Alltag

Segregation | 27.10.2011 15:00 | Klaus Raab

Mal ganz unter uns

Sein Kind auf eine vermischte Schule schicken? Für viele Eltern in sogenannten ­Problembezirken ist das tabu. Dabei ist Abschottung das größere Experiment

Wenn man mit jemandem sprechen will, der sich bei der Wahl der Grundschule für sein Kind nicht von Sorge treiben ließ, kann man Nicola Bauer anrufen: Sie und ihr Mann haben ihren Sohn nicht auf eine Privatschule geschickt. Sie haben keine Kuchen gebacken, um den Direktor einer vermeintlich besseren Schule im Nachbarviertel zu bestechen. Sie haben einfach eine Grundschule in Fußnähe von zu Hause ausgesucht, in Berlin im Grenzgebiet von Kreuzberg und Neukölln. Dort also, wo der Anteil von sogenannten "ndH-lern" – Bürokratendeutsch für "Schüler nicht-deutscher Herkunftssprache" – besonders groß und sozial Schwächere besonders zahlreich sind.

"Für uns war wichtig, dass Patrick seine Freundschaften pflegen kann, ohne davon abhängig zu sein, dass wir ihn mit dem Auto herumfahren", sagt Nicola Bauer. "Wir sind ja bewusst als junge Menschen wegen der Freiräume und Freiheiten nach Berlin gezogen. Und wir wollten auch ihm die größtmögliche Selbständigkeit in seinem kleinen Kiez zugestehen." Sie habe diese Entscheidung nie bereut.

Na bitte, könnte man also sagen, geht doch: Da ist es, das Beispiel dafür, dass man es nicht übertreiben muss mit seiner "Angst davor, dass das eigene Kind in einer Gesellschaft, die immer mehr Verlierer hervorbringt, nicht zu den Gewinnern gehört", wie Patrick Bauer, ihr Sohn, heute schreibt. "Dass es nicht voran kommt, wenn es mit Langsameren in eine Klasse kommt."

Das könnte man sagen. Wäre es nicht knapp 20 Jahre her, dass er eingeschult wurde.

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Patrick Bauer ist heute Journalist und hat gerade ein Buch geschrieben, Die Parallelklasse. Ahmed, ich und die anderen – Die Lüge von der Chancengleichheit (Luchterhand). Es handelt von den Vorzügen eines multikulturellen Lebens nicht nur neben-, sondern miteinander; vom Fußball in einem Verein, in dem sonst nur Jungs mit türkischen Nachnamen spielten; von Besuchen bei deren Familien. Es hat sich aber einiges verändert seit seiner Schulzeit, die Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskräften ist zurückgegangen. Und so handelt das Buch auch von der diffusen Zukunftsangst, der man heute bei jeder Kindergartenanmeldungsrunde, beim Babyschwimmen und vor der Eisdiele in Berlin-Neukölln begegnet, das man als exemplarisch für die Neuköllns in vielen deutschen Großstädten betrachten kann, und die sich ausdrückt in Sätzen wie: "Schön bunt hier – aber wir können mit unserem Kind doch keine Experimente machen." Man schätzt das Leben in, zum Beispiel, Kreuzkölln, jenem Teil Nord-Neuköllns, der auf der Stadtkarte wie eine Nase nach Kreuzberg hineinragt, für die neu entstehende Vielfalt, will seinem Kind dann aber möglichst Homogenität, Sicherheit und einen linearen Weg in die Zukunft bieten. Der Weg ist kurz von der Lässigkeit zur Undurchlässigkeit.

Flucht ins Kartoffelland

"Es ist eine Angst, gegen die ich mich wehre, weil ich eine andere Vorstellung vom Zusammenleben habe", schreibt Patrick Bauer. "Ich möchte, dass mein Sohn auch mit Kindern zur Schule geht, deren Eltern weniger Geld, weniger Bildung, weniger Sprachkenntnisse haben. Ich möchte, dass er lernt, dass Unterschiede nichts Schlechtes sind." Es klingt wie der fällige Aufruf zur Vernetzung gegen die grassierende "Bildungspanik", die in seinem jüngst erschienenen Essay der Soziologe Heinz Bude diagnostiziert. Wie ein Aufruf zum Handeln gegen die Segregation, gegen die soziale Entmischung der Schulen.

