Nachdem sie zunächst eine Kriminalisierung von Freiern gefordert hatte, fordert Julie Bindel nun ein Verbot von Anzeigen für Sex-Arbeiter/innen. Eine solche Forderung entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn sie von einer Frau kommt, die um ihr Recht auf freie Meinungsäußerung fürchtete, als die transsexuelle Community sie der Transphobie bezichtigte. Sie sagt, sie kämpfe gegen Ausbeutung, dabei kämpft sie in Wirklichkeit gegen die Prostitution und die Pornoindustrie an sich. Aber ob das den darin Beschäftigten hilft?
Ich arbeite nun seit fast zwei Jahren in der schwulen britischen Pornoindustrie. Im Durchschnitt verdienen wir 300 Pfund Sterling pro Szene. Das mag verglichen mit den Stundenlöhnen in anderen Berufen erst einmal hoch erscheinen. Da man aber selten zum Drehen kommt, kann kaum einer von der Pornographie allein leben. Solange sie nicht berühmt sind und entsprechend gut verdienen, müssen die meisten Porno-Darsteller sich noch in weiteren Berufen inner- oder außerhalb der Sex-Industrie verdingen.
Man verdient heute nur noch die Hälfte dessen, was früher einmal üblich war. Die Produktionsfirmen machen immer noch ein Heidengeld, nutzen jedoch die Demokratisierung der Pornographie durch das Internet dazu, die Sätze und Gagen der Darsteller zu drücken. Man wird in bar bezahlt und tritt mit Unterzeichnung der Papiere alle Rechte an seinem Bildmaterial ab. Man muss zwar nachweisen, dass man über 18 ist, aber es gibt keine ordentlichen Verträge, in denen Arbeitsschutzbestimmungen enthalten wären. Unsere Bilder können monate- oder jahrelang verwendet werden, aber wir erhalten dafür keinerlei Tantiemen, wie dies in der „konventionellen“ Kino-Industrie üblich ist.
Die meisten, die in der schwulen Pornoindustrie tätig sind, verwenden Kondome. Bevor in den Neunzigern antiretrovirale Medikamente aufkamen, wollten alle nur noch mit Kondomen arbeiten, weil so viele Homosexuelle an den Folgen von Aids starben. Aber seitdem hat das Bareback-Geschäft wieder stark zugenommen und der Druck, ungeschützt zu arbeiten, ist merklich gestiegen. Einige Produzenten bezahlen mehr für Sex ohne Kondom und gehen sogar dazu über, Filme in ärmeren Ländern zu drehen, wo die Darsteller eher bereit sind, das Risiko einer HIV-Infektion einzugehen.
Es handelt sich hierbei um die gleichen Länder, in denen es keinen oder nur einen sehr geringen Zugang zu antiretroviralen Medikamenten gibt. Selbst in sicheren Filmen wird nie der Versuch unternommen, die Verwendung von Kondomen in irgendeiner Weise zu erotisieren und in die Dramaturgie mit einzubauen. Wie durch Zauberhand erscheint es immer erst kurz vor Beginn der Penetration, als sei dem Überstreifen des Gummis unmöglich etwas Erotisches abzugewinnen.
Die Gay-Community tut nicht viel, um ihre Sex-Arbeiter zu schützen. In ein und demselben Schwulen-Magazin kann man Aufrufe von Gesundheitsorganisationen zur Verwendung von Kondomen und Anzeigen für Bareback-Movies finden – doppelzüngiger geht es wohl kaum. Aber die Schwulenmagazine sind nun mal auf das Geld von Porno-Unternehmen und Sex-Clubs, die Bareback-Partys organisieren und von Gay Stores, die Bareback-Produkte verkaufen, angewiesen.
