Politik

Guttenberg-Affäre | 22.02.2011 18:10 | Der Freitag

Als sei es ein Kavaliersdelikt ...

Wie soll ein Professor Studenten noch vermitteln, wie schwer ein Plagiat wiegt? 70 Dozenten greifen die Bagatellisierung des Vergehens in einem offenen Brief scharf an

 

Der Brief im Wortlaut:

Prof. Dr. Robert Stockhammer
Telefon +49 (0)89 2180-3006
Telefax +49 (0)89 2180-3377
stockhammer@lrz.uni-muenchen.de
www.komparatistik.uni-muenchen.de
Postanschrift
Schellingstraße 3
80799 München

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Herrn
Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch
Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Salvatorstraße 2
80333 München

München, 22.02.2011

Sehr geehrter Herr Minister,

die Unterzeichneten, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München Sprach- und Literaturwissenschaft lehren, beobachten die derzeitige Diskussion um die Plagiate in der Dissertation Karl-Theodor zu Guttenbergs mit großer Sorge.

Wir achten bei unseren Studierenden sehr sorgfältig darauf, dass sie vom ersten Semester ihres Studiums an die allgemein akzeptierten, etwa auch von der DFG klar definierten Standards wissenschaftlichen Arbeitens einhalten, darunter vor allem auch die Pflicht zum Nachweis von Zitaten. Selbst vermeintlich geringfügige Verstöße gegen diese Regeln führen mindestens dazu, dass kein Schein für die Veranstaltung ausgestellt wird (bzw. keine ECTS-Punkte vergeben werden), zu der die entsprechende Seminararbeit angefertigt wurde. Dies wird dem Verfasser der entsprechenden Arbeit in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt.

Als Verstöße, die zu diesen Sanktionen führen, verstehen wir (im Einklang mit den allgemein akzeptierten Standards) bereits solche, die weit unterhalb der Ebene dessen liegen, was auch nur in einem ersten Bericht über nicht nachgewiesene Zitate in der Dissertation Karl-Theodor zu Guttenbergs dokumentiert wurde 1 - und dabei handelt es sich nur um einen kleinen Auszug von inzwischen eindeutig nachgewiesenen Plagiaten.

Wir maßen uns wohlgemerkt nicht an, in Untersuchungen einzugreifen, die jetzt von der Universität Bayreuth bereits eingeleitet wurden; noch weniger wollen wir uns in Debatten über mögliche politische Konsequenzen einmischen.

Vielmehr wenden wir uns an Sie, weil die Diskussion über diesen Fall uns sehr beunruhigt. In der Öffentlichkeit wird nämlich zunehmend der Eindruck hergestellt, es handle sich hier um eine im engeren Sinne politische, also parteipolitische Debatte. Und leider vertreten manche Politiker dabei die Position, es habe sich bei dem Verhalten des Promovenden um einen Kavaliersdelikt wie Falschparken gehandelt, das im Wissenschaftsbetrieb allerorten üblich sei, so dass dieser spezielle Fall überhaupt nur aufgedeckt worden sei, um eine "Schmutzkampagne"2 oder gar einen "politisch motivierten Angriff von ganz Linksaußen"3 gegen einen Regierungspolitiker zu führen.

Die Unterzeichneten möchten an der Universität weiterhin in der Lage sein, mit großer Strenge die Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht nur selbst einzuhalten, sondern sie auch unseren Studierenden zu vermitteln. Wir halten dies nicht für eine parteipolitische Aufgabe. Diese Arbeit wird aber beträchtlich erschwert, wenn der Eindruck verbreitet wird, Plagiate im Wissenschaftsbetrieb seien ganz üblich und würden nur ausnahmsweise von Linksradikalen aufgedeckt. Wir bitten daher Sie als den für uns zuständigen Staatsminister, uns in unserer Arbeit zu unterstützen, indem Sie auch öffentlich diesem Eindruck entgegentreten.

