Es ist noch nicht lange her, als in der Freitag-Community Entrüstung losbrach.
Der Grund war simpel: In einem Kommentar hatte ich von dem Glück geschwärmt, in Berlin zu leben. Da könnte man in der S-Bahn noch straffrei ein Bier trinken. Protest schoss dieser Meinung entgegen, wie könne man das Gepöbel, die Ausfälle gutheißen, all das was Besoffene verursachen könnten, nachts, im öffentlichen Verkehr.
Aber ging es nicht auch um Freiheit?
Nun also München - auch dort wurde nun das Biertrinken in der S-Bahn untersagt. It‘s all over now.
In Hamburg kam vor dem Entzug die Party. Im September feierten 1000 Leute mit Sekt und Bier Abschied, kurz nachdem das Trinken in U-und S-Bahn verboten wurde, flößten sie es sich genau dort friedlich ein. Anders die Münchner! Vandalen. Gröler. 2000 Leute hatten sich über Facebook zum „Abschiedstrinken“ verabredet und
protestierten gegen das seit Sonntag greifende Alkoholverbot in der S-Bahn. Zurück blieben kaputte Züge und ein Sachschaden von 100.000 Euro. Den hätte man sich sparen können. Nun aber hat der Bürger geantwortet auf eine ziemlich bigotte Regel.
Auf dem Bahnhof kann man sich easy die Hucke vollsaufen, aber in die Bahn steigen bitte ohne Pulle? Gefährlich ist nicht derjenige, der sich beim Spätverkauf noch schnell ein Bier holt, bevor der Zug abgefahren ist. Sondern der längst schon Betrunkene, aggressiv, auf Pöbelei aus.
Lieber im Wohnzimmer?
Eine Verbotskultur greift um sich im öffentlichen Raum. Aber: Wem gehört der eigentlich? Den Verkehrsbetrieben? Oder den Nichtrauchern? Das Rauchen in Bars und Kneipen zu verbieten war seltsam unlässig, aber in Ordnung, es schadet anderen. Nach den Münchner Vorfällen sollen nun aber sogar im offenen Berlin die Kontrollen verschärft werden. Dort gibt es noch gar kein Alkoholverbot. Es ist umgekehrt. Gerade in der Tram ist das Biertrinken zur metropolitanen Fahrkultur geworden. Auf Bahnhöfen darf „faktisch noch getrunken werden“, das könnte sich aber ändern. Man solle es lieber „außerhalb des Nahverkehrs“ tun, findet in Berlin die Sprecherin der BVG. Auf dem Sofa also? Mit Wodka Gorbatschow? Und dann zugedröhnt in die Nacht driften? Oder im Wohnzimmer bleiben? Sieht ja keiner. Ist privat. Mein Ding.
Auf der Straße oder daheim: Es ist letztlich jeder selbst für sein Agieren verantwortlich. Wir sind befreit aus der Unmündigkeit, und Kant musste dafür nicht mal saufen. Die eigene Reflexion sollte nicht durch Verbote verhindert werden. Wie weit könnten die gehen? Darf ich im Kino nur noch Saft trinken? Oder auf meinem Balkon nicht mehr rauchen, weil es zum Nachbarn ziehen könnte? Progressiv scheint in solchen Zeiten ein Ton-Steine-Scherben-Family-Konzert. Sie stecken sich auf der Bühne eine nach der anderen an. Wenn das Bier alle ist, drückt ihnen jemand aus dem Publikum ein neues in die Hand. Der Traum ist aus.
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gefällt mir. Immerhin fährt man ja gerade mit der Bahn, wenn man bereits sternhagelvoll ist. Muss man dann eigentlich aussteigen? Oder darf man dann gar erst gar nicht einsteigen?
