Eines muss man dem Nobelpreis-Komitee lassen: Zumindest die Überraschung ist ihm geglückt. Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis. Damit hat wohl kaum einer gerechnet. Es ist eine Wahl, die einen ratlos zurücklässt. Denn richtig ist, dass Obama große Ziele hat: den Westen mit dem Islam auszusöhnen; den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu lösen; die Atomwaffen abzurüsten. Richtig ist aber auch, dass er auf all diesen Feldern kaum vorangekommen ist. Nach zehn Monaten im Amt ist das auch nicht erstaunlich. Erstaunlich ist hingegen, dass dem Nobelpreis-Komittee dieser Umstand vollkommen egal gewesen ist. So entsteht der Eindruck, dass Obama vor allem für all die Hoffnungen ausgezeichnet wurde, die andere in ihn setzen. Das ist ein neues Kriterium. Und es ist ein falsches Kriterium. Bisher wurden Menschen oder Organisationen vor allem dafür ausgezeichnet, was sie vollbracht haben. Nicht dafür, was sie vorhaben.
Arafat, Peres, Rabin, Mandela, Aung San Suu Kyi, die Organisation für das Verbot von Landminen: Es fallen einem viele würdige Träger dieser Auszeichnung ein. Sie haben sich für Frieden eingesetzt, für Völkerverständigung, Menschenrechte, Versöhnung und Abrüstung. Obama hat eine wichtige Rede in Kairo gehalten. Er hat vieles angepackt, aber noch nichts erreicht. Er passt deshalb – noch – nicht in diese Reihe. Das Nobelpreis-Komitee hat den Preis zur falschen Zeit verliehen.
Eines jedoch ist gewiss. Der Friedensnobelpreisträger Barack Obama wird der Auszeichnung eine maximale, weltweite Aufmerksamkeit verschaffen. Einen prominenteren Preisträger kann man sich kaum vorstellen. Es mag sein, das dies ein guter Tag für die fünf Mitglieder des norwegischen Nobelkomitees ist. Aber es ist ein schlechter Tag für die Reputation dieser höchsten Friedensauszeichnung.
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"So entsteht der Eindruck, dass Obama vor allem für all die Hoffnungen ausgezeichnet wurde, die andere in ihn setzen. Das ist ein neues Kriterium. Und es ist ein falsches Kriterium. Bisher wurden Menschen oder Organisationen vor allem dafür ausgezeichnet, was sie vollbracht haben. Nicht dafür, was sie vorhaben." (Philipp Grassmann)
Warum nicht einmal anders herum? Warum nicht einen Ansporn setzen, die Absichten in Taten umzusetzen? Das wäre keine Ehrung postum, sondern ein Scheck auf die Zukunft - natürlich ungedeckt, natürlich spekulativ, aber so ist Zukunft eben. Mehr täuschen als in vielen Fällen rückwärts gewandt kann sich das Komitee eigentlich auch nicht. |
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@cortovere
Schecks auf die Zukunft bringen es mit sich, dass sie meistens nicht gedeckt sind. Man weiß eben nicht, was passieren wird. Es stimmt ja, Willy Brandt hat den Friedensnobelpreis auch nicht erst erhalten, als er in Pension war, sondern 1971 als Kanzler. Aber die Entspannungspolitik, für die er ausgezeichnet wurde,hatte er mit der sozialliberalen Koalition politisch durchgesetzt. Brandt konnte den Rückenwind durch den Friedensnobelpreis damals gut gebrauchen. (Auch wenn ihn die Auszeichnung vor dem Misstrauensvotum nur wenige Monate später auch nicht bewahren konnte) Obama hat von seinen vielen Vorhaben politisch noch nichts durchsetzen können. Er ist deshalb nicht der richtige Preisträger. Ich persönlich traue ihm zu, dass er viele seiner Ziele erreichen wird. Die Frage ist nur: Mit welchem Preis könnte er dann noch ausgezeichnet werden? |