Dieses Thema betrifft natürlich nicht nur Porno-Darsteller, sondern die gesamte Gay-Community. Meine Generation hat das Glück, dass ihr Sexualleben erst nach der schlimmsten Phase an HIV-Erkrankungen begonnen hat. Auf der anderen Seite gibt es heute nicht dieselbe Mobilisierung und Solidarität wie damals. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und wenn etwas passiert? Ron Stall von der University of Pittsburgh geht davon aus, dass 41 Prozent aller homosexuellen Männer in den USA im Alter von 40 HIV positiv sein werden, wenn die gegenwärtigen Ansteckungsraten sich fortsetzen. Die Folgen des Geschäftes mit dem ungeschützten Verkehr und seiner Normalisierung sind also bereits Realität.
In der heterosexuellen Pornoindustrie ist ungeschützter Verkehr die Regel. Die Unternehmen verlangen HIV-Testes sowie die Überprüfung auf andere ansteckende Geschlechtskrankheiten, um sich vor Klagen zu schützen. Die Darsteller tragen das Risiko, denn negative Tests bedeuten aufgrund des Zeitfensters für die Serokonversion nicht notwendiger Weise, dass man auch HIV-negativ ist, sondern lediglich, dass man drei Monate vor dem Test HIV-frei war. Die einzige Möglichkeit, sich zu schützen, besteht in der Verwendung eines Kondoms.
Ich würde mir wünschen, wir Porno-Darsteller wären in der Lage, uns selbstständig zu organisieren und unsere eigenen Filme zu produzieren. Wir könnten uns gegenseitig filmen, die Kontrolle über unsere Bilder behalten und die Qualität unserer Arbeit verbessern, weil wir mehr Zeit auf sie verwenden könnten und diese Zeit auch besser nutzen würden. Wir hätten selbst mehr Interesse daran, einen schönen und antörnenden Film zu drehen, statt lediglich Geld verdienen zu wollen. Wir Darsteller könnten die Gewinne unter uns aufteilen und Pornographie könnte schließlich als das wahrgenommen werden, was sie eigentlich sein sollte – nämlich eine Kunstform.
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Die Salonfähigkeit der Pornografie ist manchem Menschen nun mal ein Dorn im Auge. Nicht jede Kritik an der oft würdelosen und immer! lieblosen Aktablichtung sollte gleich als Angriff auf die eigene Lebensweise gewertet werden.
Das Problem für diejenigen, die sich nicht mit der zunehmenden sexuellen Verrohung der Gesellschaft abfinden können (warum auch immer) ist der Abbau der Rückzugszonen. Die penetrante Allgegenwart der Pornografie und zunehmende Mechanisierung der Sexualität, dem Wegfall von Zuneigung und Liebe aus dem Akt der Einswerdung, ist ein Verlust von Lebensqualität, die die meisten schon gar nicht mehr erreichen können. Wer die Verbindung zweier Menschen auf den Geschlechtsakt reduziert, reduziert sich Selbst. In der Allgegenwart von Pornografie, einem Geschäft in dem Darsteller (Wie der Autor es hier aus seinem Erleben erzählt) sowie Konsument vermeintlich Freiwillig teilnehmen, aber dennoch immer auch Opfer sind und am Ende eine ganze Gesellschaft durch verringerte Gefühlswelten Verrohung erfährt, ist das gesamte Konzept der ausufernden Pornografie Vorbote einer brutalstmöglichen Ausbeutung für die Renditegier derselben Gesellschaft. Sie mögen Recht haben, das Schutz für Arbeitnehmer verpflichtend sein sollte, auch in Ihrer Branche. Im Grunde bleibt dem Beobachter nur der Gedanke, das die geschilderte Situation Audruck eines Symptoms einer kranken Gesellschaft ist. Vielleicht suchen Sie sich einen anderen Job? Gibt viele, die weniger gesundheitliche Risiken bergen. Wenn sie das irgendwie nicht wollen, tragen Sie die Konsequenzen führ ihren Verbleib in einem gefährlichen "Beruf", gründen Sie eine Gewerkschaft kämpfen Sie gegen Ausbeuterbetriebe, wie das so üblich ist für Arbeitnehmer. Wenn Sie nicht aufhören können in diesem Bereich zu arbeiten, weil Ihnen der Job mit einem seltsamen Antrieb verbunden ist, fangen Sie an sich zu fragen woher er stammt, mit dem Verstehen findet sich auch oft ein Weg. "Pornographie ... eine Kunstform" Kunst regt den Menschen an, Pornografie tötet das Menschsein ab. MFG |
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schrieb am
05.03.2010 um 12:28
"ist ein Verlust von Lebensqualität, die die meisten schon gar nicht mehr erreichen können"
es sollte lauten: "was die meisten schon gar nicht mehr verstehen können" |
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Was für Salons Sie meinen?
