, dass diese Linken durchauch eine Vorführung mal verdient hatten - da brechen Sie sich keinen Zacken aus der Krone. Sie machen drei "typisch linke" Fehler. Zum einen reden Sie von einem "medialen Begleitfeuer" das es gar nicht gab. Ich lese Google News, und gibt man dort "Unter Linken" ein, so gibt es gerade mal 7 + 2 Zeitungen, die davon berichten. Das Sperrfeuer gegen das Sarrazin-Buch war bei weitem höher - mehrere hundert (überwiegend negative) Berichte. Wie für linke Journalisten üblich (siehe das hochinteressante aber auch -tendenziöse zapp vom NDR) tun Sie so, als seien Welt und Bild die einzigen Zeitungen weit und breit - und erwecken den Eindruck, deren Journalisten seien von der "Konzern"führung fremdgesteuert. Machen Sie es sich doch nicht so einfach wie Hildebrand, der meint, Linke seien wohl einfach die intelligenteren. Immerhin gibts ja auch linken Primitiv-Journalismus, siehe Mopo. Zum anderen unterstellen Sie dem Filmautor eine Absicht - versuchen, ihn in eine Schublade zu stecken. Auch ein Kommentator meint hier, Fleischhauer würde ja die Mächtigen verteidigen. Nö, die Absicht ist wahrlich nicht zu erkennen. An keiner Stelle wird Konservatives oder irgendwelche Manager verteidigt, im Gegenteil, es wird pointiert erzählt, wie Linke über McDonalds, Israel & Co denken - und dies so stehen gelassen. Ob er Renegat, Zyniker, Satiriker, Aufklärer ist... wen interessierts? Statt sich in fundamentloser Hobby-Psychoanalyse zu ergehen - Machen Sie sich frei und genießen Sie die Show! Und da kommen wir zum dritten "typische linken" Fehler. Sie sind so verklemmt, wenns um Eigenkritik geht. Da bin ich ganz bei Herrn Fleischhauer, so "überraschend" war für mich die Erkenntnis nicht. Sowas wie den Nockherberg für die CSU gibt es nicht für die SPD. Konservative tolerieren Witze über sich meiner Erfahrung nach viel eher als Linke. Denken Sie mal an Schröders Reaktion, als man meinte, er könnte sein Haar getönt haben... Oh Mann, Kohl war da echt gelassener mit seinen tausenden Birne-Karikaturen! Alles in allem war es doch eine köstlich-amüsante Milieustudie. Gern mehr davon! Linke Kabarettisten gibts doch wie Sand am Meer. Rechte Kabarettisten nicht - ich bin da für Minderheitenschutz (ein zutiefst linker Gedanke, um Fleischhauer zu zitieren :)) |
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Danke für ihre Gegenstimme, Henrysilva
natürlich gab es eine vergleichsweise intensive Berichterstattung. Ob positiv oder negativ. Das können Sie doch nicht mit Sarrazin vergleichen! Neben Springer haben, aus dem Gedächtnis, vorberichtet: Tagesspiegel, Kölner Stadtanzeiger, FAZ, FAS und last but not least der Spiegel selbst. Und eben auch wir. Ist das eine Milieustudie? Ich glaube, dazu reicht es dann doch nicht. Ich glaube auch nicht, dass "die Linke" ein homogenes Milieu bildet. Der Begriff "Links" wird hier überstrapaziert. Oder anders gesagt: Der Kreuzberger Autonome und Frank Bsirske haben nicht viel mehr gemein, als dass sie im Film von F. vorkommen und vorgeführt werden. Aber das wäre, wie FAZ und FAS zu Recht geschrieben haben, in jedem Milieu möglich. In einem Punkt war ich vielleicht nicht ganz aufrichtig, fällt mir nun auf. Mich hat zwar gestört, dass F. wie seine Gelassenheit wie eine Monstranz vor sich herträgt, aber zumindest hat er Dieter Hildebrandt, und - Überraschung - Ströbele im Film auch recht gelöst wirken lassen. Das widerspricht dann auch ein wenig ihrem Eindruck der Verklemmtheit. Schöne Grüße |
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Was gegen Fleischhauer?
