Kultur

Krise | 20.01.2012 11:35 | Ulrike Baureithel

Der Wille zur Entscheidung

Ingo Schulze will das Schweigen der Intellektuellen brechen. Mit Mitteln, die an den Diskurs der Weimarer Republik erinnern

Die Klage ist alt, der Appell mitunter heuchlerisch. Wird nach „den Intellektuellen“ gerufen, schwingt bereits der Verdacht mit, sie böten ohnehin nur den Picaro vor gehörlosem Publikum. So in Thomas Assheuers Strafpredigt im vergangenen November, in der er kämpferische Verteidigungsgesten für Europa einforderte, wohl wissend um die beschränkte Kompetenz solcher Verlautbarungen. Die Intellektuellen, stimmte zuletzt Harald Welzer in diesen Chor ein, überließen die Zeitdiagnosen nur Technokraten und Experten. Als ob deren moralischer Kitt den Boden der Tatsachen befestigte.

Einer nun hat das „dröhnende Schweigen“ gebrochen. Nach dreijähriger selbst auferlegter Zurückhaltung, wie er schreibt, hat der aus Dresden stammende Schriftsteller Ingo Schulze ein Signal in den Dunkelraum gesandt. In der Süddeutschen Zeitung will er sich erklärtermaßen „selbst wieder ernst nehmen“ und dem „offensichtlichen Wahnsinn“ begegnen. Seine Zeitdiagnose handelt von einem schon postdemokratischen Zeitalter, in dem eine Minderheit das Gemeinwesen „schwer schädigt“ und einer politischen Oligarchie, die, statt das Vertrauen des Souveräns zurückzugewinnen, um das der Märkte buhlt, in einer „Sprache der Selbstgewissheit“, die nicht mehr imstande sei, „die Wirklichkeit zu erfassen“ und die sich „an keinem Gegenüber mehr überprüft und relativiert“. Dem Kapitalismus (der immerhin wieder so genannt werden darf), ermangele es inzwischen selbst an rudimentärstem „Selbsterhaltungstrieb“, sein Raubzug sei allumfassend geworden und könne sich eigentlich nur noch in einem großen Krieg entladen.

Tragödientheorie

Man kann Ingo Schulze in den meisten Punkten Recht geben, gerade, weil es sich um unverhandelbare „Gemeinplätze“ handelt, um die er weiß. Gerade ihm sind ehrliche Absicht und brennender Furor nicht abzusprechen. Was an seiner Einmischung irritiert, ist die Zielgerade. Denn der knapp 50-jährige Autor operiert mit einem Werkzeug und einem Sinnhorizont, die an eine Zeit erinnern, in der die Gebildeten ihrer eigenen Selbstaufhebung zu entgehen suchten, indem sie sich mit „Entschlossenheit“ den „nackten Tatsachen“ stellten, in einer Art Notstandslogik, die entweder Untergang oder apokalyptischen Übergang heraufbeschwor. Die Rede ist von der Weimarer Republik und ihren Intellektuellen.

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Schulzes Ausgangspunkt ist die „Krise“, ein aus der Medizin beziehungsweise der Tragödientheorie in die Politik transponierter Begriff. Als kathartischer Höhepunkt leitet er die Wende auf der Bühne ein, im medizinischen Diskurs folgt aus dem in der Krise erlittenen Leiden Erkenntnis und Umkehr, Krise impliziert aber auch die Möglichkeit gesteigerten oder neuen Lebens: Gemeinsam ist allen diesen Konnotationen das Moment der „Entscheidung“ zwischen zwei auf den „Augenblick“ gestellten Zuständen. Wobei ersterer mit Gefährdung und Angst verbunden ist, der darauf folgende mit dem absoluten Nichts, dem Tod oder einer Erlösung.

