Alltag

Alltagsdialoge | 23.01.2012 11:31 | Gina Bucher

"Revolution hin oder her"

In Café, Bus oder Bio-Laden: Das Leben bietet eben die besten Dialoge. Immer montags gibt es die Ausbeute der vergangenen Woche. Heute: Politisch korrekte Schnäppchenjagd

 

Szene 1

Ort: An der Kasse eines größeren Bio-Ladens

Anwesend: Kundinnen, eine Kassiererin

Mitgehört

Die Kundin vor mir linst auf meine Einkäufe und fragt neugierig: "Aha, Olivenöl aus Tunesien."

Ich, verlegen: "Ja."

Die Kundin neugierig zur Kassiererin: "Wie viel kostet das denn?"

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Ich, beschämt: "Ehrlich gesagt ist es das billigste. Aber ich dachte Tunesien, Revolution und so – muss man unterstützen, nicht?"

Die Kundin: "Ja, stimmt doch. Gute Sache."

Ich: "Naja, 4,50 Euro ist verdammt wenig für ein Olivenöl. Die andern kosten doppelt so viel. Da frage ich mich dann doch, ob die auch wirklich daran verdienen. Revolution hin oder her."

Die Kundin: "Da ist das Leben ja auch günstiger."

Ich: "Auch wieder wahr. Deshalb habe ich es wohl gekauft."


Szene 2

Ort: Bei der Arbeit

Anwesend: Arbeitskolleg_innen

Mitgehört

Der Chef, heiter: "Hier, eine Aufgabe für dich."

Die Arbeitskollegin, pragmatisch: "Hier auf diesen Stapel, bitte – dankeschön."

Der Chef hält einen Monolog über den Hintergrund der Aufgabe.

Die Arbeitskollegin schneidet ihm das Wort ab: "Bis wann?"

Der Chef, locker: "Bis 11."

Die Arbeitskollegin seufzt: "Das wird dann aber eng mit ... "

Der Chef wendet sich ab: "Ich habe vollstes Vertrauen in dich, dass du das alles mit links hin kriegst."
 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Technixer schrieb am 23.01.2012 um 12:30
"Bis 11." --> "Das wird dann aber eng mit ... " --> "Ich habe vollstes Vertrauen in dich, dass du das alles mit links hin kriegst."
@ Chefe, erstmal zuhören! Burn-out lässt grüßen...
Beim Freitag geschehen?
Gina Bucher schrieb am 23.01.2012 um 16:34
Entwarnung: Nicht beim Freitag passiert. Obwohls natürlich möglich wär…
Technixer schrieb am 23.01.2012 um 17:46
Die Frage war auch als Anspielung gemeint.
Der Freitag hat ja, quasi als corporate design diesen familiären Touch. Guerilla Marketing vermengt mit "we are family" so wie sich auch der Apfel vermarktet, obwohl es dort überhaupt nicht familiär zugeht.
eineBeitragerin schrieb am 24.01.2012 um 11:18
Jetzt kann man sich natürlich fragen, wie die CSR-Strategien (Corporate Social Responsibility) der Konzerne und Firmen in uns auffindbar sind. Vermeintlich verantwortungsvolles Wirtschaften, also ökologisch und sozial korrekt, kann in Verbindung mit der Leichtigkeit des Konsums möglich werden. Oder vielleicht doch nicht so einfach? Ich selber fühle mich ertappt (gute Sache), denn beim Kauf von Gartenmöbeln, auf welche mich ein in Strickkleidung gewandeter, nicht atomfreundlich barttragender Nachbar ansprach, habe ich recht schnell improvisiert: "Möbel topp und noch mit Zertifikat, nachhaltig und so..." und eigentlich haben sie mir nur gefallen
eineBeitragerin schrieb am 24.01.2012 um 11:22
Ach du meine Güte, die Ungeduld mit dem PC ist Schuld, nein keine 4 Kommentare, nur einer, sorry! (Wegmachen geht nicht?)
Daniel Windheuser schrieb am 24.01.2012 um 11:27
Zur Zeit noch nicht vom Kommentator selbst, dies aber bald! Ich lösche mal entsprechend, ja?
Gina Bucher schrieb am 25.01.2012 um 09:56
Schade – ich hatte mich schon über die vielen Kommentare gefreut… :)


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