Wow! Patriarchale Kultur, wann habe ich das zum letzten Mal gehört? In den Achtzigern vielleicht.
„Ich wünsche mir, dass die Frauen mehr Selbstvertrauen entwickeln und an sich selbst glauben“, sagt Shirin Ebadi, erste iranische Richterin, ruhig. Dann blitzt sie mich an: „In meinem Land sind 65 Prozent aller Akademiker Frauen. Sie glauben an sich! Aber es ist die patriarchale Kultur, die sie hindert, ihr Ziel zu erreichen.“
Patriarchal. Dass dieser Begriff an diesem Vormittag wiederholt fällt, nicht nur aus dem Mund einer Friedensnobelpreisträgerin, sondern seitens einer Frauenaktivistin aus Afghanistan oder der pakistanischen „Philanthropin“ Nadira Panjwani, die dafür sorgt, dass in ihrem Land Krankenhäuser und Schulen gebaut werden, katapultiert mich zurück in eine Zeit, in der sich Frauen alle noch gleich und einig fühlten. Nun trifft man sich im 7. Stock im Kulturkaufhaus Dussmann anlässlich einer Buchvorstellung, dessen Titel Heiterkeit erregen könnte: Die Macht der Frauen
Darin werden Female Leader porträtiert, die sich für mehr Bildung von Mädchen und Frauen einsetzen und an diesem Vormittag in Berlin den 22. September zum offiziellen "Weltmädchentag" ernennen. Zudem unterzeichnen sie am Abend einen Aufruf an die UN.
Kleine und große Frauen
„Die Macht der Männer ist die Geduld der Frauen“, hatte es früher einmal geheißen. Aber die superschicken Damen, teilweise mit locker übergeworfenem Kopftuch, das die schönen Haare freigibt, haben überhaupt keine Geduld mehr. Sie wollen, dass die Mädchen und Frauen der Welt mehr Bildung erhalten, denn das ist ihr Ausgang aus der nicht selbst verschuldeten Abhängigkeit. Kerstin Plehwe hat deshalb 60 erfolgreiche Frauen in aller Welt interviewt und sie danach gefragt, was für sie „Leadership, Erfolg und Glück“ bedeutet. Es soll eine „Bibel der Frauenbewegung“ werden, wünscht sich die charmante Catherine von Fürstenberg-Dussmann, die das Event gesponsert hat. So wie drei große „frauenfreundliche“ Firmen das ganze Projekt, dessen Erlös Mädchen- und Frauenförderprojekten in Asien, Südamerika und Afrika zugute kommen soll. Aber „Leadership“ und „Frauenbewegung“? Das trifft sich ja eher im Unendlichen.
„Die ‚großen’ Frauen sollen etwas für die ‚kleinen’ Frauen tun“, sagt die Autorin Kerstin Plehwe, und, na ja, die Anführungszeichen kann man sich dazu denken. Die „kleinen“ Frauen sind die zwei Drittel aller Analphabeten weltweit, sie stellen drei Viertel der Arme und verfügen über nur zehn Prozent des globalen Einkommens und gar nur ein Prozent des Besitzes. Die Zahlen sind irgendwie bekannt, aber sie bleiben, räumt Plehwe ein, auch für sie abstrakt. Wenn man sich Deutschland im Jahre 2011 anschaut, weiß man auch nicht, ob man bedauern soll, dass es nur 20 weibliche Staatschefinnen gibt.
„Chance“ und „Erfolg“ waren vielfach bemühte Vokabeln an diesem Vormittag. Bei Dussmann versammelte sich der liberale Flügel einer Frauenbewegung, der von jeher daran geglaubt hat, dass die Frauen – mit Unterstützung der „großen“ natürlich oder vielleicht auch eines wohl gesonnenen Vaters – ihres Glückes Schmied sind. Jedenfalls diejenigen, die aus den gemäßigten Zonen Europas oder den USA stammen. Was das „Spezifische“ erfolgreicher Frauen sein könnte, ob es nur darum gehen kann, in eine Führungsposition zu gelangen oder zig Sportmedaillen zu erringen, wurde jedoch kaum erörtert. Und auch erstaunlich: Fast alle im Buch porträtierten Frauen hatten keine Vorbilder.
