Es gibt 20 Jahre nach der „Wende“ unter Zeithistorikern, Soziologen und Ökonomen Diskussionen darüber, ob die Ereignisse von 1989/90 als Revolution zu werten sind oder lediglich als Reformversuch. Es ist hier nicht der Platz, dies umfassend zu erörtern, doch sei auf einen wesentlichen Aspekt verwiesen – die Eigentumsfrage. Welchen Rang konnte sie in den Konzepten der Akteure beanspruchen? Welche Ziele gab es zur Neuordnung von Eigentum? Was geschah praktisch?
Eigentumsverhältnisse sind für eine Gesellschaft konstitutiv. Sie sind gewissermaßen „das Band“, um alle Formen sozialer Interaktion zu verbinden. Sie sind die innere Substanz aller Beziehungen – deren „Totalität“ (Karl Marx). Die ordnungspolitische Relevanz des Eigentums erklärt die Eigentumsfrage zur „Grundfrage“ jeder Revolution. Will man die Ereignisse vom Herbst 1989 als Revolution deuten, muss der Antwort auf diese Frage nachgegangen werden.
Den Staatssozialismus retten
Im Rückblick zeigt sich, dass die damalige Opposition größtenteils an Eigentumsfragen vorbei schrammte. Wenn nicht, dann ging es eher um die „demokratische Ausgestaltung von Eigentum“ – keine Neusetzung. Die meisten Gruppierungen sprachen sich für „pluralistisches Eigentum“ aus, ohne Volkseigentum infrage zu stellen. So forderte die Sozialdemokratische Partei (SDP) „eine soziale Marktwirtschaft mit vielfältiger Wirtschaftsstruktur und unterschiedlichen Eigentumsformen“. Das Neue Forum (NF) wollte eine stärkere „Beteiligung der Werktätigen“. Die Initiative für Frieden und Menschenrechte (IFM) dachte an „dezentrale und selbst verwaltete Strukturen“ – die Vereinigte Linke (VL) plädierte für eine „kollektive Kontrolle der Arbeitenden in Betrieb und Gesellschaft“. Es kursierte die Idee von „tatsächlicher“ statt „formaler“ staatssozialistischer Vergesellschaftung. Alles eher abstrakt und diffus, weil die Opposition darauf fixiert blieb, die Allmacht der SED zu brechen und den Sicherheitsapparat zu entmachten, nicht aber die DDR und den Sozialismus zu beseitigen.
Einige Aufmerksamkeit fand die utopische Idee, das Volksvermögen durch Vergabe von Anteilsscheinen an die DDR-Bürger zu verteilen. Wolfgang Ullmann von Demokratie Jetzt (DJ), der das im Februar 1990 in die Debatte warf und über die zu gründende Treuhandanstalt umsetzen wollte, sah darin eine Gewähr, dass Wiedervereinigung nicht zwingend Aufgabe des Volkseigentums bedeuten müsse.
Im Vergleich zu den Bürgerrechtlern gingen die Reformer in der SED noch zurückhaltender mit der Eigentumsfrage um. Sie wollten jede systemgefährdende Instabilität vermeiden, beim Volkseigentum lediglich mit der Anonymität brechen und die Planwirtschaft unangetastet lassen. Solcherart Ansatz blieb hinter Erfordernissen einer revolutionären Überwindung des Staatssozialismus weit zurück. Als erster sprach Egon Krenz am 8. November 1989 von einer „radikalen Wirtschaftsreform“ und der „grundsätzlichen Erneuerung“ der gesellschaftlichen Substanz der DDR. Alles sonst ließ eher auf ein „Weiter so!“ schließen. Krenz wollte keine Revolution, keine Umwälzung der Gesellschaft in ihrer ökonomischen Basis, inklusive des Eigentums – er wollte den Staatssozialismus retten.