Mit freundlichen Grüßen

R. Stockhammer

im Namen folgender Kolleginnen und Kollegen in alphabetischer Reihenfolge (welche die Bereitschaft zu unterzeichnen, per E-Mail an den Verfasser dieses Briefes mitgeteilt haben):
Vera Bachmann, M.A., Neuere Deutsche Literatur
Prof. Dr. Christian Begemann, Neuere Deutsche Literatur
Prof. Dr. Klaus Benesch, Nordamerikanische Literaturgeschichte
Anna-Lisa Dieter, M.A., Neuere Deutsche Literatur
Dr. Annette E. Doll, Nordische Philologie
Prof. Dr. Tobias Döring, Englische Literaturwissenschaft
PD Dr. Hilke Elsen, Germanistische Linguistik
Prof. Dr. Wolfram Ette, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Dr. Michael Ewert, Deutsch als Fremdsprache
Dr. Wolfgang Falkner, Anglistische Linguistik

und 60 weitere.

1 Vgl. Roland Preuß/Tanjev Schultz, "Verteidigungsfall", in: Süddeutsche Zeitung, 15.2.2011, Seite 2.
2 Günter Krings (Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag), zitiert in: Handelsblatt online 17.02.2011, 07:04 Uhr, http://hb2010.handelsblatt.com/politik/deutschland/union-wittert-schmutzkampagne/3853804.html [Letzter Aufruf: 20.02.2011]
3 Hans-Peter Friedrich (Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag), zitiert in: Focus Online, Mittwoch 16.02.2011, 21:21,
http://www.focus.de/politik/deutschland/plagiatsvorwuerfe-csu-politiker-attackieren-guttenberg-kritiker_aid_600715.html [Letzter Aufruf: 20.02.2011]

 
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Kommentare
Matto schrieb am 22.02.2011 um 20:09
Ich finde das Auftreten dieser Professoren vollkommen in Ordnung. Was Guttenberg hier macht, ist wirklich einmalig.
Er beweist vor aller Öffentlichkeit, dass er kein Unrechtsbewußtsein hat. So ein Mensch steht an der Spitze eines Staates, dass ist einfach nicht hinnehmbar. Was mich schockiert, dass das ganze CDU/CSU Rudel hinter ihm steht.
Hier sieht man die ganze Verkommenheit und den ganzen Klüngel, einfach nur ekelhaft.
Wehe, wenn sich von den Linken einer das geleistet hätte, da würde man gleich ein Verbot der Linken vorschlagen. Eigentlich ist diese betrügerische Art von Guttenberg nicht nach zuvollziehen, da muss man schon ganz schön verkommen sein. Für diese Regierung und deren Partei kann man sich wirklich nur schämen.
Heimatloser schrieb am 22.02.2011 um 22:53
Leider steht nicht nur das 'ganze CDU/CSU Rudel' hinter ihm, sondern die Mehrheit der deutschen Bevolkerung.
Um so höher ist dieser Brief von Angehörigen einer bayerischen Universität zu werten. Die Unterzeichner haben Zivilcourage bewiesen.
Wolfram Heinrich schrieb am 23.02.2011 um 06:26
@Matto
Er beweist vor aller Öffentlichkeit, dass er kein Unrechtsbewußtsein hat. So ein Mensch steht an der Spitze eines Staates, dass ist einfach nicht hinnehmbar.

Der Schwarze Block in Bayern, vom Volksmund liebevoll auch CSU genannt, hat sich das alte Anarcho-Motto auf die Fahnen geschrieben: "Legal, Illegal, Scheißegal".

