Begriffe geben Orientierung. Sie helfen uns, die Welt, in der wir leben, besser zu verstehen. Deswegen ist der Streit um Begriffe kein abstrakt theoretischer Streit – es ist ein politischer Streit. Die deutschen Gewerkschaften haben unlängst einen Kapitalismus-Kongress organisiert. Warum reden wir vom Kapitalismus und nicht von der Marktwirtschaft?
Es gibt heute kaum eine Partei, die sich nicht in der Tradition der „Sozialen Marktwirtschaft“ sieht. So wollen CDU und SPD die „Soziale Marktwirtschaft“ erneuern. Die FDP möchte sich auf die „Soziale Marktwirtschaft“ zurückbesinnen. Die Grünen wollen die Rheinische Sozialordnung grün anstreichen. Und Oskar Lafontaine streitet mit Ludwig Erhard für höhere Löhne.
Dieser Wettkampf um das Erbe Erhards hat einen einfachen Grund: Lange Zeit genoss die „Soziale Marktwirtschaft“ im öffentlichen Bewusstsein einen guten Ruf. Sie stand für leistungsgerechte Einkommen, armutsfeste Rente, erschwinglichen Wohnraum, bezahlbares Gesundheitswesen, Kündigungsschutz und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Ludwig Erhard würde sich jedoch im Grabe umdrehen, wüsste er, wie sehr der Begriff, den er selbst prägte, umgedeutet wurde. Erhard war ein Vertreter des Ordoliberalismus, der deutschen Variante des Neoliberalismus. Wohlstand für Alle entstand seiner Auffassung nach durch das Wirken freier Märkte. Der Staat sollte lediglich dafür sorgen, dass die Märkte auch funktionieren. Nicht mehr und nicht weniger. Das Adjektiv in „Soziale Marktwirtschaft“ war nur ein Synonym für gesellschaftlich.
Der Begriff ist nicht mit dem realen westdeutschen Sozialstaat gleichzusetzen. Letzterer war ein politischer Kompromiss. Den Gewerkschaften gelang es nach dem Krieg den Kapitalismus sozial zu zähmen. Dies setzte ein historisches Bündnis mit der Sozialdemokratie und der katholischen Soziallehre voraus. Die aus sozialen Kämpfen hervorgegangenen Errungenschaften waren keine natürlichen Abfallprodukte des Wirkens freier Märkte.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“, respektive der Marktwirtschaft nicht mehr verwirrt als aufklärt. Es ist kein Zufall, dass diejenigen, die nach dem Krieg nicht vom Kapitalismus reden wollten, von der Marktwirtschaft sprachen. Sie gilt aus wirtschaftsliberaler Sicht als Anfang und Ende der Geschichte, gewissermaßen als natürliche Gesellschaftsordnung, die sich zwangsläufig aus dem Gewinnstreben der Menschen ergibt. Unterstellt wird eine natürliche Neigung zum Warentausch. Diese Annahme hält aber keiner kritischen Überprüfung stand. Der Begriff des Kapitalismus ist hingegen ein historischer Begriff. Er beschreibt ein Gesellschaftssystem, dem andere Wirtschaftsordnungen vorausgingen und mit großer Wahrscheinlichkeit auch andere folgen werden.
Hinter beiden Begriffen stehen also völlig unterschiedliche Deutungsmuster, der ökonomischen und sozialen Verhältnisse. Am Beispiel des Verständnisses vom Staat und der Arbeit lässt sich dies gut zeigen.
Markt und Staat sind aus wirtschaftsliberaler Sicht Gegensätze. Mit der ökonomischen und sozialen Realität hat dies so gut wie nichts zu tun. Historisch setzten Märkte immer die Existenz des Staates voraus. Die Verfechter des deutschen Ordoliberalismus erkannten inzwischen zumindest, dass nur der Staat die Rechtsordnung und somit auch das Privateigentum schützen kann. Sie warfen die Fiktion sich selbst steuernder Märkte über Bord.