Als Hans Modrow kurz darauf zum Regierungschef gewählt wurde, war die Lage bereits eine andere. Die Öffnung der Grenzen hatte die DDR erschüttert und den Reformdruck erhöht. In Modrows Regierungserklärung vom 17. November 1989 fanden sich daher durchaus neue Akzente. Es war von „zügig“ einzuleitenden Reformen die Rede, von „Unternehmergeist“ und „Demokratisierung“. Auch davon, dass es nicht um „Marktwirtschaft statt Planwirtschaft“ gehe, sondern darum, den Markt „zum organischen Bestandteil der sozialistischen Planwirtschaft“ zu machen. Vor Wirtschaftskadern kündigte Modrow am 9. Dezember 1989 den „radikalen Bruch“ mit der Kommandowirtschaft an und wollte zu einem „neuen Wirtschaftssystem“ übergehen, dessen „dominierendes Fundament“ das Volkseigentum bleiben sollte – alle Eigentumsformen sollten „chancengleiche Entwicklungsbedingungen“ vorfinden.
In diesem Sinne wurden die 1972 verstaatlichten Betriebe zurückgegeben und Unternehmen mit ausländischer Beteiligung erlaubt. Das ging bereits über die Vorstellungen vom Herbst 89 hinaus, gleichwohl bedeutete es keine Revolution, sondern war das Konzept einer Reform, für das sich freilich mit den Wahlen vom 18. März 1990 das Zeitfenster schloss. Eine der letzten Entscheidungen der Modrow-Regierung war es, die Treuhandverordnung zu verabschieden, wonach eine Treuhandanstalt das volkseigne Vermögen übernehmen und der DDR-Bevölkerung „ihr“ Eigentum erhalten sollte. Ullmanns Anteilsscheine gab es nicht, doch wurde im deutsch-deutschen Staatsvertrag über die Wirtschafts- und Währungsunion vom 18. Mai 1990 die Absicht verankert, DDR-Bürger für die beim Umtausch ihrer Geldvermögen im Verhältnis 2:1 erlittenen Verluste aus dem Treuhandvermögen zu entschädigen.
Rückgabe statt Entschädigung
Die Regierung de Maizière trat im April 1990 mit dem Willen an, Währungsunion und Wiedervereinigung voranzutreiben. Damit geriet besonders die Eigentumsfrage in den Blick, was sich in der Gemeinsamen Erklärung zur Regelung offener Vermögensfragen vom 15. Juni 1990 und in der Neufassung des Treuhandgesetzes vom 17. Juni niederschlug. Im Gegensatz zu Modrows Treuhandverordnung handelte es sich nun um ein Gesetz zur Privatisierung und Verwertung des volkseigenen Vermögens. Die Weichen wurden in Richtung Privatisierung und Eigentumstransformation gestellt. Letztere beschränkte sich auf zwei Methoden: Restitution und Verkauf. Die Folge war, dass mit dem Wandel von Staats- zu Privateigentum zugleich ein Wechsel der Eigentümer stattfand. Die Übernahme ostdeutscher Betriebe, Immobilien und anderer Besitztümer in die bundesdeutsche Kapital- und Vermögensstruktur sowie die Anpassung der Eigentums- und Nutzungsrechte hielt sich an die Interessen westdeutscher Kapitaleigner und Alteigentümer. Während die Restitution von Vermögenswerten in anderen Ländern kaum zur Anwendung kam, wurde ihr in der DDR „grundsätzlich“ Vorrang eingeräumt. Wo das nicht der Fall war, hatte es mit den per Besatzungsrecht vorgenommenen Enteignungen zwischen 1945 und 1949 zu tun. Dafür galt ein weitgehendes Restitutionsverbot. So avancierte der Verkauf zur am häufigsten angewandten Methode. Da die Käufer überwiegend aus Westdeutschland kamen und der Kaufpreis zumeist unter dem Wert der Objekte lag, erwies sich dies als probate Ersatzlösung für die verhinderte Restitution.
Folgt man der These von der „friedlichen Revolution“, so hätte die Eigentumsfrage im Herbst 1989 im Zentrum der Ereignisse stehen müssen. Tatsächlich war dies nicht der Fall, weder konzeptionell noch praktisch. Die Aktionen bis ins Frühjahr 1990 hinein müssen von ihrem Charakter her eher als Reformversuch denn als Revolution gesehen werden. Daran ändert auch ihr vorzeitiger Abbruch nichts. Im Gegenteil: Eine Weiterführung hätte vielleicht einen reformierten Sozialismus hervorgebracht, aber keine andere Gesellschaft mit einer anderen Eigentumsordnung. Ein solches Ziel war in den politischen Bewegungen von 1989/90 nicht intendiert, weder bei den meisten Bürgerrechtlern noch den SED-Reformern, auch nicht in der Regierungspolitik von Krenz bis Modrow.