Schon aus linker Sicht verbietet sich eine solch oberflächliche rein polemische Berichtsituation, aus der nun gar nicht hervorgeht, ob Jan Fleischhauer eventuell auch in verschiedenen Punkten stimmig wäre. Und da verkraften Sie nun gleich mal alles, um zu dem Schluß zu kommen, daß Fleischhauer langweilig bis schnöde ist, um Interessierten zu vermitteln, wie überflüssig das Interesse wäre. Hingegen machen Sie nicht klar - und das ist das völlig Unwitzige am Hintergrund Ihres Beitrages - daß es Hunderte, wenn nicht gar inzwischen Tausende Fleischhauers gibt, die genau das anficht, was Fleischhauer ohne jede Bestechung öffentlich macht. Man kann links gewaltig in Ungnade fallen und die Ignoranz als Sanktion ist für solche Linke dramatisch. Das können Sie, der Angele, nicht wissen. Aber vielleicht können Sie sich das vorstellen?! Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist die Fleischhauer-Geschichte weder konservativ, noch illuster - sondern ganz einfach eine literarisch-bildhafte Aufarbeitung mit symbolischem Wert für so genannte Unschlüssige, denen man mal einen Einblick gibt. Elsässer, da würde ich Ihnen zustimmen, hat das falsch eingeleitet und ebenso harsch falsch fortgesetzt - Fleischhauer dagegen, dessen Titel schon eine Einführung ins Mögliche bringt, sollte keinesfalls dem typischen Tenor zum Opfer fallen, er sei so lame, daß er nicht hinnehmbar sei. Nicht 74.325,87 Genossen sind das Opfer von Fleischhauer, sondern sie dulden den Umgang von Menschen untereinander, der mit la familia kaum besser zu beschreiben wäre. Nicht, daß die alle was wüßten - ihr Prinzip der ewigen Bürgschaft bis ins Xte Glied reicht vollkommen aus. Mit Ihrem - Dem-pfeif-ich-mal-eben-hinterher - haben sie die plakative Wahrnehmung ausgezeichnet gewürzt. Wenn sich wenigstens ein Mensch in diesem "Um"Feld den Kopf darüber zerbrechen würde, was das eigentliche Problem ist, dann wäre das vielleicht links. So ist es allenfalls link, schade und unangenehm. G.B. |
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"Dass es Hunderte, wenn nicht gar inzwischen Tausende Fleischhauers gibt". Sorry, lieber G.B., aber wie der Fußballfreund sagt: Es gibt nur einen J.F.
Und nur sein Film und die Rolle, die er darin spielt, waren mein Gegenstand. Aber auch um den Journalisten J.F. muss man sich keine großen Sorgen machen. Laut Selbstauskunft bei "Anne Will" verdient er mehr, als "98% der Bevölkerung". Schöne Grüße MA |
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schrieb am
29.09.2010 um 23:50
Sie haben es nicht verstanden. Es geht um das Prinzip, um die Methode, die Sie einsetzen. Aber gut, ich will Sie damit sicher nicht behelligen.
