Sie sind neu, ihre Zahl beläuft sich lediglich auf einige Dutzend und kaum jemand kann die Texte lesen, aber die kubanische Regierung hat bereits entschieden, dass sie unabhängige Blogs nicht mag. Trotz ihrer Überschaubarkeit stellt die Blogosphäre der Insel eine Bedrohung für die Behörden dar, die seit einem halben Jahrhundert Informationen zensieren und kontrollieren.
Ungefähr ein Drittel der geschätzten 300 kubanischen Blogs arbeiten nach Angaben des in New York ansässigen Committee to Protect Journalists ohne offizielle Genehmigung. Sie reichen von ausgesprochen politischen Foren wie Voz Tras Las Rejas (wörtlich: "Stimme von hinter den Gittern" bzw. "Stimme aus dem Gefängnis), auf denen auch Beiträge des seit 2003 inhaftierten Pablo Pacheco zu lesen sind, bis hin zu launisch-ironischen Beschreibungen der Lebensumstände im tropischen Kommunismus.
Man geht davon aus, dass auf Kuba weniger als zwei Prozent der Bevölkerung über einen Internet-Anschluss verfügen. Internetcafés sind vornehmlich für Touristen bestimmt. Kuba scheint weniger Seiten zu sperren als China und sich dafür mehr auf die extrem hohen Kosten zu verlassen, um den Zugang zum Netz und den Einfluss der Blogger zu begrenzen.
Drei Stunden Internet sind ein Monatsgehalt
Blogger veröffentlichen ihre Beiträge über Umwege, indem sie sie auf Memory Sticks speichern und mittels illegaler Verbindungen hochladen, wie es in einem heute veröffentlichten Bericht von Human Rights Watch heißt. „Da eine Stunde Internetnutzung einen Kubaner ein Drittel seines Monatsgehalts kostet und der Zugang auf einige wenige von der Regierung betriebene Zentren beschränkt ist, hat nur ein winziger Bruchteil der Kubaner die Möglichkeit, solche Blogs zu lesen. Ironischerweise gilt dies auch für die Blogger selbst.“
Dennnoch nutzten die Blogger in jüngster Vergangenheit auch Twitter, SMS und Postings, um einige Protestaktionen zu koordinieren. „Es geht darum, die Maschinerie für Online-Proteste zu ölen“, sagt Yoani Sánchez, die wohl profilierteste Bloggerin des Landes. Die 34-Jährige, die sich außerhalb der Insel eine große Fangemeinde erschrieben hat, wurde vergangene Woche entführt und geschlagen. Sie vermutet Agenten der Staatssicherheit hinter der Aktion. Zusammen mit ihrem Ehemann und Blogger-Kollegen Reynaldo Escobar gab sie in ihrer Wohnung in Havanna in der ersten Blogger-Akademie Kubas Seminare für angehende Blogger.
Die Behörden griffen bislang nur sehr vorsichtig in die Interaktion im Internet ein. Die staatliche Zeitung Juventud Rebelde hat jetzt eine Kommentar-Spalte, und Berichten zufolge werden Politik-Studenten dafür bezahlt, Castro-freundliche Kommentare auf Dissidenten-Blogs zu posten. Die Regierung macht das US-Embargo für die Beschränkungen des Internet-Zugangs verantwortlich, da eine Unterwasserleitung aus den USA blockiert werde. Obwohl die Blockade der Leitung vor kurzem aufgehoben wurde, hieß es aus Havanna, man werde eine Leitung aus Venezuela legen.
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So mag das wohl sein, mein Eindruck ist, das Bild ist unvollständig. Was am Schluss angedeutet wird, sollte weiter recherchiert werden: Will die kubanische Regierung das Land in der Kommunikationssteinzeit halten? Diese Sicht würde gut in den Kram passen und hierzulande ohne Probleme durchgehen. Aber vielleicht machen sich ein paar neugierige, unvoreingenommene, mit Berufsethos ausgestattete Journis doch mal auf die Socken und kriegen raus, worin genau die Schwierigkeiten beim Ausbau der Infrastruktur bestehen.
Ein anderer Punkt ist: Bei der Berichterstattung über Länder wie Kuba wird fast immer, hier auch, der Eindruck vermittelt, dass wir es (abgesehen von einer Führungselite) mit einem homogenen Volk zu tun haben, das unter den Verhältnissen stöhnt, und jede Regung gegen die Führung ist dann eine Artikulation des Volksprotestes. Aber wie sich jüngst am Beispiel Iran oder in der Zeit nach der tollen Orangenrevolution in der Ukraine gezeigt hat, gibt es überall soziale Schichtungen, Interessendifferenzen. Der Unterschied der Demo-Atmosphäre in der DaDaeR vor und nach 9/11/89 war ja nicht nur die Modifizierung des Demo-Slogan (Wir sind das Volk! vs. Wir sind ein Volk!), sondern die Klientel war danach auch nicht mehr ganz die selbe. Wäre also interessant zu erforschen, wer da eigentlich die Mittel für die Internetnutzung aufzubringen in der Lage ist bzw. wo diese herstammen, und ob das, was die eigentlich wollen, wirklich dasselbe ist wie das, was die Zuckerrohrarbeiter wollen. Mal den Ausguck, auf dem alle sitzen, verlassen und ne andere Höhe erklimmen, das wär was. Würde dem Laden hier gut anstehen... |
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Die Nachfrage für eigene Blogs ist auch sicher nicht so hoch sonst wäre längst etwas entstanden,z.B. freie Funknetze. Gemeinsam mit der Initiative „One Laptop Per Child“, bei Verwendung von diesem XO-1, der wegen seiner eingebauten Mesh-Netzwerkfunktion einigermassen gute Sicherheit vor Entdeckung durch staatliche Überwachung bietet. Ist schwer aufzuspüren. Den Hauptzugang per Satellit. Dann kostet die Internetcafestunde nur noch pennies :-)
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