Der Philosoph Karl Jaspers hat 1932 in seiner Schrift Die geistige Situation der Zeit dieses „Krisenbewusstsein“, die „Stimmung der Gefahr“ in der in der Agonie liegenden Weimarer Republik präzise analysiert: „Der Mensch fühlt sich bedroht“, ein „spezifisches Gefühl der Ohnmacht“ scheint ihn „an den Gang der Dinge“ zu fesseln. Prägnanter könnte man die mentale Lage in der globalen Finanzkrise, in der sich die Menschen „den Märkten“ ausgeliefert und sich von ihnen überwältigt wähnen, kaum beschreiben. Und schon Jaspers erkannte, was heute das politische Feuilleton landauf, landab kolportiert und was auch Ingo Schulze umtreibt: „Krise wird wirklich als der Mangel an Vertrauen.“

Unsicherheit und Ratlosigkeit

Diese Augenblicke der Unsicherheit und Ratlosigkeit erzeugen Spannung. Die alte Welt, der auch von Intellektuellen besungene, scheinbar gezähmte Kapitalismus, ist vom „entfesselten“ in eine scheinbar ausweglose Situation getrieben worden; dem Pol des Wohlvertrauten, Eingewohnten stehen frostige Ungewissheit und unkalkulierbar Neues gegenüber. Zukunftsangst wird zum Kern des Daseins. Ein „dritter Weg“ ist versperrt, eine „sozialistische Entscheidung“, die den Weimarer Kulturkritikern noch offen stand, scheint mit dem Verlust der alternativen Folie, die den Raubtierkapitalismus jahrzehntelang in Schach hielt, obsolet. Hier helfen keine wohlgesetzten Worte mehr, kein moralischer Appell, keine entkernte Kommunikation: Hier muss entschieden werden, gehandelt.

Der „Nullpunkt“ des Augenblicks drängt zur Entscheidung. Und so extrapoliert auch Ingo Schulze aus der verfahrenen Situation „einfache Fragen“: „Wem nutzt das“, „Wer verdient daran?“ – Fragen, die „unfein geworden“ sind. Die aus dem ideologiekritischen Arsenal stammenden Fragen sind nicht nur einfach, sondern auch vereinfachend, weil sie die Welt auf die wenigen Profiteure und das verlierende „Gemeinwesen“ reduziert: Bei Schulze sind es „die Märkte“, die Finanzmarkthaie und Banken auf der einen Seite, die ausgeraubten Bürger und ausgepowerten Gemeinden auf der anderen. Ungeachtet des aufklärerischen wahren Kerns, der in diesen Fragen aufscheint, wird das komplexe Geschehen vereinfacht durch die Bestimmung von Gut und Böse, Tätern und Opfern, und die (Er-)Lösung in den Möglichkeitshorizont verschoben: Letztlich, schreibt Schulze, ginge es doch nur um die eine Frage: „Was wollen wir für eine Gesellschaft?“

Doch wer ist dieses rhetorisch aufgeladene „Wir“? Sich vor portugiesischem Publikum als Repräsentant eines omnipotenten, das übrige Europa strangulierenden Staates verteidigen zu müssen, hat den Autor erkennbar aufgestört. Es ginge doch nur um „oben und unten“, sagt der Klassenkämpfer. Und entwickelt plötzlich einen neuen Glauben in die Politik, die imstande wäre, „die Akteure an den Märkten, vor allem den Finanzmärkten in Bahnen“ zu zwingen, „die mit den Interessen des Gemeinwesens“ vereinbar wären.

Die Nagelprobe

Aus dem Käfig der Interessen des entfesselten Kapitalismus zu fliehen und die Moderne in der „Gemeinschaft“ aufzuheben, war ein vordringliches Projekt der konservativen Kulturkritik der zwanziger und dreißiger Jahre. Ihre Weckrufe an die Bewohner im „stahlharten Gehäuse“ waren Versuche, die eigene Fassungslosigkeit und Ohnmacht zu überwinden. Doch dieser heroische Radikalismus, der messerscharf zwischen Freund und Feind unterschied, beschränkte sich keineswegs nur auf die „Männer auf verlorenem Posten“ auf der politischen Rechten, die das Ausbleiben neuer Führer beklagten, sondern zog sich durch die gesamte politische Kultur der Weimarer Republik und schuf Zwillinge im Geiste der neuen Gemeinschaftslehren.


Er habe wieder „Lust, den Mund aufzumachen“ und „Gleichgesinnte zu finden“, mit denen er „eine andere Sprache“ sprechen kann, beendet Ingo Schulze seinen Essay. Statt die Weltgeschicke in den Händen der Mittelmäßigen zu belassen, ist es Zeit für die intellektuelle Selbstermächtigung, für eine Flucht nach vorn. „Politisch Inkorrekte“ wie Baring oder Sarrazin haben das vorexerziert. Es scheint, als ob mancher Linksliberale nachzöge. Noch einmal: Es sind nicht die politischen Kerne, sondern diese strukturellen Momente – Krise und das Bewusstsein der Finalität, vereinfachende Weltdeutung und der Wille zur Entscheidung –, die es erlauben, eine Fluchtlinie von der Weimarer Republik in die heutige Intellektuellenlandschaft zu ziehen. Der als Ausnahmezustand wahrgenommene Augenblick ist die Nagelprobe für die zurück zu gewinnende Souveränität.