Die Perspektive änderte sich mit dem Wahlsieg der Allianz für Deutschland am 18. März 1990, als das Zeitfenster für sozialistische Reformen zugeschlagen und die Wiedervereinigung zur Tagesaufgabe erklärt wurde. Damit war die Eigentumsfrage zentral gestellt und national gelöst, indem ostdeutsches Staatseigentum vorrangig in westdeutsches Privateigentum überführt wurde. So geriet die Eigentumstransformation zu einer „gigantischen Eigentumsumschichtung“ (Otto Schily). Der sozialistische Reformversuch endete als restaurativer Prozess. Dies kann man kritisch bewerten und bedauern. Hierin zeigt sich aber, dass die „friedliche Revolution“ erst mit der Privatisierung durch die Treuhand und die dadurch bewirkten harten Schnitte bei den Eigentumsverhältnissen ihre Vollendung fand.
Ulrich Busch ist promovierter Finanzökonom und lebt in Berlin
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Es kommt nicht darauf an, wem die Fabriken gehoeren, wenn die Produkte nicht mehr marktfaehig sind.
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schrieb am
16.05.2010 um 14:38
Ihr Satz, Fritz Teich, gehört in die Perlen. :)
Die Wende als Immobiliendeal. Und als fast anstrengungslose Kundenaquise von 17 000 000 neuen Kunden... Wie haben es nur die Polen, die Tschechen, die Esten, die Letten, die Ungarn,... geschafft. |
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"Es kommt nicht darauf an, wem die Fabriken gehoeren, wenn die Produkte nicht mehr marktfaehig sind."
Es ist alles immer so unheimlich einfach. Die Betonung liegt auf "unheimlich". @ Gerhard HM - Von mir aus in die Perlen. Gibts auch Perlen für Arme? |
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In Cottbus und Forst haengt nichts an den Eigentumsverhaeltnissen. Es steht alles leer und verfaellt. Warum? Halbe Staedte werden abgerissen. Sowas hatte ich im Auge. Und die Firma Praktika, die Kameras baute, die nach der Wende niemand mehr haette bezahlen koennen.
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Dann erklaer mal, wie das haette weitergehen koennen.
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Wie haben es nur die Polen, die Tschechen, die Esten, die Letten, die Ungarn,... geschafft. >> Ich weiss nicht wie es diese machen, vielleicht erklaerst Du es mir. Die Polen sind wohl einfach cooler, die machen einfach, so sagen sie in Guben. |
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Immobiliendeal, wer will die Immobilien denn haben?
<< Und als fast anstrengungslose Kundenaquise von 17 000 000 neuen Kunden... >> Die Kunden waren einfach da, wuerd ich mal sagen, selber schuld, wenn sie Westprodukte kaufen. |
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Aber erklaert mal, wie es konkret haette anders weitergehen koennen? Man kann sich immer alles anders vorstellen, aber wenns drauf ankommt gibts gar keine Leute, die es machen koennen oder wollen.
