Aus der Unzufriedenheit zum Widerstand

Leseprobe Wie prägt die Politik unser Leben und unsere Wahrnehmungen? Wie viel vom „gesunden Menschenverstand“ wird von Interessen der herrschenden Klassen bestimmt? Fordern wir die kapitalistischen Strukturen heraus, die alles Leben auf dem Planeten bedrohen
Imker*innen vergießen Honig auf den Treppen des Landwirtschaftsministeriums in Deutschland. Tonnen von Honig sind wegen des Einsatzes des Herbizids Glyphosat auf benachbarten Äckern unverkäuflich geworden.
Imker*innen vergießen Honig auf den Treppen des Landwirtschaftsministeriums in Deutschland. Tonnen von Honig sind wegen des Einsatzes des Herbizids Glyphosat auf benachbarten Äckern unverkäuflich geworden.

Foto: Adam Berry/Getty Image

Vorwort

Scheinbar endlose Kriege sowohl der heißen als auch der kalten Art überall auf der Welt. Immer umfangreichere und gravierendere Umweltkatastrophen. Beispielloser globaler Reichtum und beispiellose Ungleichheit der Einkommen. Und, als Reaktion auf diese und weitere Symptome systemischen Zusammenbruchs immer repressivere und autoritärere Regimes, die sich einer extrem spalterischen Rhetorik bedienen. Das sind die Bedingungen, die das tägliche Leben von Milliarden von Menschen auf unserem Planeten charakterisieren. Das vorliegende Buch basiert auf einem Seminar, das wir in den letzten drei Jahren an der University of Arizona gegeben haben und in dem wir versuchten, den diesen existentiellen Lebensumständen zugrundeliegenden, systemischen Ursachen auf den Grund zu gehen. Dabei haben wir uns bemüht, dies auf eine Art zu tun, die den Blick auf die Möglichkeiten wirksamen Handelns im Rahmen einer auf breite Bündnisse abzielenden Politik lenkt.

Die Hauptziele des Seminars waren ein gründliches Nachdenken über die heute vorherrschende Art der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Organisation der Gesellschaft und die Herstellung der theoretischen, historischen und praktischen Beziehungen zwischen dieser Form der sozialen Organisation und den Folgen, die die unvermeidliche Konsequenz dieser gesellschaftlichen Praxis sind. Außerdem hoffen wir, durch die Aufdeckung der strukturellen systemischen Grundlagen der oben erwähnten, scheinbar disparaten Erscheinungen Maximen für die politische Zusammenarbeit und das Bündnis von unzähligen verschiedenen Gruppen zu erarbeiten, die sich für wirtschaftliche, politische, soziale und ökologische Gerechtigkeit einsetzen. In der Form, wie sie von den wichtigsten Vermittlungsinstanzen präsentiert werden, die das Weltbild der meisten Menschen prägen, erwecken diese Phänomene zunächst fast immer den Eindruck, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Das gilt sogar für Aktivisten und praktisch in Bewegungen arbeitende Menschen, und daher sehen wir nur selten die Formen von politischer Zusammenarbeit und politischen Bündnissen, die für eine wirksame, kohärente und vorwärtsweisende Reaktion auf die skizzierten Entwicklungen nötig sind.

Seit wir dieses Seminar 2017 zum ersten Mal angeboten haben, hat sich natürlich sowohl innerhalb als auch außerhalb der USA politisch sehr viel verändert, aber wir haben seitdem immer das Ziel verfolgt, die Kontinuitäten in den uns interessierenden Themenbereichen hervorzuheben. Während wir uns zwar durchaus für veränderte Bedingungen interessieren, konzentrieren wir uns vor allem darauf, diese Veränderungen in den Kontext einer Gesamtdarstellung der historischen, politischen und sozialen Phänomene zu stellen. Wir wollen sie begreiflich machen, indem wir das Augenmerk auf ihren inneren Zusammenhang lenken, statt sie, wie dies allzu oft geschieht, als separate Ereignisse darzustellen, die in keiner Beziehung zueinanderstehen. Dabei sprechen wir auch von einigen der neuen Formen und Besonderheiten, die diese Erscheinungen in den letzten Jahren angenommen haben; aber auch dabei zeigen wir ihre Verbindungen zueinander auf und führen sie auf kontinuierliche systemische und institutionelle Rahmenbedingungen zurück.

