archinaut

nirgends.......... sicher... nie

09.12.2011 | 23:54

Banknot

 

Dieser Blog kommt aus der Zukunft. 09.12.20??

Die Goldene Kanzlerin und Sar-Kozy sitzen in einem Café am Ufer des Genfer Sees, betrachten den bleigrauen Wasserspiegel und erinnern sich an die letzten Tage des Euros. Sar-Kozy rührt versonnen in seiner Kaffeetasse und folgt mit den Augen den Leuchtspuren am Rand der Untertasse. Die wilden Zeiten sind vorbei.....

In der letzten Nacht, so beginnt die Goldene Kanzlerin und wählt die Worte sorgfältig, hatte ich große Schwierigkeiten. Ich war allein in einem kleinen Boot auf dem Meer, weit fort von allen Küsten der Welt. Es wurde langsam dunkel, und zu meinem Erschrecken bemerkte ich, dass das Wasser rings um das Boot stieg, und zwar in einer Geschwindigkeit, dass es in einer halben Stunde etwa den Rand des Bootes erreicht hätte. Wie gesagt, es war nicht etwa das Boot, das durch eindringendes Wasser schwerer würde und sänke, nein, die Ursache dieser Erscheinung lag zweifellos in einem Ansteigen des Wasserspiegels rings um das Boot. Natürlich begann ich sofort, draußen Wasser abzuschöpfen, denn bei einem ungehinderten Anstieg des Meeres hätte sich das Meerwasser wohl bald in das Boot ergossen, das die sich stetig mehrende Last hätte tragen müssen, bis es dann wohl gesunken wäre, und hätte es erst einmal fest auf dem Grund gesessen, so hätte ich doch meine liebe Not damit gehabt, es weiter zu bewegen.

Sar-Kozy liebt es, wenn die Kanzlerin ihre Rede über einen Hindernisparcours treibt wie zu einer komplizierten Dressurpflicht.

Das abgeschöpfte Wasser schüttete ich natürlich im Boot aus, und die Folgen meiner Bemühung erkannte ich bald. In der Tat stieg das Wasser nicht weiter an, ja, ich konnte durch meine Ausdauer beim Schöpfen den Wasserspiegel sogar senken. Aber ich sah auch, dass sich das Boot nicht, wie man doch annehmen sollte, aus dem Wasser hob, nein es sank im Gegenteil eher noch tiefer, denn ich musste eine ganze Menge Wasser ringsum abschöpfen und das Boot wurde dadurch erheblich schwerer. Ich musste also das Wasser aus dem Boot herausbringen, wobei ich es natürlich nicht einfach hinausschöpfen durfte, da sich dabei ja der Wasserspiegel draußen wieder gehoben hätte. Also nahm ich meine Axt aus der Tasche und schlug in den Boden des Bootes ein großes Loch, dass das Wasser abfließe. Damit hatte ich auch Erfolg, das Wasser floss schnell ab und in kurzer Zeit trocknete das Boot innen.

Sar-Kozy muss an den Tag denken, an dem die erste Großbank im Euro-Raum kollabierte. Er erinnert sich noch daran, wie sie sich an den Händen gehalten, einander tief in die Augen geschaut hatten und wie sie endlich mit letzter Gewissheit wussten: Die oder wir.

Allerdings war das Wasser rings um das Boot weiter gestiegen, und es hätte in Kürze die Bordkante erreicht. Ich begann wieder hinein zu schöpfen, und zwar mit großer Geschwindigkeit. Bald entdeckte ich, dass das Wasser aus dem Boot nicht schnell genug abfloss, also vergrößerte ich das Loch, erkannte beim weiteren Schöpfen, dass es noch immer nicht ausreichte, und vergrößerte das Loch weiter, bis ich dem kleinen Boot endlich den gesamten Boden ausgeschlagen hatte und nur noch die Bordwände vorhanden waren. Durch mein ausdauerndes Schöpfen wurde ich dem Wasser ringsum Herr und es sank, sodass das Boot beziehungsweise der Rest desselben nahezu eine Handbreit über dem Wasser schwebte.

Sar-Kozy bestellt einen neuen Kaffee.

Und jetzt begann das Boot wieder zu sinken, was mir völlig unerklärlich war, verzweifelt schöpfte ich Wasser hin und her, leider ohne jeden Erfolg, das Boot sank tiefer und tiefer. Als ich selbst mit meinem Kopf schon einige Meter unter die Meeresoberfläche gesunken war, kam mir der Gedanke, den Stil der Axt als Hebel zu benutzen und damit das Boot wieder an die Oberfläche zu heben. Mit der Ausführung dieser Idee hatte ich auch Erfolg, ich schaffte das Boot wieder hinauf. Es stieg von sich aus weiter und verschwand bald zwischen den Wolken. Unglückseligerweise blieb der Stiel der Axt im Wasser stecken und ich blieb an eben jenem Werkzeug hängen und sah mein Boot dort oben verschwinden....

Mit einem verträumten Lächeln verfolgt Sar-Kozy die kleinen Zahlen, die sich unten auf dem Rand der Kaffeetasse jagen: grün leuchten die Dollarzahlen, rot die Rubel und gelb die Rupien. Die Zahlen zeigen an, wie die aktuellen Handelspreise der Kaffeebohnen an den Märkten floaten. 

 

Hier endet der 225. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

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Kommentare
mcmac schrieb am 10.12.2011 um 01:53
In der Tat, eine Bootspartie. Die Bootsverleiher sollten darauf achten, keine Äxte oder Hebel mit an Bord zu geben an Leute, die den Wind und das Wasser nicht, aber das hilflose Rudern und sonst nichts beherrschen.
archinaut schrieb am 10.12.2011 um 23:21
.... da hilft nur eins:

In meiner Badewanne kann mir nichts geschehn....

poor on ruhr schrieb am 10.12.2011 um 11:18
Lieber archinaut,

schön und so zutreffend geschrieben. Vielen Dank. Ein wirkliches Lesevergnügen.

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 10.12.2011 um 23:23
Danke, lieber por,
unter Wasser kommen mir
immer die besten Gedanken...;-))

Herzliche Grüße
in den Westen

sendet archie
Matto schrieb am 10.12.2011 um 19:48
Prima Beitrag, so könnte ich mir durchaus das Handeln der beiden vorstellen. Gebracht hat es bis jetzt jedenfalls sehr wenig.
archinaut schrieb am 10.12.2011 um 23:25
Bei einer feindlichen Übernahme
nützt das Rudern herzlich wenig..... ;-))
Technixer schrieb am 10.12.2011 um 20:22
gern gelesen, ich schließe mich por's kompliment an.
archinaut schrieb am 10.12.2011 um 23:34
Danke für die Komplimente,
freu mich, dass Du hier reinschaust.....
(long time no see....)
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Ichda hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Matto hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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GEBE hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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