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@cortovere
"Warum nicht einmal anders herum? Warum nicht einen Ansporn setzen, die Absichten in Taten umzusetzen? Das wäre keine Ehrung postum, sondern ein Scheck auf die Zukunft - natürlich ungedeckt, natürlich spekulativ, aber so ist Zukunft eben. Mehr täuschen als in vielen Fällen rückwärts gewandt kann sich das Komitee eigentlich auch nicht." Wenn das Maßstab werden sollte, dann stehe ich im Ranking für den FNP weit vor Obama. Bereits seit der 2. Klasse habe ich mich nicht nur mit Worten für den Weltfrieden eingesetzt und gegen die Rassendiskriminierung in den USA gekämpft. |
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Na denn:
Friedensnobelpreis 2010 für luggi ;- ) Zufrieden jetzt? |
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Nachtrag: Dieser Kommentar des Chefredakteurs (bei so einem wichtigen Thema schreibt ausnahmsweise auch mal der Chefredakteur) ist so abgeklärt wie vorhersehbar. Seit Wochen tobt sich die ganze Meinungsschickeria aus, dass Obama nicht das hält, was er versprochen hat. Hat mal jemand überlegt, wie man diese Sachen in diesem Amt umsetzen kann? Richtig: das hätte er (Obama) auch überlegen müssen. Mir ist aber immer noch einer, der an der Durchsetzung seiner Ziele scheitert lieber, als einer der keine oder die falschen Ziele hat.
Medien, die alles besser wissen, die den ganzen Mainstream des Neoliberalismus mit Wohlwollen begleitet haben, weil ihre Träger auch zu den Mittelstandsgewinner gehören, haben wir genügend. Die Häme der Journalistenriege von WELT, SPIEGEL und SZ, dass eben auch dieser Präsident nur mit Wasser kocht, kann ich nicht mehr ab. Die Schadenfreude ist eben so durchsichtig: selbst solche wie Obama ändern nichts, was dann die Botschaft beflügelt: ändern kann man eigentlich auch nichts. |
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Dann soll er ein Zeichen setzen und den Preis als verfrüht ablehnen. Reden wir nach seiner Amtszeit drüber.
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finde die entscheidung ziemlich realistisch, weil sie den möglichkeiten von einzelnen politikern adäquat scheint: dass obama hoffnungen weckt, ist vielleicht schon seine größte politische leistung; den glauben, dass der einzelne politiker durch sein tun etwas verändern kann, teile ich nicht. obama ist eine erzählung, nicht mehr und nicht weniger, aber es eine der besten erzählungen, die es in dieser sphäre geben kann. obama zeigt, was möglich sein könnte, alles andere ist illusion.
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Hallo Philip Grassmann,
die Überschrift dieses Artikels drückt so exakt das aus, was mir durch den Kopf ging, als die Meldung kam, dass es fast erleichernd ist. Man ist tatsächlich ratlos. Und fürchtet, dass die Messlatte für den neuen US-PRäsidenten immer höher gelegt wird, so dass er sie reißen m u s s. Da bleibt wohl gerade bekennenden Obama-"Fans" nur eins: hoffen und beten. Oder? Herzlich klara |
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Lieber Philip Grassmann,
ein sehr richtiger und kluger Kommentar, dem nichts hinzuzufügen ist. Schöne Grüße |
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schrieb am
09.10.2009 um 14:47
Das könnte man durchaus anders sehen.