Marktversagen in Form von mangelndem Wettbewerb, Intransparenz und Herdenverhalten ist alltäglich. Für diese Erkenntnis bedurfte es nicht erst der aktuellen Finanzkrise. Mit staatlicher Wettbewerbs- und Verbraucherpolitik soll dieses Marktversagen bekämpft werden. So soll die Marktwirtschaft vor sich selbst geschützt werden. Soweit so gut. Weitergehende staatliche Eingriffe in die Märkte sind jedoch aus ordoliberaler Sicht unerwünscht.
Spätestens mit den heutigen staatlichen Rettungsaktionen befindet sich aber auch das ordoliberale Markt- und Staatsverständnis in einer schweren Legitimationskrise. Ohne Bankenrettungsschirme, Konjunkturpakete, aktive Arbeitsmarkt- und Industriepolitik hätte diese historische Krise den Kapitalismus längst unter sich begraben. Ohne Staat sind die Märkte in der Krise nicht mehr zu retten.
Es geht aber nicht nur um Krisenbewältigung. Auch Sozialstaat und Markt sind keine Gegensätze. Der Sozialstaat ist kein moralisch aufgeladenes Projekt, das nur dem sozialen Ausgleich dient; er ist kein klammer Untermieter der Wirtschaft. Im Gegenteil: Die Verteilung der Produktivitätszuwächse entscheidet über die Wachstums- und Beschäftigungschancen der Zukunft. Wenn die Kapital-, und Vermögenseinkommen den Arbeitseinkommen enteilen, bleiben maßgebliche Ressourcen ungenutzt. Wird aber das, was nicht für private Investitionen verwendet wird, zugunsten von Arbeitseinkommen und öffentlichen Investitionen umverteilt, dann kurbelt die höhere gesamtwirtschaftliche Nachfrage die Produktion an.
Sozialstaatliche Umverteilung drückt allerdings auch die Kapitalrenditen. Die Folge könnte ein privater Investitionsstreik in einzelnen Segmenten der Wirtschaft sein. Hier stoßen wir an Grenzen des Privateigentums. Deshalb drängen sich alternative Eigentumsformen auf – etwa bei der Energie- und Wasserversorgung, dem Nah- und Fernverkehr und dem Gesundheitswesen. Darüber hinaus kann der Staat durch soziale und ökologische Anreize die Richtung des Wettbewerbs vorgeben. Das allein reicht aber nicht aus. Wir brauchen auch einen handlungsfähigen Staat, der im Rahmen einer ökologischen Industriepolitik als Entwickler, Innovator, Investor und Nachfrager voranschreitet.
Nun zum zweiten Beispiel: der Arbeit. Der Begriff der Marktwirtschaft unterstellt, dass alle Marktteilnehmer gleich sind. Schließlich herrscht Vertragsfreiheit. Auf dem Arbeitsmarkt entscheiden die Arbeitnehmer angeblich frei darüber, zu welchem Preis sie ihre Arbeitskraft verkaufen und wie viel Arbeitsstunden sie anbieten möchten. Mit der gesellschaftlichen Realität hat dies nichts zu tun. Das Konzept der Marktwirtschaft unterstellt außerdem, dass es mehrere Produktionsfaktoren – Arbeit, Kapital, Boden – gibt, deren effizienter Mix den gesellschaftlichen Reichtum erzeugt. So wird die Aneignung der Kapitalüberschüsse durch Unternehmer, Aktionäre und Vermögensbesitzer ideologisch gerechtfertigt.
Kapitalismus beschreibt hingegen ein durch Macht geprägtes soziales Verhältnis. Das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist gekennzeichnet durch völlig unterschiedliche und ungleiche Verhandlungspositionen. Aber nur die menschliche Arbeitskraft ist in der Lage einen Überschuss zu erzeugen.
Wer also über die aktuelle historische Krise redet, sollte auch über den Kapitalismus reden. Der Begriff seziert messerscharf die Widersprüche und Interessenkonflikte der Gesellschaft. Diese Analyse ist die Grundlage für die Entwicklung einer Strategie des sozialen Fortschritts.