Wir beginnen unser Buch mit einer äußerst grundlegenden Frage: Woher wissen wir eigentlich, was wir über die Welt zu wissen glauben? Im Rahmen dieser Untersuchung werfen wir einen Blick darauf, wie die Menschen zu ihrem Verständnis von der Art und Weise kommen, wie die Welt funktioniert. Dieser Prozess der Erkenntnis, den wir als die Anwendung, Verstärkung und Modifizierung dessen verstehen können, was oft »Common Sense« oder auf Deutsch »gesunder Menschenverstand« genannt wird, ist niemals völlig abgeschlossen. Die Nutznießer der bestehenden Verhältnisse sind ununterbrochen damit beschäftigt, uns die »Erkenntnis« zu vermitteln, dass die Zustände genauso sind, wie sie sein sollten. Wie wir die Welt verstehen, hat daher sehr viel damit zu tun, wie wir uns mit ihrauseinandersetzen. Ferner wollen wir die komplexen Beziehungen zwischen gesundem Menschenverstand und bestehender Macht beleuchten. Dabei greifen wir Antonio Gramscis Konzept der Hegemonie sowie das Konzept und die Rolle des Intellektuellen auf, und außerdem die Art und Weise, auf die die Wirtschaft (im weiteren Sinne) mit anderen Aspekten der Gesellschaft interagiert und so für verschiedene Klassen und Gruppen die unterschiedlichen Erfahrungen ihres Alltagslebens hervorbringt.

Im zweiten Kapitel untersuchen wir eine Erscheinung, die unserer Meinung nach in einem Großteil der Welt, wenn auch nicht überall, die derzeit vorherrschende Form des »gesunden Menschenverstandes« ist. Da wir glauben, dass letzterer Begriff ein sehr nützliches Konzept für das Verständnis der Art und Weise ist, wie wir über die Welt denken und wie wir sie verstehen, müssen wir die Frage stellen, welche Form er gegenwärtig annimmt. Dabei folgen wir einigen anderen Analytikern und bezeichnen die vorherrschende Form des Common Sense als kapitalistischen Realismus. Wir wollen mit diesem Begriff nicht nur das herrschende politisch-ökonomische System, sondern insbesondere auch die Haltung der Verfechter des Systems beschreiben, der zufolge es keinerlei praktikable Alternative zur Organisierung der Gesellschaft nach den Prinzipien der Spätphase des industriellen Staatskapitalismus gibt. Es stimmt natürlich, dass nicht nur in den USA, sondern auch in vielen anderen Ländern ein Großteil der Gesellschaft nach diesen Prinzipien organisiert ist. Daher ist das der grundlegende Rahmen, in dem wir versuchen werden, die resultierenden Folgen und Probleme zu verstehen. Auch hier hat es in den letzten Jahren wichtige Veränderungen innerhalb der verschiedenen Varianten des Spätkapitalismus und im Verhältnis zwischen ihnen gegeben und unsere Analyse verortet diese Veränderungen innerhalb der jeweiligen Kontinuitäten und Kontexte.

Im dritten Kapitel beginnen wir mit der Untersuchung einiger der gravierendsten Folgen, die sich ganz naturgemäß aus der Organisierung vieler Gesellschaften nach den Prinzipien einer kapitalistischrealistischen politischen Ökonomie ergeben haben. Wir beginnen mit den vielfältigen Beziehungen zwischen dem Kapitalismus selbst und den verschiedenen alten und neuen Methoden, die die Kapitalisten (und ihre unentbehrlichen Partner im internationalen Staatensystem) eingesetzt haben, um diese Form der politischen Ökonomie auf dem gesamten Globus durchzusetzen. Diese Praktiken sind unter dem Namen Kolonialismus und Imperialismus (in alter oder neuer Form) bekannt geworden und wären oft nicht ohne einen weiteren Mechanismus, nämlich den Militarismus, praktikabel gewesen. In diesem Kapitel verfolgen wir sehr sorgfältig nach, wie das Kapital, sofern seine Bewegungsfreiheit nicht beschränkt wird, sich auf der Suche nach den richtigen Bedingungen für die Maximierung seines Gewinns rund um die Welt bewegt. Damals wie heute zählten zu diesen Bedingungen oft billigere Arbeitskräfte und Ressourcen und/oder gewinnträchtigere Märkte. Gerade in jüngster Zeit gehören dazu auch umweltund arbeiterfeindliche Bestimmungen sowie monetäre und steuerliche Konditionen, die die Maximierung der Kapitalakkumulation begünstigen. Diese Praktiken, die häufig nicht ohne gravierende Beschneidung der Rechte und der Souveränität anderer Parteien möglich waren, haben eine lange und blutige Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht und sich wahrscheinlich in eine verhängnisvolle Zukunft fortsetzen wird.