Ciao
Wolfram
Gold Star For Robot Boy schrieb am 22.02.2011 um 20:49
RAJmue schrieb am 22.02.2011 um 22:59
In einem anderen Blog habe ich bereits heute die neue Benotung "summa cum fraude" vorgeschlagen. Das hält beim Bild-Leser klanglich den Nimbus und bei Anderen den Nicht-Nimbus.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 22.02.2011 um 23:25
Ich habe mich mit der Person Guttenberg nicht näher beschäftigt. Und auch die Sache mit seiner Doktorabreit nur am Rande verfolgt. Meine persönliche Meinung ist, dass die Empörung und Aufregung zum größten Teil kalkuliert ist.
Wenn man sich klar macht, dass die Entscheidung von Guttenberg eine Doktorarbeit zu machen wahrscheinlich auch zu einem guten teil Parteipolitk war, dann wird der Streit um die Aberkennung sich auch nicht ganz aus dem parteipolitischen Gezänk ausnehmen können.
Ich nehme den Professoren und Wissenschaftlern ab, dass sie auch um die wissenschaftlichen Standards besorgt sind.
Allerding ist Guttenberg ja nicht mit den abgeschriebenen Ergebnissen seiner Doktorarbeit zu Ruhm gekommen. Ihm ging es vermutlich hauptsächlich darum den Titel führen zu können als Legimations- oder Autoritätsquelle. Darüber zu diskutieren wäre mindestens genauso interessant, wie über die Verletzung wissenschaftlicher Standards.
Schneeblume schrieb am 23.02.2011 um 01:36
Guttenberg hat so unverzeihlich dumm gehandelt, wie es nur jemand tun kann, der vor lauter Geltungssucht jeden Realitätsbezug verloren hat. Und natürlich darf das nicht bagatellisiert werden. Es muss hart geahndet werden, denn Unmoral macht sich in allen Lebensbereichen breit. Wenn jemand zum Lügen bereit ist, dann ist er das grundsätzlich und in allem was er tut.

Also mir wärs lieber, wenn solche Lackaffen, die keine Skrupel haben, sich mit fremden Federn zu schmücken und die Leistungen anderer als ihre eigenen Arbeiten auszugeben, in diesem Staate nichts zu sagen hätten.
Ich fürchte nur, die Ränge würden sich ziemlich leeren, wenn man diesen Maßstab anlegen würde.

Außerdem finde ich es erfreulich, dass die Professoren der Münchner Universität ihre Studenten gut erziehen und die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens sorgsam schützen. Nur, die Professoren der Uni Bayreuth sind doch bestimmt genauso ehrenwerte Hochschullehrer und sie haben die Arbeit von Guttenberg doch vorher gelesen. Das tut man doch normalerweise, bevor man jemandem ein summa gibt, oder? Und es ist diesen Leuten nicht aufgefallen, dass mit dieser Arbeit etwas nicht stimmt? Na ja. Das ist schon sehr sonderbar.

Ich vermute mal: Der einzige Mensch, der diesen Text wirklich gelesen hat, ist der Ghostwriter.

Hoffen wir mal, dass die Uni München die Doktorarbeiten von Baronen und Ministern und Leuten mit Einfluss kritisch und unvoreingenommen liest und ihnen nicht einfach die Lorbeeren hinterherwirft. Aber ach, Leute. In dem Betrieb gehts nicht nur um Leistung, das braucht keiner glauben.
Joachim Petrick schrieb am 23.02.2011 um 02:31
Karl Theodor zu Guttenberg läuft politsch tödlich gezeichnet, sich ganz dem Belieben der Merkels, Seehofers. Becksteins u. u., beraten und verladen, überlassend, wie eine Politiker- Leiche auf Urlaub, mit Sinn für letzten Freilauf zu seinen, Fans, herum, um doesen noch eine salopp flott angemaßte Kür der politischen Leere
"Bundeswehr Tote in Afghanistan und konstruierter Fussnoten Vergleich"
vorzuführen, die die ganze schwarzgelbe Poiliker/innen Mischpoke seit dem Jahre 2009 mit rasend zunehmend moralischer Fallgeschwindigkeit verkörpert.

