„Vom Staate befreit sind Netz und Bahnen. Durch des Volkes einsichtigen, zukunftssicheren Blick. An der Börse grünet Aktienglück“, reimten noch vor knapp zwei Jahren vermeintliche Befürworter eines Bahn-Börsengangs auf der Webseite meinebahndeinebahn.de. Die Seite gab sich als Forum für „einfache Bürger, die regelmäßig Bahn fahren “ aus. So stand es in der Selbstdarstellung.
Mittlerweile ist die Seite aus dem Netz verschwunden – trotzdem bringt sie den krisengeschüttelten Bahn-Konzern schon wieder in die Schlagzeilen. Die Initiative Lobbycontrol deckte auf, dass die Deutsche Bahn im Jahr 2007 im Internet verdeckte PR-Maßnahmen durchführen ließ. Der Konzern gab mittlerweile zu, 1,3 Millionen Euro für Blog-Beiträge, Leserbriefe, Meinungsäußerungen in Foren, Meinungsumfragen oder vorproduzierte Medienbeiträge ausgegeben zu haben, ohne dass der Geldgeber genannt worden wäre. Der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube reagierte und stellte dem verantwortlichen Manager, Ralf Klein-Bölting, den Stuhl vor die Tür.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Öffentlichkeit vorgeführt wird, wie Unternehmen oder Interessengruppen versuchen, mit vermeintlich bürgerschaftlichem Engagement Druck auf die Politik auszuüben. Zwei Beispiele: Vor knapp drei Jahren ließ die Kassenärztliche Bundesvereinigung bezahlte Arbeitslose und Studenten in weißen Kitteln vor dem Reichstagsgebäude aufmarschieren, um Druck auf die Große Koalition auszuüben. Kurz darauf startete die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ein angeblich studentisches Portal, das Stimmung pro Studiengebühren machte.
Das Internet stellt sich dabei immer wieder als besonders brauchbares Instrument für diese verdeckte Form der PR heraus. Die Konzerne brauchen nicht viel, um ihre Botschaften zu verbreiten – eine Domain, ein paar Blogger und ein E-Mail-Verteiler reichen schon aus. Die weitgehende Anonymität im Netz tut ihr Übriges. So kopieren die Unternehmen die Strategien, die wirkliche Grasswurzelbewegungen im Internet nutzen, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Deshalb nennt man solche verdeckt gesponserten PR-Aktionen auch "Astroturf": Kunstrasen.
Und dieser Kunstrasen ist gefährlich. Nicht nur gaukelt er Kunden und Bürgern eine vermeintliche Authentizität vor, er untergräbt vor allem die eh noch nicht hohe Glaubwürdigkeit von Blogs und Internetauftritten als Informationsquellen. Astroturfing ist deshalb nichts anderes als das Platzieren von PR-Texten in Zeitungen. Wenn das passiert, droht in Deutschland der Presserat mit Sanktionen. Wenn es im Internet gemacht wird, passiert nichts. Dagegen könnten sich die deutschen Blogger ruhig wehren – natürlich nur die echten.
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Es ist schrecklich. Irgendwie scheint Hr. Augsteins Ansicht, das Internet müsse reguliert, kontrolliert oder sonstwie überwacht zu werden, langsam aber sicher zur Seuche zu werden.