Aber so „freischwebend“ und autonom, wie der Soziologe Karl Mannheim die „Wächter in finsterer Nacht“ beschrieben hat, sind die Intellektuellen längst nicht mehr. Selbst einem der Teilmärkte ausgeliefert – ob der zum Unternehmen mutierten Universität oder dem „freien“ Markt –, werden sie von der Verwertungslogik kujoniert. Es gehörte zu den großen Mythen der Gegenwart, schrieb Konrad Paul Liessmann in der Zeitschrift INDES, „dass Intellektuelle, Künstler und Schriftsteller eine besondere Verantwortung gegenüber der Welt hätten. Diese teilen sie aber lediglich mit allen Menschen, die guten Willens sind.“ Das Wissen um die prekären intellektuellen Lagen und Integrität sind Schulze nicht abzusprechen. Doch die auf den exzeptionellen Augenblick zusammengeschrumpfte Situation zeitigt beunruhigende dezisionistische Denkfiguren und Redeweisen. „Wo der Mensch in einer Sache ganz er selbst ist“, gibt Jaspers mit auf den Weg, „gibt es für ihn ein Entweder-Oder. Er will die Dinge auf die Spitze treiben, um zur Entscheidung zu kommen.“ Ob aus einer derartig angeordneten Krise verhandelbare Perspektiven aufscheinen, steht dahin.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Columbus schrieb am 20.01.2012 um 14:32
Liebe Frau Baureithel,

Danke für diesen argumentierenden Artikel. Schon das ist ja ein gewisser Widerstand, gegen das reine mediale Meinen, bei dem schon Harald Schmidt, Frau Käßmann und ehemalige Thomaner im Musikbusiness als Intellektuelle durchgehen, und einige bewundernswert klar denkende Kabarettisten derzeit als Speerspitze der deutschen Aufklärung gelten müssen.

Ja, Jaspers ist ein guter Anknüpfpunkt. Vor allem auch deswegen, weil er seine programmatische Schrift von 1932, 1966, mit "Wohin treibt die Bundesrepublik", noch einmal fortsetzt. - Nach der Niederlage der aufgeklärten Intellektuellen, die gegen Deutschnationale, Dezisionisten, Völkische, Populisten, Strunzkonservative und eine im Grunde rechtsnational orientierte Verlegerpresse hoffnungslos unterlegen waren.

Intellektuelle waren nie freischwebend, sonst hätten sie, wie ein berühmtes Buch es nannte, nie "Verrat" begehen können. Den "Bruder" spürte der konservative Thomas Mann noch in der Ausgeburt Hitler, nicht etwa im eher vergeblichen Mühen seines Bruders, die Zivilisation der Demokratie zu retten. Recht hatte er, der Thomas M., mit diesem ganz und gar nicht intellektuellen Grundmotiv in uns allen, irgendwie auf der erfolgreichen Seite der Gewalt zu sein. Und der Heinrich Mann musste in essayistischen Pamphleten auch flach und platt schreiben, was er gewiss nicht war, um wenigstens gehört zu werden.

Der Einfluss der besten Denker und Schriftsteller, die sich mehr links orientierten, er blieb gering oder musste erkauft werden mit gewissen Anpassungen an die kommunistische Parteilinie des Münzenberg-Presseimperiums, wenn man Masse erreichen wollte.

Heute, wie damals, bestimmen die Zugänge zu den jeweils vorherrschenden Quotenmedien die Chancen, überhaupt in eine Gesellschaft hinein zu wirken. Bisher machen sich Blogger und Webaktivisten die es ernst meinen und nich nur nach einer Nische für eine Geschäftsidee suchen, nur vor, sie erreichten wirklich einen größeren Zugriff auf die Bevölkerung, die auch im Web vorwiegend jene Inhalte sucht und auch (er)findet (möglichst etwas günstiger in der Flatrate), die sie schon bei den klassischen Telemedien abrief.