So adrett der Aufruf der Professoren begründet gemeint auch daherkommt.
Jetzt gilt es, jede Münchner Hast vermeidend, den Spruch der UNI Bayreuth abzuwarten und dann loszuschlagen.

siehe dazu:
www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/karl-th-zu-guttenberg-ist-die-mutlose--dussel--version-der-politik

18.02.2011 | 21:52
Karl Th. zu Guttenberg ist die mutlose (D)ussel- Version der Politik.
gorch fock bundeswehrreform zu guttenberg plagiatritter adel internet volk hofpfalzgrafenrecht standesrecht

Karl Theodor zu Guttenberg ist die mutlose (D)ussel- Version der Politik.

Karl Theodor zu Guttenberg ist die abtörnend hochtrabend allseitig von berlin bis Kundus am Hindukusch in Afghanistan entmutigende (D)ussel- Version deutscher Politik.
alf harzer schrieb am 23.02.2011 um 02:42
wenn mapli formuliert: Ich nehme den Professoren und Wissenschaftlern ab, dass sie auch um die wissenschaftlichen Standards besorgt sind, dann suggeriert es für mich dieses Kavaliersdenken.
Aber nehmen wir mal an (man mag mir diesen Vergleich nachsehen), ein angehender Geselle verwendet in nicht unerheblichen Maße für sein Gesellenstück vorgefertigte Teile anderer Handwerker. Müßten die Innungsmeister dann auch lediglich besorgt sein, oder würden sie dieses Vergehen deutlich bekämpfen?
Ich glaube, eine Antwort erübrigt sich.
Egal in welchem Metier, es geht um Integrität, Glaubwürdigkeit etc.. Was aber machen diese Herrscharen von wertkonser-vativen Politiker/-innen. Sie finden es in Ordnung, wie einer der ihren -noch dazu ein Strahlemann- mit so gravierenden Fälschungsversuchen umgeht.
`na dann läßt de den Dokter fallen und alles wird gut.
Wollen wir das wirklich?
In einer Bananenrepublik scheints, geht es aufrichtiger zu.
Für den Bevölkerungsteil -Marke wertkonservativer Poltiker- gilt das wohl nicht. Oder wie war das mit kohl, der sein "Ehrenwort" über das Grundgesetz stellt, "ich gebe ihnen mein Ehrenwort..." barschel aus dem Norden, und und....
weinsztein schrieb am 23.02.2011 um 03:20
@alf
Ihr "In einer Bananenrepublik scheints, geht es aufrichtiger zu" finde ich ziemlich Banane, und mit Verlaub, und schnell mal so dahergequatscht.
So schlicht darf "links" nicht sein.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.02.2011 um 20:19
@ alf harzer

Ja, man kann hier natürlich den Rücktritt fordern und moralisieren. Selbstverständlich sollte man den Vorfall nicht bagatellisieren, aber man sollte ihn auch nicht aufbauschen. Die Verfehlungen von Leuten in öffentlichen Ämtern wiegen immer um einiges schwerer als die des Ottonormalbürgers.
Ein Gesellenstück muss man, wie ein Doktorarbeit komplett selbst herstellen und ein Täuschungversuch kann meines Wissens im schlimmsten Fall zu einem Wiederholen der Prüfung führen. es wird jedenfalls nicht "deutlich bekämpft". Wo kämen wir da hin, wenn jeder Prüfling wegen eines Täuschuingsversuchs in der Prüfung sein weiteres berufliches Fortkommen verwirkt hätte?
Die Leute, die jetzt die Wissenschaft den Bach runter gehen sehen und Guttenberg dafür in Haftung nehmen wollen, sind m.E. entweder nicht in der Lage die tiefer liegenden Ursachen für den Niedergang der wissenschaftlichen Kultur zu erkennen oder sie suchen den Fehler bei Guttenberg um einer angestauten Antipathie durch eine Rationalisierung ein Ventil zu öffnen.
Und die Moral von der Geschicht: Traue keinem Dr. nicht!
Uwe Kampmann schrieb am 23.02.2011 um 04:07
J oa mei, do san die Professoren jetzt aber haarspalterisch. Unser Freiherr von Guttenberg is a guade bayerischer Buab. Er hat eine Sehnsucht und will für die Menschen was machen. Bei allen Imponderabilien die sich auftun, und auch wenn er sich mal verkraxelt, verliert er sein Ziel nicht aus dem Auge. Unser Karl Theodor ist der beste Verteidigungsminister den wir je hatten, deswegen lässt die Dr.Merkel ihn auch nicht gehen. Wir lassen uns des doch nicht bieten das unser bester Mann durch den Dreck gezogen wird. Wenn wir wollen, machen wir ein bayerisches Volksbegehren, des können wir auch ohne die SPD und Grüne machen, und dann machen wir unsern Freiherr zu Guttenberg, vom Volk ernannt zum Dr.hc.
In der Schule musstet ihr sitzen bleiben, jetzt dürft ihr aufstehen und klatschen.
Wolfram Heinrich schrieb am 23.02.2011 um 06:28
@Uwe Kampmann
J oa mei, do san die Professoren jetzt aber haarspalterisch. Unser Freiherr von Guttenberg is a guade bayerischer Buab.