Dann aber entpuppt sich seine Geschichte als ein ernüchternder, letztlich ehrlicher Report aus der Realität. Als sein alter Mitschüler Ahmed ihn, im Buch zitiert, fragt: "Würdest du dein Kind hier zur Schule schicken?", sagt er: "Ich denke schon." – "Warte mal ab, bis es so weit ist", erwidert Ahmed, "jede Wette, Alter, dass du ins Kartoffelland fliehen wirst!", also ins Land der Schulen mit geringem ndH-Anteil. Und am Ende behält Ahmed wohl recht: "Ich weiß mittlerweile, dass ich meinen Sohn, wenn er zur Schule geht, nicht auf die nächstbeste Grundschule schicken werde", schreibt Bauer. "Ich finde die Vorstellung schrecklich, dass die Schulklassen heutzutage oft den sozialen Klassen entsprechend aufgeteilt sind. Vor einigen Monaten noch hätte ich deshalb gesagt, dass ich mein Kind auch auf einer Problemschule in Neukölln anmelden würde. Aus Prinzip. Dass mein Kind dort lernen würde, sich durchzusetzen. Jetzt finde ich diese Vorstellung unvorstellbar."

Als er seine Leser von der Hoffnung auf einen Lösungsansatz für eine verfahrene Situation befreit, ließe sich leicht losschimpfen über die Diskrepanz zwischen Ich-prangere-an und Ich-kann-aber-doch-auch-nicht-anders. Würde er damit nicht exakt die Schulsituation in "Problemkiezen" darstellen, deren Ghettoisierung ein Einzelner ja unmöglich aufhalten kann. Und würde er nicht den Fokus von kulturellen auf soziale Aspekte rücken, die wichtiger sind als die rauf- und runterproblematisierten Kopftücher.

Die Zahlen, die man aus dem Neuköllner Bezirksamt bekommt, belegen das. 80 Prozent der Unter-18-Jährigen im Norden Neuköllns sind nicht-deutscher Herkunftssprache. Die meisten von ihnen kommen aus sozial schwachen Familien. 75 Prozent der Nord-Neuköllner leben von unter 700 Euro. Und nicht in der Migrationsgeschichte besteht die Gemeinsamkeit der Kinder, die auf den abgehängten Schulen zurückbleiben, sondern im Bildungsstreben der Eltern. Heinz Bude etwa schreibt, und das deckt sich mit den Berichten aus Neukölln, gerade jene "Familien mit 'biodeutschem' Hintergrund, die auch Bioprodukte präferieren", würden die Grundschulen meiden, "die durch einen mehr als 50-prozentigen 'ndH'-Anteil charakterisiert sind". Denen aber "schließen sich nicht selten bildungsbestrebte Eltern mit einer Migrationsgeschichte in der Familie an".

Auch Bauer stellt das fest, als er sich auf die Suche nach seinen alten Schulkollegen macht und einen detailreichen Report der Undurchlässigkeit erstellt: "Die Schüler, die in der ersten Klasse Probleme hatten, mitzukommen, hatten auch nach der sechsten Klasse Probleme, mitzukommen. Deswegen kamen sie in vielen Fällen nirgendwo an. Diese Schüler stammten aus Elternhäusern, die man bildungsfern nennt und sozial schwach."

Wenn aber die Chancenungleichheit schon vor der Schule beginnt, erscheint die "Bildungspanik" der Eltern noch unnötiger. Was tun? Man könne von Eltern nicht verlangen, dass sie ihr Kind auf eine Schule mit schlechtem Ruf schicken, nur weil das gesellschaftlich nützlich wäre, schreibt Bude. "Soziales Märtyrertum" sei auch keine Lösung. Würde man es aber staatlich regeln, dass nicht einzelne, sondern alle Kinder auf gemischte Schulen gehen, entstünde womöglich ein "neuer gesellschaftlicher Kompromiss".

Für die "Einschulung im Kiez"

Man solle zudem nicht – wie gerade diskutiert – die Bedeutung des Abiturs weiter heben, sondern jene des ersten Berufsabschlusses: Wenn Bildung nicht gleichmäßig verteilt werden kann, dürfe sie nicht zum alleinigen Kriterium für ein Qualitätsleben werden. Vorbilder dafür, dass Abschlüsse nicht alles sind, gäbe es genug: Gerade die Internetbranche wurde groß mit Leuten, die ihr Studium schmissen, weil sie kurz mal Microsoft, Apple oder Facebook gründen mussten.