Lieber Julian Heißler, bitte erkläre mir doch mal auf die Schnelle aus welchen Leuten sich so ein Blogger-Rat zusdammensetzen sollte. Aus Bloggern etwa? Damit würden die zu Kontrollierenden sich selbst kontrollieren. Geht also nicht. Bleiben die Nicht-Blogger. Worüber sollen diese nun "beraten"? Welches Blog, also eine private Meinungsveröffentlichungsplattform, nicht mehr Blog heißen darf? Oder wird dann dem unwürdigen Schreiberling verboten seine Meinung zu schreiben? Eine derartige freiwillige Gesinnungsschnüffelei kann nicht der Anspruch sein, mal abgesehen von der Irrelevanz der Meinung dieser Blogger-Räte. Vor allem wofür sollen diese Räte zuständig sein? Nur für Blogs oder auch für andere Html-Dokumente und wenn ja welchen Inhalts? Meinungsäußerungen? Als Frage am Rande: Wie schaffst Du eigentlich diese Verbindung von dreckigen PR-Manieren eines bankrott gefahrenen Staatsunternehmens, welches für seine Propaganda, Zensur, Korruption, Stasimethoden und Selbstherrlichkeit bekannt ist, zur Forderung nach einem Zensurorgan für Blogs? Aber fein, dass Du Fefe liest und zumindest mal den Begriff Astroturfing in die "Diskussion" eingebracht hast. Das zeichnet Dich als Kenner der Szene aus - oder so. Kopfschüttel. |
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"... ungefähr 465.000 für desinformation" zeigt die meistverwendete Suchmaschine.
Alle, die Meinung machen, beeinflussen wollen, um Kriege zu führen, Profite zu erzielen oder sonstige humanitär unbedingt erforderlichen Handlungen dem Volk zu vermitteln, bedienen sich seit jeher ungeniert - und erfolreich - dieses Mittels. Und der Presserat zeigt seine Papiertigerzähne. Wenn überhaupt. Da wird ein Blogger-Rat endlich einen starken Riegel vorschieben. Puuh, wasn Glück ;-)) |
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Aus meiner Sicht (ich arbeite für LobbyControl an dem Fall) ist es zu kurz gegriffen, die PR-Affäre der Bahn primär als Online-Problem zu interpretieren. Das gab es auch, aber: die verdeckte PR der Deutschen Bahn hat ihren Eingang in zahlreiche klassische Printmedien gefunden, wie Capital, Financial Times Deutschland, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel (nur eine Auswahl, mehr siehe unsere Studie unter www.lobbycontrol.de/blog).
Natürlich könnte man sich jetzt angucken, wie Presserat und PR-Rat funktionieren und ob ähnliches für die Blogwelt möglich oder sinnvoll wäre. Aber man sollte im Kopf behalten, dass weder Presserat noch PR-Rat die verdeckte PR der Bahn verhindert haben. Aus unserer Sicht wäre es viel wichtiger, jetzt über gesetzliche Transparenzverpflichtungen für Lobbyisten und Denkfabriken zu diskutieren. Das es so etwas in Deutschland nicht gibt, hat die verdeckte PR der Deutschen Bahn sicher begünstigt. Der zweite Punkt wäre ein kritischer Blick der Medien - gerade auch der traditionellen Medien - und aller publizistisch tätigen Menschen auf die Hintergründe von vermeintlich unabhängigen Instituten, Denkfabriken und Agenturen, die ihnen Inhalte anbieten. |
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quote: "Der zweite Punkt wäre ein kritischer Blick der Medien - gerade auch der traditionellen Medien - und aller publizistisch tätigen Menschen auf die Hintergründe von vermeintlich unabhängigen Instituten, Denkfabriken und Agenturen, die ihnen Inhalte anbieten."