"ein sehr richtiger und kluger Kommentar, dem nichts hinzuzufügen ist." Zu: "Es mag sein, das dies ein guter Tag für die fünf Mitglieder des norwegischen Nobelkomitees ist. Aber es ist ein schlechter Tag für die Reputation dieser höchsten Friedensauszeichnung." fällt mir ein, dass ein FNP auf Basis einer bisher wenig inhaltlichen sondern rein klimatischen Veränderung (zu Busch Zeiten) auch ausdrückt, dass in unserer Welt voller Krieg, Konflikten und Problemen es keine Person mehr gäbe, die für konkretes Tun auszuzeichnen wäre. Dies wäre dann auch ein schlechter Tag für die 5 Mitglieder und den Preis an sich. Und sowieso ein schlechter Tag für die ganze Welt generell. |
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Lieber Philip Grassmann;
Ihr Kommentar ist für mich nachvollziehbar, insbesondere vor dem Hintergrund der bisherigen Preisträger, den Sie oben noch einmal skizzieren. Doch könnte es nicht sein, dass Sie, mit Verlaub, Ihre Kriterien für die Verleihung des Preises noch sehr engmaschig anlegen? Wenn sie ebd. Verlgleiche (s.o.) anstellen, und nur auf Taten und Verdienst im Sinne von "Vollzogenes" setzen? Dieser Präsident bündelt Menschen und Synergien wie kaum einer vor ihm. Er ist (auch) eine Symbolfigur. Und als diese Symbolfigur kann er im Moment vielleicht mehr bewirken als irgendjemand sonst - weil er sich u.a. nicht in die Schublade stecken lässt: Weiße Mittelklasse ohne Blick auf Minderheiten etc.: Weil ihm Gruppen zuhören könnten, die sonst vielleicht niemandem mehr zuhören. Dieser Preis als gesetztes Zeichen verschafft ihm die Reputation und Aufmerksamkeit, die er für zukünftige Aufgaben - Afghanistan, Naher Osten etc. - braucht. Weil er damit nicht NUR die (Feind)-Figur aus Amerika ist, die dessen Interessen vertritt, sondern noch für eine andere Mission steht. Und mit diesem Preis im Rücken erscheint vielleicht glaubwürdiger, dass er es auch (gelegentlich?) ohne Blick auf diese Interessen tut. Herzlich, Anna |
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Unglaublich aber wahr. Die Obamania geht weiter, selbst nüchtern(?)denkende(?)Leute sind noch erfasst.
Heute reicht es doch tatsächlich aus, ein "NICHT-BUSH" zu sein. Zivilisiertes Verhalten wieder zu pflegen. Kaum zu glauben. Wie haben sich die Maßstäbe verschoben. Dabei verfolgt auch Barak Obama eine knallharte Interessenpolitik, eine Politik, die in erster Linie den USA zu dienen hat. Sollte irgendein Ereignis wieder die USA treffen, wird auch dieser Präsident dem ur-us-amerikanischen Charakterzug, nämlich dem Prinzip "RACHE" freien Lauf lassen, lassen müssen, denn das US-amerikanische Volk würde es von ihm verlangen. Möglicherweise - und wir wollen das gar nicht erst hoffen - wird auch dieser Präsident, schneller als die Gläubigen der Jetztzeit wahrhaben wollen, so wie viele Präsidenten vor ihm, den "terrific hammer", das US-Militär, zum Einsatz bringen. Obwohl ein großer US-General das Gegenteil behauptete, für die USA stellt sich fast jedes Problem wie ein Nagel dar und darauf schlägt man nun einmal mit dem Hammer. |
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Lieber SchmidtH.;
"Obamania" - wieso muß eigentlich alles abgewertet werden - mit diesem Ausdruck nämlich - wenn man ihm selber nicht anhängt? Kritisches Denken und Beurteilen, aber trotzdem begeisterungsfähig und idealistisch sein, das schließt sich für mich nicht aus. Und ich kriege das auch hin, dies immer wieder zu trennen. Mit Ihrer Weltsicht fehlte mir für genau diese Fusion die Kraft. Aber, jeder nach seiner Fasson. Herzlich, Anna |
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@cortovere
D'accord in jedem Punkt! Es war auch so absehrbar, was die 'Meinungsschikeria' so alles an Abschätzigkeiten dahergeschwurbelt hat. Es gibt noch etwas, das gut dazu passt: der Twitter-Zynismus. Der Tag hat gezeigt: Die Skandinavier sind die einzig Besonnenen (und Coolen)dieses Planeten. Und wir haben nichts als teutonische Sauertöpfigkeit entgegenzusetzen. |
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Ich bin kein Fan von irgend jemandem, aber es liegt in meinem Interesse, Obama zu unterstützen.
