Kultur

Kulturkommentar | 06.02.2012 11:22 | Michael Hartmann

Stimmt, rücksichtsloser geht’s auch unten zu...

... aber nur die Eliten profitieren kräftig. Der Soziologe Michael Hartmann über die Moral der entsolidarisierten Gesellschaft

Diese Woche läuft Zettl an, der neue Film von Helmut Dietl über die Berliner Polit- und Medienszene. Worum geht es im Kern? „Baby Schimmerlos ging damals zwar auch über Grenzen, aber er hatte durchaus noch Vorstellungen von Moral und Unmoral. Max Zettl hat die nicht mehr, in seinem Weltbild kommen Begriffe wie Unmoral oder Skrupel gar nicht vor.“ Dieser Aussage von Dietl dürften die meisten Bürger zustimmen. Die Älteren erinnern sich dann daran, dass es früher selbst bei Schlägereien Regeln gab, die allgemein akzeptiert wurden. Wenn jemand am Boden lag, hörte man auf. Auch die Politiker und Journalisten sehen in der Erinnerung moralischer aus als heute. Generell schien es in der Gesellschaft früher anständiger zuzugehen.

Ob das alles genauso stimmt oder manches verklärt wird, lässt sich im Einzelfall nicht immer sicher sagen. Journalistenrabatte gibt es schließlich nicht erst seit 20 Jahren, und zumindest auf lokaler und regionaler Ebene war Filz zwischen Politik und Wirtschaft auch schon vor Jahrzehnten zu beobachten. Allgemein spricht dennoch viel dafür, dass es im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte zu einer gewissen „Verluderung“ der Sitten gekommen ist. Das gilt nicht nur für die Häufung der Skandale in den oberen Etagen der Gesellschaft, von Zumwinkel bis Wulff. Auch im alltäglichen Verhalten der breiten Bevölkerung haben Werte wie Solidarität oder Fairness an Boden verloren.

Mit Verzögerung

Der entscheidende Wendepunkt war die Thatcher-Ära. Es gebe keine Gesellschaft mehr, sondern nur Individuen, sagte die britische Premierministerin. Konkurrenz war angesagt, nicht Solidarität. Die alten Werte der Arbeiterbewegung wie teilweise auch des Bürgertums waren nicht mehr zeitadäquat. Jeder musste nun sehen, wo er blieb. Dieses Motto wurde zwar von oben vorangetrieben, notfalls durch massiven Polizeieinsatz wie bei der entscheidenden Niederlage britischer Bergarbeiter 1984/85. Doch wurde es von größeren Teilen der Bevölkerung auch akzeptiert. Thatcher wurde immerhin dreimal gewählt. Die Welt sei in Zeiten der Globalisierung eben rauer geworden, meinen viele. Mit einer Verzögerung von gut einem Jahrzehnt kam diese Botschaft auch in Deutschland an.

Je stärker eine Gesellschaft aber von Prinzipien wie the survival of the fittest oder the winner takes it all bestimmt wird, umso weniger prägen Werte wie Gemeinsinn oder Kollegialität das alltägliche Handeln und Denken. Damit sinkt auch die Hemmschwelle, Gefälligkeiten anzunehmen oder in anderer Weise den persönlichen Vorteil zu suchen. Beschleunigt wird das dadurch, dass die Eliten mit schlechtem Beispiel vorangehen.

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Es bleibt aber ein wesentlicher Unterschied zwischen den oberen zehn Prozent der Bevölkerung – vor allem also den Reichen und Mächtigen – und den unteren 90 Prozent. Erstere haben von dieser Entwicklung materiell eindeutig profitiert, letztere unter ihr mehr oder weniger ge­litten. Deshalb erfreuen sich bei großen Teilen der Bevölkerung Werte wie Ehrlichkeit oder Freundschaft wenigstens theoretisch einer immer größeren Beliebtheit. Man sucht im kleinen privaten Umfeld das, was man gesamtgesellschaftlich vermisst, aber auch als nicht mehr realisierbar ansieht. In den oberen Etagen der Gesellschaft herrscht dagegen Gleichgültigkeit, Zynismus und Zufriedenheit.

 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
KarinL. schrieb am 06.02.2012 um 13:25
Hochkulturen sind schon immer in der Geschichte untergegangen. Und wenn eine Gesellschaft sich entsolidarisiert, keine Werte und Moral hat, sind das für mich die ersten Anzeichen des Untergangs. Denn eine Gesellschaft auf friedlicher Basis kann nur in einem sozialen Miteinander funktionieren!
kenua schrieb am 07.02.2012 um 17:28
Niedrigkulturen genauso. Bei Hochkulturen fällt es eher auf, weil sie zumindest früher die Niedrigkulturen schluckten.