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Und als fast anstrengungslose Kundenaquise von 17 000 000 neuen Kunden... >> Wer hat die denn "aquiriert", der "Westen"? Davon handelt doch der Artikel. |
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Sagen wir mal so:
Das Volkseigentum wurde enteignet, bevor das Volk es unter seine Kontrolle bringen konnte. Das wird von Kapitalisten natürlich als „Revolution” gefeiert, aber aus einer demokratischen Perspektive war der 03.10.1990 natürlich eine Konterrevolution der besitzenden Klasse. So wurde die DDR nicht reformiert und demokratisiert, sondern dem „westlichen” Ziel: Privatisierung des Reichtums, Sozialsierung der Armut geopfert. Jetzt muss man in Sachen Demokratisierung der Produktionsmittel wieder bei null anfangen. --- >>Und die Firma Praktika, die Kameras baute, die nach der Wende niemand mehr haette bezahlen koennen.<< Die Spiegelreflex-Praktika war im „gehobenen Amateur-Sektor" sehr beliebt und bewährt. Und die Fernseher, Kühlschränke und noch so einiges Anderes, das die „Quelle” hier verkaufte, kam aus der DDR. Natürlich hatte „Quelle” massiv vom Wechselkurs profitiert. Nach der DM-Einführung war diese Profitquelle versiegt und die Produkte waren für Westversandhäuser uninteressant geworden. Kühlschränke z.B. kamen dann plötzlich aus Italien... Ohne den Knall-auf Fall-Anschluss hätte das Geschäft noch eine Zeitlang weiter laufen können. Auch die Transferrubelgeschäfte, die am 03.10.90 über Nacht geplatzt waren. Den Wechselkurs MDN/DM hätte man behutsam anpassen können. Denn die Westexporte zum Kurs 1:4 waren natürlich ein permanenter Verlust an produziertem Mehrwert für die DDR. Eine Rationalisierung der Betriebe unter demokratischen Verhältnissen hätte natürlich mehr Zeit gebraucht als einfach alle rauszuschmeissen. Voraussetzung wäre natürlich auch gewesen, dass die BRD die neue DDR als normalen Staat anerkannt hätte. Wodurch DDR-Bürger, die sich in der BRD ansiedeln wollten, dafür die gleichen Bedingungen vorgefunden hätten wie zum Beipiel Leute aus dem damals noch neutralen Österreich. Das war einer der wesentlichen Knackpunkte. |
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Danke fuer den Beitrag. Irgendwer, der was von Geld versteht, meinte, die DDR haette eine "Algerisierung" gebraucht, was ja auch eine Sonderwirtschaftszone haette sein koennen. Das geht aber auch von den Eigentumsverhaeltnissen weg. Die Praktika haette unter heutigen Verhaeltnissen angeblich 20.000 DM gekostet, weil sie jede Schraube selbst machten.
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schrieb am
18.05.2010 um 07:57
Die Zahl 20 000 ist ja völlig daneben. Da wurden Nullen inflationär eingesetzt, um besonders drastisch rüber zu kommen...
Trotzdem stimmt natürlich, dass die Praktika als DM-Produkt nicht mehr mit japanischen Produkten konkurrieren konnte. Das Beispiel mit den Schrauben erklärt einen der Gründe: In Japan werden Komponenten von Klitschen hergestellt, die vorwiegend Rentner zu sehr niedrigen "Zuverdienst-Löhnen" beschäftigen. Und eben die Leute, die keinen Job als als "Stammbelegschaft" in einem grossen Konzern fanden. Weit ab von den Tarifen der Konzerne. Und da wird auch ein Problem der Preiskonkurrenz sichtbar: Als vor 30 Jahren hier das "Modell Japan" hochgejubelt wurde, wurde leise dazu gesagt, dass natürlich auch das japanische Rentensystem und das Konzerntarifsystem zum Exporterfolg beitrüge. Wir holen auf, das Zwangssystem Hartz4 hat das Modell "Wirtschaftswachstum per Exportpreiskonkurrenz" mit Armutslohnsektor auch hier eingeführt. Auch immer mehr Rentner sind hier zum "Zuverdienst" gezwungen. Und in der Zeitarbeit herrschen beim Urlaub auch schon eher japanische Verhältnisse als der vergangene europäische Standard. (Auch der DGB ist ja inzwischen "japanisiert".) Nun wärmt das natürlich die Seelchen von Betriebswirtschaftlern und Geldanlegern, aber mit Lebensqualität hat es nichts zu tun. Wenn aber Alle auf die gleiche Weise konkurrieren, dann endet das bald mit harakiri. --- Das rasche Ende der Demokratiebewegung in der DDR war von Westen aus initiiertes harakiri. Wollen wir eine Wiederauferstehung versuchen? Sie ist machbar, Herr Nachbar... |
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Ich hab die Zahl nicht erfunden, irgendwer, der sie auf seinem Schreibtisch hatte, hat sie genannt. Wie Schraubenfabriken aussehen weiss ich nicht, es ging aber um die Normung. Es waren keine Schrauben, fuer die es einen Markt gibt.