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schrieb am
06.03.2010 um 07:57
Das kann nicht unwidersprochen bleiben:
"Pornografie tötet das Menschsein ab." Diese These halte ich für im engeren Sinne menschenverachtend, da es zutiefst menschlich ist, sich auch in Schrift und Bild an Sexualität zu erfreuen. Richtig ist vielmehr, daß Pornographie eine schöpferische Ausdrucksform des Menschen ist und damit die Welt bereichert ohne etwas wegzunehmen (außer vielleicht ein wenig Verklemmtheit -- und die braucht außer Gewaltherrschern niemand). Im übrigen kann ich die "Allgegenwart der Pornographie" nicht bestätigen (es sei denn, man macht sich die Emma-Definition von Pornographie zu eigen, daß im Grunde jedwede Ästhetisierung weiblicher Körper Pornographie sei). Nacktheit ist auf dem Rückzug, Tabuzonen auf dem Vormarsch. Schon hat es auch bei uns die weibliche Brust erwischt, die Jugend sowieso, die im Grunde von Gesetzeswegen überhaupt nicht mehr erotisch sein darf. Noch ein Wort zu AIDS und (heterosexueller) Pornographie: Die Schutzvorkehrungen durch Tests mögen nicht perfekt sein, aber sie sichern immerhin trotz naturgemäßer Promiskuität und riskanter Praktiken eine Durchseuchungsrate unter dem Bevölkerungsdurchschnitt. Es ist also statistisch sicherer, Pornodarsteller zu werden, als es sein zu lassen... |
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schrieb am
06.03.2010 um 14:11
@töfftöff: "Akt der Einswerdung" klingt nach quasi-religiöser Überhöhung und wird der Sexualität ebensowenig gerecht wie die Reduktion auf Triebabfuhr.
Es gibt vieles, was in dieser Gesellschaft "das Menschsein abtötet", Vereinzelung, Ausgrenzung, Erniedrigung, Reduzierung auf eine Ware am Markt. Das werden Sie nicht nur in der Pornoindustrie beobachten können. (Ob man deshalb gleich jedes Pornovideo als Kunst betrachten muss, weiß ich allerdings nicht. Das würde einem bei billigen Gewaltfilmchen oder Nachmittagstalkshows ja auch nicht unbedingt in den Sinn kommen...) |
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Pornographie ist der Teil gesellschaftlicher Ausbeutung, der gesamtgesellschaftlich sanktioniert ist. Insofern natürlich interessant wgn der Direktheit.
"Richtig ist vielmehr, daß Pornographie eine schöpferische Ausdrucksform des Menschen ist und damit die Welt bereichert ohne etwas wegzunehmen" Würde. |
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schrieb am
06.03.2010 um 16:14
"Diese These halte ich für im engeren Sinne menschenverachtend, da es zutiefst menschlich ist, sich auch in Schrift und Bild an Sexualität zu erfreuen."
Das sehe ich anders. Die fehlende geistige Dimension reduziert die Sexualität auf eine Dinglichkeit, ein Objekt. Das wiederum reduziert die Sexualität auf einen Gegenstand, was den Aspekt der Zweisamkeit eliminiert. Die negativen Folgen entstehen nicht sofort, sondern sind ein schleichender Prozess, der sich gesamtgesellschaftlich auswirkt. |
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schrieb am
06.03.2010 um 16:17
@töfftöff: "Akt der Einswerdung" klingt nach quasi-religiöser Überhöhung und wird der Sexualität ebensowenig gerecht wie die Reduktion auf Triebabfuhr.