Hömma, Uwe Kampmann: Wer Uwe Kampmann heißt, sollte nicht versuchen, bairisch zu schreiben, nö. Kraft meines Amtes als Denkdirwasaus untersage ich dir hiermit, hinkünftig Bairisch zu schreiben. Das Verbot wird erst dann wieder aufgehoben, wenn du nachweislich das Jodeldiplom gemacht hast.
Nein, die Universität Bayreuth ist zur Ausstellung dieses Diploms nicht berechtigt. Bayreuth liegt zwar im Freistaat Bayern, der Ortsname Bayreuth erweckt zudem fälschlicherweise den Eindruck, ganz besonders bairisch zu sein, aber das ist Schwindel. Die Bayreuther sind Beutebayern, die seinerzeit freundlicherweise von einem gewissen Herrn Bonaparte (der unter dem Künstlernamen "Kaiser Napoleon" durch Europa tingelte) dem Kurfürstentum Baiern (1) geschenkt wurden (2).
Die Bayreuther sind Oberfranken, keine Baiern. Der Schutzheilige der Stadt Bayreuth, zu dessen Ehren jeden Sommer ein groß' Getöse veranstaltet wird, ist aus Sachsen importiert worden.

Ciao
Wolfram
(1) Das "y" kam erst durch König Ludwig I. in den Namen Baiern. Ludwig I. war ein großer Freund der antiken Griechen und er hielt das "y" für einen tüpisch griechischen Buchstaben. Die Haupt- und Residenzstadt München entging damals nur um Haaresbreite dem grauenvollen Schicksal, hinkünftig Mynchen zu heißen.
(2) Besagter Bonaparte hat bei der Gelegenheit - nach dem Motto: "Aa scho wurscht, scheiß drauf" - den bairischen Kurfürsten in "König" umbenannt. Ludwig I., der noch viel meschuggener war als sein Enkel Ludwig II., hat den von Napoleon (völlig unberechtigterweise) verliehenen Titel "König" weiter getragen, obwohl er Napoleon haßte wie die Pest.
Frank Linnhoff schrieb am 23.02.2011 um 08:37
Die gute Fee: "für diese gute Tat hast Du 3 Wünsche offen"

Dradktzg: "ich wünsche mir einen Doktortitel"

Die gute Fee: "dies sei Dir gewährt. Nun Dein 2. Wunsch"

Dradktzg: "ich wünsche mir einen Doktortitel für meine Wettertanne."

Die gute Fee:"dies sei Dir gewährt. Überlege genau, Dein letzter Wunsch."

