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Mit der Veröffentlichung der Afghanistan-Protokolle will Wikileaks zweierlei: den Abzug der Truppen beschleunigen und die etablierten Medien als Partner gewinnen

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Womöglich werden sich die heute veröffentlichten Afghanistan-Protokolle als Feuerprobe dafür erweisen, ob es Wikileaks gelungen ist, zwei Fragen zu beantworten, die das Projekt seit seinem Beginn begleiten.

Die erste Frage lautet: Wie erreiche ich politischen Einfluss, zum Beispiel um Menschenrechtsverletzungen in einem Krieg einzudämmen oder ihn gleich selbst zu beenden? So viel Aufmerksamkeit die Veröffentlichungen der Aufdecker-Plattform zuletzt bekamen, hielt sich ihr realer politischer Einfluss immer noch in überschaubaren Grenzen. Viele Unterstützer und Sympathisanten zogen daraus den Schluss, dass Medien und Politik ein unausgesprochenes Stillhalteabkommen geschlossen haben, das eine größere Wirkung von Dokumenten auf wikileaks.org verhindert.

Ganz Unrecht haben sie damit nicht: Dass ein Minister lieber keine unliebsamen Überraschungen erlebt, wenn er seinen Computer hochfährt, ist klar. Journalisten andererseits sind stets auf der Jagd nach Exklusivnachrichten - was in ihren Augen den Nachrichtenwert eines schon im Internet veröffentlichten Dokuments schmälert, selbst wenn es sich um noch so relevantes Material handelt. Beide Seiten haben folglich ein Interesse daran, Dokumente auf Wikileaks nicht allzu wichtig erscheinen zu lassen. Um diese Allianz aufzubrechen und politisch wirksam werden zu können, müssen die Wikileaks-Macher also zunächst die Frage beantworten: Wie können wir Partner der Medien werden?

Mit der von Spiegel, Guardian und New York Times begleiteten Veröffentlichung der Afghanistan-Protokolle scheinen die Macher nun ihre Antworten gefunden haben. Sie haben die Protokolle Monate im voraus drei Leitmedien aus den Staaten mit den größten Truppen-Kontingenten in Afghanistan überlassen. Das maximiert nicht nur die publizistische Wirkung, sondern befriedigt auch das Bedürfnis dieser Medien nach dem journalistischen Scoop.

Damit verabschieden sich die Wikileaks-Aktivisten freilich von einer harten Auslegung zweier ihrer heiligsten Prinzipien: dass sie Dokumente erstens unbearbeitet veröffentlichen und zweitens dass sie sie für alle gleichermaßen - oder zumindenst zu gleichen Zeit - zugänglich machen. Auf der Wikileaks-Webseite fehlen nach eigenen Angaben zumindest 15.000 Protokolle, um afghanische Quellen zu schützen und keine Anti-Terror-Operation zu gefährden. Sie sollen nachgereicht werden, sobald es "die Sicherheitslage zulässt".

Im Verbund mit seinen Medienpartnern unterwirft sich Wikileaks offenbar den etablierten journalistischen Kodices. Das wird vielleicht einige Sympathisanten ärgern, die ihre Kritik an "Mainstream-Medien" künftig etwas differenzierter ausdrücken müssen. Für die Öffentlichkeit kann ein professionelles Wikileaks, dass die Medien als ihren Partner begreifen, aber nur nützlich sein.

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