Alltag

Werbekritik | 02.12.2009 13:30 | Nele Jensch

Die Wagemutigen und Unkonzentrierten

"Welt Kompakt" biedert sich bei der Netzgeneration an. Dabei hat man erkannt: "Wir waren nicht die allerersten, aber jetzt hat uns das Internet umzingelt"

Eine Sprecherin haucht: „Ich glaube, wir sind die Generation der Wagemutigen und Unkonzentrierten. Und dann erleben wir online Gefühle.“ Der neue Werbespot für Welt Kompakt ist eine akustische Mischung aus Gruselfilm und Porno, und entsprechend schwankend sind die Gefühle, die der Zuschauer dabei erlebt: Von Angst bis Übelkeit ist alles drin. Eigentlich ist der Spot nur Beiwerk zu einer flächendeckenden Plakatwerbekampagne. Darauf ist zum Beispiel ein Hund im Superman-Kostüm zu sehen, überschrieben mit dem Satz „Wir melden unsere Lieblinge bei Facebook an – sind wir reif für eine neue Zeitung?“

Traditionell ist die  „Generation der Wagemutigen und Unkonzentrierten“ ja nicht gerade Zielgruppe des Springerblatts. Ganz abgesehen davon, dass es für die Unkonzentrierten schon eine Zeitung gibt (Neon) und für die Wagemutigen auch (Der Freitag). Ob das wohl der Grund für die auffallende Ähnlichkeit zwischen den Clips von Welt Kompakt und dem Freitag ist? In beiden flattern Vögel durchs Bild, die den Schwarmgeist im Netz symbolisieren sollen.

„Wir waren nicht die allerersten, aber jetzt hat uns das Internet umzingelt“, säuselt es im Welt-Spot. Man kann das als Selbstreflexion verstehen: Der Spot vom Freitag nämlich war schon Monate vor dem der Welt Kompakt online. Was allerdings der eigentliche Anlass für die Welt-Kampagne war, ist ein Rätsel. Während sich der Freitag-Spot darauf bezieht, dass Leser als Blogger ins Zeitungmachen integriert werden, hat sich bei Welt Kompakt inhaltlich nichts geändert: Das einzig Besondere an der Welt Kompakt bleibt, dass weniger drin steht als in der Welt. Und weniger ist nicht immer mehr. 

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Zum Glück gibt es ja Leute, die sich schon länger mit der aufregenden neuen Welt (im ursprünglichen Sinne des Wortes) im Netz beschäftigen. Und da stößt die Welt-Kampagne nicht wirklich auf Gegenliebe: Wenige Stunden, nachdem der Welt Kompakt-Spot online war, antwortete Jürgen Nergers, Chef einer Werbeagentur, mit einer Persiflage – natürlich stilecht bei Facebook. "Wir von der Welt Kompakt haben 21 Tage lang Schallplatten klein gebrochen, damit sie in das CD-Rom-Laufwerk passen", spottet Nergers. Der Welt-Spot regte ihn derartig auf, dass er gleich vier Verballhornungen produzierte – und die sind gar nicht mal so einfach vom Original zu unterscheiden.

 
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Kommentare
André Rebentisch schrieb am 02.12.2009 um 16:52
Hey Otto, heute machen wir mal Werbung für die Generation Vollmeise. Ich mein bei der Generation Vollmeise, für Welt Kompakt. Die kleine Zeitung für unsere Zielgruppe, die jungen Facebuchhalter, die sich für die Renten der WELT-Stammleser abrackern. Nicht so viel Text drin, haben die mehr Zeit für Twittern und Arbeiten. Wir haben auch noch gleich für Netzkultur und so'n Gedönse einen für Persil-Flaggen angeheuert. Jürgen Nergers heisst der Kerl, muss sich da total zum Horst machen, die Vids neu synchronisieren. Das bringt Klicks im Internet. Vor allem darf es nicht zu professionell aussehen.
deifideifi schrieb am 15.12.2009 um 15:22
Für mich die Beste Antwort...
www.youtube.com/watch?v=mobWwcTWyOk


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