Nachbeben ist ein Aufruf zu Empathie gegenüber dem fehlbaren Menschen in uns allen. Durch die Augen einer Ärztin möchte ich die vorherrschende Erzählung über medizinische Fehler hinterfragen und gleichzeitig zeitlose menschliche Dilemmata in Bezug auf Leben und Tod, Kontrolle und Chaos sowie die heilende Kraft der Akzeptanz und Gemeinschaft untersuchen.
Die Idee zu Nachbeben entstand 2020, als meine jüngere Schwester begann, mir von ihren Erfahrungen als junge Ärztin zu erzählen. Ich war verblüfft über die großen Dilemmata, mit denen sie täglich konfrontiert war, und über die immense Verantwortung, die ihr seit ihrem Abschluss in Medizin übertragen wurde. Ich wusste, dass ich einen Film über eine Ärztin und die menschlichen Folgen unseres Gesundheitssystems drehen wollte, und als ich auf den psychologischen Begriff „Second Victim“ stieß, wusste ich, dass ich den Kern der Geschichte gefunden hatte. „Second Victim“ beschreibt die psychologischen Auswirkungen, die ein unerwünschtes Ereignis, wie z. B. eine Verletzung eines Patienten, auf medizinisches Personal hat. Hinter den OP-Kitteln stehen immer Menschen.
Mein Anspruch war es, eine authentische Darstellung der Arbeit in einem Krankenhaus zu schaffen. Der Film ist zu 100 % fiktiv, basiert jedoch auf jahrelanger Recherche, einschließlich persönlicher Erfahrungen, die Ärztinnen und Ärzte mit mir geteilt haben, wissenschaftlicher Studien zu diesem Thema sowie Feldstudien, die auf einer realen Schlaganfallstation in Kopenhagen durchgeführt wurden. Darüber hinaus wurde der Film im 12. Stock des Herlev-Krankenhauses – einem aktiven, in Betrieb befindlichen Krankenhaus – in enger Zusammenarbeit mit dem Personal und in direktem Kontakt mit den Menschen gedreht, die wir darstellen.
Ich möchte dem Publikum ein nahbares Filmerlebnis bieten, als hätte es selbst eine hektische Schicht gearbeitet. Der Film liefert keine einfachen Antworten, aber ich hoffe, dass er nach dem Abspann zu weiteren Gedanken, mehr Verständnis und sinnvollen Gesprächen anregt.
Ich bin dankbar für die Gelegenheit, diesen Film einem breiteren deutschen Publikum vorstellen zu dürfen.
– Zinnini Elkington, Regisseurin von Nachbeben