Später kamen dann Sloterdijk, als er noch weniger an seine eigenen Steuerabgaben und sein persönliches Wohlleben dachte, und Habermas auf das Göschen-Bändchen 1000 zurück, als es verspätet, vorwiegend von Linksliberalen Autoren, kritischen Kirchenleuten und Fachwissenschaftlern, die beiden Bände 1000 aus dem Hause Suhrkamp gab.

Ich bin bedingungslos für Ingo Schulze, selbst wenn er nur flaches Geschwätz in der SZ abgeliefert hätte. Ich bin bedingungslos für dieses Regungszeichen.

Gegen Herrn Liessmann (Indes) ließe sich einwenden, dass die Frage nach dem Engagement der Intellektuellen, nach der besonderen Verantwortung aus mehr und differenzierterem Wissen, ein "Ethos der Freiheit zum Engagement" , sich genau so in den 50er, 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stellte und die klassischen Antworten eines Albert Camus oder die Jean-Paul Satres, immer noch gelten. - Konfessionelle Menschen mögen sich an Frau Sölle und Herrn Metz erinnern.

Einer der letzten großen Philosophen der das begriff und am Ende engagiert schrieb (er tat sein Leben lang was er konnte und davon steht wenig in Medien geschrieben, Parallele zu Brecht), war Jacques Derrida, und unter den Soziologen leuchtet z.B. Pierre Bourdieu.

Der Dezisionismus des Entweder-Oder ist immer mit der normativen Kraft der Gewalt spaziert und eigentlich obsolet. Das ist zu einfach, das ist wenig differenziert, hat aber mit diesem Anruf, den doch jeder denkende Mensch verspürt, nichts zu tun.
Engagement aus der Fähigkeit zur Differenz, das kann ja z.B. schon heißen, den Stab über einen Hubert Fichte nicht zu brechen und sein Andenken zu fördern, oder sich heute einmal für die Erinnerung an Nicolas Born im Feuilleton einzusetzen, selbst wenn das nicht gleich heißt, am großen Rad zu drehen.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Radar schrieb am 21.01.2012 um 13:50
Es liegt auch viel an der Sprache. Diese Appeasement-Sprache bedeutet tiefenpsychologisch, daß man sich gegenseitig nicht als lebendiges Wesen ernst nimmt.
Man muss die intellektuellen Anliegen vital und kraftvoll darstellen.
Intellektualität heißt auch Sinnlichkeit. Die Sinnlichkeit des klaren Denkens, die Sinnlichkeit der angedachten Zukunftsentwürfe.
Die Sinnlichkeit der Phantasie und der inhaltlichen Todfeindschaft
zu anderen Intellektuellengruppen.

Bei mir ist es die Sinnlichkeit eines großen geistigen Puzzle-Spiels, bei dem ich erst Inseln gebildet habe, dann Verbindungen gefunden habe.
Eine Weile hat es Mühe und innere Standhaftigkeit und Beharrlichkeit gebraucgt, bis es ein beinah täglicher Spaß, ein Vergnügen wurde, die Dinge zu betrachten, entschiedne ja und nein zu sagen, einerseits/andererseits genau formulieren zu können.
Geistige Nahrung eben.

Tod RTL!
miauxx schrieb am 21.01.2012 um 22:35
"Ein „dritter Weg“ ist versperrt, eine „sozialistische Entscheidung“, die den Weimarer Kulturkritikern noch offen stand, scheint mit dem Verlust der alternativen Folie, die den Raubtierkapitalismus jahrzehntelang in Schach hielt, obsolet. Hier helfen keine wohlgesetzten Worte mehr, kein moralischer Appell, keine entkernte Kommunikation: Hier muss entschieden werden, gehandelt."

Na, das "vereinfachende" Benennen Schulzes, das ich hier eher in die Richtung klares Benennen rücken würde, muss doch als Anstoß verstanden werden, der eben nötig scheint, da lauter noch die Barings und Sloterdijks klingen. Bezüglich eines "Weckrufes" Schulzes schließe ich mich Columbus an.