Dradktzg: "ein Doktortitel für alle und für immer"

Die gute Fee davonschwebend: "absurd, absurd, absurd..."
Mario H. schrieb am 23.02.2011 um 09:14
Ich finde das gut, so wie die Merkel bzw. Guttenberg vorgeht. Wir können uns ein Beispiel daran nehmen und auch die Urheberrechte ignorieren. Wenn der KT sich nicht daran halten muss, warum ich dann?
Jörg Hampel schrieb am 23.02.2011 um 09:40
Bei allem was wir z.B. hier verwerflich usw. finden, sollten wir bemerken - die Regierung ist immer Spiegel unseres individuellen wie auch gesellschaftlichen Seins. Dieses Sein in uns ist zu verändern - individuell wie auch gesellschaftlich - es geht um unsere individuelle tiefe Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit - unsere Bescheidenheit, Demut und unser Selbstbewußtsein unsere Handlungskompetenz. Sind wir selbst handlungskompetent in unserem Sein? Wo schauspielern und plagiieren wir?
Ich finde diese Gesellschaft an sich gehört radikal erneuert - und dazu gehört auch individuelle Veränderung - oder?
Manrodyl schrieb am 23.02.2011 um 10:58
Was mich persönlich an der Debatte erstaunt,mit welcher Dreistigkeit da Ablenkungsmanöver gefahren werden. Was haben die drei toten Soldaten mit dieser Affäre zu tun?Wie kommt der Minister dazu,es gab da wohl auch noch eine mündliche Prüfung,das Summa cum laude zu erreichen? Eine neue Amigo Affäre?
Der Ruf der Uni Bayreuth hat doch dadurch einen immensen Schaden erlitten. Schlag doch auch ins Gesicht derjenigen Absolventen,die ihren Doktor durch tatsächliche Anstrengungen erarbeitet haben.Die Aussage von unserem lieben Theodor, in mühevoller Kleinarbeit unter Vernachlässigung seiner Familie
alles erarbeitet zu haben,auch irgendwie eine Verhöhnung der Ehrlichen.
Dann noch seine von Angebereien durchsetzte berufliche Vita.
Was hat denn Theodor als Verteidigungsminister denn bis jetzt geleistet? Beim näheren Hinsehen,er hat genau wie Mutti Merkel
auch,seinen Mantel in den Wind der Wetterfahne gehängt.
Ein bisschen Gel in die Haare,den Touch seiner adligen Vorfahren,die genau wie die Kirche den Pöbel ausgebeutet hat,
schon ist der Heiligenschein fertig,der ihn
fast unangreifbar macht.
Als Verteidigungsminister untragbar.
Allerdings gelten in der vom Volk abgehobenen,und auch teilweise korrupten Politikerkaste,in der Vorteilsannahme kein Straftatbestand ist,andere Spielregeln.
Tardis Müller schrieb am 23.02.2011 um 11:05
Danke für diesen Brief! Eine Flut solcher Briefe scheint notwendig...
Der Skandal besteht nicht in dem Betrug. Und zwar deswegen, weil die nötige Reaktion auf den Betrug uns allen so klar vor Augen schwebt, dass höchstens noch ein Kind mit ernster Miene auf den entschleierten Kaiser zeigen dürfte.
Der Skandal besteht in dem Unvermögen so vieler Bürger, sich selbst einzugestehen, dass sie sich in einer Art Wunschtraumhypnose massiv haben täuschen lassen (wollen).
(Die Technik des Vergleiches dient dazu, alles und jedes miteinander in Beziehung zu setzen und später auch zu bewerten. Also bitte: Als sich das angesprochene Unvermögen unserer Bürger einmal Raum brach, führte erst ein Suizid zum letzten psychologischen Weckruf. Später wurde noch oft und einsichtslos bedauert, einem lächerlichen Wicht gefolgt zu sein. Wenn der Betrüger Kanzler werden sollte, werden weiße Rosen blühen (müssen).)
krankheit und konsum schrieb am 23.02.2011 um 11:23
...dringend nötig, so ein statement, zumal ja in zahlreichen medien mit formulierungen wie "gegen den wissenschaftlichen brauch (sic!) verstoßen" der eindruck erweckt wird, wissenschaftler setzten eben fußnoten wie trachtenvereinsmitglieder trachten tragen.