Dank, es ist ein wichtiges Thema und sei es die "Algerisierung". Und es ist auch ein Unterschied, ob die Leute selbst bestimmen oder Bruessel einen Geldregen erlaubt. Den wuerde ich ja gerne drosseln, damit die Leute sich auf das Wichtige konzentrieren. Geht nicht und bringt nichts, oder doch? Nehmen wir doch mal ueberdimensionierte zentrale Klaeranlagen und die Dernotonodernichtpflanzenklaeranlagen im Spreewald. Usw, later. |
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Das rasche Ende der Demokratiebewegung in der DDR war von Westen aus initiiertes harakiri. >> Es war die Verlockung der DM. |
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wurde leise dazu gesagt, dass natürlich auch das japanische Rentensystem und das Konzerntarifsystem zum Exporterfolg beitrüge. >> Wozu mir der von Hentig thread einfaellt... |
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Wollen wir eine Wiederauferstehung versuchen? Sie ist machbar, Herr Nachbar... >> Was man mal machen koennte, ist sich diese Gieskanne, die die von der EU erlaubten Gelder ueber dem Osten ausschuettet, genauer anzugucken. Ist mir im Zusammenhnag mit dem saechsischen Privatfunk eingefallen. Es gibt da eine Kommission, hab ich mir sagen lassen, die die Gieskanne kontrolliert. |
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schrieb am
20.05.2010 um 10:30
>>Ich hab die Zahl nicht erfunden,..<<
Sicher nicht. Man kann es nicht hinterfragen und glaubt es eben. Nicht nur bei einem Industrieprodukt, bei Allem. --- Mit mehr normierten Einzelteilen wäre sicher ein grosses Rationalisierungspotential aktivierbar gewesen. Man kann sagen: "Eine Zentralstelle stellt vielseitig einsetzbare Normschrauben her. Alle dort Arbeitenden bestimmen unter Beachtung der rationellen Produktion und der Mengenanfordungen der schraubenverarbeitenden Betriebe selbst über ihre Arbeitsbedingungen und sind gleichberechtigte Teilhaber der gesellschaftlich produzierten Werte". Oder man sagt: "In dem Betrieb hat eine kleine Belegschaft aus wenigen Ingenieuren und Facharbeitern Teil am Sozialprodukt. Der Rest sind Niedrigstlohnarbeiter, denen diese Rechte nicht zustehen und die von einer Agentur für Armut dirigiert werden" Die Entscheidung darüber wurde 1990 gekappt. Ein Weg wurde verordnet, der andere verboten. |
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schrieb am
20.05.2010 um 10:40
Primär geht es nicht um Gelder und wo man die hinschieben soll und wo nicht.
Im Radio hab ich aktuell wieder den unverschämten Spruch gehört: "Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt" Diesaml wieder von Merkel. Das ruft keineneswegs den eigentlich logischen Entrüstungssturm hervor mir den Fragen: "Wer lebt über unsere Verhältnisse?" und "Was sind denn das für Verhältnisse, über die Einige permanent leben?" Und so werden wieder diejenigen, deren Verhätnisse nicht mal eine Zahnüberkronung zulassen, bestraft zum Wohle derjenigen, die permanent über unsere Verhältnisse leben. Da müssen wir ansetzen. |
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Man muss wohl auch hier Prioritaeten setzen. War es die Wiedervereinigung wert?
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anteilsscheine fuer das volkseigentum >> Was bringt das? Soll man sich das sozusagen Aktienrechtlich vorstellen mit Hauptversammlung und Minderheitsaktionaeren? "Demokratie" in dem hier verwendeten Sinn wuerd ich ja eher als Mitbestimmung der Arbeiter verstehen. Die Mehrheitsverhaeltnisse wuerden Anteilsscheine nicht aendern. |
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"Volkseigentum" ist ein leerer Begriff. Es heisst nämlich auf dem Papier "mir", praktisch aber "niemals mir".
Ich bin für Genossenschaften, das ist prinzipiell ein gutes Modell. Eigentum soll vielen gehören und damit niemanden zur Spekulation anreizen. Genossenschaftlicher Wohnungsbau sorgt dafür, dass keiner dem anderen was weg nimmt und die Mieten billig bleiben. |
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Es heisst "uns". Und sieh hier de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Gierke
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schrieb am
20.05.2010 um 07:52
Genossenschaften sind eine Form von Volkseigentum, die auch als Industriekooperative sehr gut im Interesse der dort Arbeitenden funktioniert. Das sieht man an dem Kooperativenkomplex von Mondragon im Baskenland. Die einzige Region in Europa, die ausserhalb der "Krise" wirtschaften kann.
