Alltag

Kampagnenkritik | 01.02.2012 11:39 | Klaus Raab

So läuft das heutzutage

Rätsel der Woche: Wofür könnten eine Grünen-Politikerin, eine Pistole der Marke Walther PPK sowie ein deutscher Waffenlobbyverein wohl gemeinsam eine Kampagne machen?

Wow, da hat sich der Luxusartikelhersteller Hermès aber wirklich was einfallen lassen, um eines seiner Produkte zu bewerben: einen doppelten Spin um zwei Aufmerksamkeitsachsen quasi, umgesetzt in Zusammenarbeit mit einer prominenten Grünen-Politikerin und einem Lobbyverein, für die auch gleich noch ein wenig Beachtung abfällt.

Aber der Reihe nach: „Prolegal“, eine Interessengemeinschaft für privaten Waffenbesitz, behauptete auf ihrer Homepage, die Grüne Claudia Roth trage Gerüchten zufolge eine Pistole des Typs Walther PPK in ihrer Handtasche. Die Bundesvorsitzende einer Partei, die Ausläufer im Pazifismus hat, darf solche Behauptungen natürlich nicht stehen lassen: „Prolegal“ musste die Behauptung aus dem Netz nehmen.

Die Zahnpasta aber war da bereits aus der Tube: „Prolegal“ tauchte nun in den Medien auf – zumal der Verein Roth nicht irgendeine, sondern James Bonds Lieblingswaffe untergejubelt hatte, was medial mit den entsprechenden Reizwörtern aufbereitet wurde („Claudia Bond“). Volltreffer für die Waffenlobby: Man sprach über sie.

Der nächste Stich ging dann an Roth: Sie reagierte mit jener sympathisch-herben Note aus Ekel und Selbstironie, die potenzielle Grünen-Wähler durchaus zu schätzen wissen. In einer Fraktionssitzung sagte sie, sie habe tatsächlich lange „eine gefährliche Waffe“ in ihrer Tasche gehabt: das Parfüm „Opium“. Mittlerweile habe sie aber „abgerüstet“ und nutze nun „Terre d’Hermès“. Und bamm, da war es! Die Kampagne war am Ziel. So läuft das heutzutage.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Red Bavarian schrieb am 01.02.2012 um 14:35
Die Kunden sind da: 'ZDF-Umfrage: Deutsche wollen Geheimdienst-Morde zur Gefahrenabwehr'. Die Deutschen Geheimdienste sind erstens zu teuer, zweitens zu stümperhaft, wie man nun sieht. Die stramme Deutsche Jugend soll sich erstens ihre Waffen selber kaufen, zweitens ist sie im Killerspielen auch besser.

Die Linke Jugend ist leider nicht mehr geübt mit Waffen, ist schließlich schon lange her mit RAF und so. Deshalb etwas Größeres als eine Pistole: 'Die Waffe der Superlative'.
Gustlik schrieb am 01.02.2012 um 16:34
Somit ist Klaus R. Teil der Zahnpasta.
memyselfandi schrieb am 01.02.2012 um 18:02
Gegenfrage: Welche deutsche Wochenzeitung, deren Verleger noch jüngst sagte eine PARTEInahme für eine Partei oder gegen eine wäre einem guten Journalismus abträglich, nutzt so fast jeden Text, um auf die Grünen und deren "potenzielle" Wähler einzuhauen, oder weniger subtil, lässt Die Linke hochleben? Da hammwa den Salat.
Klaus Raab schrieb am 01.02.2012 um 22:30
Liebe/r memyselfandi,
...

... ach, wissen Sie was: gar nichts.
Red Bavarian schrieb am 02.02.2012 um 10:28
@memyselfandi: Eine parteimäßige Frage: Welche Partei aus dem "Trio" Die Linke, SPD, Bündnis90/Grüne bietet immer wieder Zweier- oder Dreierkoalitionen an, und welche Parteien daraus lehnen diese immer wieder ab?
Red Bavarian schrieb am 03.02.2012 um 11:11
Weiteres apropos aparter Werbung: Kristina Schröder macht praktisch Werbung für das Neue Deutschland (das linke!). Siehe den ND-Artikel 'Schröders Least Wanted' und den Lafontaines Linke-Artikel 'Schröder extrem'.


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