Politik

Übergriff | 13.09.2009 18:18 | Susanne Lang

Polizei gegen Bürger

Am Rande der Demonstration "Freiheit statt Angst" ging die Polizei gewaltsam gegen Demonstranten vor. Ein Video dokumentiert den Vorfall, die Polizei ermittelt intern

Eigentlich haben die über zehntausend Menschen am Samstag in Berlin friedlich gegen zunehmende Überwachung der Bürger durch den Staat im Informationszeitalter protestiert. Wie man die neuen Techniken jedoch auch nutzen kann, um sich gegen den Staat und seine Organe zur Wehr zu setzen, zeigt sich einen Tag später. Ein Video, aufgenommen von Demonstranten, verbreitete sich rasend schnell in der Blogosphäre. Sein Inhalt: Ein Polizist zerrt einen Fahrradfahrer am Hemd und schlägt ihm ins Gesicht. Weitere Polizisten zerren ihn zu Boden und treten ihn. Umstehende Demonstranten bekommen ebenfalls Schläge ab und bluten im Gesicht. Über das Video konnte soviel Druck erzeugt werden, dass die Polizei nun wegen des Verdachts auf Körperverletzung im Amt in den eigenen Reihen ermittelt, wie ein Sprecher der Polizei am Sonntag mitteilte. Mitarbeiter des Landeskriminalamts arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung des Zwischenfalls. An der Echtheit des Videos bestünden keine Zweifel, sagte der Polizeisprecher. Insgesamt wurden 19 Personen festgenommen. Der Chaos Computer Club veröffentlichte Medienberichten zufolge einen Aufruf und bittet Zeugen darum, sich zu melden.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Ludwig Hasselberg schrieb am 13.09.2009 um 18:48
Habe nach 5 Min. warten immerhin schon 1/3 des Videos laden können.
Es fehlen einem wirklich Zusammenhänge, wenn man sieht, wie der Mann festgehalten wird, es erscheint unmotiviert. Hat er noch was gerufen, so dass den Polizisten die Sicherungen durchgegangen sind? Oder gilt wirklich nur - dumpf, dumpfer, Bereitschaftspolizei?
Streifzug schrieb am 13.09.2009 um 18:55
Bei derFreitag gab es schon einen Blogeintrag am 12.09.2009 um 23:52 zum Thema.

Freiheit statt Angst und Polizeiprügel"
Streifzug schrieb am 13.09.2009 um 19:15
Streifzug schrieb am 13.09.2009 um 19:16
Oh, MH120480, besten Dank, den Kommentar hab ich noch nicht gesehen.
mh schrieb am 13.09.2009 um 19:12
in bezug auf polizeigewalt gegen fussballfans tauchen solche videos öfter mal auf. erstaunlicherweise sind diese immer sehr schnell von youtube verschwunden...

... nach etwas rumfrageerei funtkioniert es wohl wie folgt:

- polizei tut etwas
- video wird erstellt und online gestellt
- polizei bemerkt dies
- polizei ruft bei youtube an und möchte es entfernt haben
- youtube entfernt es um sich ggf. rechtlich schadlos zu halten

so viel auch zum thema zugelassener demokratie im internet. diverse fanseiten bemühen sich seitdem die videos anders verfügbar zu machen...

.. zeigt für mich aber, dass der staat hier bereits aktiv die berichterstattung über sein treiben zensiert.