Die Entmischung der Schulen wird man aber ohne die Eltern nicht umkehren. In diversen Bezirken bilden sich Initiativen von Eltern, die ihre Kinder gemeinsam auf eine Schule schicken, auf die sie alleine nie gehen würden. Am Rand von Neukölln etwa rufen Eltern mit Laternenpfahlanschlägen zur "Einschulung im Kiez" auf, im Wedding bilden sich Elternnetzwerke mit demselben Ziel; die Lenau-Schule in Kreuzberg ermöglicht die gruppenweise Anmeldung von Kindern bildungsbestrebter Eltern. Das verhindert "Bildungspanik" zwar nicht, aber ein besserer Elternbeitrag zur Ent-Entmischung ist nicht in Sicht, solange Eltern sich fragen, ob es ein Experiment ist, wenn man seinen Kindern das Leben zumutet.

Dass dies die einzig denkbare Frage ist, dagegen spricht nicht nur Nicola Bauers Erfahrung. Sie sagt über ihre Entscheidung, ihren Sohn auf eine bunte Schule vor der Haustür zu schicken, es sei damals, vor 20 Jahren, für sie offensichtlich gewesen, "dass die heterogene Mischung einer Klasse vor allem eine Chance ist. Für uns stellte sich das nicht als Problem dar." Dagegen spricht auch die Erfahrung einer Neuköllnerin, die ihre Tochter jetzt schließlich doch nach Berlin-Mitte aufs Gymnasium schickt. Die neuen Freundinnen der 13-Jährigen hätten Angst, ohne Begleitung eines Erwachsenen in Neukölln auf den Markt zu gehen. Vielleicht ist das eigentliche Experiment ja doch die Abschottung.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Maria Jacobi schrieb am 27.10.2011 um 15:53
"Würde man es aber staatlich regeln, dass nicht einzelne, sondern alle Kinder auf gemischte Schulen gehen, entstünde womöglich ein "neuer gesellschaftlicher Kompromiss"."