Kurz- und mittelfristig geht es um höhere Löhne, um gute Arbeit und mehr Teilhabe. Die historische Erfahrung zeigt uns, dass Märkte einen wichtigen Wohlstandsbeitrag leisten können. Bis zum heutigen Tag ist es nicht gelungen eine Organisationsform der Ökonomie zu entwickeln, die eine vergleichbare Erfolgsgeschichte vorweisen kann. Gleichzeitig sind die Lebensbedingungen im zeitgenössischen Kapitalismus weit entfernt davon, dass der Einzelne seine Talente und Fähigkeiten zum Wohle der Gesellschaft frei entfalten kann. Märkte sind sozial und ökologisch blind.
Der Kapitalismus produziert aus sich selbst heraus Ungleichheit. Folglich muss das Soziale dem Kapitalismus abgerungen werden. Gleiche Bildungschancen, die Absicherung der zentralen Lebensrisiken – Arbeitslosigkeit, Alter, Krankheit, Invalidität, Unfälle – und eine ausreichende Versorgung mit öffentlichen Gütern sind keineswegs selbstverständlich. Es geht ferner darum, den Märkten eine Richtung zu geben. Die natürlichen Lebensgrundlagen müssen vor den selbst zerstörerischen Kräften des Kapitalismus geschützt werden. Dort, wo die Profitlogik versagt, braucht es alternative Formen des Wirtschaftens.
Sozialer Fortschritt setzt aber immer auch ein Mehr an Demokratie voraus. Deswegen darf die Demokratie nicht vor den Werkstoren enden. Mehr Wirtschaftsdemokratie bedeutet dann ein Mehr an betrieblicher und überbetrieblicher Mitbestimmung, eine demokratische Selbstverwaltung der Wirtschaft, ebenso wie plurale Eigentumsformen, eine bessere Regulierung und makroökonomische Steuerung. Das große emanzipatorische Ziel der Arbeiterbewegung bleibt die Aneignung der Entscheidungen über das eigene Leben und somit auch über die Verteilung und Verwendung des gesellschaftlichen Reichtums.
Somit eröffnen grundlegende Reformen des Wirtschaftslebens immer auch eine Perspektive, die über den Kapitalismus hinausweist. Wie eine derart reformierte Gesellschaft sich langfristig entwickelt, und welche Rolle die Profitlogik in ihr spielen wird, ist ein offener Prozess, auf den sich einzulassen lohnt. Eines ist jedoch klar: Der Kapitalismus ist nicht das letzte Wort der Geschichte.
Claus Matecki, geboren 1949 in Wanne-Eickel, ist seit 2006 Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstandes des DGB
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Ich stimme dir zu , dass der Kapitalismus nicht das letzte Wort der Geschichte ist. Er kann es schon deshalb nicht sein, weil er historisch zwar die Produktivität vorangetrieben hat und den Reichtum an Waren ermöglicht hat, wie vor ihm kein anderes Wirtschaftssystem. Aber er hat zwei entscheidende Widersprüche. Er produziert nur nach Quantitäten. Er will muss nur mehr und mehr produzieren, um mehr und mehr Kapital anzuhäufen. Die Qualität der Produkte interessiert ihn nur sekundär. Langlebige, ökologisch nachhaltige Waren und Dienstleistungen stehen seinem kurzfristigen Profitstreben entgegen,da möglichst viel egal was produziert werden muss , um zu wachsen und mehr Profit zu erwirtschaften etc.
