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Kultur : Easy going

Am heutigen Freitag ist Weltjogginghosentag. Grund genug für eine kleine Betrachtung des Beinkleids als Sportkleidung, Uniform des Fernsehtrashs und Must-Have der Zeit

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Am 20.Januar ist der internationale Tag der Jogginghose. Es wird aufgerufen, in ebendieser ins Büro zu gehen. Nach der Notwendigkeit für einen solchen Tag zu fragen, wäre möglich, aber sinnlos. Fakt ist: Die Jogginghose hat sich, auch wenn sie zeitweise eine schmuddelige Schattenexistenz fristete, eine gesellschaftliche Präsenz erschlichen, die fast mit der der Jeans mithalten kann. Entstanden als funktionelle Sportkleidung tauchte sie in den späten 1970er Jahren erstmals verstärkt auf der Bildfläche auf, und je populärer die Jogging-Bewegung wurde, desto omnipräsenter wurde auch die bequeme, weit geschnittene Hose.

Schon bald entdeckten auch auf Müßiggang spezialisierte Menschen den Gemütlichkeitsfaktor des Kleidungsstücks. Unter HipHop-Musikern erfreuten sich „joggers“ wachsender Beliebtheit, wobei zunehmend auf große Markennamen wie Nike, Adidas oder Puma Wert gelegt wurde. Ende der 1980er Jahre war die Jogginghose modisch so etabliert, dass man selbst auf dem Schulhof damit punkten konnte. Doch der mit der deutschen Wiedervereinigung einhergehende Anstieg der Arbeitslosenzahlen bescherten der Buxe einen erheblichen Imageverlust. Sie galt als Kleidung derer, die auf Sozialstaatskosten zu Hause abhängen, und auch in Amerika wurde sie zunehmend als Uniform des „White Trash“ wahrgenommen, der sogenannten weißen Unterschicht.

Talkshowinventar und Hotelerbinnen-Kleidung

Exemplare aus sogenannter Ballonseide – glänzendem Nylon – beherrschten bald das komplette deutsche Privatfernsehen, welches 1995 zu gefühlten 98 Prozent aus Talkshows bestand. 1996 veröffentlichten die Spice Girls ihre erste Single „Wannabe“, und zwei von ihnen trugen im dazugehörigen Video Jogginghosen. Mel C. alias „Sporty Spicy“ trat zu Beginn der Bandkarriere ausschließlich darin auf, und eine neue wilde Mädchen-Generation übernahm ihren Look. Kurz darauf erschien eine damals noch recht unbekannte Hotel-Erbin namens Paris auf der Society-Bildfläche, und neben lächerlichen Schoßhündchen wurden Trainingsanzüge aus plüschigen Materialien in allen erdenklichen Pastelltönen ihr Markenzeichen.

Weibliche Hollywoodstars trugen auf einmal in ihrer Freizeit Jogginganzüge, und die Marke Juicy Couture und ihr charakteristischer Schriftzug, direkt auf dem Pilates-gestählten Po platziert, waren auch bei durchschnittlichen deutschen Großraum-Disco-Gängerinnen bald ein Must-Have. Fortan stand die Jogginghose nicht mehr für Faulheit, sondern für Jet-Set-Glamour, man trug sie zum Work-Out, ins Nagelstudio oder zum Brazilian Waxing. Mittlerweile gibt es unzählige Designer, die seit Jahren an der Salonfähigkeit der Jogginghose arbeiten, und hippe Kaufhausketten wie Asos und Topshop bieten dutzende Modelle an.

Ob es angesichts dessen nicht lustiger wäre, am Jogginghosentag ein Lidl-Modell zu tragen, die Frage sei zumindest mal in den Raum gestellt.

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