Andreas Kemper

Blog von Andreas Kemper

14.01.2012 | 04:26

Web goes on Strike!

Für den 18.01.2012 haben zahlreiche Internet-Plattformen einen Streik gegen das SOPA-Gesetz angekündigt. SOPA ist ein geplantes us-amerikanisches Gesetz, welches Urheberrechtsverletzungen unterbinden soll, tatsächlich aber weitreichende Konsequenzen für die Freiheit des Internets hat. Der Freitag berichtete diese Woche bereits über SOPA. Neben Reddit und Mozilla ist unter anderem das derzeit äußerst beliebte Minecraft  bereit, am Mittwoch die "Maschinen abzustellen". Auch Wikipedia zeigt sich verärgert und besorgt über das geplante Gesetz. Auf seiner Benutzerseite startete der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales eine Umfrage. Über 89 Prozent befürworten den Streik. Im deutschsprachigen Wikipedia sind über 80 Prozent für Protestmaßnahmen und Unterstützung der Aktionen von Wikipedia.en. Sehr wahrscheinlich wird demnächst auf allen deutschsprachigen Wikipedia-Seiten ein Protestbanner zu finden sein. Wikipedia.de unterstützte vor kurzem noch mit über 800 Solidaritätsunterschriften den Streik der italienisch-sprachigen Wikipedia gegen ein Zensurgesetz Berlusconis. Der Streik zeigte eine sehr deutliche Wirkung. Auf diesen Erfolg bezieht sich der drohende Streik der englischsprachigen Wikipedia.

Es ist mehr als zehn Jahre her, als Toni Negri und Michael Hardt den Theorie-Bestseller "Empire" herausbrachten. Hier beschrieben sie die "Multitude" als neue politische Klasse mit Kommunikations- und Wissensarbeitern an Computern und im Internet als Speerspitze. Dies mag übertrieben gewesen sein. Dennoch politisiert sich die Wikipedia-Community, sei es durch das WikiWomenCamp in Argentinien oder durch den nun anstehenden zweiten Streik in Folge.

 
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Kommentare
ebertus schrieb am 14.01.2012 um 12:42
War es wirklich "übertrieben", ebenso wie Immanuel Wallersteins "Weltsystem"-Theorie?

Oder sind "wir" einfach nur zu ungeduldig, erwarten die "eins zu eins" Ablauf- und Handlungsanweisung?

Soziologische Denker haben -und wohl nicht zu Unrecht- wieder Konjunktur, es muss ja nicht immer der olle Marx sein, bestenfalls die "Neue Marx Lektüre" - aber nicht antideutsch und staatstragend verkürzt, sondern eher die im Sinne eines Robert Kurz. Und natürlich Hannah Arendt, auch wenn Negri (dito Kurz) sinngemäß und übereinstimmend feststellen, dass Arendt streckenweise einer "antikommunistischen Westintegration" beratend zur Seite stand - was meiner Meinung nach lediglich sehr eingeschränkt gültig ist.

Schlußendlich und weil die Grünen sich ebenfalls in staatstragende, systemstabilisierende Sphären verabschiedet haben, die Linken nicht weniger realogetrieben dem Arbeiterbewegungsmarxismus frönen, bleiben aktuell nur noch die Piraten als parlamentarischer Arm einer durchaus heterogenen, außerparlamentarischen Multitude.
Andreas Kemper
Mich interessieren die Themenbereiche * Diskriminierung - insbesondere Klassenspezifische Diskriminierung * Genderforschung * Erkenntnistheorie (Fragen zur Virtualität) * Utopien * Entwicklung der Wissensplattformen im Internet (Wikipedia, Google-Knol) * Anarchismus
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