Alltag

Frauen und HipHop | 07.09.2009 16:00 | Verena Reygers

Wenn Ärsche rappen...

Rapperin Kitty Kat hat mit ihrem Debütalbum Großes vor: "Ab sofort werden die Geschlechterrollen im deutschen HipHop neu definiert". Wie will sie das alleine schaffen?

Frauen im HipHop, die mehr als ihren Arsch einsetzen wollen, werden selten mit Erfolg belohnt.
Einen neuen Versuch macht nun die Rapperin Kitty Kat. Gerade veröffentlichte die 27-Jährige ihr Debüt „Miyo!“ zu dem ihrer Plattenfirma Universal so erheiternde Sätze einfallen wie: „Ab sofort werden die Geschlechterrollen im deutschen HipHop neu definiert“.

Aha... Um das zu unterstreichen, räkelt sich Kitty Kat auf ihrem Albumcover lässig in Catwomansuit und Higher Heels eine Häuserfassade entlang. Aber das soll vermutlich nur auf eine falsche Fährte führen, so wie ihre erste Single „Braves Mädchen“ – denn klar, brav ist die Berlinerin natürlich nicht. Zumindest nicht „heute Nacht“, denn da wird gesoffen, gefeiert und gevögelt. Bis es wieder hell wird und Fräulein Kitty Kat die zugeknöpfte Sekretärin mimt. Ja, so lassen sich Geschlechterklischees beseitigen.

Eigentlich ist es mir schnuppe, ob Baggy oder Barbie-Optik, wenn die Frau was kann und ihr Ding macht. Denn immerhin hat Kitty Kat ihre Songs selbst geschrieben und produziert. Aber egal, wie gut ihre Fähigkeiten als Rapperin sind, das überwiegend männliche HipHop-Publikum interessiert sich mehr für die Skills einer Frau unterhalb ihrer Gürtellinie.

Dabei hat Kitty Kat, die mit bürgerlichem Namen Katharina Löwel heißt, äußerst credible Voraussetzungen für Akzeptanz und Erfolg im Machoclub. Vor ihrem Majordeal war sie bei Aggro Berlin unter Vertrag, der Rap-Schmiede, die mit Sido und Co. den deutschen HipHop ins Ghetto geschickt hat. Und so bedient Kitty Kat sich der aggro-verwandten Ausdrucksweise und rappt über Schwänze und Fresse halten – natürlich aus weiblicher Sicht und als Ansage an die Herren, dass die Mädels es ihnen verbal durchaus gleichtun können. Aber vielleicht wollen sich die Jungs keine Poster an die Wand hängen, auf denen Frauen ihnen mit Gleichberechtigung drohen?!

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Überhaupt, die Zielgruppe derber HipHop Sprüche sind und bleiben nun mal Jungs. Auch, weil die sich in ihren Rap-Communities zusammenrotten und die neuen Alben von Bushido oder Olli Banjo so heiß erwarten wie ihren letzten Schultag. Mädchen dagegen scheinen nach wie vor vom Boygruppen-Virus befallen zu sein. Und so wie der Künstlerin das Publikum fehlt, mangelt es der Szene an fähigen Frauen. Das sieht auch Rap-Kollege Prinz Pi im Interview mit jetzt.de. Wenn tausend Männer rappen, gibt es darunter ja auch nur wenige, die richtig gut sind. Aber auf tausend rappende Männer, kommen maximal hundert Frauen – wahrscheinlich noch weniger. Und die Chance, dass dann jemand dabei ist, der richtig gut ist, ist eben statistisch sehr gering. Das heißt nicht, dass Frauen generell schlechter rappen können, aber es machen einfach viel zu wenige.