"Denn eine Gesellschaft auf friedlicher Basis kann nur in einem sozialen Miteinander funktionieren!"
Dann bleibt ja noch die kriegerische Basis.
Ismene schrieb am 06.02.2012 um 13:35
Es verkehren sich langsam Ausnahme und Regel. Galt ehedem der Skandal als Ausnahme, so ist es heute eher das integere, rücksichtsvolle Verhalten.

Wobei vielleicht auch zu erwähnen ist, dass ein solches Verhalten immer noch als normal gilt und darum vielfach gar nicht erwähnt wird und daher unbeachtet bleibt.

Über Schlechtest lässt sich einfach viel ausgiebiger debattieren und es fällt auch eher auf.
kenua schrieb am 07.02.2012 um 17:29
In unserer hohen Kultur der Relativierung ist alles relativ.
rioja schrieb am 06.02.2012 um 16:29
Ja, seit `45 haben wir eben die "Friedens-Dekadenz-Gesellschaft", mit all ihren Folgen. Die Eliten mussten die Massen umkonditionieren, in Verbraucher, Konsumenten, Massen überall - nur nicht mehr auf die Schlachtfelder schicken. Das war vorbei. So, das hat ja auch Jahrzehnte funktioniert, mit dem linearen Wachstum, dem immer mehr, und noch mehr und neu und noch neuer und haben wollen und kaufen müssen und wegwerfen und neu kaufen bis zum Irrsinn, den wir jetzt haben. Auf den Punkt gebracht: wir haben ein Elitenproblem! Die Massen rennen überall hin, ob zum Endsieg oder in die Konsumtempel, egal. Doch seit auch in der belle etage das Durchknallen Alltag ist, das Guttenbergen und Wulffen sich via Medien den Massen täglich zeigt, gerät das bisherige Paradigma ins Wanken. Hat schon mächtig Schlagseite. Die Lust am Untergang könnte durchaus fühlbar sein.
Nashira schrieb am 06.02.2012 um 17:11
Wo liegen die Gründe?

Warum sind wir so geworden (als Kollektiv) und werden offenbar immer schlimmer?

Wer oder was hat uns beeinflusst, dass sich das alles zum Schlechteren verändert? Oder ist es nicht schlechter, war schon immer so, wird nur mehr publiziert? Oder ist es so, weil wir heute das Schlechte anschaulicher durch die Bilderflut ständig in uns aufnehmen?
Oder verrohen wir an den Bildern, den Berichten, den Folterungen, Morden und ständigen Vergewaltigungen, von denen überall und ständig die Rede ist und einen gigantischen Anteil am "Unterhaltungsmarkt" thematisch bestimmt?

WOllen wir das so, weil alles darunter uns langweilt?

Was ist mit der subtilen oder offenen Gehirnwäsche durch Werbung - Geiz ist geil, ständig wird jede Suppe, jeder Lippenstift oder jedes Auto so erotisiert, dass nur noch der Porno die Steigerung sein kann?

Was ist mit anderen Kultureinflüssen? Wo wirkten sie positiv, wo schrecklich? Oder darf man über die anderen Kulturen und ihre Einflüsse nichts sagen, sondern nur die eigene beschimpfen, die gerade aus dem Ruder läuft?

Was genau zerstört unsere eigene Kultur im Kern? - Unsere Gleichgültigkeit, unsere Habsucht, unsere Gedankenlosigkeit? - Oder doch Mächte, die uns genau dahin haben wollen? Sollen wir Konsumjunkies werden?

Welche Rolle spielen Politik oder Religion? Schlechte Vorbilder, die alles nur verschlimmern?

Wie erleben wir denn selbst all diese Dekadenz in unserem Inneren? - Schämen wir uns? Nehmen wir sogar gern dran teil, auch wenn wirs nicht gerne zugeben? Lassen wir sie pseudotolerant desinteressiert zu und widmen uns uns selbst?

Was läuft in der öffentlichen Diskussion über Ethik und Werte so falsch, dass es offensichtlich nur bei Worten bleibt?

Wo ist die Schnittstelle, wo Gedanken zu echten Handlungen werden, die die Wirklichkeit verändern?

Läuft alles nur allein auf das erwachende Individuum hinaus, das sich in der Masse aber nun erst einmal in den kollektiven Schlaf begibt und keinen Bock auf solche Fragen hat?

Was ist es denn?