In Kapitel vier wenden wir uns der Untersuchung der wichtigsten Folgen des Verhältnisses zwischen kapitalistischer Wirtschaftsform und Umwelt zu. Hier haben wir eine zweite Gruppe existentieller Krisen vor uns. Zwar nimmt der Kapitalismus als abstraktes Modell in seiner konkreten Umsetzung natürlich verschiedene Formen an, aber dennoch hat er die kontinuierliche und charakteristische Tendenz, den Planeten als Warenlager für die von ihm benötigten Ressourcen (darunter vor allem Energie) oder als Müllhalde für Abfallprodukte aller Art (die zu einem Großteil dem Bestreben nach beständigen Neuerungen und dem damit einhergehenden Veralten der bisherigen Produkte geschuldet sind) zu betrachten. Dementsprechend muss er die Natur ohne Rücksicht auf ihren intrinsischen Wert und ihre unentbehrliche Rolle für den Fortbestand des Lebens seinem unnachgiebigen Kalkül von Kosten und Nutzen unterwerfen. In diesem Kalkül sinkt der Wert von allem, was nicht der Maximierung des Gewinns oder der Minimierung der Verluste dient, immer tiefer und im »Idealfall« sogar auf null. Zusammen mit denimmer kürzeren Zeitspannen, in denen eine maximale Investitionsrendite erwirtschaftet werden muss, hat ein unter dem Diktat des Wettbewerbs stehender Imperativ zur Externalisierung sämtlicher nicht zum Profit beitragender Kosten zu einer endlos langen Liste von Umweltgefahren geführt, zu denen auch die drohende Klimakatastrophe gehört, die heute das Leben auf der Erde in seiner bisher bekannten Form infrage stellt.

Im fünften Kapitel nehmen wir die Untersuchung der banaleren, alltäglichen Gewalt des Kapitalismus in seiner heutigen neoliberalen, globalisierten und finanzialisierten Form in Angriff. Auch wenn diese alltäglichen Erscheinungen nicht immer unbedingt so dramatisch sind wie der Militarismus oder die Umweltkatastrophe, sind sie doch typisch für die Auswirkungen des Kapitalismus auf den Alltag von Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt. Während die Ideen, die dem Neoliberalismus zugrunde liegen, viel weiter in die Vergangenheit zurückreichen, hat er sich seit Ende der 1970er und erst recht in den 1980er Jahren vor allem in den USA und Großbritannien in ein permanentes Programm der Eliten verwandelt, das dem Zurückrollen der bescheidenen Positionsgewinne dienen soll, die die Unterklassen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erkämpfen konnten. Zu den Hauptzielen gehören die Beseitigung oder Privatisierung staatlicher Dienstleistungen aller Art, der kompromissloser Angriff auf alle Formen gewerkschaftlicher Organisierung, die massive Deregulierung sämtlicher Bereiche der Wirtschaft und die Verbreitung eines kritiklosen Glaubens daran, dass Marktprinzipien zur Beurteilung sämtlicher Aspekte des sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens geeignet sind. Das Ergebnis ist der atemberaubende Anstieg von Reichtum und Ungleichheit, die weitgehende Beseitigung oder das Verschwinden auch noch der minimalsten Zugeständnisse an die Bevölkerung im Hinblick auf soziale Sicherheit, der Verlust der »Commons« so gut wie überall in der Gesellschaft sowie die radikale Beschneidung der Hoffnung der Menschen auf irgendetwas, was sie von einem Gebilde namens »Gesellschaft« erwarten könnten.

