Alltag

Twitter-Haiku | 07.02.2010 16:00 | Axel Henrici

So schön können schlechte Nachrichten sein

Nicht jeder tritt so von der Bühne ab: Der Chef von Sun Microsystems erklärte mittels eines über Twitter verbreiteten Haikus seinen Rücktritt. Ein Vorbild für andere?

Alle Achtung, was für ein Abgang: Kurz nachdem bekannt wurde, dass seine Firma durch den Konkurrenten Oracle übernommen wird, verkündete Jonathan Schwartz, Vorstandsvorsitzender von Sun Microsystems, mit einem Haiku seinen Rücktritt. Der Wortlaut seiner Erklärung, in der er sich streng an die 17-Silben-Regel (5-7+5) hielt:

Financial crisis
Stalled too many customers
CEO no more

Zwar verzichtet Schwartz auf den traditionellen jahreszeitlichen Bezug, aber das sei ihm insofern verziehen, als die gedrückte Stimmung, die die Finanzkrise bei den Kunden verbreitet, eine Ahnung von Winter vermittelt. Sie kommt in der letzten Zeile zum Ausdruck, die dem Leser in einer stakkatohaften Abfolge von Silben die Botschaft "Es ist endgültig" einhämmert.

Bleibt zu hoffen, dass Schwartz – als twitternder CEO ohnehin Trendsetter – auch zum Vorreiter einer Kultur wird, gute wie schlechte Nachrichten nicht mehr per trockener Pressemitteilung, sondern in der gefälligen, knappen Form des Haiku zu verbreiten.

Eine Mittelung der Berliner Stadtreinigung könnte dann etwa so lauten:

Gevatter Frühling
Wann killst du endlich den Schnee
Das Salz ist alle

Und Toyota würde sich künftig Pressemitteilungen wie die folgende ersparen: "Das Kraftfahrtbundesamt wird im Namen von Toyota Deutschland in Kürze alle Kunden in Deutschland persönlich anschreiben, deren Fahrzeuge im Hinblick auf das Gaspedal überprüft und modifiziert werden sollen. Die Zahl der zu überprüfenden Fahrzeuge beläuft sich in Deutschland auf 215.796 Einheiten."

Und lieber dichten:

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Dein Auto ist hin
Doch bedenke du lebst noch
Der Sommer ist nah

Okay, das hab ich mir mal so eben aus den Fingern gesogen. Aber vielleicht fallen Ihnen ja noch ein paar unangenehme Botschaften ein, die sich in Gedichtform viel netter unters Volk bringen ließen? Wir sind gespannt.

Unter Verwendung des Guardian-Blogs von Alison Flood

 
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Artikelaktionen
Kommentare
bandidorosso schrieb am 07.02.2010 um 16:19
ihre liebe ging
das telefon steht stumm
der winter bleibt kalt
bandidorosso schrieb am 07.02.2010 um 16:22
oh mist, funktioniert nicht.
besser: das telefon steht stumm rum???
wohl auch nicht.
Susanne Lang schrieb am 07.02.2010 um 17:35
Bin leider absolut keine Haiku-Expertin, aber "steht stumm rum" klingt gut ;)
Albi schrieb am 07.02.2010 um 17:31
mir scheint das haiku
erlebt in letzter zeit ein
revival, nur wozu?

die hinwendung zu verknappten, streng formalisierten künstlerischen ausdrucksformen als reaktion auf die krise?
Albi schrieb am 07.02.2010 um 17:36
mir scheint das haiku
erlebt in letzter zeit ein
revival, wozu?

da hab ich mich doch noch in der letzten zeile vertan, und kann uns, aufgrund fehlender kommentarkorrektionsfunktion, einen berichtigunskommentar nicht ersparen. na ja.
Susanne Lang schrieb am 07.02.2010 um 17:36
Vielleicht ist die Form auch nur besonders Twitter-affin?
Malte Landwehr schrieb am 07.02.2010 um 21:19
Ja, sämtliche "abgehackten Kurzgedichte" passen perfekt in Twitter. Sowohl aus technischen Gründen (140) als auch weil es zum (pseudo) intellektuellen Humor der Twitterati passt.
Christof Schwenzer schrieb am 08.02.2010 um 03:44
Steuer CD hin
Daten unwiederbringlich
Ein Pech aber auch
Fro schrieb am 08.02.2010 um 13:38
Wir Bürger wünschen
immer wieder freie Fahrt
in den Wohlfühlstaat

Doch Politiker
was sie am liebsten täten
hoch die Diäten

Wie immer: Es gibt auch einige Politiker, die uneigennützig sind.
ich schrieb am 08.02.2010 um 19:27
Ich dachte sehr schlicht,
könnte man Haikus dichten,
aber mitnichten!
lebowski schrieb am 09.02.2010 um 07:49
Haiku-drei Sätze
willkürlich umbrochen
Dummes Zeug!
Axel Henrici schrieb am 09.02.2010 um 10:16
Was heißt "willkürlich umbrochen"? - Bei Ich und mir (oder muss es heißen: mir und mir?) wird nach 5 bzw. 7 Silben umbrochen, wie die Tradition es befiehlt


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