"Staatlich regeln" mit dem Begriff "Kompromiss" in einem Satz zu vereinen, ist ein Widerspruch in sich. Denn der Kompromiss beinhaltet, dass diejenigen, die sich zum Kompromiss zusammenraufen, von sich aus, aus sich selbst heraus, Teile ihres eigenen Standpunktes zugunsten eines anderen Standpunktteils zurückstellen. Dagegen ist eine staatliche Regelung auf diesem Gebiet der Gesellschaft gegenüber ein Diktat. Aber so wird es letzten Endes kommen. Die Freiheit der Eltern, die Schule ihrer Kinder wählen zu können, ist sowieso absurd angesichts des strammen Marsches dieses Staates Richtung 1984.
czimmer schrieb am 27.10.2011 um 21:01
"Das verhindert "Bildungspanik" zwar nicht, aber ein besserer Elternbeitrag zur Ent-Entmischung ist nicht in Sicht, solange Eltern sich fragen, ob es ein Experiment ist, wenn man seinen Kindern das Leben zumutet." - Es sollte doch klargestellt werden, dass der Besuch einer Schule in einem sogenannten Problemkiez nicht das "Leben" darstellt. Es kann ja wohl nicht von Bildungspanik die Rede sein, wenn man seinem Kind einige unschöne Erfahrungen ersparen möchte. Kindheit ist die Hölle, besonders für das Kind, das anders ist. Und ich werde meinem Kind diese Hölle nicht noch verschlimmern, indem ich es, damit es eine gewisse "Credibility" erhält, in irgendeine Ghettoschule stecken.
Klaus Raab schrieb am 27.10.2011 um 21:38
Mit Verlaub, um irgendeine Credibility geht es hier auch wahrlich nicht. Wenn Sie DAS meinem Artikel entnehmen und sonst nichts – bitte sehr, aber dann kommen Sie mir nicht mit "Es sollte doch klargestellt werden". Es sollte klargestellt werden, dass der Besuch einer Schule in einem sogenannten Problemkiez nur deshalb so problematisch anmutet, weil so viele vermuten, dass es problematisch ist. Sonst würde die Zusammensetzung an der Schule nämlich der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung im Viertel entsprechen, und die ist selbstverständlich ganz genau das Leben. Mit freundlichen Grüßen, KR
czimmer schrieb am 28.10.2011 um 07:49
Ich verstehe schon Ihren Standpunkt. Schließlich habe ich es jahrelang genauso gesehen. Doch wenn ich vor der praktischen Frage stehe, soll mein Kind jetzt rausreißen, was in diesem Land die letzten 50 Jahre falsch gelaufen ist, kann das nicht die Antwort sein. Es mag im Einzelfall funktionieren, z.B. wenn das Kind Fußball mag, möchte es allerdings lieber Ballettänzer werden, habe ich Zweifel, dass es in einer "bunten" Schule viel Freude haben wird (ebenso wie in der bayrischen Provinz oder Mecklenburg Vorpommern). Es handelt sich hierbei auch nicht um "vermutete" Probleme, sondern um Dinge, die vor meiner Haustür passieren. Allein das Maß an verbaler Aggresion, das mir tagtäglich von halbwüchsigen Möchtegern-Bushidos um die Ohren gehauen wird, reicht mir als Beweis aus, dass die Werteordnung die ich meinem Kind vermittle, mit deren Werteordnung nicht kompatibel ist und niemals sein wird. Wer das spießig findet, sollte mir den Beweis liefern, dass meine Nachbarn, die nicht mit mir reden wollen, keine Spießer sind. Es ist einfacher über sie zu reden, als mit ihnen.
Klaus Raab schrieb am 28.10.2011 um 09:12
Ich will die Entscheidungen von einzelnen auch nicht anzweifeln, weil jeder für sein Kind zurecht das Beste will. Aber dass sich in den vergangenen 20 Jahren etwas geändert hat (was Bude als "Kompetenzrevolution" zitiert), ist ja eindeutig, jedenfalls wenn man Bude glaubt, und er gibt an der besagten Stelle keinen Anlass, das nicht zu tun. Dass das "Bushidowesen" (das es auch in meiner bayerischen Grundschule gab, nur nicht als dominierenden Entwurf in der Klasse) vielleicht auch deshalb überhaupt manchem so augenfällig ist, weil wir (also nicht Sie, sondern wir als Gesellschaft) so viele Verlierer produzieren, läge für mich nahe. Und: Ich schreibe, dass es darum ginge, heterogene Klassen zu schaffen. Insofern hat Ihr Einwand, dass Sie Ihr Kind nicht auf eine homogene Bushido-Klasse schicken wollen, mit meiner Argumentation nichts zu tun. Und ich kann dieses "Bushido"-Bashing ehrlich gesagt auch nicht leiden, ich halte es für das eigentliche Problem. Es ist wahnsinnig ungenau und meiner Meinung nach Teil des Problems.
Sophia Hoffmann schrieb am 28.10.2011 um 16:33
Sehr guter Artikel, vielen Dank! Ich selbst bin in so eine Problemschule gegangen, man glaubt es kaum, in München. Mir hat es zu keinem Zeitpunkt geschadet, im Gegenteil. Schon als Kind habe ich viel über soziale Unterschiede gelernt und mit Freunden aus verschiedensten sozialen Schichten gespielt. Auch wenn man sich später aus den Augen verlieren mag oder durch unser selektives Schulsystem spätestens nach der Grundschule separiert wird, schadet es uns nicht sich früh in Toleranz und Verständnis zu üben und über den eigenen Tellerrand zu blicken. Vorallem erscheint mir der Gedanke absurd, nicht dort zur Grundschule zu gehen wo man wohnt. Punkt.
Zudem war meine Mutter fast 30 Jahre lang Rektorin einer Schule mit extrem hohem "ndH-ler"-Anteil und ich habe tagtäglich die natürlich vorhandenen Probleme am Mittagstisch mitbekommen, nichtsdestotrotz hat sie sich während ihrer gesamten Berufslaufbahn übermässig für Integration und Chancengleichheit eingesetzt, unzählige Projekte ins Leben gerufen und wurde für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet. Ich bin extrem stolz auf meine Mutter, die persönlich sehr darunter gelitten hat, wenn es zu Schülerabwanderung in ihrem Schulsprengel kam.
aleata schrieb am 28.10.2011 um 21:18
besorgte und in panik geratene akademikereltern sollten ihren Kindern zuerst einmal ihre fahrradhelme abnehmen, damit die kinder ihren Kopf besser zu allen Seiten drehen können, um sich in unserer gesellschaft richtig umschauen und orientieren zu können. diese helme verkörpern für mich das Symbol für Lebensfurcht. kiezflucht ist für i-dötzchen oder für schüler weiterführender schulformen genauso wenig eine lösung, finde ich. reality bites. buonanotte.
Sehen alle gleich aus schrieb am 28.10.2011 um 22:31
Ich finde den Ansatz gelungen. Das eigentliche Experiment ist die Abschottung. Die Schulen, die ich erlebe, werben mit einem NDH-Anteil von 20%, in Wirklichkeit sind es über 50%, wenn man es genau nimmt. Und alles läuft. Die Schüler sind verschieden und fühlen sich trotzdem verbunden. Keiner kommt zu kurz. Wer jetzt meint, das stimme nicht, es wäre hochproblematisch und seine Kinder auf Reisen schickt, keine Problem. Solche Leute wollen wir hier auch nicht haben.
Achtermann schrieb am 29.10.2011 um 18:11
@Klaus Raab