nevertheless: muss es nicht "die unterzeichnenden" heißen - unterzeichneter ist doch schließlich der brief selbst... ;-)
wbieber schrieb am 24.02.2011 um 13:07
"Wie Margot Käßmann, die ihre ungeheure Popularität durch den Rücktritt, der ja Folge eines eindeutigen Fehlverhaltens war, begründete, schadet Guttenberg die Affäre bisher in den Umfragen keineswegs. Nur: Bei Guttenberg funktioniert das Ganze sogar ohne Rücktritt."

Wieso eigentlich?

www.theeuropean.de/jost-kaiser/5821-kopierminister-guttenberg
L. H. schrieb am 24.02.2011 um 14:13
Die Diskussion ist ja nun allerorten. Mal abgesehen davon, dass das Abschreiben bzw. "Zitieren ohne Gänsefüsschen" kein Kavalliersdelikt ist und so auch nicht verstanden werde dürfte, finde ich es persönlich doch recht erstaunlich, mit welcher Sorgfalt sich ein Doktorvater bzw. die zuständige Promotionskommission, dem Werk beim Bewerten offenbar gewidmet haben. Eine solche Arbeit auch noch mit "summa cum laude" zu bewerten, ist NICHT nur ein Armutszeugnis für den dortigen Wissenschaftsbetrieb, sondern wirft auch die Frage nach einer gewissen Hofierung wenn nicht einer geschichtlich überholten, aber materiell (und dadurch auch im Zugang zu u.a. Bildungsmöglichkeiten) durchaus immernoch privilegierten Gesellschaftskaste, so doch zumindest einer publicitybringenden Politprominenz auf. Wo findet man wohl in Zukunft die juristische Fakultät der Universität Bayreuth im Hochschulranking der handelsüblichen Studienführer?
Bernenixe schrieb am 24.02.2011 um 17:46
Wer ist der Doktorvater?
Wer saß im Promotionsausschuss?

Es sollte die Frage gestellt werden, wer der Doktorvater der Guttenbergschen Dissertation war und welcher Promotionsausschuss ihn in seiner Disputation anhörte und prüfte.
Ist diesem Gremium nichts aufgefallen?

Wie konnte eine Promotion zum Abschluss kommen, ohne dass dem Gremium bereits ein, ich will es mal "Neigung zum unkorrekten Umgang mit dem Quellenmaterial" nennen, aufgefallen ist.

Die Prüfungskommission hat eine Arbeit anerkannt, die wissenschaftlich unkorrekt und unehrenhaft zu Stande gekommen ist. Bei so eklatanten Verstößen gegen die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, die jedem Akademiker auffallen sollten, zumal in der Lehrposition, stellt sich die weitere Frage nach der Ehrenhaftigkeit des Erwerbs.

War die Kommission bestechlich?

Lehrende aller Fakultäten haben recht, wenn sie sich dagegen verwehren, dass wissenschaftliche Stümperhaftigkeit als Kavaliersdelikt zu Ehren kommt.
wbieber schrieb am 25.02.2011 um 11:38
Was die Politik braucht, sind doch Politiker, die Wahres auch wahr nennen und der Versuchung des Messens mit zweierlei Maß widerstehen. Was ist jetzt von einem Politiker zu halten, der, obwohl nicht aufgrund seiner wissenschaftlichen Kompetenzen ins Ministeramt berufen, doch genau diese gefühlten Kompetenzen medial inszenierte? bit.ly/eT2Ish
dienstag schrieb am 25.02.2011 um 15:57
Wir haben doch Abmahnanwälte. Schüler, die Inhalte aus dem Internet kopieren, werden abgemahnt. Hat KT nicht damit gerechnet? Es liegt doch schon eine Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung vor.


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