Unglück bedeutet es allemal, dass 78 Prozent aller Mädchen in Afghanistan keine Schule besuchen dürfen. Denn das verfügbare Geld, konstatiert Suraya Pakzad, Trägerin des „Women of Courage“ des amerikanischen Außenministeriums, kommt den Söhnen der Familien zugute, weil die Auffassung herrscht, sie könnten eher eine Familie ernähren. Stimmt aber gar nicht: Würde ein Prozent der Mädchen eines Landes eine vernünftige Ausbildung genießen, stiege das Pro-Kopf-Einkommen um 0,3 Prozent; das wären bei zehn Prozent der Mädchen schon drei Prozent mehr Wohlstand – davon träumen europäische Staaten.
Keine Vorbilder
Interessanterweise wandten sich die Repräsentantinnen aus den so genannten muslimischen Ländern vehement gegen die Unterstellung europäischer Journalistinnen, der Islam sei an allem Schuld. „Die patriarchale Kultur ist es!“, fährt die würdige Ebadi, unterstützt von den Kombattantinnen, dazwischen. Sie war es auch, die daran erinnerte, dass Frauen eben nicht nur Opfer, sondern auch Mitträgerinnen dieser Kultur sind, qua Erzieherinnen ihrer Söhne. Feministinnen hierzulande haben das früher „Mittäterschaft“ genannt. Die „Frieden stiftenden“ Frauen, die die österreichische Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst in Anschlag brachte, kamen da nicht so gut an; aber sie erntete heftigen Beifall, als sie sich als konsequente Verfechterin der Quote outete: „Ich will nicht warten, bis die Männer endlich tot sind oder freiwillig ihren Platz räumen.“
„Sind denn die Frauen wirklich stärker als die Männer?“, fragte ein Berliner Kabarettist, der sich in die journalistische Runde verirrt hatte. „Ich frage manchmal meinen Mann, ob er unsere sechs Kinder, den Haushalt, meinen Job usw. alleine bewältigen könne. Dann sagt er ganz ehrlich: ‚Nein’“, entgegnete die afghanische NGO-Kombattantin Pakzard souverän. Multitasking heißt heute, was man früher „weibliches Arbeitsvermögen“ nannte. Aber gerade in Afghanistan müssen die Frauen das beherrschen: „Wenn nämlich in der Familie was schief läuft, verbietet der Mann, der Vater oder der Bruder, dass die Frau arbeiten geht“, sagt Pakzard. „Wir müssen eben überall perfekt sein.“ Irgendwie kennt frau das doch.
Kerstin Plehwe: Die Macht der Frauen. Von den Erfolgreichsten der Welt lernen. 534 Seiten. Hamburg 2011
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"Multitasking heißt heute, was man früher „weibliches Arbeitsvermögen“ nannte."