Warum? Die Krise des Kapitalismus in den 30ger Jahren, die große Depression wurde durch ein gigantisches Investitionprogramm überwunden, das als der 2 Weltkrieg in die Geschichte eingegangen ist. Und was kommt auf uns zu, wenn Obama einbricht und seine Gegner zurück an die Macht kommen? Ein neues Superinvestitionsprogramm zur Rettung des Kapitalismus, was man später als den 3. Weltkrieg bezeichnen wird? Die Skandinavier sind weise und wissen, was sie tun. |
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Danke Schmidt H. für den Kommentar!
Ansonsten: Dieser Kriegsnobelpreisträger hat den Krieg in Afghanistan nochmal deutlich ausgeweitet und zumal den in Pakistan. Vor AIPAC kriecht er wie ein kranker Welpe, und Netanjahu lacht ihn aus und baut mit amerikanischem Geld noch mehr Siedlungen im Westjordanland. Dazu Undercover-Krieg gegen Iran, Uranmunition verschießen en masse usw... Noch Fragen? |
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Ich denke das Nobelpreiskomitee hat eine Entscheidung getroffen, mit der es sich in die aktuelle Politik eingemischt.
Ich habe die Beiträge zu diesem Thema gelesen und bin ziemlich erstaunt, dass die wenigsten Foristen die Bedeutung der Preisverleihung, zu diesem Zeitpunkt, an den amerikanischen Präsidenten erkennen. Vorgestern war folgende Meldung im Spiegel: www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,653552,00.html In dem Artikel heist es: ".... Demnach erwägen die arabischen Golfstaaten, den Dollar im Rohölhandel durch einen Korb aus Währungen und Gold zu ersetzen. Die Ölstaaten dementierten den Bericht zwar, Experten sprachen jedoch von einem psychologischen Effekt. "Das reiht sich in eine Reihe von Versuchen ein, die Rolle des Dollar als Weltleitwährung zu schwächen", sagte ...." Gemeint ist natürlich der Iran, er betreibt schon seit einigen Jahren eine Ölbörse, an der Öl in allen möglichen Währungen gehandelt werden kann. Das ist ein zentraler Angriff auf die USA. Wer die Weltwährung "Dollar" in Frage stellt, muß damit rechnen plattgemacht zu werden. Saddam Husein wurde plattgemacht weil er das irakische Öl in Euro handeln wollte. Die USA können es nicht zulassen, das der "greenback" als Weltwährung verschwindet, es wäre das Ende der Vereinigten Staaten. Der Krieg mit Iran war deshalb vorprogrammiert. In dieser Situation erhält er den FRIDENSNOBELPREIS. Ich glaube nicht, dass ein Friedensnobelpreisträger einen Krieg gegen den Iran vom Zaun brechen kann. Ich denke auch das es jetzt, für die Amerikaner in Afganistan schwierig wird. Innenpolitisch hat das Nobelkommitee Obama, nach meiner Einschätzung, geschwächt. Ich bin im Bezug auf Obama recht gespalten und weiß auch nicht wie ich die Preisverleihung werten soll. mfg |
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schrieb am
15.10.2009 um 23:24
Ich muss Ihnen Recht geben, wenn Sie meinen, dass das Nobelpreiskomitee sich in die aktuelle Politik einmischt. Und möglicherweise könnte es stimmen, dass evtl Scharfmacher im Pentagon, die auf einen Krieg gegen den Iran drängen, der Wind aus den Segeln genommen werden soll.
Es mischt sich vor allem mit der Verleihung in die Innenpolitik der USA ein, da ja gerade dort viele Projekte Obamas drohten, in der Sackgasse zu verenden. Gesundheitsreform z.B. Und siehe da, Anfang der Woche wurde eine wichtige Hürde genommen zur Durchführung dieser Reform, weil eine Republikanerin dafür stimmte. Die Klimaschutzbestimmungen, die Reform an den Finanzmärkten (Kappung der Boni), für die Obama eintreten wollte und am Widerstand der Republikaner droht zu scheitern, ich denke, dass in dieser Hinsicht das Komitee versucht hat, Obama unter die Arme zu greifen. Von mir aus könnte das Komitee die nächsten 2-3 Preiverleihungen für Obama festmachen, wenn's ihm dienen sollte, diesen republikanischen Betonklotz überwinden zu können. |
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Ich warte auch noch auf mein Verdienstkreuz. Habe ich das verdient? Ganz bestimmt habe ich das. Werde ich es erhalten? Vielleicht mal den Horst anrufen, wann das Ding in der Post liegt...