Diese Neoverbotskultur geht mir auch absolut auf die Nerven, eben weil sie mich, wie im Artikel beschrieben, entmündigt., ja quasi hiernamputiert. Ich bin schon groß! Aber da wir ja ansonsten keinerlei verlässliche und sicherheitgebende Strukturen mehr haben, wollen wir wenigstens klare Verbote.... |
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hirnamputiert
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Ich hab mich schon längst aus dem "Hier" amputiert, erträglich ist diese Gesellschaft nur noch im Wald - dort wo das Dickicht die Lichtung versteckt - insofern könnte man das hier(n)amputiert für hierhinamputiert als unterbewußtes Wortschöpfen interpretieren ;-)
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Wenn ich in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit dem S-Bahn fahre, dann sind alle Waggons vollgekotzt und überall sind Glasscherben von Bierflaschen und so. Klar, wir sind alle mündig und wissen selbst, was wir zu tun haben... am nächsten Morgen muss jemand die Folgen von dieser Mündigkeit wegputzen. Was ist denn mit der Freiheit von den Putzleuten, die für ein paar Euro pro Stunde diesen mündigen Dreck wegmachen müssen?
Ich fahre sehr spät... so etwa gegen 2/3/4 Uhr morgens, d.h. die meisten Kotzer sind schon raus und es ist wenigstens Ruhe im Zug. Was in den Waggons abgeht, wenn die Kotzer gerade drin sind, will ich gar nicht wissen... |
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Gleich vorweg: Ich hoffe, dass Berlin mit dem Verbot nachzieht. (In Köln ist es wohl auch schon Usus.)
Es kann nicht um die Freiheit einer Minderheit gehen, die ihre animalischen Gelüste - denn der Verstand hat meist ausgesetzt - aggressiv auslebt. Der Verweis auf die Freiheit vergisst, dass meine Freiheit nicht durch andere unterdrückt werden darf. Ich habe im Prinzip nichts gegen Alkohol - in meiner Jugednd hab ich diesem auch reichlich zugesprochen -; nur wusste ich im Gegensatz zu heutigen "Jungmännern", wann mein Limit erreicht ist. Dass das Problem "Alkoholismus" nicht mit dem Verbot der BVG und S-Bahn gelöst wird, ist klar. Aber erste Schritte müssen getan werden. Im Übrigen würde Kant sich wohl im Grabe herumdrehen, wüsste er, für welche Ziele er als Kronzeuge aufgeführt wird. Frei ist nach Kant derjenige, dessen Wille durch die Vernunft bestimmt wird. Was bei alkoholisierten Randalierern auszuschließen ist. |
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"Es kann nicht um die Freiheit einer Minderheit gehen, die ihre animalischen Gelüste - denn der Verstand hat meist ausgesetzt - aggressiv auslebt. Der Verweis auf die Freiheit vergisst, dass meine Freiheit nicht durch andere unterdrückt werden darf."
Es kann aber auch nicht darum gehen, dass wegen des enthemmten archaischen Vehaltens einer Minderheit die Mehrheit in Sippenhaft genommen, bevormundet und staatlich gegängelt wird. Ich gebe Maxi Recht: "Wie weit könnten die Verbote gehen? " Ich will und ich werde de fakto nicht in Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein leben. |
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Wenn unterstellt wird, dass jeder, der mit einem Bier in der Bahn ein potenzieller Randalierer ist, wird die "Vernunft" der meisten Menschen vorab bereits negiert, oder?
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@Angelia um 21.46
"die Mehrheit in Sippenhaft genommen," Mit diesem Argument war wohl zu rechnen. Vielleicht etwas sachlicher - wenn Moralnormen im Verhalten verlustig gehen (geht über das obige Thema hinaus), dann müssen Rechtsnormen ein bestimmtes Verhalten erzwingen. Dies gilt schon auf Sozialisationsebene 1, der Familie. Wer Kinder hat, wird dies bestätigen können. Oder auch nicht :-). |
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Pff, Frau Leinkauf, die eigene Reflexion wird durch Verbote verhindert? Ja, genau, weil die, die in die Öffentlichen kotzen noch kurz vorher über Kant referierten.