Wer weiß es?
Ismene schrieb am 06.02.2012 um 18:01
Ich weiß es nicht genau und hätte nur so ein Kuddelmuddel aus verschiedenen Tendenzen als unsortierte Antwort anzubieten. Aber eins weiß ich ganz genau:

Ich habe die Möglichkeit (und schon das hat nicht jede in diesem Land) und damit auch sowas wie die Pflicht, diese Einflüsse (mindestens teilweise) wahrzunehmen und ihnen zu widerstehen. Meine Empörung ändert jetzt nichts am Weltgeschehen im Großen, aber im Kleinen. Wenn ich mich solidarisch verhalte und gegen die oben beschriebenen Tendenzen zur Wehr setze (das fängt dann aber eben auch schon beim Thema "Schwarzarbeit" an), dann wirkt das. Nicht in dem Maße positiv, wie Wulff negativ wirkt, aber trotzdem...
Die Schnittstelle vom Denken zum Handeln bin ich (oder Du oder wir alle), jeden Tag. Und ich finde, das fängt schon lange vor konkrete Solidarität an mit Aufmerksamkeit und ja, auch Höflichkeit.

ausnahmsweise mal moralische Grüße

Ismene
Nashira schrieb am 06.02.2012 um 22:21
Moral ist ja nicht Moralin. Und an Moral fehlt es allerorten. Ich stimme all dem zu - auch, dass es nur die Einheiten im Kleinen sein können, die letztlich das Große bewirken werden.

Jeder bei sich und mit sich zuerst. Das ist richtig vom Ansatz her. Nur aber, ist der Kreis des bereiten "jeder" vielleicht am Ende doch zu klein?

Machen denn genug "da unten" mit? Das erst die Basis, das Fundament im Kern gesund sein muss, glaube ich auch. Aber da gibt es so schrecklich viel (geistige) Materialermüdung, weil die tägliche Hirnwäsche ja andere Bilder, andere Worte und Töne sendet.

Selbst das Wort "Moral" ist ja schon "gefährlich"... Wer darf es sagen, wer benutzen, ohne in Verdacht zu geraten, dies oder jenes damit instrumentalisieren zu wollen - oder zu missionieren usw.

Ismene, ist Ihnen eigentlich in Ihrem eigenen Umkreis in den letzten Jahren aufgefallen, dass es immer mehr Irritationen und Missverständnisse unter den Menschen (auch unter echten Freunden, Seelengefährten usw.) gibt? Ist Ihnen nicht aufgefallen, dass viele Menschen immer mehr "Schwierigkeiten" mit dem Leben an sich haben? Mir sticht es - ungesucht! - ins Auge, drückt sich auf, prägt sich ein... und ich glaube, es hängt genau mit diesem Vakuum zusammen, dass die Werteordnung zerstört ist.

Eben noch ein kurzer Bericht im Fernsehen, dass zu viele junge Männer aus westlichem Kulturkreis radikalislamistischem Gedankengut auf den Leim gehen, konvertieren usw.... Meine erste Frage war: Halten sie vielleicht unsere Entgrenzung nicht mehr aus (unbewusst, ohne zu wissen, was ihnen geschieht?) Suchen sie Halt in festen Strukturen?

Ist eine schleichende Entgrenzung in fast allem eine gefährliche Grundformel, die atomare Sprengkraft für das zwischenmenschliche Zusammenleben birgt?
Ismene schrieb am 06.02.2012 um 22:32
Hm, Ihre Frage ist schwierig zu beantworten.

Zum einen fällt mir auf, dass ich mehr Menschen kennenlerne, die absolut integer sind, die Dinge tun, die über einfache Solidarität hinausgehen. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch schon diese Irritationen und Missverständnisse, die oft gar keine sind. Da wird gelogen und intrigiert, um an ein Ziel zu kommen, dass oft genug auch erreicht würde, wenn man klar sagte, was man will (weil es inhaltlich eigentlich Einigkeit gibt). Dann bin ich irritiert.

Ja, es gibt ganz viel Unsicherheit. Ich habe das bisher immer damit in Zusammenhang gebracht, dass auch die ganze Welt so unsicher ist. Jetzt nicht in Bezug auf materielle Dinge, aber man kann sich einfach nicht mehr sicher sein, das richtige zu tun. Und wenn am Ende doch alles vielleicht oder wahrscheinlich den Bach runter geht, dann wenigstens bis dahin noch Spaß haben. Oder jemanden finden, der weiß, was richtig und was falsch ist.

Das ist die Zeit der neuen Beliebigkeit, in der gemacht wird, was (ungestraft) geht.

Für mich bleibt die Frage, was wir tun können. Wenn es unten nicht mehr reicht, Vorbild zu sein, was ist dann ein Mittel der Wahl?