Der zweite Widerspruch ist der Markt selbst. Alle produzieren, aber wieviel nachgefragt wird ist unbekannt. Also wird ein Teil der Produktion, die zuviel ist, die falsche Ware ist etc. nicht gekauft also entwertet. Nach der langlebigen Qualität der Produkte und ihrer Produktionsweise zu fragen ist also eine Frage , die über das System hinausweist. Ich stimme dir also zu, dass über die Steuerung der Märkte, der Investitionen und der gesellschaftlich nötigen Produkte politisch entschieden werden muss. Sei es durch rigide Gesetzte, Kontrolle, Steuern oder und Demokratische Kontrolle in den Betrieben. Insofern weist für mich die Frage ob Opel andere Produkte produzieren kann oder muss und die betrieblichen Arbeitnehmervertreter weit über das gegenwärtige Wirtschaftssystem hinaus. Der Weg ist das Ziel. |
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Hallo Claus Malecki,
es ist beim Lesen, als ob ich Ihnen beim Schreiben über Ihre Schulter schaue.Vielen Dank für Ihre lesbar kompakte Zusammenstellung. Was mir fehlt, ist die monetäre Seite unserer Gesellschaftsdebatte, in der die Kapitalseite, anders als die Verbraucherseite Zugang zu billigem Geld hat. Diese Tatsache entfaltet umso mehr ökonomisch heillose Wirkung, weil es in entwickelten Industrie- und Finanzproduktgesellschaften, weniger um primäre Wertschöpfung geht, sondern um Kreditschöpfung aus Mitteln zweiter, dritter Hand, die da sind Verwetungsrechte aus Patenten, Erfindungen, die die Gesamtgesllschaft als Mitwirkender erbracht, die aber nur den Patenteigentümern Rendite gebracht. Wie wäre es, wenn Privathaushalte mit ihrem Forderungseigentum (Paul Kirchhoff) Unternehmen mit ihrem Eigentum an Produktionsmitteln rechtlich wie bei der Kreditschöpfung gleichgestellt, bei Insolvenzverfahren nicht nachrangig als Gläubiger behandelt werden? Anders als die Arbeitnehmer- , Verbraucherseite, strebt der Kapitalseite, ,lokal und global, stets Insel- Lösungen an, auch wenn diese den Globalisierungsdruck und -wille vorneweg im Munde führt. Bevor die Akkumulation von Kapital soweit war, dass da ein großer Haufen Geldes war, brauchte es Millioen gebende Hände, dieses Geld einzusammeln, War das nicht die hohe Zeit der Gottesstaaten, Kirchenvölker, die danach erst auf die Idee gekommen, überdimensionierte Projekte, wie den Peters Dom zu Rom durch Schuldnaufnahme bei Geldverleihern wie Fugger zu vorzufinanzieren, die Schuldeneintreibung als Pfandrechte den Geldverleihern anzudienen, sich selber aber vor den Gläubigen, die unveschuldet zu Gläubigern geworden, die Hände in Unschuld zu waschen. Die Kirchen sparen das Thema Geld weiter aus, weil sie immer noch Gläubige zu Gläubigern von Kirchenschulden machen? Wie ist die monetäre Position des DGB? tschüss JP |
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ergänzend behaupte ich einmal, dass die Kapitalseite als Player neben anderen Playern die Deutugshoheit, -macht über das Gesellschaftliche Geschehen anstrebt und oft erreicht, weil andere Player zu bequem, den Begriff vom "Kapitalismus" gerne "kämperferisch!hier, gleichgültig unbedacht dort übernehmen!?
JP |
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schrieb am
28.06.2009 um 19:57
Kleiner Irrtum: die Kirche hat sehr wohl.
Geben ist seeliger denn nehmen. So gebet her alles was ihr habt und ihr werdet von Eurer Schuld befreit oder bekommt Mehl und Öl und zwar ohne Unterbrechung. Je nach Gusto (also Wunder). Das muss man nur auf das Thema Geld analog übertragen und die Absurdität wird völlig transparent. |
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"Spätestens mit den heutigen staatlichen Rettungsaktionen befindet sich aber auch das ordoliberale Markt- und Staatsverständnis in einer schweren Legitimationskrise. Ohne Bankenrettungsschirme, Konjunkturpakete, aktive Arbeitsmarkt- und Industriepolitik hätte diese historische Krise den Kapitalismus längst unter sich begraben. Ohne Staat sind die Märkte in der Krise nicht mehr zu retten."