Das ist noch nicht mal an den Haaren herbei gezogen, das ist einfach nur widersinnig, als ob Sie den Lesern ein X für ein U verkaufen wollen, oder glauben Sie das wirklich? Leider gehen Sie ja nicht ins Detail Sie reden nur über Freiheit (der Saufenden), und oja, es ist schon furchtbar mit dem Rauchverbot, werden sich auch Schwangere oft denken, um nur eine Personenegruppe zu nennen. Na dann, darf man auf eine Fortsetzung gespannt sein über diese bideren Entrüster, die nicht oder nicht mehr in Berlin wohnen, wo Saufen in der Tram zum Stil gehört. Sie könnten natürlich auch fragen warum das so ist, aber da ließe sich Kant wohl nicht so unterbringen, den Sie auch noch an der falschesten Stelle verorten, die überhaupt möglich ist. Großes Kopfschütteln, was is nur los beim Freitag. |
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wie ich ja schon vorhergesagt habe:
auch in Berlin ist es schon genug Deppen im Vollrausch gelungen, anderen Mitfahrern eine existenzielle Erfahrung zu bescheren. Die Autorin stürzt auch in der Münchener Version ihrer Lobhudelei des saufenden Nahverkehrs von der Streichholzschachtel und zitiert Kant, echt easy, um ihr W zu rahmen It‘s all over now. "Verbotskultur"? Nein, Frau Leinkauf, aber dafür: Enthemmungskultur, das Recht des Stärkeren, Frecheren. Ihr Ding? Wohl kaum. verdrucksten |
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Angelia, Richtig Alkohol amputiert teile des Gehirns.
Hat eigentlich in Deutschland niemand den Film "Inception" verstanden. (Der mit den vielen Traumebenen und Bewusstseinarchitektur!) Alkohol und auch Hopfen=Sedativum = Beteubungmittel zur Vorspielung falscher Realitäten Fortschrittliche Menschen verzichten auf Alkohol! |
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... ja, freiwillig!
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zur Vorspiegelung falscher Realitäten muss man weder Drogen noch Alkohol konsumieren... und was vorher schon nicht da war kann man auch nicht amputieren.
Und wenn ich ein Dogma hören oder frömmeln will gehe ich in die Kirche. |
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Was mich am Meisten wundert, ist, dass da Menschen für ihr Recht auf Trinken (Alkohol) in der Straßenbahn kämpfen.
Ich habe noch nie in öffentlichen Verkehrsmitteln Alkohol getrunken und wäre auch nie auf die Idee gekommen. Ich hatte zwar auch meine beinahe Alkoholiker Phasen, aber sooo süchtig war ich selbst da nie. |
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Das würde mich interessieren: Wie sahen denn diese "Beinahe Alkoholiker Phasen" aus? Wo fängt es an? Wenn man sich abends als erstes zuhause ein Glas Wein eingießt? Und das jeden Tag?
Wenn man alleine und nicht nur in Gesellschaft trinkt? Bei den Franzosen ist das Glas Wein schon mittags ja selbstverständlich... |
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Es fängt dann an, Frau Leinkauf, wenn es nicht ohne Weiteres sein lassen kann, "... sich abends als erstes zuhause ein Glas Wein einzugießen? - Und das jeden Tag nicht lassen kann.
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schrieb am
15.12.2011 um 13:19
Diese Fragen würden uns dann ein wenig vom obigen Thema abbringen.
Die eigentliche Frage ist doch: Haben Leute, die meinen, sie müssten in der Bahn Alkohol trinken, ein Alkoholabhängigkeitsproblem, oder sind das nur Zwangsstörungen? Oder ist es nur die Angst, dass der zu Hause angetrunkene Pegel (=> Vorglühen) ohne Getränk in der Bahn zuschnell wieder sinkt? Mit anderen Worten: Die Angst ein wenig zu nüchtern durch die Welt zu wandeln? Ich weiß nicht, ob man das nun verbieten soll oder nicht, aber noch vielweniger weiß ich, warum man in der Bahn unbedingt Alkohol trinken dürfen will. |
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Es wäre einen Versuch wert:_)
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schrieb am
16.12.2011 um 14:47
Was genau, wäre einen Versuch wert?