Ich weiß es im Moment nicht. Aber ich höre nicht auf!

Ismene
Exilant schrieb am 07.02.2012 um 12:56
"....Gehirnwäsche durch Werbung......".
Erich Fromm hat dies in seinem Buch "Haben oder Sein", das Mitte der 70er Jahre erschien, beschrieben - und forderte ein Verbot von Werbung. Dies hatten auch die "Grünen"(hat nichts zu tun mit der heutigen Partei B90DieGrünen) in ihrem Gründungsprogramm.
s0cialliberalism schrieb am 07.02.2012 um 10:30
Ich frage mich allerdings, inwiefern früher vieles auch einfach nicht bekannt geworden ist. Vielleicht waren früher die Leute einfach "schweigsamer".
Exilant schrieb am 07.02.2012 um 12:48
Die waren nicht "schweigsamer". Sie waren solidarischer, weil die soziale Sicherheit größer war. Und redeten sogar viel mehr miteinander. Besonders in den öffentlichen Treffpunkten wurde viel mehr über Politik gesprochen als heute. In vielen gastronomischen Einrichtungen läuft heute nur noch n-tv oder n24.
Hartmann beschreibt ja den Thatcherismus ("survival of the fittest") der hier zusammen mit den Reagonomics vor 30 Jahren begann, und schon Anfang der 80er Jahre wurde der Yuppyismus salonfähig. In seinem Buch "Flüchten oder Standhalten" hat der vor kurzem verstorbene Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter ein Unterkapitel mit dem Titel "Die Karriere vollzieht oft die psychische Selbstaufgabe in Raten" verfaßt. Karrierismus war allgemein verpönt. Und wenn ein Student Anwandlungen hatte, Karriere machen zu wollen, wurde er gefragt, ob er ein Schwein werden wolle. "Karrieristen gehen über Leichen", hieß es. Sogar der ehemalige Juso-Vorsitzende Gerhard Schröder sprach damals davon, daß Karrierismus die Gesellschaft spalte.
Es war beileibe nicht alles Gold, was glänzte; jedoch, wie oben beschrieben: die Leute hatten mehr Existenzsicherheit.
Popkontext schrieb am 14.02.2012 um 12:43
Ja, die Existenzsicherheit spielte eine ganz große Rolle. Aber meine These zum Thema ist, dass das "Bekannt werden", durch Veränderung der Medien eine ganz große Rolle spielt. Wie verpönt Karriere war, hatte nicht nur mit dem Zeitgeist was zu tun (der in den den reichen 60ern sagt: schlecht), sondern auch mit Klasse. Und viel von dem Verhalten / Einstellungen aus den den oberen Klassen ist jetzt, da über Medien bekannt, in die unteren gesickert.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.02.2012 um 10:50
Schade, dass von dem Film so wenig die Rede ist.
Ich halte Dietl übrigens für einen großen Idealist und Moralisten. Der schaut halt hin, im Gegensatz zu denen, die sich Ideale auf die Fahnen schreiben, Gesellschaftskritik usw. und am Ende doch nur in den verschwiemelten Darkrooms von abgedroschenem Pathos kleben bleiben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.02.2012 um 10:51
Idealisten
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.02.2012 um 10:51
Idealisten
GEBE schrieb am 07.02.2012 um 13:58
Schopenhauer sagt schon: „Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer.“ Ohne eine wirkliche Begründung jedoch wird man sich die Moral nie wirklich zu eigen machen, man bleibt stecken in Satzungen, dem Einfordern von Satzungskonformem verhalten; und zumeist wird die Wichtigkeit von Satzungsvorgaben versucht damit zu begründen, daß man hinweist darauf, daß die Satzungsinhalte alte und bewährte seien.
Es wird sich mehr und mehr herauskristallisieren, daß etwas ganz anderes notwendig ist, um Moral lebenspraktisch lebendig ausfüllen zu können. Es ist das das Seelische. Und zwar ist es das Seelische in der Ausformung, die sich z.B. sehr berechtigt ausdrückt in dem, was in Lukas 6, Vers 31 ausdrückt: „Tuet den Menschen das, was ihr wollt, daß sie euch tun mögen.“ Es ist das kein religiöselnder Spruch, nicht irgendeine biblische Anweisung – sondern eine vollumfängliche Lebensrealität. Sie ist auch nicht gleich zu setzen mit dem volkstümlichen Abreißkalenderspruch: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg’ auch keinem andern zu“. Letzteres ist reaktiv, so, wie man etwas vergeltet; ersteres hingegen initiativ und eine Vorleistung.