Einswerdung entspringt dem Wunsch, in einer zwischenmenschlichen Beziehung liebevoll mit einem Partner zu einer Gemeinsamkeit zu gelangen. Dieser Begriff ist nicht quasi-religiös, sondern durchaus gängig. Die Triebabfuhr ist ein guter Einwurf. Denn genau dazu degradiert die Pornografie nämlich die Sexualität und ganz bestimmt nicht mein Hinweis auf die entfremdung der Pornografie von gesunder liebevoller Zweisamkeit. |
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schrieb am
06.03.2010 um 20:15
Nein, die Würde wird von einvernehmlich entstandener Pornographie nicht tangiert, ebensowenig wie von anderen Formen des Schauspiels oder anderen einvernehmlichen Fokussierungen auf Teilaspekte des Menschseins.
Wer die Würde verletzt sieht, der muß die sexuellen Aspekte des Menschen für latent menschenunwürdig halten (was ich, wie oben erwähnt, menschenverachtend finde). Plakativ gesagt: Die Würde hängt nicht davon ab, ob ein Mädchen die Beine breit macht oder kreuzt, sondern davon, ob sie jederzeit das Recht behält, Nein zu sagen. Ich vermute, die monotheistische Indoktrination, nach der Sexualität im Grunde etwas unwürdiges ist (und der besonderen Veredelung durch große Gefühle (früher reichte der Ehering) zwingend bedarf), wirkt gesellschaftlich noch arg nach. |
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schrieb am
07.03.2010 um 19:45
"Wer die Würde verletzt sieht, der muß die sexuellen Aspekte des Menschen für latent menschenunwürdig halten (was ich, wie oben erwähnt, menschenverachtend finde)."
Interessanter Manipulationsversuch. Sie könnten auch sagen: Wer nicht meiner Meinung ist, daß Pornografie toll ist, der ist verklemmt. "Ich vermute, die monotheistische Indoktrination, nach der Sexualität im Grunde etwas unwürdiges ist..." Und ich vermute, das die massenhafte offene Auslebung der Sexualität, der Enttabuisierung aller Bereiche, der jederzeit binnen eines Klicks im Netz verfügbaren Pornografie Symptom einer degenerierten Gesellschaft ist. Wer nicht versteht, wieso Pornografie würdelos ist, der sollte sich an seine Nase fassen und nicht diejenigen, die sich ein gesundes Maß an Achtung (versuchen) zu erhalten für verklemmte erzreligiöse Fundamentalisten halten. |
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schrieb am
07.03.2010 um 21:55
Wem Pornographie nicht gefällt, der möge das so sagen, darüber läßt sich nicht streiten.