Und wenn Prinz Pi dann noch meint, die erfolgreichste deutsche HipHop-Frau sei Sabrina Settlur, kann ich es kaum glauben. Settlur, die mittlerweile versucht, mit Verkäuferinnenlächeln ihr Herz bei Sat.1 an den Mann zu bringen. Rapperinnen wie Cora E, Piranja oder Melbeatz scheinen dagegen schon längst das Handtuch geschmissen zu haben oder werden kaum über die Szene hinaus bekannt. Höchstens Fiva ist mir in der letzten Zeit noch mal positiv aufgefallen, wegen ihrer kritischen Texte und gekonntem Sampling – also dem, worauf es beim HipHop ursprünglich mal ankam!
Aber Künstlerinnen wie Fiva oder vielleicht sogar Kitty Kat sind dann auch bloß so Einzelphänomene wie Angela Merkel. Eine Kanzlerin macht noch keine gleichberechtigte Gesellschaft und ein HipHop-Kätzchen keine misogyniefreie Reimzone.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Tessa schrieb am 07.09.2009 um 16:26
Was für ein wunderbarer letzter Satz.
Skepsis schrieb am 07.09.2009 um 16:55
Vielleicht wäre es auch ratsam die (weltweite) Strahlkraft des "deutschen Hip Hops" nicht zu überschätzen.

Anders gesagt: Die relvanten Rollenverteilungen (ink. Geschlechterrollen), die subkulturelle Ausrichtung und die musikalischen Standards des Hip Hop werden in den USA definiert und nicht in Deutschland.
B.V. schrieb am 03.08.2010 um 13:13
Genau, und was sich klug vorkommende Bürgertöchter-und Söhne (in Deutschland) dazu sagen interessiert die dort einen Dreck. Die Welt ist einfach ungerecht.
AndreaBehrend schrieb am 07.09.2009 um 19:24
Ich persönlich habe Sabrina Setlur nie als HipHop-Frau gesehen, sondern eher als Pop-Püppchen. Jemand, der sich wirklich ernsthaft mit Hiphop auseinadersetzt kann doch über diese Dame nur lachen.
B.V. schrieb am 03.08.2010 um 13:17
Es ist dieses übliche Crossover, was immer irgendwann einsetzt, eben auch HiphopPop.
mh schrieb am 07.09.2009 um 20:17
sabrina setlur hat für genau ein lied mal was geleistet. das war zwar auch nie wirklich gut, aber es war für "damals" einfach den den zeitgeist an einer fehlenden stelle ausgleichend.

Cora E wäre btw. auch meine erste wahl gewesen.

vielleicht werd ich ja alt, aber die wenigsten hiphop-songs aktueller natur vermögen mir noch etwas mitzuteilen. es gibt da sehr wenige ausnahmen und die sind auch schon etwas her... das problem könnte somit sein, dass es einfach nur noch so schlechte ghettokopien aus berlin am markt durchsetzen.

selbst so genialitäten wie dendemann konnten sich nie durchsetzen während man bei der zunehmenden ernsthaftigkeit von samy deluxe dann nur noch die kommentare vernimmt "viel zu wenig party..öhhh". aus der ecke kam hiphop aber nie und genau von der muss er nun leben, wenn die wahrnehmung da sein soll.

kitty kat versucht das, sowas brauch ich nicht.

Friedland schrieb am 08.09.2009 um 14:09
Lieber MH,
Sie sind ja ehrlich old school, Respekt. Ich erinnere mich noch an "Schlüsselkind"...
Daher wäre Fiva sicher auch für Sie interessant, wenn Sie intelligentes Story-Telling schätzen (Link oben im Text); Anspieltipps: "Kleinkunst" und "Goldfisch"...
mh schrieb am 08.09.2009 um 14:28
hab mir jetzt ihr buch bestellt. :P

mfg
mh
mh schrieb am 10.09.2009 um 16:21
find ich gut das buch. mit cd. vorlesen lassen und dabei lesen, dann bleibt doch glatt was hängen.



schöner hinweis also, danke.

mfg
mh
getyourkicks schrieb am 07.09.2009 um 22:15
Na, Wenn die Maedssschen das wollen, kann man(n) ja wieder einenen alten (Internet)Witz loswerden:
www.stophiphop.com/modules/news/article.php?storyid=184