Legte man in seinem Tun den Maßstab als selbstverständlich an, sich zu fragen, ob man dies oder jenes, was sich durch sein Tun und Handeln als Wirkungen gegenüber anderen hervorbringt, selbst hervorgebracht haben möchte – machte man sich mit selbstverständlicher Vorausschaue selbst zum Erduldenden, Erleidenden, mit den Handlungsergebnissen Konfrontierten, so würde manche eine Sache anders getan. Man unternähme sie anders, nicht aus Selbstliebe, sondern weil man in der Liebe zu sich selbst die Liebe zu anderen Menschen erkennen würde. Und dieses Handeln wäre dann fern von Verweisen auf äußerliche Satzungen – und fern von irgendwelchen bloß aus Sitte und/oder Schicklichkeit hergeleiteten Handlungsanweisungen. Es beinhaltete das, was Menschentum ist.
Exilant schrieb am 07.02.2012 um 15:22
@GEBE: Woher habe Sie diesen Kommentar?
Denn um anzuwenden, was Sie hier beschreiben, braucht man m.E. die gesellschaftlichen Verhältnisse dazu.
Was Sie als "das Seelische" beschreiben, kann nicht vom Kopf her bestimmt werden. Dies wäre Berechnung. Und sinnlos.
GEBE schrieb am 07.02.2012 um 17:03
@ Exilant schrieb am 07.02.2012 um 15:22
Ich verstehe Ihre Antwort auf meinen Kommentar nicht.
Erstens können Sie sehen, daß ich den Kommentar hier um 13:58 Uhr geschrieben und eingestellt habe. Was soll also die Frage?
Wie ist das zu verstehen: “ … braucht man m.E. die gesellschaftlichen Verhältnisse dazu.“ -? Jeder kann jeden Tag zigmal die entsprechende Position einnehmen, sich entsprechend zu verhalten. Was braucht es da wie auch immer geartete „gesellschaftlichen Verhältnisse“ dazu.
Auch Seelisches können Sie empirisch erfassen (nachdem es erlebt worden – oder besser gesagt: wahrgenommen worden ist) – und zwar als realen inneren Vorgang, und selbstverständlich auch mittels Verstand beschreiben.
Exilant schrieb am 08.02.2012 um 12:24
GEBE um 17:03 Uhr:
Sie haben dreimal in einem Halbsatz den Begriff "Satzung......" benutzt und Lukas 6, Vers 31, als objektive Wahrheit verkauft. (Es gibt dazu auch den "kategorischen Imperativ" von Kant.)
Auch der "Liebesterrorist" Jesus Christus war nicht immer friedlich.
Hat er nicht die Geldwechsler mit einer Peitsche aus dem Tempel gejagt, hat er nicht die Pharisäer und Schriftgelehrten als Heuchler, Nattern und Otterngezücht bezeichnet (keine friedl. Sprache)?
Oder meinen Sie, daß das Hinhalten der einen Backe dann zum Hinhalten der anderen Backe führen muß? Ich weiß nicht, ob das so einfach geht: Nachgiebigkeit wird oft als Schwäche ausgelegt und ausgenutzt. Kommt eben auf die Situation an. Und wenn Sie nicht selbst ein liebender Mensch sind: Sie können sich dies nicht einreden im Sinne einer Autosuggestion.
GEBE schrieb am 08.02.2012 um 22:03
Sind Sie religiös traumatisiert?
DandelionWine schrieb am 07.02.2012 um 19:29
Ich muss das alles erst verdauen. Ich glaube, ich werde dann nicht im Kommentarstrang reagieren, sondern verfasse mein eigenes Blog dazu. Als Replik auf den Artikel. Schön wird dieses Blog aber nicht. Sorry.
Dreizehn schrieb am 08.02.2012 um 22:38
"Deshalb erfreuen sich bei großen Teilen der Bevölkerung Werte wie Ehrlichkeit oder Freundschaft wenigstens theoretisch einer immer größeren Beliebtheit. [...] In den oberen Etagen der Gesellschaft herrscht dagegen Gleichgültigkeit, Zynismus und Zufriedenheit."

Schade, dass diese Aussagen so verkürzt sind und doch so recht sozialromantische Anklänge haben. Dabei wäre interessant, zu überlegen, worin die Gleichgültigkeit liegt bzw. worauf sie sich erstreckt. Gewiss ja nicht auf die eigene Bezugsgruppe, und dass in jenen Etagen bestimmte Überzeugungen - lebenswerte Erde, gesunde Bedingungen u.ä. - egal wären, lässt sich ja auch nicht freiweg behaupten.


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