mfg
mh
Ludwig Hasselberg schrieb am 13.09.2009 um 21:34
Beim rbb (www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2009_09/polizeiuebergriff.html) liest man, dass der Radfahrer die Beamten über seine Anzeigeabsicht in einer anderen Sache informiert hätte. Die beabsichtigte Anzeige erklärt wohl die Notizen, die er sich gut erkennbar zu Beginn des Videos macht.
An Polizei und Fussball musste ich auch denken, obwohl ich meinem Leben noch nie ein Spiel in einem Stadion gesehen habe. Aber es gibt ja genug Dokus, in denen der Polizei bei ihrer Arbeit im Umfeld von Fussball und Hooliganismus über die Schulter geschaut wird. Mein Eindruck daraus: solche Einsätze sind nicht nur Arbeit für viele Beamte. Es ist oft genug durchaus auch Jagdfreude und Lust am Krawall dabei. Es gibt Menschen, für deren psychischen Haushalt ist das genau das Richtige, kräftig und dann womöglich auch unverhältnismäßig oder gar besinnungslos austeilen zu können, in der felsenfesten Sicherheit, dabei auf der richtigen Seite zu stehen und damit auch das Richtige zu tun. Am wenigsten unterscheidet sich dieser Menschenschlag dann von Denjenigen, vor denen sie Unbeteiligte eigentlich schützen sollen, also den Hooligans.
Bin jedenfalls gespannt, wie sich der Fall weiter entwickeln wird.
vomsehen schrieb am 14.09.2009 um 12:53
Ich freue mich darüber, dass dieser "Fall" eines Übergriffs durch die Berliner Polizei so hohe Wellen schlägt. Auf der anderen Seite bleibt etwas Schales: dass es (im Netz) so viele gibt, die offenbar denken, derlei sei eine krasse Ausnahme. Bei anderen Demonstrationen, die einen kleineren oder keinen bürgerlich-anerkannten Resonanzraum haben, ist es nämlich gar nichts besonderes, dass Berliner Polizisten einem mehr oder minder Unbeteiligten mal einen überziehen. Ist mir selbst schon passiert: Am 1. Mai in der Oranienstraße am Rande rumgestanden, herumrennende Einheiten beobachtet - und Zack: einen gepanzerten Ellenbogen (kann auch eine Faust gewesen sein...) im Gesicht. Lippe aufgeplatzt, Hämatom an der Backe. Das ist Alltag in Berlin. Die Polizei hat sich am Samstag nicht besonders brutal aufgeführt, sondern nur so, wie sie es immer machen.
poor on ruhr schrieb am 14.09.2009 um 13:10
Die Härte war heute morgen die Berichterstattung auf N24. Es war von einem Video mit angeblicher Polizeibrutalität die Rede, obwohl man ganz klar sieht, dass da der Demonstrant zusammengeschlagen wird. Auf N24 heißt es auf einmal, dass man auch die Vorgeschichte kennen müsse. Der zusammengeschlagene Demonstrant hätte sich die Dienstnummer von einem Polizisten aufgeschrieben, damit er später Strafanzeige erstatten könne. Das ist doch das gute Recht eines Bürgers gegen die Exekutive. Außerdem habe er irgendwie zu den Provakateueren der Demonstration gehört. Das ist doch pervers, wenn die Opfer zu Tätern gemacht werden. Das mit dem angeblichen Provokateur kommt in solchen Fällen immer dann ,wenn die Obrigkeit nicht mehr weiter weiß. Der Sender N24 macht sich da völlig kritiklos zu einem Werkzeug der Propaganda der staatlichen Obrigkeit.
mh schrieb am 14.09.2009 um 14:36
es ist nunmal so, dasss wenn selbst die nerds unseres landes schon auf die strasse gehen, man im sinne der sicherheit endlich mal was gegen dieses elende demonstrantenpack unternehmen muss.

wo kämen wir denn dahin, wenn das nun jeder macht? außerdem verunstalten die unseren innenführer schäuble ständig.
mh schrieb am 14.09.2009 um 14:40
hier eine kleine kostprobe, wie man das in hamburg regelt. da werden keine halben sachen gemacht, so wie bei diesen berliner weichei-polizisten. von vorneweg, also bereits in der polizei-schule, lernt man da, wie mit dem bürger umzugehen ist:

hallas.blogsport.de/2009/07/09/polizeigewalt-gasangriff-auf-das-jolly-rogerhh-stpauli

bereits unter schill hat man dort auch erkannt, dass es absolut gar keinen sinn hat solche vorfälle von unbeteiligten aussen stehenden aufklären zu lassen .. deswegen hat er das abgeschafft und nun regelt man das selbst, im vier-augen-prinzip.
bernd.005 schrieb am 16.09.2009 um 03:06
DER STAAT IST DAS MACHTINSTRUMENT DER JEWEILS HERRSCHENDEN KLASSE . ER SETZT ZUR AUSÜBUNG DIESER MACHT ALLE MITTEL EIN ,DIE ER BENÖTIGT und wie er sie benötigt.
Frei nach Georgi Dimitroff um 1933..
Das Bild ist nicht neu, nur das Medium ist ein anderes indem es zu sehen ist.
Gruss bernd.005
hamlet schrieb am 17.09.2009 um 13:35
Gesichtsschlag Nr. 2 vimeo.com/6611758
hamlet schrieb am 17.09.2009 um 13:48
mh schrieb am 17.09.2009 um 14:12
ich seh da weder einen zusammenhang noch ne herleitung. bloß weil das einer im internet schreibt, muss mans ja nicht unreflektiert verbreiten.

mfg
mh
hamlet schrieb am 17.09.2009 um 17:03
Zumindest kein Einzelfall, der dokumentiert wurde -- aber evtl. bewusst herbeigeführt, was aber dennoch niemals solch unprofessionelles Verhalten rechtfertigt.


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