Guter Beitrag, da könnte man Vieles abnicken, gar unterschreiben, sich die Schlussfolgerungen zu eigen machen. Mit Einem bleibt der Autor hier jedoch an der Oberfläche, will und muss natürlich aus seiner Position heraus auch zukünftig gesprächsfähig sein. Direkter wird da z.B. Frithjof Bergmann, www.youtube.com/watch?v=7Y0xpNsQ0hk denn der Kapitalismus ist kein anonymes, theoretisches Konstrukt, welches eben mal vom Himmel gefallen ist und das der starke Staat lediglich zähmen müsste. Den virtuellen, Papiergeldrettungsschirmen folgen beinahe zwangsläufig die realen, höheren Mauern, wird ganz realer Schutz der Wenigen immer höhere Priorität erlangen. Der Wenigen, auf die mathematisch-grenzwertig beinahe "Alles" bereits umverteilt ist. Der Rest folgt dann in Bälde... "Schlachtspaltung" zwischen den 80 bis 90 Prozent der Wüstenbewohner und den 10 bis 20 Prozent der Oasenbewohner. Um im Bild von Bergmann zu bleiben. Und wenn man Anzahl und Größe der Oasen als fix annimmt, dann ist es sicher: "no way out" und die apokalyptischen Visionen, Romane und Filme werden zukünftig von der Realität noch eingeholt, gar übertroffen. Anders könnte es aussehen, wenn die Oasenbewohner kooperieren, was aber relativ unwahrscheinlich und gegen alle bisherige, historische Erfahrung von Cliquen, Ichbezug und Korpsgeist wäre. Ansonsten bzw. in dem Falle könnte mit Hilfe moderner, ggf. noch zu entwickelnder Technik die Ressource "Oase" vergrößert werden. Technik jedoch, die aktuell und zukünftig wohl eher dazu verwendet wird, die Mauern höher zu ziehen, die Wüstenbewohner zu überwachen und klein zu halten. Bleibt also beinahe alternativlos das gegenseitige Schlachten!? |
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Die Oase könnte man auch als Gefängnis bezeichnen, weil der Oasenbewohner nicht die Wüste kennt und sich dort nicht zurecht findet. Der Wüstenbewohner jedoch kennt sein zu Hause sehr genau und findet immer den richtigen Weg, um zu überleben. Die Wüste ist ein Ort in dem man Reichtum als auch Armut erfahren kann.
Ein Beispiel könnte das jüdische Volk sein, dass die besten Zeiten in seiner Kulturgeschichte in der Wüste erlebt hat (Bibel) und in der Oase vernichtet werden sollte(Shoah). Das habe ich jetzt geschrieben, um diese kapitalistische Ideologie zu kritisieren, die die Ware als das darstellt worauf der Mensch seit Primatzeiten wartet. So als ob der Mensch in der Steinzeit räsonierend dagesessen hätte mit dem Gedanken "Wann kommt die Ware? Wann kommt die Ware?" |
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Da schreibt der Autor, dass ohne Staat schon das Ende des Kapitalismus eingesetzt hätte was ich auch so sehe, um dann aber eine Apologetik dieser Wirtschaftsordnung abzuliefern mit dem Apell "wir müssen ihn retten den Kapitalismus" und am Ende steht, dass der Kapitalismus nicht ewig existieren wird. Wieso denn nicht einfach mal schreiben, dass der Kapitalismus nicht mehr mittel- und langfristig gerettet werden kann, da auch die Unterstützungen des Staates die Selbstzerstörung des Kapitalismus nur verzögern kann und die Geschichte dann ihren Lauf nimmt? Weil man sich dann nicht mehr nach "gerechten Löhnen" und "guter Arbeit" sehnen kann und die Kaufhäuser nicht überfüllt sind mit all den tollen Waren? Was soll denn bitte ein gerechter Lohn sein? Warum braucht man Lohn oder Geld? Was ist gute Arbeit? Ist das jeden Tag 8 Stunden am Fliessband stehen oder nur noch auf die blinkenden Lichter zu achten damit das Fliessband von Computerhand läuft?