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Hallo Michael Angele,
danke für den Artikel! Ich versuche zu kommentieren, obwohl ich weder Fleischhauer's Filmchen gesehen, noch die Kommentare in diesem Thread gelesen habe (letzteres habe ich bewußt nicht gemacht, weil ich mich nicht "beeinflussen" lassen will - ich hole die Lektüre aber nach ...). Darf ich "böse", "unfair" und "voreingenommen" sein? Ich meine da ein etwas zögerliches "ja" vernommen zu haben :-) Ich kann Jan Fleischhauer nicht ausstehen! Ich hätte Lust "ihn verbal fertigzumachen" (ob mir das gelänge, ist eine andere Frage, schließlich ist er Profi und ich Laie). Woher kommt meine Ablehnung? Versuch einer "Erklärung": Was schert mich Fleischauer's "spätpubertärer" Versuch, sich endlich (mein Gott, das habe ich mit 16 gemacht) von seinem (zufällig linken) Elternhaus abzunabeln? Nicht die Bohne! Dass er (wie Sarrazin) den Eindruck erweckt (so empfinde ich es jedenfalls), "hier traut sich endlich 'mal jemand aussprechen, was die 'political correctness' sonst unterbindet, finde ich jämmerlich und sachlich falsch, denn der 'SPIEGEL'- Journalist Fleischhauer ist niemand, der unter einem "Maulkorb-Erlass" zu leiden hätte. Im Gegensatz zum "Normalbürger" kann er seinen "Schwachsinn" publikumswirksam verbreiten ... Wenn Fleischhauer im Fernsehen auftritt (wie jüngst bei "Anne Will") habe ich immer den Eindruck "hier versucht sich ein kleiner Junge gegenüber einem 'übermächtigen' Vater zu profilieren" - peinlich! Dass er dabei offenbar jede "Bodenhaftung" verloren hat und dies nicht bemerkt, scheint mir offenkundig zu sein. Anne Will fragte ihn z.B. wann er zuletzt etwas für 5,-- Euro erworben hätte (es ging um die mtl. ALG II-Erhöhung von 5,-- Euro). Fleischauer: "Gestern, Wein" - Will: "Eine Flasche?" - Fleischauer: "Ein Glas" (aus dem Gedächtnis zitiert). Zu seinen offenbar "witzigen" Bemerkungen über die Küsse in der Video-Installation des Berliner Mahnmals, für die homosexuellen Opfer der Nazi-Diktatur: Wenn Fleischhauser zunächst einmal zur Kenntnis nehmen würde, dass die Video-Aufnahmen küssender Männer für einige Schwachköpfe offenbar als "Provokation" ausreichten, um das Mahnmal mehrmals zu schänden und ... an welche Schicksale dar Steinblock mit Sichtfenster erinnern soll (Link: community.zeit.de/user/knueppel/beitrag/2008/08/26/quotdas-interessiert-doch-wirklich-niemandenquot-na-dann ), würde ich ihm seine Häme wohl nicht so übel nehmen. Na klar habe ich Humor und ich kann sogar über mich selbst (und über uns Schwule) lachen. So richtig - ohne dass mir diese Scherze, mit ihrem "ausgrenzenden und verletzenden Unterton" im Halse stecken bleiben - werde ich aber wohl erst in das Gelächter einstimmen können, wenn Gewalt, Diskriminierungen und Diffamierungen gegen schwule Männer und lesbische Frauen wirklich gesellschaftlich geächtet sind und - wie für andere Opfergruppen der Nazis - diese Diskriminierungen im Grundgesetz, als unvereinbar mit Menschenrechten und Menschenwürde festgeschrieben werden (Link: www.artikeldrei.de/ ) Soweit von mir, wie gesagt ... "böse", "unfair" und "voreingenommen" ;-) und jetzt werde ich die anderen Kommentare, in diesem Thread lesen. Beste Grüße SexPower |
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schrieb am
29.09.2010 um 17:29
@SexPower
"Ich versuche zu kommentieren, obwohl ich weder Fleischhauer's Filmchen gesehen..." Ja warum denn dann? Das wird wohl zunehmend Mode: Dinge und Ereignisse zu kommentieren bzw. zu bewerten, die man nicht kennt. Zu allem eine Meinung haben und seine Humorlosigkeit und fehlende Gelassenheit zur Schau zu tragen; das ist wirklich eine sehr originelle Haltung. |
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schrieb am
29.09.2010 um 22:10
@thielsby
Da muss wohl was dran sein. Deshalb gab's wohl auch jeweils zweimal einen Punkt für Ihre beiden Kommentare hier. Habe das gleich mal getestet, indem ich jeweils fünf Punkte vergeben habe. Ist ja alles so schön übersichtlich hier ... und noch mal qed |
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Mich beschäftigt an dem Beitrag eigentlich nur die Verwendung des Wortes "Renegat". Ist ein solcher wirklich einer, der sich von einer Weltanschauung befreit hat oder ist es einer, der zu einer anderen - der völlig Entgegengesetzten - übergegangen ist und dort nun die Trommel schlägt? Renegatentum hat nicht in jedem Falle etwas mit Befreiung zu tun. Es ist - je nach Betrachtung - ein Abtrünniger oder ein Überläufer. Für einen, der sich aus einer Weltanschauung "befreit" hat, ist ein Renegat viel zu laut und tönend. Da fehlt die stille Selbstgewissheit, die eigentlich einer Befreiung folgen müsste.
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