Wer hingegen die ganze große Keule auspackt und von "Würde" spricht (die immerhin oberstes Gut des Grundgesetzes ist), der muß dies sorgfältig begründen. Ihre Kernthese schien mir zu sein (in eigenen Worten formuliert), daß Pornographie Sexualität auf Triebabfuhr reduziere und zwischenmenschliche Gefühle ignoriere, was die Menschenwürde verletze. Erklären Sie sich bitte noch etwas genauer: Verletzt ihrer Meinung nach seine "Würde", wer die erotische Phantasie Dritter befeuert (indem er sich z.B. aufreizend präsentiert)? Ist ein lasziver Blick ok, oder sollte der dem Geliebten vorbehalten bleiben? Ist umgekehrt ein keusch gesenkter Blick der Gipfel der "Würde"? Haben besonders schöne oder sexuell anziehende Menschen besondere Vorkehrungen zu treffen, damit sie nicht versehentlich auf Photos die "Würde" verletzen? Muß Ziel der Entwicklung zu mehr "Würde" sein, daß sich niemand mehr heimlich ein Bild als Wichsvorlage hernehmen kann, weil es keine erotischen Darstellungen mehr gibt? Sollte das Volk durch Pornoentzug dahingehend umerzogen werden, daß es verlernt, wildfremde Leute sexuell anziehend zu finden? Sozusagen die erotische Abrüstung, bis alle gleich graumäusig sind? Ist Schönheit das eigentliche Verbrechen? Wird eine erotische Szene dadurch "würdevoller", daß die beteiligten Darsteller sich sympathisch finden, oder ist schon die Anonymität zum Betrachter das Problem? Sind Bilder mit Selbstauslöser "würdevoller" als solche gegenüber einem außenstehenden Photographen? Oder verletzt gar seine eigene "Würde", wer sich aufreizen läßt, obschon er die Darsteller gar nicht persönlich kennt? Wird es "würdetechnisch" besser, wenn man sich z.B. in ein Photomodell "verliebt", wie der Fan in den Star? Und was ist bei pornographischen Texten und Zeichnungen? Wessen "Würde" wird da verletzt? Die des Zeichners/Schriftstellers, indem er seine Phantasien offenbart? Die des Lesers, in dessen Hose sich etwas regt? Oder unserer alle (wie auch immer)? Ich frage naiv, weil mir Ihr "gesundes" Empfinden fremd ist, da ich augenscheinlich zu Ihrer "degenerierten Gesellschaft" zähle. Ich habe merkwürdigerweise kein Problem damit, mit einem geliebten Menschen wundervollen Sex zu haben, und trotzdem die Schönheit wildfremder Dritter zu genießen. Muß bei mir wohl pathologisch sein. Was die Würde betrifft, so ist für mich der freie Wille des freien Menschen ihr Dreh- und Angelpunkt. Alles andere ist moralischer Hokuspokus, der nur in Geschmacksgesetzgebung und Repression münden kann. Wie früher, als die Gesellschaft noch nicht so "degeneriert" war. |
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schrieb am
08.03.2010 um 01:00
"Wem Pornographie nicht gefällt, der möge das so sagen, darüber läßt sich nicht streiten."
Da haben Sie wohl recht. Aber darum ging es mir nicht. Ich wollte das neutral vermitteln. "Wer hingegen die ganze große Keule auspackt und von "Würde" spricht (die immerhin oberstes Gut des Grundgesetzes ist), der muß dies sorgfältig begründen." Ok, danke für den Hinweis. "Ihre Kernthese schien mir zu sein (in eigenen Worten formuliert), daß Pornographie Sexualität auf Triebabfuhr reduziere und zwischenmenschliche Gefühle ignoriere, was die Menschenwürde verletze." Sie ignoriert sie nicht nur, sie findet in aller Regel ausserhalb zwischenmenschlicher Gefühle statt und wird dadurch zu einer maschinellen Sexvariante. Das ist die eine Seite. Das Problem, das daraus folgt ist der Konsument, der auf lange Sicht ebend jene degenerierte Form der Sexualität vorgesetzt