Die Erörterung wann Alkoholismus anfängt? Ich glaube nicht, dass das zielführend wäre, das gäbe eher eine recht fruchtlose Endlosdiskussion. |
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"Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen." - Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, A 135/ B 174
Irgendwie muss Hebbel das gelesen haben, Frau Leinkauf: "Es ist unglaublich, wieviel Geist in der Welt aufgeboten wird, um Dummheiten zu beweisen." - Friedrich Hebbel, Sämtliche Werke: Tagebücher, 3. Band. 4070 (1847). Hist.-krit. Ausgabe besorgt von Richard Maria Werner. Zweite Abteilung. Neue Subskriptions-Ausgabe, 3. unv. Auflage. Berlin: Behr, 1905. S. 216. books.google.com-USA* |
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"Verbotskultur" ist zu schön, schöner und "ethischer" noch als "Kulturverbot".
Der geniale Philippe Muray schreibt in seinem "Empire du Bien": "Nicht wegen der realen Gefahr des Lungenkrebs' werden die Raucher immer gnadenloser verfolgt; was die Unterdrückung zuallererst motiviert, ist die LUST ZU UNTERDRÜCKEN, vielleicht die letzte, die uns bleibt..." |
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schrieb am
15.12.2011 um 17:03
Man kann diesen Quatsch eigentlich wirklich nicht mehr hören! Ich kenne diesen "genialen Philippe Muray" zwar nicht, aber nach diesem primitiven Muster argumentieren momentan ja viele. Was soll das?
Es ist ganz einfach Schutz der Schwachen, stupid! Ich habe es in meinem Berufleben oft genug erlebt, dass sich bei Meetings Menschen direkt neben mir ganz schamlos eine Zigarette angezündet haben. Ich finde das überhaupt nicht lustig! (Glücklicherweise hat sich da ja etwas geändert, aber da muss man sich von Leuten wie Ihnen dann diffamieren lassen). Was für ein horrender Mist: LUST ZU UNTERDRÜCKEN. Betrifft mich nicht, basta. Aber ich will trotzdem nicht vollgequalmt werden, oder von besoffenen oder bekifften Mitmenschen belästigt werden. Ist das wirklich zuviel verlangt? |
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schrieb am
15.12.2011 um 18:17
"Aber ich will trotzdem nicht vollgequalmt werden, oder von besoffenen oder bekifften Mitmenschen belästigt werden. Ist das wirklich zuviel verlangt?"
nein, überhaupt nicht! wenn das rauchen, das saufen und das kiffen denn endlich mal flächendeckend verboten ist, können wir anständigen uns gemeinsam daran machen, unsere schönen büros, städte und dörfer auch von allem anderen tugendfernen menschlichen unrat zu befreien. ich will zum beispiel an meinem wohlverdienten feierabend, wenn ich nach hause gehe, keine zigeuner, bettler, strassenmusikanten oder andere elendsgestalten sehen. und da ich von genau dem selben schlage wie du bin, drdoubt, VERALLGEMEINERE ich mal eben MEINEN persönlichen STANDPUNKT zu einem GEBOT der öffentlichen ORDNUNG - also werden demnächst zigeuner, bettler, zupfgeigenhanseln und andere abweichende elemente entweder gleich abgeführt oder halt per strafzettel zur änderung ihres verhaltens "bewogen". privat können die ja meinetwegen weiter betteln, geigen und zigeunern, dagegen habe ich nix. sind denn schöne, saubere innenstädte zuviel verlangt? ......... eine schöne kritik der repressiven liberalität hast du da geschrieben, drdoubt (oder meinst du den scheiß, den du so offenherzig verzapfst, doch ernst?). |
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schrieb am
15.12.2011 um 21:25
Auf so einen unsachlichen Mist werde ich nicht weiter eingehen. Sie haben meinen Beitrag überhaupt nicht verstanden.-
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schrieb am
15.12.2011 um 22:18
"Sie haben meinen Beitrag überhaupt nicht verstanden."
das liegt daran, dass dein nun auch noch zum "beitrag" hochstilisierter billiger rant einfach nur hanebüchener mist ist, wenn man mal genau hinschaut. oidhche mhàth! |
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Der Johannes Calvin hätte seine helle Freude an den Tugendbolden.
