Kann man etwas verändern mit einem Gang ins Wahllokal? Und was bedeutet die Wahl für mich?
Diese Fragen beschäftigen mich schon seit Tagen. Oft hat man das Gefühl, dass die eigene Stimme nichts wert ist und man selbst nichts verändern kann. Diese Haltung ist in Deutschland weit verbreitet. Ist der deutsche Wahlkampf zum Wahlkrampf mutiert?Mit Fernsehkampagnen und Internetbefragungen wird versucht, mehr junge Menschen zum Wählen zu bewegen. Aber welche Partei spricht uns Jugendliche an? In Wahlwerbespots sehen wir eine leicht verträumt blickende Kanzlerin, die uns erzählt, dass sie Deutschland dienen will. Dies wird mit ausdrucksstarken Bildern des Mauerfalls unterstrichen. Wo ist das die Aussage? Weder die Ziele noch das Wahlprogramm wird uns vorgestellt. Der Wahlkampf, der doch angeblich so wichtig für die Parteien seien soll, ist zu einer billigen Farce verkommen.
Wer vertritt die Jugendlichen?
Auf Wahlplakaten ist es kaum anders. So lächelt uns ein freundlicher Frank Walter Steinmeier an, der uns vermitteln möchte, dass „seine Ingenieure“ auch ohne Atomkraft umweltfreundliche Energie erzeugen wollen. Wie das gehen soll, wird uns leider vorenthalten. Die CDU hingegen versichert uns, sie wolle eine umfassende Familienpolitik. Was das heißt und woher das Geld dafür kommen soll bleib offen. Lediglich die Linke wirbt nicht mit ihren Parteiattributen, sondern zeigt sich mit konkreten Forderungen, wie zum Beispiel nach der Einführung des Mindestlohns oder der Abschaffung von Hartz IV.
Wir haben bisher noch nicht herausgefunden, wer uns vertritt.
Studiengebühren, mehr Einbindung von Jugendlichen in die Politik und Jugendarbeitslosigkeit sind zwar in fast allen Parteiprogrammen angesprochen. Doch nur die Grünen und die Linke äußern sich konkret darüber, wie Kulturangebote für Jugendliche geschaffen werden könnnen.
Es gibt noch viele andere Probleme, die uns Jugendliche bewegen, doch die Lösungsansätze sind ohne ein genaues Studium der Wahlprogramme nicht zu durchblicken. Eine einfache Befragung durch den Wahl-O-Mat ist keine ausreichende Alternative.
Leider wird uns Jugendlichen viel negatives nachgesagt, besonders Politikverdrossenheit, Desinteresse und Gleichgültigkeit.
Um unsere Einstellungen an den Wahlen darzustellen, führten wir in unserem Semester eine Umfrage unter 56 wahlberechtigten Schülern durch: 80 Prozent glauben nicht, dass sich etwas nach den Wahlen ändern wird. Natürlich ist das keine repräsentative Umfrage. Aber das Ergebnis ist dennoch ein Alarmsignal.
Und trotzdem: Wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir wollen mitentscheiden. Wir wollen wählen. Damit sich vielleicht doch etwas zu unseren Gunsten verändert.
ROBERT LADENTHIN
Robert Ladenthin ist 18 Jahre alt und besucht das 3. Semester an der Leonardo-da-Vinci-Oberschule in Berlin-Neukölln
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Hallo!
Tja, die Qual der Wahl. Daran ändert sich leider auch nichts, wenn man älter wird. Eher im Gegenteil. Das Problem ist vielleicht, dass wir alle (oder besser die meisten von uns) sich ganz gern vertreten lassen, statt selber was zu tun. Und die Parteien bieten sich nur zu gern als Lösungstrupp für alles an. Als ich 18 war, 1992, war für mich immer klar, was ich wähle, 'türlich links. Habe mich dann immer diebisch gefreut, wenn Wahlforscher mühsam erklären mussten, warum dass sture Volk jenseits der Elbe nicht kapierte, wie man richtig wählt. Wahlprogramme? Personen? Hat mich nie interessiert. Die große Linie war ja klar. Heute bin ich da skeptischer, hinterfrage mehr, schau mir an, was leisten die eigentlich, z.B. in Berlin und in Schwerin. Naja – wirklich beheimatet fühle ich mich da nicht mehr. Aber –nicht wählen kann ich auch nicht, Also … Und die böse Jugend? Na die ist doch immer die schlechteste Jugend aller Zeiten. Ich sehe da keine Unterschiede. soweit micha 74 |
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Klar ist jede Jugend die schlechteste. Aber unsere Generation wehrt sich ja nicht mal dagegen !
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Logisch - schließlich ist sie die schlechteste!
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stimmt, das hab ich ausgeblendet...
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ne, ne, es geht nicht um gut und boese! Um es mit Emma Goldmann zu sagen: "Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten!"
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Das käme auf den Versuch an, glaube ich. Keine Ahnung, was passiert, wenn die MLPD 50 % bekommt.
Wenn wir in Geschichte auf die Nachkriegsdemokratie zu sprechen kommen, gibt’s auch immer dieses Argument, dass sich ja nichts ändert, egal wie man wählt. Ich sage dann immer „OK – Stimmt“ (Stimmt natürlich nicht wirklich) „ Aber die Wähler haben das so gewollt.“ In Deutschland stimmen auch 2009 ca. 70 % der Wähler für CDU/ CSU, SPD und FDP und damit ganz klar für die Grundlinie dieses Staates. Das muss niemand mögen, aber zu Kenntnis nehmen. Man kann natürlich den Wählern Verblödung vorwerfen oder an Verschwörungen aller Art glauben oder was auch immer. Aber Anderen abzusprechen, was man sich selbst natürlich zutraut, nämlich eine Wahlentscheidung nach eigener politischer Überzeugung zu treffen, halte ich zumindest für fragwürdig. Micha74 |
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@sachichma
Meine Antwort war an alle gerichtet, habe mich beim Kommentierbutton vertan .... |
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