bekommt(Kinder und Jugendliche bekommen heute wirklich alles auf einen Klick, das muss zusätzlich beachtet werden). Das Resultat ist ein erlerntes Fehlverhalten. Die Auswirkung ist Abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit sowie davon, ob die betreffende Person andere Lernquellen hat(te). "Wird eine erotische Szene dadurch "würdevoller", daß die beteiligten Darsteller sich sympathisch finden" Sie würde echter werden, wenn echte Akte abgelichtet würden und nicht diese unsäglichen gefühlreduzierten "Profis" agieren täten. Ich möchte Sie bitten die Wortwahl "degenerierte Gesellschaft" zu entschuldigen, es ist eher als soziologischer Begriff gemeint, weniger auf den Menschen als Individuum gemünzt, schließt ihn aber natürlich ein. Ich werde mich bemühen das künftig versöhnlicher zu formulieren. Möchte ja niemanden beleidigen sondern diskutieren. Trotzdem sagt dieser Begriff genau das aus, was Pornografie ausmacht. "Die des Zeichners/Schriftstellers, indem er seine Phantasien offenbart? " Meinen Sie zum Beispiel die Zeichner, die ihren Figuren ganz besonders kindliche Züge verleihen? Oder die, die gleich ganze Phantasiewelten bedienen, wie Familienmißbrauchsparties? Sehen Sie da einen Würdeverlust? Oder der zunehmende Druck auf Jugendliche, die ihnen gezeigten Dinge nachzustellen? Werden die Mädchen sicher nicht entwürdigt, wenn sie beim Gangbang mitspielen müssen, durch sozialen Gruppendruck der Quasimehrfach-vergewaltigung manchmal mehr und manchmal weniger zustimmen? Für mich wäre schon die heute freie Zügänglichmachung für Kinder und Jugendliche Grund genug, die ganze Industrie einzustampfen. Es ist Gewalt an der kindlichen Seele sie zu früh zu sexualisieren und mit billigem Dreck aus der Pornoindustriemainstreamkiste zu füttern. www.spass-oder-gewalt.de/doku/textethema_pdf/pornographisierung_des_internets.pdf Wie auch immer, ich denke wir stoßen an die Grenze unserer Diskussion, da wir, glaube ich, nicht über denselben Pornografiebegriff reden. Sprache ist manchmal ätzend begrenzend. Und Kommentarfunktionen genauso schrecklich :-) Vielen Dank für den Austausch |
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@töfftöff
Man mag ja mit Ihnen übereinstimmen, vor allem wenn man nur alleine die Produktionsbedingungen der meisten Pornofilme und dass szenisch dargestellte Menschenbild ins Auge fasst. Leider ist Ihr Blick insgesamt aber zu eng gefasst und Azenions und ocas Einwände sollten diesen doch etwas weiten. Dabei könnte Ihnen zum Beispiel die Lektüre des Comics »Lost Girls« von Alan Moore helfen. |
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schrieb am
07.03.2010 um 19:50
"Leider ist Ihr Blick insgesamt aber zu eng gefasst..."
Es gibt zwei Sichtweisen für alles. Die eigene subjektive, die den eigenen Illusionen unterworfen wird und einer Art Realitätsleugnung entspricht sowieso Wahrnehmungsverzerrungen beinhaltet, und eine, die auf bestehnden Fakten der Wirklichkeit angenähert ist. Ich bevorzuge letztere Sichtweise. Da könnte auch jeder Mensch der Pornosucht verfallen sein, meine These ändert sich nicht, so wenig die Erde eine Scheibe war, auch wenn die Welt daran einmal geglaubt hat. |
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Nur so ein Gedanke am Rande: Einerseits ist es für die SexarbeiterInnen ja gut, aus der Illegalität herauszukommen und unter besseren Bedingungen zu arbeiten als auf dem Straßenstrich. Andererseits nimmt die zunehmende Integration in die Nicht-Schattenwirtschaft auch irgendwie beunruhigende Züge an.