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Im Zweifel für DrDoubt. Wenn er so schreibt, hat er sich wohl echt geärgert.
It's a text, stupid. Den sollten Sie richtig und vollständig lesen: Der geniale Philippe Muray schreibt von der "Lust zu unterdrücken" und fährt fort: "...vielleicht die letzte, die uns bleibt." Dahinter steckt ein ziemlich moralischer Ansatz, der Ihnen eigentlich entgegenkommen sollte, denn ich lese in Ihren Äußerungen etwas Nostalgisches. Muray kritisiert ganz wie Sie die selbstverständliche Instantbefriedigung des von ihm so genannten Homo festivus im Posthistoire - in welcher Form auch immer. Und als Pointe (der Zigarette) ergibt sich dann, dass dieser Homo festivus sich aus Einsicht ins vermeintlich Gute Verzicht auferlegt (z.B. Rauchverbot) - nur: mit dem Triebverzicht ist es bekanntlich so eine Sache. Und siehe da: man beginnt die "Uneinsichtigen" zu unterdrücken, die die immer noch Genuss einfordern - natürlich mit guten völlig rationalen Gründen, versteht sich: Gesundheit, Krankheitskosten, Minderheitenschutz. Und man beginnt, die alten Mehrheiten, die neuen Minderheiten, als "schamlos", "besoffen" und "bekifft" wahrzunehmen. Fühlt sich "vollgequalmt" und "belästigt". Und von Menschen, die verstehen wollen, woher dieses ziemlich plötzliche Verbotsbedürfnis kommt, "diffamiert". Basta! |
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Naja, solche rechtspopulistischen Verbote werden wohl kaum verhindern das in Bahn und Bus weiter getrunken wird. Im Zweifelsfall wird der Alkohol eben in eine Limonadenflasche gefüllt und schon ist dieses blödsinnige Verbot umgangen.
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Das Alkoholkonsumverbot ist Teil der Netiquette (Beförderungsbestimmungen) der MVV GmbH. Wer sich nicht daran halten will, darf nicht mitfahren.
Scheinheilig ist das nicht. |
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Wenn es um Kant, das Modell des wahren Menschen, geht, fühle ich mich zum Kommentieren gedrängt. Somit schaue ich noch mal nach in diesem vergessenen Werk "Die Anthropologie in pragmatischer Hinsicht" nach.
Dort definiert Kant zwei Formen des Egoismus: Zum einen den Egoisten, der sich nicht um das Urteil der Anderen kümmert, er setzt sein Verhalten ausschließlich nach eigenem Ermessen; im konkreten Fall, ob mein Konsum an für mich lustbringenden körperlichen Einnahmen, sei es Food oder Alkohol oder sonst was (etwa Nasenbohren) ist meine Entscheidung. Die Tatsache, dass es andere stört, ist mir egal, denn es ist mein Recht aus mir selbst mein Verhalten zu begründen, eine Rechtfertigung vor der Gesellschaft sei es nur in Form von wenigen S-Bahnmitfahrern erübrigt sich. Der andere Typus orientiert sich an der Wirkung, er ist reflektorisch angelegt. Nun neigt die bürgerliche Gesellschaft am zweiten Modell, weil zivilatorisches Verhalten nützlich ist. Aber auch nur in Maßen, wie es uns Strinberg, der Beobachter des tatsächlichen Verhaltens, gezeigt und beschrieben hat, der Hang zum Besäufnis und zum Aufjagen der Frauen wird in kontrollierter Form gehandhabt. Nun kommt der kluge ins Spiel, was darf ich tun, was muss ich lassen, was kann ich hoffen? Allora, signora Kant - das sind die Fragen! |
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Aufschlussreich...
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Der Grund war simpel: In einem Kommentar hatte ich von dem Glück geschwärmt, in Berlin zu leben. Da könnte man in der S-Bahn noch straffrei ein Bier trinken. Protest schoss dieser Meinung entgegen, wie könne man das Gepöbel, die Ausfälle gutheißen, all das was Besoffene verursachen könnten, nachts, im öffentlichen Verkehr.