Das sind drei große Kategorien von Konsequenzen des Kapitalismus, die wir in diesem Buch behandeln: den Militarismus (und dieGefahren von Krieg und »Terrorismus«), die drohende Umweltkatastrophe und die oberflächlich betrachtet trivialeren Auswirkungen des Neoliberalismus. Aber diese Folgen führen unvermeidlich auch zu Reaktionen. Sobald wir uns über die Konsequenzen klar geworden sind, müssen wir darüber nachdenken, wie soziale Bewegungen auf sie reagieren und wie Forderungen nach fortschrittlichen Veränderungen durchgesetzt werden können. Zugleich beschäftigen wir uns damit, wie die Eliten (die vom Erhalt oder der Verstärkung des Status quo begünstigt werden) ihrerseits auf diese Reaktionen antworten. Das sind die Themen, die wir in Kapitel sechs aufnehmen. Wie schon seit etlichen Jahrzehnten hat es in den letzten Jahren eine große Vielfalt von sozialen Bewegungen für gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Gerechtigkeit gegeben: gegen die Sparpolitik der Regierungen, für die Umwelt, für die Menschenrechte (die eine Erweiterung der Definition von »Mensch« und der Liste der Menschenrechte selbst forderten), für eine Strafrechtsreform, für die Reduzierung und Abschaffung der weltweiten Armut und vieles andere mehr. Bedrückend bei alldem war allerdings die kontinuierliche Fähigkeit der Eliten, diese Bewegungen voneinander getrennt zu halten oder sogar gegeneinander aufzuhetzen. Eines der Hauptziele unseres Buchs besteht darin, aufzuzeigen, wie grundlegend wichtig die Beziehungen zwischen diesen scheinbar völlig disparaten Themen sind. Wir wollen damit begründen, wie notwendig das Bestreben nach Bündnissen und Einheit ist.

Der Widerstand gegen die Verhältnisse wächst, aber bisher ist es den Eliten gelungen, die bestehende Unzufriedenheit dazu zu nutzen, die verschiedenen Sektoren der Gesellschaft gegeneinander aufzuwiegeln. Auch diesen Aspekt der Auswirkungen des Kapitalismus diskutieren wir in Kapitel sechs. Die Strategien der Eliten treten oft im Mantel eines so genannten Populismus (oder Nationalismus, Patriotismus oder Nativismus) auf, bei dem die Schuld an allen derzeitigen Übeln auf die wehrlosesten Teile der Bevölkerung (Einwanderer, Minderheiten, Alte, Junge, Behinderte oder »Abweichler« von sexuellen oder sonstigen Normen) geschoben wird, die dann im Namen der »akzeptierten« und »wertvollen« Mitglieder der Gesellschaft zum Sündenbock für alles und jedes gemacht werden. Damit werden(mindestens) zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen wird noch mehr Macht in die Hände autoritärer »Populisten« gelegt, die die wertvollen Mitglieder der Gesellschaft vor den »wertlosen« beschützen wollen, und zum anderen werden Aufmerksamkeit und Kritik gerade von jenen abgelenkt, die die Entscheidungen treffen, die für die Mehrheit so verhängnisvoll sind.

Im letzten Kapitel untersuchen wir einige konkrete Elemente, die in die Arbeit für fortschrittliche Veränderungen eingehen müssen, und einige Hindernisse, die solchen Veränderungen entgegenstehen. Wie wir schon in unserem Seminar zu vermitteln versucht haben, ist es hier sehr wichtig zu verstehen, dass es für all diese Fragen und Probleme Lösungen gibt. Es gibt bereits Menschen, die an den theoretischen und praktischen Antworten auf die Fragen arbeiten. Ihre Arbeit zeigt, dass reale Veränderungen erreichbar sind, aber auch, dass die Hindernisse dafür fast immer groß sind. Viele dieser Hürden sind institutioneller Art und gehen auf die bestehenden Machtsysteme zurück. Wichtiger Teil unserer Arbeit an all diesen Problemen ist der Versuch, diese Hindernisse zu verstehen und Wege zu ihrer Überwindung zu finden. Trotz aller Schwierigkeiten kommen wir hier um energische Bemühungen um Abhilfe nicht herum.