Ausserdem stimmt das mit dem unterhalb nicht, die meisten werden von oberhalb erschlagen 2x :-)
B.V. schrieb am 03.08.2010 um 13:27
"Ausserdem stimmt das mit dem unterhalb nicht, die meisten werden von oberhalb erschlagen 2x :-)"
Wenn´s da was zum erschlagen gibt. :-)
getyourkicks schrieb am 07.09.2009 um 22:51
Danke, das mein nicht sehr niveavoler Beitrag sofort rausgeworfen wurde. Kann ja nicht sein, das man(n) sich zu einem Artikel ueber Frauen aeussert, bei dem es um Aersche geht. Der Freitag, als das was er ist,
korrekt.

Gruß
getyourkicks schrieb am 07.09.2009 um 22:55
Upps, ich hasse Foren die ein halbes Jahr brauchen um einen Kommentar freizuschalten ;-)

Okay tut mir leid.

Gruß
Tessa schrieb am 08.09.2009 um 09:36
Kein Problem, die Seite hing gestern ein wenig. Wir sind hier aber sehr sparsam mit dem Entfernen von Beiträgen und benachrichtigen auch den Nutzer, wenn wir einen Kommentar für bedenklich halten.

Beste Grüße

Tessa
chrislow schrieb am 08.09.2009 um 10:53
"...komm erzähl mir mal, was mich eh nicht intressiert" (Pyrania)

Was? Sie hat aufgegeben? Das ist schade. Obwohl ich schon sowas geahnt habe - man hörte ja nichts mehr.

Gute Kunst zu machen ist eine - sie dann auch noch in den Äther zu bringen und erfolgreich zu verbreiten ist eine weitere Hürde und nicht die beiden einzigen. Während ich (wie mir Sido und Konsorten in Erinnerung sind) jeden Tag auf der Bühne oder im Club Partie pöbeln könnte, ist es mit Literarischer Schwere nicht so einfach. Auch wollte ich es nicht, der Dosis wegen.

Das HipHop in den USA Zensiert wird, ist mir nicht plausibel genug gefragt. Es sei denn es ginge nur um "Marktanteil". Wer ehrlich und selbstbewusst Kunst machen will, kann sich unmöglich auf die USA verlassen. Er/Sie selbst ist das einzige Maß, auf das sich verlassen werden sollte.

Und jetzt zwinker ich noch mal dem Feminismus zu:
So "Cool" kann eine Katze nicht sein, das sie nicht irgendwann doch einmal kuscheln kommt...! Außerdem können mich "higher Heels" einfach nur zu einem inspirieren... ich erinnere hier auch an das Geisha-Syndrom, die abgebundenen Füße und dessen tieferen Sinn dahinter. Kampfstiefel müssen es jetzt auch nicht gerade sein - wären angesichts der Kampfansage aber glaubwürdiger.

Kitty Kat? Ist mir bisher noch nie begegnet, noch habe ich eine Note von ihr bewusst gehört. Sollte es so sein, so werde ich noch - ansonsten macht der Versuch kluch...

bid demnächst...
Magda schrieb am 10.09.2009 um 18:15
"ich erinnere hier auch an das Geisha-Syndrom, die abgebundenen Füße und dessen tieferen Sinn dahinter."

Also wenn ich Dir jetzt verklicker, dass es entweder einen Tiefsinn gibt oder einen Hintersinn, aber keinen tieferen Sinn dahinter, erklärst Du mir, was der tiefere Sinn hinter den abgebundenen Füßen ist?

