Wenn man einen Film übers Wandern macht, muss man, glaube ich, selbst wandern. 2018 wanderte ich mit einem Freund durch ganz Neuseeland. In viereinhalb Monaten liefen wir mehr als 3.000 Kilometer. Damit begann meine Liebe zum Wandern, zur Natur und zur Stille und Einsamkeit, die sie schenkt. 2019 wanderte ich 700 Kilometer vom Nordkap nach Finnland. Diese Erfahrung war so intensiv, dass ich meinen ersten Film darüber machte, Human Nature.
Nach Schottland zu gehen, war immer ein Traum von mir – die Rauheit der Highlands zu spüren und die Landschaft zu erleben. 2024 war es schließlich soweit, und ich bin den West Highland Way und den Cape Wrath Trail gelaufen. Leider musste ich kurz vor dem Kap wegen einer Verletzung aufgeben. Aber es entstand eine neue Idee für einen Film, ausgehend von meinem Hiking in Neuseeland, dem Wandern mit meinem Freund und meiner Erfahrung mit dem Spirit der Highlands.
Um einen Film über zwei Freunde zu drehen, die 600 Kilometer durch die Highlands wandern, gibt es meiner Überzeugung nach nur einen Weg: Man muss den größten Teil der Strecke während des Drehens selbst wandern. Ich wollte, dass jeder in der Crew spürt, wie es ist, dort draußen zu sein. Um dieses Gefühl zu bewahren, habe ich The North mit einer möglichst kleinen Crew gedreht. Wir waren zu sechst, die zwei Schauspieler, ein Tontechniker, ein Kameramann, ein Dokumentarfilmer und ich. Das war die Crew, die mit in die Natur gegangen ist. Dazu hatten wir vier Leute, die uns von außen unterstützt haben, mit Autos und Essen.
Wir wanderten jeweils in Abschnitten von vier bis sechs Tagen. Alles, was wir dafür brauchten, mussten wir in unseren Rucksäcken mitschleppen – Essen, Zelte und all die andere Hiking-Ausrüstung. Aber auch alles, was wir für den Film brauchten: zwei Kameras, ein Stativ, das Ton-Equipment und genügend Batterien für die ganze Strecke, ein Rucksackgewicht von bis zu 33 Kilogramm. Oben in den Highlands gibt es keine Hotels oder Catering-Services. Wir alle schliefen in unseren Zelten, damit die Crew wusste, wie sich das anfühlt. Die Schauspieler erfuhren am eigenen Leib, wie es ist, mit vollem Gepäck Berge hinaufzuwandern und bei Sturm in einem Zelt zu schlafen. Diese Erfahrung brachten sie in den Film ein. Wenn sie müde, hungrig oder durchnässt waren, dann war das alles echt.
Normalerweise möchte man beim Filmemachen alles kontrollieren, das Licht, den Ton, die Umgebung – aber in der Natur ist das unmöglich. Es ist auch etwas, was ich gar nicht tun wollte. Ich wollte, dass uns die Highlands das gaben, was sie hatten: Wenn es regnet, drehen wir im Regen. Wenn es stürmt, drehen wir im Sturm. Genau wie beim Wandern muss man mit dem Wetter zurechtkommen, das es gibt, und das Beste daraus machen. Dafür habe ich die Szenen manchmal vor Ort umgeschrieben, damit sie zum Wetter passten.
Einen Film zu machen, während man selbst wandert, hat noch andere Vorteile. Man beginnt am Startpunkt, und dann geht man los. So dreht man den Film chronologisch – etwas, das beim Filmemachen nicht allzu oft vorkommt. Das Drehen in chronologischer Reihenfolge bedeutet auch, dass sich der Film aus sich selbst heraus entwickeln kann. Abends liege ich im Zelt und veränderte das Drehbuch, basierend auf den Szenen, die wir an diesem Tag gedreht haben, oder den Gesprächen mit den Darstellern und dem Team. Der Film ist fließend. Wir entdecken Tag für Tag, worum es im Film wirklich geht und wohin er führt. Das ist ein unglaublich aufregender Prozess. Manchmal auch erschreckend, aber vor allem aufregend.
— Bart Schrijver, Regisseur von The North