Politik

High-Tech | 08.12.2009 16:30 | Steffen Kraft

Nicht ganz auf der Höhe

Anlässlich des Nationalen IT-Gipfels wünscht sich der Bundesinnenminister mehr Vertrauen der Kritiker aus dem Netz, die Kanzlerin aber nur "schöne Anwendungen"

Das ist es also: Virus- und Umweltschutz. Dafür wollen IT-Unternehmen jetzt zusammen mit dem deutschen Staat sorgen. So haben sich die Beteiligten auf dem vierten Nationalen Informationstechnik-Gipfel in Stuttgart geeignet.

Bis zu 20 Prozent weniger Strom soll so genannte "grüne Informationstechnik" in vielen Bereichen sparen, mit effizienteren Geräten, schlauer Computersteuerung von Anlagen und intelligenten Stromnetzen. Und ganz nebenbei möchten Regierung und Unternehmen der Computer-Virusplage Herr werden, indem künftig die Internetprovider ihren Kunden bei jeder Einwahl ins Internet mitteilen, ob ihr Computer befallen ist und sie gegebenenfalls an eine Art staatliches Viren-Killerkommando weiterleiten.

Natürlich braucht es dafür vor allem eines: Vertrauen. Zum einen darin, dass es den beiden Image-Projekten des diesjährigen Gipfels anders ergehen wird als denen seiner drei Vorgänger. Und Vertrauen, dass es der Staat schon gut machen wird. Beides ist angesichts der zur Schau gestellten Kompetenz bei der Einführung von E-Pass, Netzsperren und elektrischen Grenzbeamten nicht gerade selbstverständlich. Und so wirbt Innenminister Thomas de Maizière parallel zum IT-Gipfel schon mal präventiv für ein neues Vertrauen zwischen dem Staat und den kritischen Teilen der Netzgemeinschaft.

Nun ist gegen Vertrauen grundsätzlich nichts einzuwenden. Allerdings gibt es das nicht umsonst. Und ob die Bundesregierung verstanden hat, was es für mehr Vertrauen in staatlich verantwortete IT-Projekte bräuchte, ist doch eher fraglich. In Stuttgart jedenfalls sprach Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Rede viel von "schönen Anwendungen" sowie den Möglichkeiten und der Wirtschaftskraft der deutschen IT-Industrie. Von mehr Einfluss der Netzbürger auf das staatliche Handeln, einer Beteiligung von Datenschützern oder vielleicht gar einem Recht auf Zugang zu staatlichen Akten in elektronischer Form darüber schwieg sie sich - erneut - aus.

Nun ja, manche Revolutionen brauchen ein bisschen Vorbereitung. Der nächste Nationale IT-Gipfel 2010 wird in Dresden stattfinden. Bis dahin sind es ja noch ein paar Tage, um sich in  vertrauensbildenden Maßnahmen zu üben.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
zelotti schrieb am 08.12.2009 um 18:04
Smart Grid is Politimport aus den USA. So geht das nämlich. In Washington sitzen die Lobbybosse und Europäischen Lobbyisten der amerikanischen Konzerne übernehmen das einfach, ob es Sinn in Europa macht oder nicht. Die USA haben ein Problem mit den Stromnetzen und müssen da viel Geld ausgeben. In Europa ist das kein echtes Problem. Trotzdem gibt es da zu jede Menge Veranstaltungen, reine Wiederverwertung des Greenwash-Schmarrns aus den USA.

Was man sich langsam mal echt überlagen sollte ist, wo das deutsche Interesse bleibt. Wieso sind wir z.B. in Europa immer noch von Microsoft Office und Windows abhängig und was kann man besser unternehmen um diese Abhängigkeit vom "elektronischen Öl" zu verrringern? Realistisch kann man da mit 300 Mio Eur Investitionen und koordinierten Handeln das Monopol zu Fall bringen, statt dessen lassen wir uns weiter abzocken und unsere Politiker von der Verfolgung unsere Bürgerinteressen und echter Ordnungspolitik abbringen.
schwarzbart schrieb am 08.12.2009 um 19:07
Schöne Anwendungen?
Da wüsst ich was: Wir verklagen jede Verwaltung, die nicht auf OpenOffice umsteigt, wegen Verschwendung öffentlicher Mittel. Das nenn ich eine schöne Anwendung.
Und schön ist auch der Vergleich der Regierung von Computern ohne Virenschutz mit Autos ohne Bremsen. Es werden ja auch pausenlos Menschen getötet von virenverseuchten Computern.
Alarmismus, Wichtigtuerei und Desinformation, kombiniert mit einer stefen Portion Geltungssucht: Ist das wirklich das Beste, was die Politiker der Altparteien zu bieten haben?
John Martin Ungar, Listenkandidat der Piratenpartei NRW
luggi schrieb am 08.12.2009 um 22:57
Thema Virenschutz: Den Zustand auf dem Gebiet der digitalen Verseuchung insbesondere der Windows-Rechner muss man als katastrophal bezeichnen. Mir geht es nicht um die Verseuchung an sich sondern um den Umgang mit dieser Bedrohung. In meine Hände gelangen immer mal der eine oder andere Rechner zur Reparatur. Aber bei vielen keine Spur von Antivirenprogrammen, und wo eines installiert ist sind die Virensignaturen hornalt. Also muss Politik hier ansetzen, beim Benutzer. Und da sind wir beim zweiten Problem. Oberbayern ist ein zersiedeltes Gebiet. Die Kapazität vieler Datenleitungen erreicht höchstens doppelte ISDN-Geschwindigkeit.Für viele Benutzer ist es gar nicht praktikabel, notwendige Sicherheitspatches, Servicepacks von zig MB herunter zu laden und zu installieren, geschweige denn täglich Virensignaturen von einigen MB.
Man kann auch andere Lösungen in's Auge fassen. Ein anderes Betriebssystem oder mit virtuellen Umgebungen arbeiten oder mit Live-Systemen das Internet kontaktieren. Es gibt immer Lösungen abseits des Main-$treams.
misterl schrieb am 09.12.2009 um 16:25
In der Zukunft sind wir angekommen, wenn der nächste IT-Gipfel im Internet statt findet - mit Bürgerbeteiligung. Der Punkt ist übrigens eher nicht die Technik, der Punkt ist die Mentaltität.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.12.2009 um 13:19
Mit der Merkel werden Menschenrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt

Im Jahr 2005 stellte die Merkel das Programm für die Legislaturperiode unter das Motto "Mehr Freiheit wagen". Tatsächlich aber hat die Merkel in den letzten 4 Jahren u.a. dafür gesorgt, dass
- die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt wurden,
- die dafür verantwortlichen Rechtsbrecher systematisch der Strafverfolgung entzogen wurden,
- mittels Vorratsdatenspeicherung sämtliche Verbindungsdaten von Internet- und Handy-Verbindungen über einen Zeitraum von 6 Monaten gespeichert werden,
- das BKA eigenmächtig - ohne Beaufsichtigung durch einen Staatsanwalt -präventive Ermittlungen ohne konkreten Tatverdacht durchführen darf,
- die Befugnisse des BKA zu Lauschangriffen auf Wohnungen nochmals deutlich ausgeweitet wurden,
- das BKA auch die Befugnis für Video-Überwachungen von Wohnungen erhalten hat,
- die Durchsuchung und Überwachung von Computern im Wege der sogenannten Online-Durchsuchung zulässig ist.

Die Merkel hat die Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.

Die Merkel hat den Begriff "Freiheit" damit vollständig entkernt. Deutschland ist ein asozialer Unrechtsstaat.


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