Die Ökonomie ist wirklich eine große Erfolgsgeschichte. Durch das Ausbeuten von Natur und Mensch haben wir heute unendlich viele Waren von denen die meissten aber einen vom Leben abhalten. Das ging dann so weit, dass die Natur nahezu vollständig verwüstet ist und wir hoffen sollten, dass sie sich wieder erholt. Außerdem haben wir es mit einem Menschen in dieser hoch technologischen und komerziellen Lebenswelt zu tun bei dem man einen sehr gute Willen braucht, um noch zu erkennen, dass dieser auch Mensch ist und sich dafür hält. Die Märkte kennen nur eine Richtung. Das ist ihr Grundgesetz. Durch dieses Grundgesetz sind sie in den letzten 200 Jahren enorm angewachsen und werden nun implodieren, da sie an ihre innere Schranke angelangt sind. Für den ein oder anderen ist mal was abgesprungen, aber 1 Millarde Menschen verhungern zur Zeit. Das sind übrigends die Menschen in den Ländern, die eigentlich nichts mit dem Kapitalismus zu tun haben wollten, da sie eigene erfolgreiche Gesellschaftssysteme hatten, die aber im Kolonialismus unter europäisches Diktat gestellt wurden. Warum den Kapitalismus retten? Lassen wir ihn doch lieber sich selbst zerstören und bauen dann etwas besseres auf. |
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Der Geschichte ihren Lauf zu lassen. Bedeutet das nicht genau heute für die Veränderungen eintreten , die uns morgen ein Leben jenseits der Profitmaximierung ermöglichen ?
Oder bedeutet der Geschichte ihren Lauf zu lassen bloß abzuwarten ? Ist das verantwortbar ? Schließlich hängen Milliarden Leben und deren Überleben daran. |
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schrieb am
28.06.2009 um 20:22
Das Dilemma am Kapitalismus ist ja, das er neben einigen negativen Auswüchsen uns zB dahin gebracht hat, mit hochkomplexer Technik weltweit den Kapitallismus zu kritisieren. Und das sehr zu recht. Das wirkliche Dilemma ist aber, das auf der ganzen Welt kein andere globales System basierend auf ein paar Theorien über menschliches Verhalten bewiesen hat, dass es die positvien Errungenschaften und Eigenschaften liefert ohne die zu kritsierenden nicht zu haben.
In der Wüste kippt man sein Restwasser ja auch nicht einfach weg, weil man aktuell keinen Durst mehr hat. Ihn (den Kapitalismus) also einfach Fallen lassen wäre also sehr sehr töricht. |
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Der Begriff der sozialen Marktwirtschaft ist wirklich zur "Begriffs-Hure" verkommen, weil in der politischen Spannbreite von links bis rechts dieser Begriff für vieles herhalten muss, was er wegen der nicht ausreichenden inhaltlichen Bestimmung und geselschaftlichen Vereinbarung über die Richtigkeit des Inhalts nicht sein kann.