Sein Kind auf eine vermischte Schule schicken? Für viele Eltern in sogenannten Problembezirken ist das tabu. Dabei ist Abschottung das größere Experiment

Ich wundere mich über diese Berliner Problemlage, die es hier in Rheinland-Pfalz nicht gibt, weil die Gesetzeslage wohl eine andere ist. Hier herrscht der Kurt-Beck-Pragmatismus, der für die Bewohner der 15 anderen Bundesländer behäbig und manchmal auch tapsig wirkt. Für die Grundschulen legen die Städte Schulbezirke fest. Das bedeutet, dass die Straße, in der das Kind wohnt, darüber entscheidet, welche Grundschule zu besuchen ist. Diese Schulbezirke können sich, je nach Auslastung der Schulgebäude, auch mal verschieben. Darüber wachen die die Verwaltung und die Stadträte. Mit diesem einfachen Instrument wird der Abschottung vorgebeugt, die die Berliner grün-linke upper middel class zum bildungspolitischen Problem werden lässt.
Klaus Raab schrieb am 30.10.2011 um 11:03
Es gibt auch in Berlin Einzugsschulen. Auch in Berlin entscheidet theoretisch die genaue Adresse über die Schule. Auf die Einzugsschule kommt ein Kind, wenn sich Eltern nicht um eine andere kümmern. Man kann sich aber auch auf andere bewerben, auch außerhalb des eigenen Stadtviertels, hat aber keinen Anspruch auf einen Platz. Was nun z.B. geschieht, ist, dass sich Eltern eine Briefkastenadresse im Einzugsgebiet ihrer Vorzugsschule zulegen, etwa bei Bekannten. Das wird mittlerweile aber stichprobenartig städtisch geprüft. Was z.B. immer geht, ist eine Anmeldung an einer Privatschule (die nicht zwangsläufig unbezahlbar ist) oder oder oder... Ein reines Berlin-Phänomen ist das aber nicht. In München etwa – nur ein Beispiel – wird auch um Schulplätze gerungen, da mag aber die genaue Regelung der Platzvergabe wieder anders sein.
Achtermann schrieb am 30.10.2011 um 13:59
Noch ein Derivat aus der Schullandschaft:

Als in NRW Steinbrück die Wahl verloren hatte und die CDU-FDP-Koalition das Zepter der Schulpolitik übernahm, wurden auf Antrag der Freien Demokraten, um Wettbewerb zwischen den Schulen zu implementieren, die Grundschulbezirke abgeschafft. Das katholische Köln verfügt über eine Besonderheit. Dort gibt es 55 öffentliche (!) katholische Grundschulen. Die Reaktion des gebildeten Mittelstands liegt auf der Hand. Der ndH-Anteil an den katholischen Bildungsstätten
schrumpfte. Jetzt hat die neue Landesregierung den Städten und Kreisen eine dreijährige Übergangsfrist gewährt, die Schulbezirke wieder einzuführen. Das CDU-FDP-System hätte zu viele Ungerechtigkeiten erzeugt.


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