Nobelpreise sind nicht sonderlich ernst zu nehmen, es sei denn man ist sonderlich autoritär. Man schaue sich an, wie die Amerikaner mit Carter umspringen. Kein Mensch liest Rudolf Eucken. Und Churchill war ja wohl auch die Härte. Obama besteht als Person nur aus einem pathetischen Image und genau das ist, was ihn den anderen ebenbürtig macht. Wenn er cool wäre, würde er sich bei der Preisverleihung durch einen Staatssekretär vertreten lassen, weil er gerade keine Zeit hat. Jeder weiss doch, dass der Preis eigentlich Gaddafi gebürt für seinen kürzlichen Vortrag vor dem Sicherheitsrat. |
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"Der erste sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt hat 1971 sehr davon profitiert, als ihm der Nobelpreis für seine Ostpolitik verliehen wurde. Brandt war innenpolitisch nicht weniger umstritten als heute Barack Obama, die Opposition lief gegen ihn Sturm und verhöhnte ihn mit den anrüchigsten Methoden. Aber Brandt, wie Obama ein Freund internationaler Diplomatie, hatte die Ost-Verträge aus Warschau bereits unterzeichnet, als das Komitee seine Entscheidung fällte." (aus: Spiegel, 9.10.09)
Mit seiner Entspannungspolitik stand Brandt damals erst am Anfang, sie war gefährdet durch CDU/CSU. Es gab eine Diffamierungskampagne damals gegen Brandt (unehelich, heißt eigentlich Herbert Frahm, Vaterlandsverräter usw). Etliche der sog. Leitmedien machten da mit. Als ihm 1971 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, verstanden das sehr viele Menschen als Rückenstärkung für Brandt und die von ihm eingeschlagene Politik. Manche wurden bis heute ihr Zähneknirschen nicht los. Und nun geht dieser Preis an Obama aus vermutlich ähnlichen Gründen wie 1971, als ihn das Osloer Komitee an Brandt verlieh. Damals machte ich mir keine Illusionen über die Innen- und Außenpolitik Willy Brandts, heute keine über die Anstrengungen Obamas. Damals wollte Brandt "mehr Demokratie wagen" (heraus kam ein wenig, aber auch Berufsverbote), "den Frieden sicherer machen" (wurde er auch ein wenig). Heute steht Obama innenpolitisch unter Druck wegen seiner Krankenversicherungsideen, wegen seiner Aussöhnungsbemühungen mit "dem Islam", wegen Abzugsplänen aus dem Irak, wegen seiner Dialogbereitschaft mit dem Iran. Usw. Dem Osloer Friedensnobelpreiskomitee zu unterstellen, es sei im Zuge der Obamania in Ekstase verfallen, scheint mir ein bisschen doof zu sein (sorry). Das ist keineswegs ein unpolitisches und zufällig zusammengewürfeltes Häufchen Verwirrter. Philip Grassmann, Ihr Kommentar und der des Spiegel lesen sich sehr ähnlich. Jacke wie Hose, finde ich. |
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Das Prinzip Hoffnung - es ist doch nicht das erste Mal, das ein Politiker den Friedensmodellpreis für geweckte Hoffnungen ausgezeichnet wurde. Willy Brandt hat in 1971 bekommen - seine Ostverträge waren die Hoffnungsbasis für die Wiedervereinigung. Auch das Israel-Palästina Duo Peres/Arafat haben den Preis nicht für eine Leistunge bekommen - sondern für die Hoffnung. Frieden in Palästina ist noch nicht in Sicht.