Das Problem scheint mir darin zu liegen, daß viele Leute überhaubenz keine Vorstellung nicht davon haben, wieviel Alkohol ein leidlich trinkgewöhnter S-Bahn-Pöbler braucht, um betrunken, also pöbelreif zu werden. Berlin ist zwar groß, die S-Bahn-Fahrt kann also gegebenenfalls einige Zeit dauern... Trotzdem. Wenn du als krawallentschlossener S-Bahn-Pöbler nüchtern in die S-Bahn einsteigst, dann brauchst du mit Bier gar nicht erst anzufangen, es wäre denn, du hättest einen ganzen Kasten (20 Flaschen à 0,5 Liter) bei dir. Nun hat allahlob ein spanischer Maure im süditalienischen Salerno so umra 1200 rum die Destillation von Weingeist erfunden. (Die Geschichte ist wirr, ich weiß, nichtsdestotrotz ist sie wahr.) Mit einer Flasche allerfeinsten Wodkas, die der S-Bahn-Pöbler meinetwegen in Spandau erworben hat und die er sich nun relativ rasch ins Hirn stößt, könnte es ihm gelingen, bis zum Bahnhof Friedrichstraße hinreichend Alkohol im Blut zu haben, um nun mit der Pöbelei zu beginnen. Da aber muß er schon wieder aussteigen. Schluchzend wird der Pöbler zum Alexanderplatz wanken, um dort weinend zusammenzubrechen. Was ich damit sagen will? Die hier und andernorts gerne (und zurecht) beklagten Pöbe- und Ferkeleien in öffentlichen Verkehrsmitteln kommen nicht daher, daß die Leute sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln zurechnungsunfähig saufen. Diese Leute kommen bereits ange-, bzw. besoffen in die S-Bahn und können sich dort mit ein bisserl Alkohol allenfalls geringfügig updaten. Was ich damit wiederum sagen will? Man hat ein Problem und man sucht dieses Problem dadurch zu lösen, daß man es verbietet. Klappt ganz hervorragend beim Heroin. Heroin ist gefährlich, zweifellos, also verbietet man diesen Stoff und - schwuppdi - gibt es kein Problem mit dem Heroin mehr. Du kommst in eine Kneipe, wirfst ein Beutelchen Heroin auf den Tisch und frägst, ob das einer haben will. "Ey, rasend gern, Alder", sagt dir einer, "aber das Zeug ist verboten, weißt du." Resigniert schmeißt du das Zeug ins Klo und die Leute wundern sich in den nächsten Tagen, daß die Ratten im Viertel so merkwürdig drauf sind. Die Problemlösung durch Konsumverbot in den Öffentlichen Verkehrsmitteln erinnert mich ein bisserl an einen alten Witz: Im Lichtkreis einer Straßenlaterne sucht ein sichtlich betrunkener Mann mit großem Eifer den Boden ab. Ein des Weges kommender Passant frägt, was er verloren habe, bietet Hilfe an. - "Ein Fünfmarkstück", klagt der Betrunkene, "muß mir beim Pinkeln da hinten", er deutet auf ein entferntes, dunkles Stück des Weges, "aus der Tasche gefallen sein." - "Aber warum", frägt der Passant irritiert, "suchen Sie dann hier und nicht dort hinten?" - "Na, Sie sind gut. Dort hinten ist es zum Suchen doch viel zu dunkel." Eine Verbotskultur greift um sich im öffentlichen Raum. Aber: Wem gehört der eigentlich? Den Verkehrsbetrieben? Oder den Nichtrauchern? Das Rauchen in Bars und Kneipen zu verbieten war seltsam unlässig, aber in Ordnung, es schadet anderen. Das ist 1 Mythos. Gut, daß im Speiselokal nicht mehr geraucht werden darf, schätzt sogar ein alter Raucher wie ich. Aber... In Bayern gilt, seitdem Sebastian Frankenstein mit seinem Volksbegehren durchgekommen ist, ein striktes Rauchverbot in allen Lokalen. Seitdem darfst du dir selbst in der allerschrägsten Bierdimpflkneipe, in die eh bloß Raucher gehen, keine Zigarette mehr anzünden. Ich mein, daß man bei McDonalds nicht auf den Tischen ficken darf, geht ja in Ordnung. Aber deswegen auch das Ficken im Puff zu verbieten? Ja, lachts nur. Es ist dieselbe