Die Chance, etwas Ähnliches zu machen, bestand 1989 in der DDR. Aber eben nur kurz, mit der Übernahme durch die BRD wurde das beendet. Heute denke ich, wenn die Leute in der DDR 1989 gleichzeitig eine Art ETA* gegründet hätten, die auf alle Einmischungsversuche gesagt hätte: "Lasst uns machen oder es knallt" dann könnte die DDR heute ein zweites Mondragon sein. Blühende Landschaften waren machbar. Aber das geht eben nur, wenn man Einmischung von Herrschaftsansprüchen konsequent raus hält. --- *Was ich oben schrieb, klingt erst mal militant. Ich denke, man kann heute andere Methoden entwickeln, sich zu wehren. Auch ohne Sprengstoff ist vieles möglich, wenn man erst mal erkannt hat: "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt." Uns steht das Wasser nicht mehr bis zum Halse, sondern an der Unterkante Oberlippe. Weiteres Anpassen und Unterordnen wird die Lage weiter verschlimmern. Ein Anfang ist gemacht, wenn wir nicht länger fragen, was wir denken dürfen und was nicht. Eigenen Willen entwickeln, der sich von der Obrigkeit, die uns immer tiefer in die Sch....e reitet, abkoppelt. Und es lohnt sich sehr, mal darüber nachzudenken, warum es im Wirtschaftskriseneuropa eine Industrieregion gibt, in der sich die Leute eine gesicherte Existenz gönnen, es sich ökonomisch gut gehen lassen und nicht fragen müssen, ob irgendwelche Besitzer und Spekulanten ihnen das erlauben. Ein Anknüpfungspunkt könnte die DDR '89 sein. Aber mit der Verarbeitung von Lernprozessen und dem festen Willen: "Diesmal lassen wir uns nichts mehr nehmen". In der ganzen BRD, mindestens. |
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Für mich war der „Wende-Herbst“ eine gescheiterte Revolution.
Das Volk entledigte sich seiner Führung; änderte somit die Herrschaftverhältnisse. Dass danach der Staat teilweise weiter existierte, kann dann nur noch mit der Massenträgheit begründet werden. Das führte dazu, dass die Institutionen und die Wirtschaft so weiter machten wie zuvor, bis sie einfach nicht mehr benötigt wurden. Und das Volk äußerte frei seine Wünsche … und wurde mangels Führung und realisierbarer Visionen einfach von der Strömung fortgerissen. Was konnte man mir an materiellen Gütern wegnehmen wenn mir ein 17-millionstel von allem gehörte? Immerhin hatte ich auch „nur“ ein 17.000.00,0 der Verantwortung für das Ganze. Sonst hätte ich während der Wende vielleicht auch anders gehandelt und mehr Verantwortung für das Ganze getragen. Genossenschaften sind ein interessantes Modell .. aber Selbstversorgung allein ist zu wenig. Außerdem glaube ich nicht, dass man ein so großes Volk wie das der Bundesrepublik von solch einem Versuch überzeugen könnte. Und es wäre noch mehr nötig, denn auch in der heutigen Zeit würde die real herrschende Elite nicht zulassen, dass eines ihrer Länder sich derartig verändert. Außerdem wäre das nur ein schwacher Versuch der wirtschaftlich scheitern müsste, wenn nicht eine wohl organisierte Wirtschaft aufgebaut werden könnte, die sowohl die soziale Fürsorge als auch den Schutz sicher stellen könnte. Und, um es nicht bei einem Experiment zu belassen, sollten wir hierfür ein paar Vorarbeiten leisten. Oder gibt es schon ein geschlossenes Modell welches der heutigen Zeit angepasst ist und tatsächlich eine Alternative zur „sozialen Marktwirtschaft“ darstellt? Dieses wird wohl notwendig sein um Massen von einem neuen Weg überzeugen zu können. |
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