Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung

Politik : Eine dritte Intifada ist möglich

Die Fatah hat auf ihrem Parteitag in Bethlehem nicht nur die „Generation Arafat“ abgewickelt, sondern auch Entschlossenheit getankt

Zum Kommentar-Bereich

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Share Icon
Jetzt kostenlos testen

Die Fatah rennt um ihre Zukunft, sie rennt vielleicht sogar um ihr Leben und keine offenen Türen ein. Die gibt es nicht. Schon gar nicht im Nahen Osten. Weder werden sie von den Israelis aufgestoßen, noch vom Rivalen Hamas, noch vom Partner Ägypten – nicht einmal vom Gönner USA. Einen palästinensischen Staat wird nicht Barack Obama mit Benjamin Netanyahu aushandeln, das kann nur der Fatah-Vorsitzende Mahmud Abbas selbst tun und zwar mit aller Konsequenz. Es wird ihm nicht anderes übrig bleiben, als ohne falsche Bescheidenheit zu verlangen, was den Palästinensern zusteht: Ein eigener Staat in allen besetzten Gebieten, nicht nur in einem Teil, mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt, kein Bantustan, kein Homeland, kein Protektorat. Das verlangen keine palästinensischen Hardliner – so steht es in der Roadmap, sanktioniert von den USA, Russland, der EU und den Vereinten Nationen vor nunmehr sechs Jahren.

Dem zu genügen, dazu ist Mahmud Abbas auf dem Fatah-Kongress in Bethlehem autorisiert worden, deshalb haben ihn die Delegierten als Vorsitzenden bestätigt und mit einem Programm ausgestattet, in dem es heißt: "Widerstand mit allen Mitteln". Im Klartext, Kurs auf eine dritte Intifada, wenn sich die Regierung Netanyahu nicht zu ernsthaften Verhandlungen herablässt. Die denkt bisher nicht einmal an marginale Zugeständnisse. Allein der umfassende Siedlungsstopp, bei dem es nicht etwa um Rückbau, sondern lediglich um keinen weiteren Ausbau von Niederlassungen in der Westbank geht, wird zur Feuerprobe der Standhaftigkeit verklärt. Premier Netanyahu lässt sich dafür mit einem Augenzwinkern in Haftung nehmen und tut so, als habe man seinem Verständigungswillen Fesseln angelegt.

Die Fatah hat in dieser Situation gar keine andere Wahl, als sich auf die Flucht nach vorn zu begeben. Die Gunst der Stunde, wie sie Obama mit seinem Drängen auf Fortschritte im israelisch-palästinensischen Verhältnis bietet, ungenutzt verstreichen zu lassen, wäre fatal, töricht und selbstzerstörerisch. Die Fatah würde weiter an Glaubwürdigkeit verlieren, sollte ihre Führung die militante Offensive scheuen. Die radikale Erneuerung von Zentralkomitee und Revolutionsrat ist ein Indiz dafür, wieder Tugenden pflegen zu wollen, wie sie Arafat in seinen besten Zeiten prägte. Wenn dessen Generation auf dem Parteitag in Bethlehem verabschiedet wurde, dann deshalb, weil sie als Entourage von Mahmud Abbas versagt hat.

Themen

sticky banner image

35 Tage gratis zum 35. Geburtstag

der Freitag digital mit Zugang zu allen Artikeln inkl. E-Paper & Audio