Es ist die Hoffnung, die uns beflügelt. Es ist die Hoffnung auf den Frieden, die viele Menschen in Kriegsgebieten Tag für Tag aufs neue das Überleben ermöglicht. Und für genau die Hoffnungen wurde auch Obama ausgezeichnet. Wir alle, die ganze Welt, will diese Hoffnung spüren: Ein Leben ohne Atomwaffen. Bevor das Ziel erreicht wird, muss man den ersten Schritt machen, dieser erfolgt auf der Basis "ja, das schaffen wir". So wie der Marathonläufer, derr hofft und daran ernsthaft glaubt, ins Ziel zu gelangen. |
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Das ist die neuere Legende, niemand glaubte 1970 an eine baldige Wiedervereinigung. Damals ging es mehr darum eine betonierte Haltung der Konservativen wegzubrechen, nämlich überhaupt den Dialog mit Ost-Berlin, nicht Moskau allein zu führen.
Woran man glaubte war die Konvergenztheorie. Der Kapitalismus wird ein bisschen sozialdemokratischer, der Kommunismus ein bisschen menschlicher und man reicht sich dann in der Mitte die Hand. Die Zukunft sei, fand man, in der "klassenlosen Gesellschaft" zu finden, und die SPD dünkte sich damals als progressiv. |
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Was mich doch erschrocken macht, ist die hier bei einigen, aber auch in dem Komitee scheinbar vorhandene Naivität zu glauben, mit dieser Verleihung könnte man von außen irgendwie Einfluß auf die US-Außenpolitik und das Handeln der US-Administration nehmen.
Das werden sich die US-Amerikaner verbitten. Selbst Barak Obama weiß das und wird nicht glücklich sein über diesen Preis. Ein kleine amüsante Randnotiz sei mir gestattet. Als man gegen die aggressive Bush-Politik war, wurde man u.a. als "Appeaser" denunziert, nun darf man sich "Taliban", "Hamas" schimpfen. Köstlich, köstlich! |
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Es ist ein Geschenk an die republikanische Partei, die Obama Carterisieren will. Die Republikanische Partei ist von ihrer Mannschaft am Ende. Die Glaubwürdigkeit ist im Keller. Die alten Lügen funktionieren im Wahlkampf nicht mehr. Entweder gelingt es eine Opposition gegen Obama aufzubauen, oder wir müssen schwarz sehen für das amerikanische System. Nicht, weil Obama so schlecht ist, sondern weil die Opposition so grottig ist.
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schrieb am
11.10.2009 um 16:36
@ zelotti
Wenn ich ihren Beitrag richtig verstehen soll, dann glauben Sie also dieses Komitee und die vollzogene Preisverleihung sei so etwas wie ein "trojanisches Pferd". Bewußt oder unbewußt? Kann ich nur mißverstanden haben, denn ansonsten wäre es schon eine sehr steile These. ;-) Dass das Komitee Barak Obama keinen Gefallen getan, das allerdings dürfte selbst dem größten Befürworter einleuchten. |
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Kaum geht das in Stockholm und Oslo los, wird getückscht und genörgelt. Reich-Ranicki hätte den Literatur- Nobelpreis lieber bei Philip Roth gesehen als bei Herta Müller, und die halbe US-Nation hegt Zweifel daran, dass Barack Obama wirklich würdig ist, den Friedens-Nobelpreis in Empfang zu nehmen. Das erste mag eine Frage des Geschmacks sein, das zweite scheint eher geschmacklos. Denn Obama ist schließlich unschuldig. Und zupass kommt ihm die Ehrung wirklich nicht. Immerhin bekannte er: "Lassen Sie mich eines klarstellen: Ich betrachte diesen Preis nicht als Anerkennung meiner Leistungen, sondern als Bekräftigung der Führungsrolle Amerikas für die Hoffnungen von Menschen in der ganzen Welt". Nun sind die Empfindungen Obamas das eine, die des Nobelpreis-Komitees etwas anderes. So bleibt zu mutmaßen, dass weniger die Bemühungen Amerikas als die seines ersten Mannes gemeint waren. Und ob allein die eine Preisverleihung rechtfertigen, darf zu Recht bezweifelt werden. Denn nichts von dem, was Obama in seinen schwungvollen Reden forderte, ist bisher umgesetzt. Nicht einmal mit Guantanamo ist er so vorangekommen wie er wollte, und die Gesundheitsreform ist alles andere als in trockenen Tüchern.
