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Kultur : Schwarze Gefahr!

Tornados sind jetzt nachts noch tödlicher und Ostern war kälter als Weihnachten. Wie groß ist die Bedrohung "Wetter"?

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Dass sich mit apokalyptischen Endzeitvisionen in der Regel mehr Aufmerksamkeit erregen lässt als mit blümchenumrankten Positivprognosen, ist aus Mythologie, Kunst, Literatur und Film hinreichend bekannt. Aber was ist schon die überkommene Fiktion, wenn das Unheil sich auch auf die reale Wetterkarte malen lässt?

Wetter, das haben die Rezipienten der täglichen Vorhersage lernen dürfen, ist mittlerweile weit mehr als der zweckdienliche Hinweis auf die angezeigte Bekleidung und die ent­sprechende Freizeitgestaltung des kommenden Tages, und vielleicht noch des Tages danach. Nein, die Meteorologie etabliert sich mehr und mehr als Gradmesser einer drohenden Katastrophe, die scheinbar unaufhaltsam auf uns zurollt und sich wie die lang erwartete Rache der Natur anfühlt.

Das mit dem Gradmesser funktioniert dabei auch deshalb so gut, weil sich bestimmte Wetterphänomene sehr schön in schaurig-düsteren Farben umschreiben lassen. Bestimmte Teile der USA etwa wurden am vergangenen Wochenende in scheinbar nie dagewesener Frequenz von Tornados heim­gesucht, und zwar nicht etwa am Tag, sondern während der Nacht. Von einer unterschätzten, „schwarzen“ Gefahr ist nun die Rede, die aufgrund ihrer wachsenden Heimtücke besonders bedrohlich für das Leben der Menschen erscheint – Risiko zu sterben: auf das Zweieinhalbfache erhöht!

Dass dieses Risiko dennoch klein bleibt und weniger auf die Tornados zurückzuführen ist, als auf das Verhalten der Menschen, spielt keine Rolle. Auch nicht, dass seit Beginn der Wetter­aufzeichnungen immer wieder Wellen von Windhosen oder sogar Super­tornados in den USA registriert wurden, die zum Beispiel 1974 mehr als 300 Menschen­leben forderten, und dass das Vor­warnsystem insbesondere in den Vereinigten Staaten noch nie früher vor Tornadowetterlagen warnen konnte als heute, nämlich einen ganzen Tag. Interessanterweise sind es Meteoro­logen, die die Gefahr dennoch für stetig wachsend halten.

Aber auch das hiesige Wetter erfreut sich zunehmender Dramatisierung: Seit März gibt es ein Sandsturmwarnsystem in Vorpommern. Und nein, es ist nicht einfach nur ungemütlich zur Zeit, wir steuern im April geradewegs auf einen weiteren Negativrekord zu. Ostern war ja schon „kälter als Weihnachten“ (also weniger als 12 Grad warm), und der Eis-Atem der Arktis wird nicht aufhören zu hauchen, wie der Deutsche Wetterdienst DWD voraussieht. Was natürlich ein bisschen der Vorstellung widerspricht, die man mit einer Erwärmung des Klimas verbinden würde, aber auch in der korrekten Auslegung – die viel zitierte Zunahme extremer Wetterereignisse – vollzieht sich der Wandel des Klimas am Wetter doch in derart kleinen Schritten, dass weder ein Tornadoschwarm noch ein kalter April als Indiz für das kommende Unheil oder eine wachsende Bedrohung herhalten können.

Überhaupt will das Wetter eigentlich wenig vom Menschen, genauso wenig, wie die Natur ingesamt irgendwelche Ziele mit uns verfolgt – anders, als es etwa der Spiegel vor gut einem Jahr vermittelte, als ein schweres Erd­beben die Küste vor Japan erschütterte und einen Tsunami auslöste, der das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi überspülte. In einer ersten Ausgabe, die kurz vor Schluss dann doch der politischen Absage an das Atomzeitalter ­weichen musste, titelte das Nachrichtenmagazin damals mit Unser feindlicher Planet Ein Bild, das einleuchtend klingt, aber so wenig stimmt, wie das Bild der Natur, die sich für unsere Taten rächt. Die ernüchternde Wahrheit lautet eher, dass wir dem Planeten völlig egal sind.

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