Das ist also die Gesamtstruktur. Wir beginnen, indem wir untersuchen, wie wir selbst glauben, die Welt zu verstehen: unsere Konzeption von der Funktionsweise der Welt, zumindest im Hinblick auf die Aspekte, über die wir in diesem Buch sprechen. Dann behandeln wir einige der wichtigsten Folgen dieser Funktionsweise sowie Muster, wie Bewegungen sich organisieren können, um gegen diese Konsequenzen anzukämpfen. Bei allen Kapiteln handelt es sich um leicht redigierte und ergänzte Versionen unserer Vorlesungen der letzten drei Jahre, in erster Linie aber aus dem Frühjahr 2019. Die Kapitel sind immer in zwei Teile aufgeteilt, deren jeweils leicht unterschiedliche Absichten sich auch im Stil niederschlagen. Im ersten Teil, den modifizierten Vorlesungen Marv Waterstones, liefern wir einen theoretischen, konzeptuellen und historischen Überblick zum fraglichen Thema. Er ist im Stil etwas formeller und konzentriert sich bewusst auf die analytischen und abstrakten Aspekte. Der zweite, auf den Vorlesungen Noam Chomskys basierende Teil derKapitel, gibt eine Reihe sehr konkreter historischer und aktueller Beispiele, die zur Veranschaulichung der abstrakteren Überlegungen dienen sollen. Entsprechend dem konkreteren und empirischen Charakter des Materials ist der Ton hier eher locker und gesprächsartig. Auch wenn wir zwei verschiedene Vorlesungen gehalten haben, konnte jeder von uns doch immer explizit auf das verweisen, was im Rahmen der Vorlesung des anderen diskutiert wurde. Die Tatsache, dass wir dazu umfangreiche Rückmeldungen erhielten, scheint zu zeigen, dass diese Kombination und Integration von Inhalt und Stil sowohl provokativ als auch produktiv waren. Auch in diesem Buch, mit dem wir die diskutierten Ideen über den akademischen Bereich hinaus zu verbreiten versuchen, werden wir so oft wie möglich die zwischen den beiden Teilen des jeweiligen Kapitels bestehenden inhaltlichen Beziehungen und Verbindungslinien aufzeigen.

Eine letzte Anmerkung zu Struktur und Inhalt des Buches: Um den Passagen, in denen es um die Notwendigkeit und Möglichkeit fortschrittlicher Veränderungen geht, mit konkretem Inhalt zu füllen, und das düstere Zukunftsbild, das die Vorlesungen oft als wahrscheinlich erscheinen ließen, etwas aufzuhellen, luden wir jede Woche mindestens einen und meistens zwei Aktivisten und Praktiker ein, die in den Bereichen tätig waren, die zum jeweiligen Zeitpunkt des Seminars hauptsächlich diskutiert wurden. Einige von ihnen kamen aus der Region und waren persönlich anwesend, während andere über Bildschirm aus allen möglichen Gebieten des Landes zugeschaltet wurden.

Jedes Kapitel enthält deshalb am Ende des Buchs neben der Lektüreliste für das Seminar und den über diese noch hinausgehenden Quellenangaben noch eine kurze Beschreibung der Vorträge unserer Besucher sowie Links zu den Organisationen, denen sie angehören. Das Feedback der Studenten hat uns den Eindruck vermittelt, dass diese Besuche ihren Zweck erfüllt haben. Sie haben ihnen gezeigt, dass Veränderungen möglich sind und ihnen Zugang zu Menschen verschafft, die etwas tun.

Die jungen Menschen in unseren Seminaren und die Leser dieses Buchs sind mit Problemen konfrontiert, die es noch nie in der Geschichte noch nie gegeben hat. Wird die menschliche Spezies überleben? Und wenn sie es tut, wird das Leben dann noch menschenwürdig sein? Wir können uns diesen Fragen nicht entziehen. Neutralität ist keine Alternative, sondern in Wirklichkeit die schlechteste Wahl. Dieses Buch ist unser Versuch, darzulegen, wie ein effektiveres Handeln aussehen könnte, und wie man es in die Wege leiten kann.

Noam Chomsky und Marv Waterstone im Frühjahr 2020

08:05 16.06.2022

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