Deine Geisha von Simplon
chrislow schrieb am 10.09.2009 um 22:27
Simplon? (ich werde googlen)

@Magda:

Neulich gab es im TV mal was dokumentarisches über die Geisha von heute. Abgebunden wird nichts (mehr?). Allerdings tragen diese Schuhwerk, in denen es ähnlich unpraktikabel ist zu laufen oder gar rennen, wie mit den "higher Heels". Leider habe ich erst neulich versäumt einem "High Hell" Laufwettbewerb bei zu wohnen. Dieser hätte meiner Ahnung vom "Hintersinn" von solchen verkulturelten (verschönerungs-)Maßnahmen ... wahrscheinlich bestätigt. Es geht hier um den Umstand, das ein Sexobjekt durch die sichtbare Bewegungseinschränkung erkenntlich und bezwingbar scheint.

Gibt es Einwände gegen diese Sichtweise?
Sebastian Sachse schrieb am 09.09.2009 um 13:08
Pyranja macht jetzt wohl hauptsächlich Workshops an Schulen und redet da wohl tatsächlich über das Verhältnis von Frauen und Hip Hop.

Dass Kitty Kat ihre Songs selbst schreibt und produziert, macht sie ja aber noch nicht zur guten Rapperin. Im Gegenteil, ich finde es unfassbar, dass derart holprige Reime in noch holpriger Vortragsweise überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen. Aber gut, das Talent, schlechten Rap gut zu vermarkten hat sie ja bei Aggro gelernt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.09.2009 um 17:55
Ich hab mal neben Rödelheim gewohnt. Da hab ich sehr viel Rödelrap gehört. - Dann bin ich weggezogen.
chrislow schrieb am 10.09.2009 um 23:10
HAbibiGhettoQueen schrieb am 02.08.2010 um 19:53
Jaaa genau hier bin ich doch richtig bei den Neidern schlechthin!
Zu den ganzen negativen Kommentaren gegenüber einer so großartigen Künstlerin möchte ich gerne etwas sagen:
Kitty rappt von Neidern und Hater ihr gebt ihr Futter daraus macht sie geniale Tracks, macht mal eure Wohnung sauber hört euch das Album MIYO an und niemand wird ein schlechtes Wort über sie fallen lassen.
Sie schreibt ihre Texte selber macht ihre Beats selber!
Sie kümmert sich um Ihre Fans und ist ein Herzensguter Mensch, also was soll das negative gelaber macht es doch mal besser!

Ihr würdest doch alle in dem Geschäft untergehen, weil ihr kein Plan habt von Hip Hop! Geschweige denn sich als Frau in dem Geschäft durchzusetzen!

Kitty Kat deffiniert Hip Hop und sie macht es gut!

Und demjenigen dem es nicht gefällt soll es erstmal besser machen!

Ich sag nur respekt Kat wünsche dir alles gte für die Zukunft hoffe du schaffst den durchbruch und lässt dich von sowas hier nicht unterkriegen!
Wir halten zusammen und stehen immer hinter dir scheiß auf die sesselpupser hier hihih

LOVE MY KAT
Habibi =)
mh schrieb am 02.08.2010 um 20:37
niveauvergleich

Kitty Kat - Bitchfresse



Fiva <3 mh - Klarkommen & dreckig gehen



Cora E - Schlüsselkind



Pyranja - Nie Wieder



Sabrina Setlur - Du Liebst Mich Nicht

mh schrieb am 02.08.2010 um 20:41
hat eigentlich mal jemand das buch von pyranja gelesen?

www.amazon.de/Warum-wenig-Frauen-rappen-Hintergr%C3%BCnde/dp/3836464101

mfg
mh
svenjal0v3skittykat schrieb am 02.08.2010 um 22:17
So jetzt mal meine Meinung dazu:

Kitty Kat ist komplett anders als die anderen Rapperinnen alle.
Ihre Texte ergeben Sinn & wer sich damit befasst kann diesen auch verstehen. Wäre ich neidisch würde ich auch sowas schreiben.
Kat hats einfach drauf & sie wird auch immer die Beste sein daran besteht kein Zweifel.

I luv Kitty <3
mh schrieb am 03.08.2010 um 13:29
selbst die assis meiner jugend hatten mehr stil

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