Marktwirtschaft entstand mit der Herausbildung des Mehrprodukts und des Austausches seiner Produkte zwischen den Produzenten (der Austausch später mit Hilfe von Distribution und Zirkulation z.B. Händler). Wenn wir von einer bestimmten Gesellschaftsform sprechen bleibt als bestimmende Determinante bis zu ihrer Aufhebung die Marktwirtschaft. Bleibt die Bestimmung der gegenwärtigen Form. Sie als Kapitalismus zu charakterisieren greift zu kurz, weil diese Bestimmung die gesellschaftliche Form nicht erfasst. Ich möchte nicht weiter nicht ins Detail gehen, aber meiner Meinung nach sollte die gegenwärtige Form eindeutig als das charakterisiert werden, was es ist: privatkapitalistische Marktwirtschaft. Auch die Bewertung des Staats in dem Beitrag ist zwar in seinem Ziel wünschenswert, stimmt aber mit der Realität nicht überein. Beispiel Bankenrettung in Deutschland: Unter Umgehung von Verfassungsorganen (Parlament) werden milliardenschwere Rettungspakete mit denen verabredet, die Mitverursacher für die schwere Finanzkrise sind mit dem Ergebnis, dass ein Herr Ackermann nach Schaffung der gesetzlichen Grundlagen durch die Bundesregierung schon wieder erfolgreich von Renditeversprechungen von 25 Prozent argumentieren kann. Der Staat wurde und wird bestimmt durch die Eliten des jeweiligen Staats; heute zunehmend mit einer europäischen Komponente. Diese Aussgage stimmt auch überein mit der im Artikel getroffenen Feststellung, dass ohne Rettungsschirme etc. dieser (Privat)Kapitalismus längst begraben worden wäre. Wie lang soll diese Sterben denn noch dauern? We can do it. |
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Kapitalismus - Subjekt
Eine phänomenologische Betrachtung nebst einer kleinen Satire Merkwürdig neben der Spur ist meist die öffentliche bzw. veröffentlichte Diskussion über Arbeitslosigkeit. Diese Tatsache beruht nicht auf einem Zufall. Seit mehr als drei Jahrzehnten wird die Arbeitslosigkeit bekämpft und steigt dabei. Was ist der wiederkehrende Mechanismus dieser sich drehenden Dauerdebatte? Was bleibt heute als politische Basis der Republik? Es bleibt ein ökonomistischer (nicht: ökonomischer) Nihilismus mit stark realsatirischen Zügen, weil nicht erkannt werden soll und darf, dass der Kaiser nackt ist. Z.B. darf man nicht wirklich öffentlich benennen, dass es für bestimmte Berufe einfach keine Arbeitsplätze gibt. Das ist ein ökonomistisch-nihilistisches Tabu. Daher muss es in dieser falschen Logik immer irgendwie am Subjekt liegen, wenn es zu keiner regulären Arbeitsaufnahme kommt. Es darf gar nicht am System liegen. Deswegen wird Bewerbungstraining mit sog. "Sozialberatung" verbunden. Man braucht aber keine Sozialberatung, sondern Systemberatung: Das System ist das Problem. Die offizielle "Sozialberatung" geht davon aus, das korrigieren zu können., was das Subjekt falsch macht. Aber das Subjekt macht gar nichts falsch. Das Brechen des ökonomistisch-nihilistischen Tabus entzieht der "Sozialberatung" den Boden, die damit zur Lachnumnmer wird. Denn die Sozialberater sind die Unteroffiziere des Systems, werden also aus der Staatsschatulle des nackten Kaisers bezahlt. Wenn die "Sozialberatung" am Ende ist, ist das System real am Ende. Doch: "Was zum Untergang verurteilt ist und am Abgrund steht, das muss man noch schubsen!" (frei nach Nietzsche). Das ist eine große politische Aufgabe und sollte daher zum Verdienst werden: Die Hofnarren werden es auch nicht mehr richten können (s. TV: Dschungelcamp, Trash-Talks). Und nun zur Praxis: Neue 1 Euro-Jobs vom Amt! Folgende Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) sind in dieser Woche zu besetzen: 1. Rote Autos zählen, 2. grüne Autos zählen, 3. ganz laaangsaham den Hof fegen, 4. ganz laaangsaham den Hof verschmutzen, 5. Maulaffen feilhalten auf dem Hof einer weiterführenden Schule! 6. Drehtür zuschlagen am Rathaus unter Sozialbetreuung. Wer gelbe Autos zählen will, muss sich dazu das graue Antragsformular 6^1237oha!2315XX08/15 in der Zeit zwischen 11.30-11.32 Uhr montags in acht Tagen in Zimmer 326 abholen und doppelt in DRUCKBUCHSTABEN beschrieben wieder abgeben (gegen Quittung! Bitte gut aufbewahren). Ansonsten bieten wir noch eine prima Umschulung zum Eintänzer in der Fischbratküche an. Voraussetzung ist der Angelschein. Bitte sofort melden! |
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In Deutschland nennt man seit geraumer Zeit die Dinge nicht beim Namen. Es gilt die Devise: Holt beide Seiten unter das Zepter.
