Die erste von vier Ausstellungen, mit denen das Frankfurter Städelmuseum die neue Hängung der Sammlung und den unterirdischen Erweiterungsbau feiert, gilt dem Spätwerk Max Beckmanns (1884 bis 1950). Beckmann verbrachte die letzten drei Jahre seines Lebens in den USA, nachdem er 1933 sein Lehramt an der Städelschule verloren hatte und 1937 nach Amsterdam geflohen war. Die Jahre von 1947 bis zu seinem Tod 1950 sind gekennzeichnet von immenser Produktivität. Das Werkverzeichnis listet für diese drei Jahre allein 85 Gemälde auf .
Das Städelmuseum präsentiert 41 Gemälde, dazu noch Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken – insgesamt 110 Werke. Die Ausstellung beginnt mit einem Paukenschlag. Im ersten Saal ist Beckmanns dramatische, fast nur in fahlen Gelb- und Grautönen gehaltene Kreuzabnahme (1917) ausgestellt, die von 1917 bis 1937 im Städel hing und dann als „entartete Kunst“ galt. Heute hängt das Bild in New York.
Konfrontiert wird dieses Gemälde mit dem rätselhaften Triptychon Departure (1932/35), dessen Mittelteil mit leuchtenden Farben gemalt ist, während die beiden Seitenflügel eine düstere, von Gewalt geprägte Stimmung ausdrücken. Das Geheimnis, wer sich aus welchem Grund wohin verabschiedet, bleibt ebenso ungelüftet wie jenes des historischen Hintergrunds der Gewaltszenen. Beckmann verwahrte sich gegen eine oberflächliche politische Zuschreibung. Mit zwei weiteren Werken – Beginning (1946/49) und Argonauten (1949/50) – sind drei der neun Beckmann-Triptychen in Frankfurt zu sehen. Diese beiden Werke bestechen ebenso wie zwei Stillleben durch ihre opulente Farbigkeit. Die Gegenüberstellung des Stilllebens mit Saxophon aus dem Jahr 1926 mit dem Stillleben mit Cello und Bassgeige (1950) belegt die Intensivierung von leuchtenden Farben und Kontrasten im Spätwerk. Aus dem Spätwerk Beckmanns spricht keine Ermattung oder Dämpfung, sondern eher gesteigerte Expressivität und Grellheit, wie Bilder mit Frauenakten, Nachtklubszenen und die phänomenale Liebesszene Vampir (1948) zeigen.
Der amerikanische Schüler
Beckmann freute sich zwar darüber, dass er amerikanische Ausweispapiere erhielt, aber intellektuell blieb er Europa verbunden. Er malte Bilder mit Motiven aus der griechischen und germanischen Mythologie – so einen brutalen Perseus, der dabei ist, Medusa ihr Haupt abzuschlagen – oder eine zarte Walküre, die weniger die Züge einer Wagner-Heroine als die einer schüchternen jungen Frau trägt.
Wie Beckmann in einigen der vielen Selbstporträts mit unerhörter Präzision und vital-expressiver Farbgebung die Aura von Boheme und Dandytum malerisch erfasste, so porträtierte er auch seinen amerikanischen Schüler und Assistenten Walter Barker (1921-2004) in dessen jungenhafter Lässigkeit im knallgrünen Pullover.
Inspiriert von einer Schiffsreise malte Beckmann 1948 das Bild Cabins, das einen aufgeschnittenen Schiffsrumpf zeigt, in dem sich entschlüsselbare und rätselhafte Szenen abspielen zwischen Liebe und Tod, Zärtlichkeit und Gewalt. Wie in vielen Bildern steht ein Fisch im Zentrum, eine Chiffre für „Geist“ in Beckmanns reichhaltigem Symbolhaushalt – zuweilen sexuell aufgeladen, etwa im Bild mit den nur leicht bekleideten Fischerinnen (1948), die riesige Fische wie Trophäen in ihren feinen Händen halten. Eine überzeugende Ausstellung.
Beckmann & Amerika. Städelmuseum Frankfurt/Main. Bis 8. Januar. Katalog € 34,90
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Wieder ein schöner Artikel von einem meiner Lieblingsautoren.
Am Ende der Arbeit von Fischerinnen schreibt Beckman am .25 Juli 1948 in sein Tagebuch: Der Sonntag ist zu Ende ich wasche meine Hände von rot und grünspan blau- der Tag war voller Arbeit 6-8 Stunden eine gute Zeit- die Luft ist heiß und trocken das schadet meinen Locken die längst verschwunden sind- nun leg ich meine Hände an meine roten Wände und wünsche mir und Allen nicht aus dem Bett zu fallen. Was ich an Beckmann bewundere ist seine Vitalität und - wie man "sieht" - auch den Humor - trotz allem. |
Ausgabe 20/2012
16.05.2012
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