Logik. Nach den Münchner Vorfällen sollen nun aber sogar im offenen Berlin die Kontrollen verschärft werden. Dort gibt es noch gar kein Alkoholverbot. Es ist umgekehrt. Gerade in der Tram ist das Biertrinken zur metropolitanen Fahrkultur geworden. "Biertrinken als metropolitane Fahrkultur"? Ich mein, in Baiern hat man es immer schon vermutetet, daß der Berliner als solcher ein bisserl wirr im Hirn ist. Dieses ständige Icke-Sagen muß ja Spuren hinterlassen, wa? Aber so weit würd in Baiern (man hat ja 1 Anstand) nicht mal die Bayernpartei gehen. Ciao Wolfram |
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Es trifft ja zu, dass man von Spandau bis Westkreuz so nach 22 Uhr zwei drei Herren antrifft, die sicht nicht an einem Griff sondern an einer Flasche Bier festhalten und auch mal daran nuckeln. Dabei gucken sie irgendwie deprimiert vor sich hin. Die Flasche brauchen sie nicht zum Nachfüllen, sondern a) sich modisch zu verhalten, b) die Zeit hinter sich zu bringen oder d) um sich halt an irgendwas festzuhalten in der als trübe wahrgenommenen Welt.
Ihr Anteil? Schwankt nach Tages- / Jahreszeit - aber mehr als 5 % sind es nicht. Also warum aufregen? Wenn jugendbewegte Gruppen auftauchen, kann der Anteil höher sein, vielleicht weil fast jeder und jede was in der Hand hält und man öfters nuckelt. Das ist dann Gruppenverhalten. In der Gruppe muss man lustig sein und da ist der Druck einfach höher. Als andauernder S-Bahnfahrer weiß ich was ich schreibe. Es sind die beliebten Übertreibungen und da wird eine S- oder U-Bahnfahrt schon mal zum Horrorerlebnis gemacht. Man kann sich auch an Falschmeldungen "besaufen", ist nicht viel besser als das reale Schlucken, sondern eine andere Art von geistigem Getränk und ist sehr nahrreich für den Entrüstungshaushalt, ohne den man als tiefsinniger Überschauer und Interpreter der Welt schlechterdings nicht weiterleben kann. |
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@Zeitleser
Die Flasche brauchen sie nicht zum Nachfüllen, sondern a) sich modisch zu verhalten, b) die Zeit hinter sich zu bringen oder d) um sich halt an irgendwas festzuhalten in der als trübe wahrgenommenen Welt. Gemach, gemach. Wo bleibt Alternative c), lieber Zeitleser? Wenn jugendbewegte Gruppen auftauchen, kann der Anteil höher sein, vielleicht weil fast jeder und jede was in der Hand hält und man öfters nuckelt. Das ist dann Gruppenverhalten. In der Gruppe muss man lustig sein und da ist der Druck einfach höher. Das ist mir bei meinen letzten Besuchen in Berlin aufgefallen, dieses Sich-Festhalten an einer Flasche, sei es Bier, Alko-Pop, Schnaps oder auch nur Cola. Ständig triffst du diese Leute, die eine offene Flasche in der Hand halten, selten nehmen sie einen Schluck, aber die Flasche ist allgegenwärtig. Nuckel, nuckel. Die Milupa-Generationen sind erwachsen geworden, nie haben sie in ihrer Kindheit die Erfahrung des Saugens an einer richtigen Mutterbrust machen dürfen. Kautschukschnuller statt milchpraller Mutterbrust. "Mädels, hört zu, mit euren Mickertitten schafft ihr es niemals, ein Kind über die ersten Monate zu bringen", das hat man den Frauen eingeredet, weil man Babynahrung verkaufen wollte, die in wesentlich besserer Qualität von der Evolution geliefert worden wäre. Ciao Wolfram |
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Nuckeln und nuckeln lassen - das ist hier die Frage. In Brüssel waren mal vor Jahren über Nacht große Plakte geklebt worden: Man sah eine junge, frische Schönheit mit Aktentasche vorbeihuschen und darüber stand: No sex, no drugs - seulement Perrier.
