archinaut

nirgends.......... sicher... nie

17.04.2010 | 16:23

Dritte Forderung an Utopia

Hör den Chor der Hungrigen. Was erwarten wir von der Stadt unserer Träume? Reichtum!

Ein Knotenpunkt im Netz der Handelswege – eine Furt oder ein Markt, eine Oase, ein Hafen sind Katalysator der Stadtgründung und Motor ihrer Entwicklung. Auf den Marktplätzen einer Stadt spiegelt sich der Reichtum der Umgebung, aber auch Position und Wertigkeit im Netz der überregionalen Handelswege. Jahreszeiten und Fruchtfolge sind  gemächlicher Taktgeber für den Landbau, im Rhythmus der Markttage aber leben die Städte.

Frisches Wasser in den Brunnen, beleuchtete Straßen zur Nacht: Das System Stadt soll Überfluss generieren und verteilen, damit jedem Bürger, jedem Einwohner, auch jedem Neuankömmling der Weg zu Einkommen und Wohlstand offen steht. Im Labor Stadt entwickelt sich die Polyphonie der Arbeitsteilung: Produzenten, Händler und Dienstanbieter exponieren sich im Raum der geschäftlichen Möglichkeiten. Die Behauptung im vorhandenen ökonomischen System und der wirtschaftliche Erfolg der Individuen wird durch Kenntnisse, Engagement und kulturelle Sensibilität ermöglicht und verstetigt.

Wird die Existenzsicherung des Einzelnen oder von ganzen Gruppen im Soziotop einer Stadt fraglich, zerstören Stagnation und Apathie alle Kreisläufe der Wertschöpfung, Abwanderung hinterlässt leere Häuser und kalte Wohnungen. Die Zurückbleibenden haben höhere Lasten zu tragen, diese Perspektive verstärkt wiederum den Trend zum Rückzug und zur Entropie der Kräfte.

 

Der Topist* kennt die Regeln der Ökonomie. Er beobachtet die Märkte: Lebensmittel, Wohnung, Arbeit, Vergnügungsangebote. Mit Vorliebe kauft und verbraucht er antizyklisch.

Der Topist* versucht die Abhängigkeit vom Hausbesitzer, Arbeitgeber oder Kreditinstitut zu verringern. Sensibilisiert durch sein waches Freiheitsbedürfnis meidet er jede Abhängigkeit. Verhandlungschancen lassen sich erst mit der Wahlmöglichkeit zwischen Optionen erkennen und nutzen. Bei seiner Reifung zum homo oeconomicus wird er verschiedene Nischen des Wirtschaftsystems durchqueren. Er bezahlt Lehrgeld, um sich vom Stadtlehrling zum Stadtgesellen zu entwickeln. Der Topist* meistert den Weg auch ohne Richtung.

Zwei Stufen der Initiation hat der Topist* zu überwinden. Er wird kein Haus bauen, sondern das Haus übernehmen, wenn es notwendig ist. Er wird auch keinen Baum pflanzen, sondern allein oder mit Genossen ein Unternehmen gründen, wenn die Idee trägt. Und er wird nicht zögern, das nächste Projekt zu starten.

Vom Bürger unterscheidet sich der Topist*: er bleibt nicht um jeden Preis.

 

 

*Topist: wie lange habe ich dieses Wort schon gesucht!

PAOLI:... Wie kann man bestimmte Theorien recyclen? Nicht neue entwerfen. Wir sind keine Utopisten, sondern Topisten. Utopie ist ein nicht existierender Ort, Topos aber ist das, was da ist. Topisten sind Leute, die mit dem, was da ist, basteln und spielen, und nicht den großen Gegenentwurf machen.

Interview Guillaume Paoli im kreuzer online am 15.09.2008

 

Hier endet der 85. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

Erste Forderung -  Gesellschaft

Zweite Forderung - Freiheit

Dritte Forderung -  Reichtum

Vierte Forderung - Recht

Fünfte Forderung – Wissen

Sechste Forderung – Erinnerung

Siebte Forderung – Überraschung

Achte Forderung - Geheimnis

Neunte Forderung - Spiegelbild

Zehnte Forderung - Dauer

 

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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 17.04.2010 um 22:25
Das mit dem Reichtum ist in dieser Gesekllschaft aber schon für viele schwierig geworden. Selbst genügend Einkommen für ein menschenwürdiges Leben ist heute für viele nicht mehr drin , die in ihrem Topos leben und die anderen mit dem Ferrari vorbeiziehen sehen.
Dein Text ist aber nichts desto trotz wirklich bärenstark. Klasse! Tolles Denken. Ich bin gespannt ob es noch eine Forderung an Utopia gibt.
Ich sehe Utopien als etwas Guts an und wenn es zehnmal um einen Ort geben sollte, den es nicht gibt. Dann muss dieser Ort eben erbaut werden.
Mit Dir als Architekten habe ich dabei keine Bedenken. ;)

Herzliche Grüße

rr
archinaut schrieb am 17.04.2010 um 23:37
Lieber rr,

vielen Dank für Dein Vertrauen :-))

Reich beschenkt
grüßt archie
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.04.2010 um 23:45
Das mit der Furt finde ich gut. Da habe ich Erfahrung. Frank und Stein vorgesetzt. Rübergekommen zum anderen Ort. Topper hieß er, und fuhr Harley. Oder war das der Unort?
Nachdenklich erst mal weg: kr
archinaut schrieb am 18.04.2010 um 00:04
Schön, dass Du vorbeigeschaut hast :-))
luggi schrieb am 17.04.2010 um 23:52
Architektur ist und bleibt für mich zehn_(forderungen)-Kultur
archinaut schrieb am 18.04.2010 um 00:08
Im Netzt gibt es fast nur noch IT-Architekten,
lieber luggi, washat das zu bedeuten?
luggi schrieb am 18.04.2010 um 00:20
ich glaub mal, sehr viel

nee, aber wir bereiten die neue Diktatur vor, weiß nur noch keiner
mit Gruppenrichtlinien haben wir angefangen, und das geht weiter und weiter

JA ahnt gar nicht, wie weit wir schon sind. Glaubt immer noch an die Unabhängigkeit der Medien. Die Server sind's die die Welt beherrschen, und die Admins ihre anbetungswürdigen Lakaien.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.04.2010 um 00:36
diktat? ich bin dabei! und ich zensiere. bitte.
luggi schrieb am 18.04.2010 um 00:42
genau, Diktatur der proletarischen Server, und wir sind dabyte
archinaut schrieb am 18.04.2010 um 00:52
Die Server beherrschen die Welt!
Ich hab's befürchtet, der Name ist ein arglistige Täuschung,
die Dinger müßten "ruler" heissen....
luggi schrieb am 18.04.2010 um 00:55
that rulez!!!
archinaut
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