Wenn man sich angeblich nicht mehr zugeben kann, den Sozialismus in betracht zu ziehen, stärkt man sogar die konservative Haltestange. Auf dass der linke Rufer stille bleibe - oder sich zurückziehen muss in den "freischwebenden Raum", um den berühmten Elfenbeinturm mit Diskursen auszuzieren. Kann kein klares Wort, und sei es zur ersten Provokation oder karthatischen Denkdurchspülung, gewagt werden, um sich nicht in den Verdacht des Liebäugelns mit stahlhart vollzogener Vergemeinschaftung, die nur Freund und Feind, Tod oder Leben, kennt, zu bringen?!

Vielen Dank aber für den Text!!
aristerospolitis schrieb am 22.01.2012 um 14:46
Für den anregenden Artikel möchte ich mich, ganz wie meine Vor-Kommentatoren, bedanken. Mir stellt sich jedoch die Frage, ob der aus dem Text sprechende Schauder vor dem "Willen zur Entscheidung" gerade in seinem Bezug auf "Weimar" nicht aus einer unangemessenen Abstraktionshöhe resultiert.

Ist das Getümmel im Koordinatensystem Bürger, politische Macht und ökonomische Macht wirklich so elementar schicksalhaft, so ratlos-machend, so un-fassbar, dass eine intellektuelle Anstrengung, diese Verhältnisse zu durchleuchten, gleich eine fragwürdige Vereinfachung eines komplexen Geschehens ist, aus dem eine Sehnsucht nach dem eigenen Platz auf der Seite des Guten im metaphysischen Kampf zwischen (und so weiter und so weiter) abgelesen werden könnte?

Mir kommt die Auseinandersetzung um die Kernkraft in den Sinn, denn ein KKW ist ein sehr komplexes System auf physikalischer und technischer Ebene, in seiner Einbettung in die Energiewirtschaft, bezüglich seiner politischen, militärischen und geostrategischen Auswirkungen. Obwohl manchmal die Bauart einer Pumpe oder die Position einer Schweißnaht eine Rolle spielte, wurden in den Debatten die wesentlichen Fragen der gesundheitlichen Auswirkungen und Risiken herausdestilliert und es wurde den Beteiligten klar, dass dies politischen Positionen betraf und letztlich zu politischen Machtfragen führte. Ein KKW stellte sich als eine Sache heraus, zu der wir(!) als Gemeinwesen eine Position erstreiten müssen.

Wie sieht es nun mit der Komplexität der Finanzwirtschaft und ihren Bezügen zu Politik und Menschen aus? Ist die Vermutung, dass es hier viel vernebelnde Schein-Komplexitat geben könnte schon unangemessene Sehnsucht nach einer einfachen Welt? Darf ich nicht nur eine dumpfe Ahnung sondern eine aufgeklärte politische Position für mich in Anspruch nehmen, auch ohne dass ich ein KKW steuern könnte? Darf ich das in Hinblick auf "die Finanzmärkte"?

Übrigens ist ohne die Frage nach dem "wir", die U.Baureithel als "rhetorisch aufgeladen" empfindet, Politik weder notwendig noch überhaupt möglich.

Im Märchen sagt das Kind: Der Kaiser ist nakt.
Der Philosoph erwidert: Das musst du differenzierter sehen!

Kann sein. Aber vielleicht hat das Kind einfach und schlicht Recht!
Radar schrieb am 22.01.2012 um 15:06
Die Sicht des Kindes heißt Vereinfachung. Bis in die 80er Jahre war das Leben/die Kollektivstrukturen einfacher. Hier muss es Abrüstung und Vereinfachung geben, daß die Welt und das praktische Leben wieder durchschaubar und nachvollziehbar werden. Daß die Ebenen der Tat und des Arbeitens wieder festen Halt und klare Orientierung ermöglichen.

..."die nur Freund und Feind, Tod oder Leben, kennt, zu bringen?!"...

Kein Computer funktioniert ohne das klare 0/1-Schema, soweit ich weiß.
Um klare Orientierung zu ermöglichen, braucht die Existenz grundsätzlich diese Struktur. Falsches Appeasement ist vielleicht nett und angenehm, aber es zerstört Klarheit und Strukturen.
Die Ansicht, daß Wahrheit relativ wäre, was zur Vernachlässigung des Begriffs überhaupt führt, ist entschieden abzulehnen.
Der Geist der inneren Korruption und der Sophisten spricht so.
Es ist zumindest ein dummer Geist, wenn nicht in den Auswirkungen ein böser Geist.


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