Auf Druck des Erzbischofs von Brüssel mussten sie wieder nach wenigen Tagen entfernt werden, was besagt, dass die Kirche doch etwas sinnfälliges tut. Jedenfalls sieht man keine nuckelnden Herren in der U-Bahn sitzen. |
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@Zeitleser
Man sah eine junge, frische Schönheit mit Aktentasche vorbeihuschen und darüber stand: No sex, no drugs - seulement Perrier. Du meine Güte, Mineralwasser als Gipfelpunkt sinnlichen Genusses. Soweit wird's auch noch kommen. Ciao Wolfram |
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Ich genieße, also bin ich... neee, Quatsch... so würde Kant sagen: Genieße so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.
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Ne, ne mein Lieber, das Plakat wollte besagen, dass der höhere Genuss der ist, den Marsch durch die Institutionen - Geschäftswelt - erfolgreichst zu bestehen und dass das Einnahmen von Wasser dabei mehr hilft als das von Bier etwa.
Ich habe das auch mal sehr direkt erlebt. Nach einem meeting gingen wir noch ins Kaffee und jeder bestellte etwas, Glas Wein, Glas Bier - doch einer - das war der hoffnungsvolle junge Wissenschaftler, der zur Anstellung vorgesehen war - trank ziemlich schnell aus und bestellte sich ein zweites Bierchen als schon an Beendigung der nachberuflichen Geselligkeit gedacht wurde. Diese Bestellung war fatal für ihn, denn der Postenvergeber war ja auch dabei. Mit etwas abseitigen Getränken kann man sich auch lächerlich machen: Nach einem Meeting gehen wir - zu Karnevalszeiten zudem - in die stadtbekannte, gemütliche Lokalität, unter uns unsere Gäste aus Frankreich. Und was bestellt unser so gut wie Alain Delon aussehende Freund aus Paris - und dies in hochlustig-rheinischer Stimmung rundherum: Ein Glas warmer Milch. Er war der Held des Abends und zu seinen Ehren wurde gleich eine Polonaise veranstaltet. Was mich zur Überlegung bringt, ob in den Bahnhöfen der Berliner U- und S-Bahnen nicht Milchbarkioske - mit obligatorischer Inanspruchnahme gegebenenfalls - aufgestellt werden sollten. Übrigens die Dame auf dem Plakat huschte vorbei, sie hatte also Tempo drauf, was für alle Erfolgreichen in einem modernen, urbanen, hochproduktiven Kontext zumal zutrifft. Ganz im Gegensatz zu den müden vor sich hinschlurfenden urbanen Biertrinkern wie auch den Bewohnern ländlicher Räume ganz allgemein. Wenn somit Wasser und Milch modisch werden sollten, so dürfte Berlin bald die Eigenschaft "arm" überwinden können, und "sexy" könnte nachhaltig gestärkt werden. Der Landesvater könnte und sollte hier beispielhaft vorangehen! |
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Vermutlich hat der Brüsseler Erzbischof auch so gedacht wie Sie, in so weit das Genussleben mehr sein sollte als Wassertrinken.
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Die Katholiken verstehen halt noch was vom Genuss.
So ein perriergedopter protestantischer Arbeitsethos ist nur was für Masochisten und Soziopathen. |
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Lag es nicht auch in der Freiheit des Einzelnen, in der Zeit wo das Trinken in S-Bahnen noch erlaubt war, zu den Pöblern rüber zu gehen und Ihnen zu sagen: "Hey, durch das Ausleben deiner Freiheit schränkst du die Freiheit deiner Mitmenschen ein, denk da mal drüber nach."?
Wie soll das funktionieren bei Menschen, die niemals gelernt haben, ihr Verhalten zu reflektieren? Menschen, die ihr einkonditioniertes Ellbogendenken dann in einem Extrem kanalisieren? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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