... wer beißt die Hand, die ihn füttert? Ja und der Presserat ... Auch ein schönes Schmankerl: www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1777963_Ex-Bahnvorstand-Schaupensteiner-Ehemaliger-Oberstaatsanwalt-im-Zwielicht.html "Demnach lieferten die Abteilungen Konzernsicherheit und -revision, die tief in den Daten- und Schnüffelskandal verwickelt sind, über Jahre hinweg der Staatsanwaltschaft quasi komplett ermittelte Bestechungsfälle im Konzern. Dabei setzten die selbst ernannten Bahn-Ermittler vielfach rechtswidrige Methoden ein, wie die Gutachten von KPMG und der Sonderermittler Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin inzwischen belegen." ... und wie immer hat kein Politiker etwas gewusst: "Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee verurteilte die verdeckte Bahn-PR und wies eigene Verwicklungen in den Skandal zurück. Er habe nur einmal an einer Veranstaltung der Agentur Berlinpolis teilgenommen, die für die Bahn verdeckt operierte, so der SPD-Politiker." |
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@maria v. boisse
Ich kann einem Blogger-Rat doch mehr abgewinnen. Ein solches Gremium würde die mildest mögliche Form von Kontrolle & Überwachung herstellen, nämlich nämlich Transparenz für solche Art der schwarzen PR. Im Nachhinein. Das ist ein Pranger, das hat mit Zensur nicht viel zu tun. In anderen journalistischen Gefilden ist das die Aufgabe des Presserats, die hat er auch mal ganz gut erfüllt. Dass er er ihr heute nicht mehr richtig genügt, muss noch lange kein Grund sein, an der ganzen Institution zu zweifeln, oder? |
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Da sich Ihr Kollege nicht zu Wort meldet, Sie aber einem Blogger-Rat ebenfalls etwas abgewinnen können (was wohl?), könnten Sie hinsichtlich Ihrer Aussage vielleicht meine Fragen zum Thema beantworten - siehe Abs. 2, 3 in meinem Posting. Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antwort und die "echten" Blogger natürlich ebenso. Außerdem ist mir die Verbindung von Fakes der Bahn zur Forderung nach "freiwilliger Selbstkontrolle" der gesamten Bloggerszene immer noch schleierhaft. Schwarze PR entlarvt sich, wie wir sehen, immer von selbst - meist durch die Bloggerszene selbst, die sind nämlich um einiges aufmerksamer als manch andere Kontrolleure. Na ja, und auch eine "mildest mögliche Form von Kontrolle & Überwachung" ist Kontrolle und Überwachung. Das klingt nach ein bisschen Folter oder einer milden Diktatur. Diese Forderung kann ich von einem Chefredakteur DES Meinungsmediums schlechthin nicht akzeptieren. Sie können gern freiwillig auf die Presse- und Meinungsfreiheit verzichten, aber dann sind sie irgendwie im falschen Job oder gleichgeschaltet. Warum vertrauen Sie nicht auf die sich selbst bildenden Kontrollen, z.B. Lobby-Control? Wir brauchen keinen Blogger-Rat, damit machen Sie sich lächerlich. Von wem soll dieser ernst genommen werden? Machen Sie Journalismus oder was immer Sie darunter verstehen und lassen die "Blogger" ihre Meinungen äußern. Die Leser wissen am besten was sie lesen wollen. Diese wissen auch sehr gut zwischen bezahlter Meinungsbildung und privater zu unterscheiden, mit allem Für und Wider.
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Hm, so ist das wohl, wenn man mal in aller Schnelle nicht nur eine finanziell erträgliche Brücke zwischen Journalismus und (kostenloser) Bloggerrecherche schlagen möchte, sondern gleich noch das Internet dazu regulieren möchte. Man kommt einfach nicht mehr dazu, auf Kommentare zu antworten. Aber die werden ja auch nicht bezahlt, oder?
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Ich denke nicht, dass sich schwarze PR stets entlarvt - weder in der professionellen Presse noch in Blogs. Umso wichtiger erscheint ein Selbstkontrollverein. Ebensowenig wie die Pressefreiheit durch das Name&Shame-Organ Presserat eingeschränkt wird, würde ein Bloggerrat das tun.
Ineffektiv aber müsste er nicht sein, wenn er seine Aufgabe mit Augenmaß, nachvollziehbar und getragen von einer großen Zahl an Transparenz interessierter Blogger wahrnimmt. Ich jedenfalls würde mich über einen Blog-Blog (der vielleicht ähnlich funktioniert wie der Bild-Blog) sehr freuen. Sie führen die schon bestehende Selbstkontrolle der Bloggerszene an. Bestimmt habe ich es übersehen, aber bisher kenne ich keine Liste der Blogger, die heimlich und gegen Geld für die Bahn gearbeitet haben. Vielleicht stellen Sie hier einen Link ein. |
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09.02.2012
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Na, wie war's in der Schule