In Kooperation mit GMfilms

„Es gibt nicht die eine Realität“

Jasmin Herold und Michael David Beamish haben bereits für die Langzeitdokumentation „Dark Eden“ zusammengearbeitet. Im Gespräch sprechen die beiden darüber, wie die Dokumentation „The Gate“ entstanden ist und was beide immer wieder nach Amerika zieht

Bis zum heutigen Tag wird Toshs Leben von dem Bombenabwurf über Hiroshima bestimmt
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Foto: Ma.ja.de. Filmproduktions Gmb

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The Gate

The Gate

Jasmin Herold, Michael David Beamish

Dokumentarfilm

Deutschland 2023

89 Minuten

Ab dem 25. Juli 2024 im Kino!

In Kooperation mit GMfilms

The Gate

The Gate ist Ihr zweiter langer Dokumentarfilm. Wie sind Sie zum Filmemachen gekommen?

Jasmin Herold: Durch Zufall. Eigentlich wollte ich einen Roman über Fort McMurray schreiben, weil ich in den frühen 2000ern in Calgary von diesem Ort erfahren hatte. Ich arbeitete in einem Obdachlosenheim, und viele der Menschen kamen aus Fort McMurray. Sie hatten das große Geld genauso schnell verloren wie sie es verdient hatten.

Michael David Beamish: Ich bin in Alberta geboren und aufgewachsen, habe in Fort McMurray studiert und dort am Theater gearbeitet. Dann habe ich Jasmin kennengelernt und war ziemlich rasch in das Projekt involviert. So bin ich zum Film gekommen.

Ihr erster langer Film, Dark Eden, ist eine Art Langzeitdokumentation, die in einer Apokalypse endet. Interessanterweise ereignen sich diese apokalyptischen Ereignisse zum Zeitpunkt des Gesprächs erneut – in Kanada fliehen Menschen vor Waldbränden. Woher kommt Ihr Bedürfnis, diese Realität zu zeigen?

Herold: Das ist Trauma, das tatsächlich wieder hochkommt. Jedes Mal, wenn Waldbrände in Kanada passieren, kommen Erinnerungen an unsere eigene Katastrophe zurück. Michael hatte gerade eine Krebsdiagnose bekommen, als unser Haus niederbrannte. Wir dachten, wir würden sterben.

Beamish: Die Frage ist doch eher: Was ist Realität?

Herold: Es gibt nicht die eine Realität, besonders nicht im Dokumentarfilm. Unser Film ist eher eine Reflexion über die Kosten des Krieges und der menschlichen Existenz.

Wie haben Sie die Finanzierung und Entstehung des Films gesichert?

Herold: Wir haben ein Entwicklungszuschuß von der Filmförderung erhalten, obwohl wir noch keinen Produzenten hatten. Wir mussten viele Anträge einreichen und bekamen schließlich die Stoffentwicklung.

Was ist Ihre Motivation für das Filmemachen?

Herold: Ich erzähle gerne Geschichten. Es geht darum, sich in der Welt zu verorten und zu verstehen, warum Dinge so sind, wie sie sind.

Beamish: Für mich ist es ähnlich. Ich komme aus einer Familie, in der man viel erzählt hat, und es ist ein Versuch, die Welt zu verstehen und zu dokumentieren.

Sie stammen aus Franken und Alberta. Was hat Sie nach „Amerika“ gezogen?

Herold: Die Landschaft und die Geschichten der Menschen. Die Wüste ist eine starke Metapher für menschliche Verluste und Zweifel.

Beamish: Es geht nicht um Amerika als solches. Es ist nur der Schauplatz für universelle Themen wie Krieg und Militärpolitik.

Wie haben Sie das Vertrauen Ihrer Gesprächspartner gewonnen, so offen über ihre Hoffnungen, Träume und Schmerzen zu sprechen?

Beamish: Viele Schnitzel und Kochabende. Wir sprechen die gleiche Sprache wie unsere Protagonisten, da wir aus Arbeiterfamilien stammen.

Herold: Den anderen unvoreingenommen zu begegnen. Wir haben eineinhalb Jahre während der Coronazeit mit den Protagonisten gesprochen.

Wie lange haben Sie an dem Projekt gearbeitet?

Beamish: Es waren ziemlich genau fünf Jahre.

Lernen wir wirklich aus der Geschichte? Oder agieren wir wie Puppen, die an Fäden gezogen werden?

Beamish: Das weiß ich nicht.

Herold: Diese Frage kann ich nicht beantworten. Das Leben ist irgendwie etwas, was man gar nicht selber bestimmt. Man kann froh sein, wenn man es überlebt.

Ihr Film lebt von Ruhe und Kraft, eine Ruhe, die sich der Dokumentarfilm kaum noch gönnt. Woher kommt Ihre filmische Vorbildung, den Film so zu gestalten?

Herold: Ich habe keine Vorbildung im Filmbereich. Ich komme eigentlich vom Schreiben. Für mich ist Film die Möglichkeit, die Welt genauer und langsamer zu betrachten.

Beamish: Ich komme vom Theater. Ich habe in Fort McMurray studiert und später in verschiedenen Theaterprojekten gearbeitet.

Was sagen die Interviewpartner zum Film?

Beamish: Unterschiedlich, aber im Großen und Ganzen sehr positiv. Shane z.B. hat uns erzählt, dass der Film ihm sehr geholfen hat, sich über bestimmte Dinge klar zu werden.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Claire Pijman als Kamerafrau und Cutterin?

Herold: Ich habe Claire in Teheran kennengelernt, als sie dort einen Film gezeigt hat. Sie stammt aus der „Schule“ von Robby Müller, dem berühmten Bildgestalter unter anderem etlicher Wenders-Filme. Nachdem es mit dem Schnitt nicht mehr weiterging, kam sie als Editorin ins Spiel. Sie hat unsere Aufnahmen geschnitten und einen großartigen Job gemacht.

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