Nun will ich mich keineswegs in die Phalanx der Obama-Verächter einreihen. Die zetern ja, seit der US-Präsident überhaupt redet – ganz zu schweigen von den rassistischen Vorurteilen, die überall geistern. Nein, ich meine einfach, dass die Entscheidung für Obama zu früh fiel. Noch ist der Präsident dabei, den Afghanistan-Krieg auszuweiten, noch zögert er, die US-Truppen massiv aus dem Irak zurückzuziehen. Beide Konflikte schwelen also, und mit Frieden hat das nichts zu tun. Auch das Thema "atomare Abrüstung" wurde nur angetastet. Obama hier Erfolge zuzuschreiben, ist folglich ebenso voreilig. Lediglich das US-Raketenabwehrsystem, das in Polen und Tschechien installiert werden sollte, scheint im Konsens mit Putin aus der Welt geschafft. Was das Nobelpreis-Komitee mit seinem Vergabevorschlag auslöst, ist allenfalls ein zusätzlicher Druck – etwas, dass Obama in seiner jetzigen Situation nicht gebrauchen kann. Denn zum einen erhöht die Würdigung die Wut seiner Gegner, zum anderen steigen die Erwartungen seiner Anhänger. Wie nun soll dieser Mann handeln, um die einen im Zaum zu halten und die anderen nicht zu enttäuschen. Die Achterbahn, die seine Umfragewerte beschreiben, belegt deutlich, dass seine Macht ebenso fragil ist wie seine Sicherheit. Sicher täte Obama gut daran, weitere Friedenszeichen zu setzen. Ob man ihn allerdings gewähren lässt – und wenn ja: in welchem Umfang – bleibt offen. Ulrich Scharfenorth, Ratingen www.stoerfall-zukunft.de |
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Scharfenorth: Der Beitrag ist sehr geschmeidig geschrieben, wirkt aber, mit Verlaub, wie bezahlt. Der arme Obama als Rassismusopfer usw...
Für wen er arbeitet, weiß doch jeder Informierte, ich unterstelle mal, zumal Sie. |
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Seine Wahlkampfkasse war im Defizit. Er brauchte das Geld.
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Changed at Any Time
Selbst wenn Du heute sterben müsstest, werden wir nie mehr vergessen, daß es nicht unmöglich ist, daß ein Schwarzer Präsident, daß selbst ein israelischer Ministerpräsident arabischer Herkunft, in einem freien demokratischen Israel/Palästina an die Vorangegangenen erinnern wird und sagt: „It’s Not Unusual“ djdeutschland.wordpress.com/2009/01/20/changed-at-any-time/ |
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Auch dem Friedensnobelpreiskomitee wird klar gewesen sein, dass die Auszeichnung für Obama nicht seinen bisherigen Erfolgen bei Völkerverständigung, Menschenrechten, Abrüstung und Versöhnung geschuldet ist. Nach der Diktion des Komitees wurde ihm der Preis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken" verliehen. Dagegen lässt sich kaum etwas sagen. Erinnert man sich jedoch an die weltweite Begeisterung von Obamas Wahl vor zehn Monaten, kann man die Entscheidung durchaus verstehen und auch gut heißen. Das Lamento, dass Obama gemessen an den hohen Erwartungen, die er hervorgerufen hat, bisher noch nicht viel erreicht habe, ist nicht ihm anzulasten, sondern seien Gegnern und dem Umstand, dass zehn Monate für einen Präsidenten sehr wenig Zeit ist, um politische Entscheidungen im Inneren und Äußeren gegen zahllose Widerstände erfolgreich durchzusetzen. Die Verleihung an Obama tut dem Renommee des Preises ganz gewiss keinen Abbruch.
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Obama in Kontrast zu setzen mit Mandela, okay - aber mit Arafat und Peres? Warum nicht gleich noch mit Kissinger?
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