Daher nannte man des Faschismus in Deutschland nicht "Faschismus" sondern "National-Sozialismus" und nennt den Kapitalismus nicht "Kapitalismus" sondern "Soziale-Marktwirtschaft". Als würde die Namensfindung aus einer Denkfabrik kommen. |
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Eine provokante Frage hätte ich dann an den Gewerrkschaftsfunktionär (wie ich annehmen darf).
"Claus Matecki, geboren 1949 in Wanne-Eickel, ist seit 2006 Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstandes des DGB"" Wie ist das mit der Sozialpartnerschaft in der sozialen Marktwirtschaft, der das soziale verlustig ging aber "die Gewerkschaften" lustig weiter auf Sozialpartnerschaft machten und auch heute noch machen? Wo bleibt die öffentliche Gewerkschaftsdebatte angesichts der sogenannten Finanzkrise der folgenden Realwirtschaftskrise und dem real nichts passierendem in der Politik? Fehlanzeige, völlige Fehlanzeige. Immernoch auf Kurs soziale Partnerschaft in sozialer Marktwirtschaft? |
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ich halte es mehr mit richtig handeln. worin liegt der sinn, über begrifflichkeiten zu diskutieren zu denen eh jeder eine im details andere ansicht hat?
sowas lenkt ab, verschwendet zeit und bringt dem ziel nicht näher. mfg mh |
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Bravo Klaus Bravo! Der TExt ist sehr verständlich und greift eine meiner Probleme auf die ich mit den Linken habe wenn sie immer gegen den ach so bösen Neoliberalismus und Kapitalismus wettern, aber damit eigentlich was ganz anderes meinen.
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Der Begriff 'soziale Marktwirtschaft' sollte ja auch mehr verwirren als aufklären! Er sollte vom Klassenkampfmodell der Kommunsten ablenken!
Wie gelang es denn den Gewerkschaften nach dem Krieg den Kapitalismus sozial zu zähmen? Es gelang ihnen m.E. nicht! Die Zähmung des Kapitalismus erfolgte nur durch das ostdeutsche Gegenmodell, das freilich kläglich scheiterte. Das wussten die Kapitalisten aber 1949 nicht und so sie räumten sie die sozialen 'Errungenschaften' ein. Ansonsten kann man dem Artikel zustimmen. |
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lesen
Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft von Alfred Müller-Armack das ist und bleibt das basiswerk der sozialen marktwirtschaft. aber lasst uns besser beim konspirativen blödsinn bleiben. alles im leben entsteht aus irgend nem zwang heraus, einer entwicklung das vorzuwerfen ist genauso intelligent wie wortklaubeei zur themenauf- und ausweichung. hey danke, dass du mir n kaffee ausgibst. aber eigentlich bist du n arsch, denn das machste nur um dich wohl zu fühlen. fu. |
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Wenn nur das produziert würde, was die Menschen für ein gutes Leben benötigen, und nicht dazu produzieren, damit die Kapitalseite mit 25% profitiert, dann hätten wir viel Zeit für das gute Leben ohne Autoschrottberge und von der Arbeit der Supermarktkassiererinnen finanziertes Spielgeld in den Bad Banks ...
„Soziale Marktwirtschaft“ heißt hingegen: Wer eine Pfandflasche falsch abrechnet, steht auf der Straße und ist in seiner Existenz bedroht - Wer den „Bürgern“ Milliarden „Opfer“ für Zockerparadies abfordert, der fordert vor Gericht auch noch einen millionenschweren Nachschlag. |
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man kann über die wirtschaftsweisen in des wortes doppelter bedeutung trefflich streiten. aber eines muss auch auf die agenda: außer den innenpolitisch interessanten fragen sollte mal ein wenig an die folgen der tatsache gedacht werden, die der militärisch-ökonomische komplex mit sich bringt. kapitalismus bedeutet krieg. krieg bedeutet untergang und zerstörung. atomkrieg bedeutet allgemeine vernichtung.
kurz: wir brauchen zum überleben der menschheit nicht bloß eine ökologisierung der wirtschaft, wir brauchen eine andere gesellschaft. |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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