Multitasking ist ein IT-Begriff. Ist besonders den Piratenpartei-Mitgliedern bekannt. Man weiss aus der Sicherheitstechnologie, dass Menschen die mehrere Sachen auf einmal erledigen, im Falle eines Fehlers in einer Task, auch in den anderen Tasks Fehler begehen. So was nennt sich dann eine multiple Katastrophe! Die Folgen eines Fehlers sind bei der männlichen Herangehensweise also deutlich geringer. "„Ich frage manchmal meinen Mann, ob er unsere sechs Kinder, den Haushalt, meinen Job usw. alleine bewältigen könne. Dann sagt er ganz ehrlich: ‚Nein’“, entgegnete die afghanische NGO-Kombattantin Pakzard souverän." Da muss mann aber "souverän" und ehrlicherweise fragen, was der Mann, der "souverän" entgegnenden NGO-Kombattantin so arbeitet? Könnte es sein, dass er das Gros des Geldes nach Hause bringt? "Irgendwie kennt frau das doch." Nichts für ungut, sehr gehrte Feministengemeinde: Hat das BVerfG im Verfahren 1 BvL 15/11 nicht vor kurzem den Politikern ins Stammbuch geschrieben, dass "die einseitige Zuweisung der Betreuungsarbeit an die Frauen mit den nachteiligen Folgen auf dem Arbeitsmarkt aufzubrechen" sei? Wieso wird eigentlich von keiner Feministin, die einseitige, "erhöhte Erwerbsobliegenheitspflicht des Mannes" nach Trennung und Scheidung angeprangert? Da werden die Mütter durch die Gerichte reihenweise an Heim und Herd gebunden: Die tradierten Rollenmuster schlagen voll zu! Nicht umsonst haben wir 90% alleinerziehende Mütter und auch sonst werden die Kinder der Mutter zugespochen und der Vater bekommt in altbackener, tradierter Manier die Rolle des Ernährers oktruiert. Ansonsten darf er seine Kinder alle zwei Wochen sehen, wenn die, in den tradierten Rollenmuster der 24h-Erziehung gefangene Mutter, mal von den Kindern loslassen kann. Diese Barbarei geht schon soweit, dass ein Vater zu "fiktivem Einkommen" (und damit zu einer 60h-Arbeitswoche) verdonnert wird, nur damit der Anwalt sein Geld und die Mutter ihr "Sieg" über den Vater zu bekommen. Im Feminismus scheint es so zu laufen, dass Arbeiten macht den Vater frei von seinen Kindern! Gleichberechtigung, nein danke, nicht wahr? Wenn es dem Feminismus wirklich um Gleichberechtigung gegangen wäre, hätten deutsche Politikerinnen doch längst den 7. Zusatzprotokoll der EMRK ratifiziert. Im Art. 5 dieses Zusatzprotokolls steht nämlich diese Gleichberechtigung. Deutsche Politikerinnen aber, die sich gerne als Feministinnen ausgeben, sind genau so reaktionär wie die Politiker eines anderen Staates, der dieses Zusatzprotokoll nicht ratifiziert hat: Die Türkei! Die Türken lässt man nicht in der EU rein, weil sie angeblich den Frauen keine Gleichberechtigung anbieten. Könnte es sein, dass bald DE aus der EU rausfliegt, weil hier soviel "positive Diskriminierung" gegen Männer praktiziert wird? Bei Scheidung hat selbst die souveränste NGO-Kombattantin alle guten feministische Vorsätze vergessen und da wird nur noch das Eine gefordert: "Der Ex soll zahlen, ich bleibe zu Hause mit den Kindern! Der Vater ist viel zu blöde um seine Kinder zu erziehen." Denn es geht doch nur um das Eine im Geschäftsmodell Scheidungsfamilie: Einkommen in Form von Unterhalt vom Ex! 30% der Frauen in den westlichen Bundesländer bestreiten ihr Einkommen hauptsächlich aus Unterhaltszahlungen (siehe Datenreport 2008). "Irgendwie kennt selbst der afghanische mann das doch." Wie auch immer, dieser Schreibstil, mit Wörtchen wie "souverän" beweist nur wie verklemmt frau ist und dass frau erhebliche Minderwertigkeitskomplexe hat. Damit meine ich nicht die Frauen, sondern nur die Autorin, damit keinerlei falsche Anschuldigungen kommen. |
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Der Begriff Alpha-Frauen und "Leadership", deutsch Führerinnenschaft verweist auf den faschistischen Charakter dieser Ansätze, vor allem wenn du dir vorstellst, dass es Beta-Frauen geben müsste. Nun magst du sagen, hach das sind Amerikanerinnen, bei denen ist das so, aber ist wirklich keine Ausrede fürs Hirnabschalten.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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Na, wie war's in der Schule