Bei einem kurzen Aufenthalt in Zürich habe ich verwundert festgestellt, dass nicht nur die Stadtführer, die auf einer wissenschaftlichen Konferenz verteilt wurden, voller Sexangebote waren, sondern dass sich in der Innenstadt feine Cafes und teure Restaurants mit Sexshowanbietern und Puffs abwechselten, so dass Cappuchino und Blowjob wie gleichberechtigte Alternativen aus dem Warenangebot erschienen. In eine ähnliche Richtung wies eine Reportage des Stern vor einiger Zeit, in der Prostituierte mit ästhetischen Fotos und Angebotskatalog ("besondere Merkmale: teilweise rasiert...") für sich Werbung machten. Der Rückgang der Stigmatisierung scheint -leider- zu einem ökonomischen Aufschwung der Branche zu führen. Aber das sind nur ein paar unsystematische Beobachtungen meinerseits... |
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schrieb am
06.03.2010 um 18:41
@oca
Vor einer Weile gab es ja mal eine Sendung von Menschen bei Maischberger zu diesem Thema. Das Video zur Sendung gibt es in der ARD-Mediathek. Wie man dort hören konnte geht der ökonomische Aufschwung durch die Enttabuisierung, nicht mit einer Verbesserung der Lage der Sex-ArbeiterInnen einher, sondern führt eher zum Preisverfall - eine interessante Parallele zu anderen Branchen. Der seelische Schaden (siehe Aussagen von Sabine Constabel) den die große Mehrzahl in Kauf nimmt wird jedoch nicht gemindert. Allerdings würde ich Prostitution stark von Pornografie abgrenzen, da die Pornografie im Gegensatz zur Prostitution per Definition nicht zwangsläufig Warenform aufweisen muss. |
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schrieb am
06.03.2010 um 19:30
Das ist interessant, man könnte also sagen, dass die miserablen Bedingungen der Illegalität durch die ganz legalen miserablen Bedingungen der "Niedriglohnsektoren" abgelöst werden - mit dem Unterschied, dass für andere schlecht bezahlte Jobs lediglich der Verkauf der Arbeitskraft, seltener jedoch der des eigene Körpers (und damit die Verwundbarmachung der Seele) verlangt wird.
(Die Abgrenzung zur Pornografie ist klar, es ging mir um das im Artikel am Rande erwähnte Werbe-Verbot für SexarbeiterInnen.) |
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schrieb am
06.03.2010 um 21:44
Verkauf der Arbeitskraft vs. Verkauf des Köpers+Seele (bzw. der folgenden Schäden durch Prostitution(bitte jetzt keine Einwände, das Prostitution ein Job sei wie jeder andere auch -.- )
Nochmal. Verkauf der Arbeitskraft vs. Verkauf von Körper+Seele ist eine interessante Allegorie, zu den Schäden, die ein Job körperlicher Natur hinterlassen kann. Mit 45 schon zum Krüppel malocht. Trifft nicht jeden Arbeiter, aber immer wieder. Die Schäden an der Seele wiegen mehr, denn ein zum Krüppel gearbeiteter kann, wenn er den schmerzlichen Verlust seiner Leistungsfähigkeit verarbeiter hat, zu leben weiterführen. Schäden an der Seele gehen tiefer und werden oft einfach nur verdrängt, führen zu diffusen Stressymptomen, bergen Suchtpotentiale etc. Danke an dieser Stelle dem Autor, das Thema aus diesem Blickwinkel angeschnitten zu haben. Es eröffnet sich ein neuer Betrachtungshorizont, der mir ohne diese ihre spezielle Sicht, die sie im Artikel äußern, nicht erschließbar gewesen wäre. MFG |
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"Ungewollte Konfrontation mit dem Dirnenmilieu", oder wie Bill Drews zu Robert M. W. Kempner sagte: "Wollen sie das auch am Abend sehen?" Voellig richtig, auch ich hab keinen Bock auf Pimmel in der Strassenbahn. Das Prostitutionsgesetz, wonach "eine 16 jaehrige ihren Koerper verkaufen kann, aber nicht ein Mofa", hat daran nichts geaendert. Haette auch nichts dagegen, wenn man sie Seifenreklame wieder zurueckfahren wuerde. Man muss die Reklametafeln nur etwas groesser machen, dann springt einem das Problem vielleicht deutlicher ins Auge. Kapitalismus hat Grenzen. Er sollte uns nicht noch ausserhalb der Kaufhaeuser permanent anmachen duerfen.
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Jan Fischer (26), gebürtiger Berliner und schwuler Porno-Darsteller beim schwulen US-Porno-Label "Rascal" engagiert sich in der HIV-/AIDS-Prävention.
Link: www.queer.de/detail.php?article_id=10557 SexPower P.S. Vielleicht interessiert, in diesem Zusammenhang, ein Kommentar, den ich einst über schwule Pornographie geschrieben habe. Link: community.zeit.de/node/144874/245111#comment-245111 |
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