archinaut

nirgends.......... sicher... nie

17.12.2011 | 23:57

Fristgerecht zum Quartal

 

Herr Karski ist für alle Computer und für das Netzwerk zuständig, hatte Kobold erklärt, aber heute hat Karski ein anderes Anliegen:

Der Amtsleiter von Wedderstedt hat angerufen, sie wollen die alte Schule umbauen...

Der neue Geschäftsführer freut sich über die Anfrage und ruft den Amtsleiter zurück.

Ja, wir möchten gerne wissen, ob man die Schule zu einem Wohnhaus umbauen kann, sie steht schon zwei Jahre leer....

Herrn Karski habe ich angesprochen, weil wir ihn aus einem früheren Projekt kennen, das die Bauprojekt hier geplant hat..... Er kennt die alte Schule, ich habe ihm das Haus gestern schon gezeigt....

Nein, wir können Ihnen jetzt nichts bezahlen, aber.... vielleicht wird ein richtiges Projekt daraus, wenn die Kosten stimmen.... dann machen wir einen Vertrag....

Es soll in der Bürgerversammlung vorgestellt werden, gleich mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung, damit wir sehen, wie lange es dauert, bis die Kosten der Sanierung durch die Mieteinnahmen wieder ausgeglichen sind.... die Versammlung ist in drei Tagen, am Donnerstag!

Der Amtleiter zögert etwas... irgendetwas will er noch loswerden. 

Ich weiß, dass es bei der Bauprojekt Quedlinburg mehrere Bauplaner gibt.... wir würden es begrüßen, wenn Sie Herrn Karski für diese Aufgabe vorsehen könnten.... er wohnt im Nachbarort....

Karski arbeitet schon an dem Projekt. Als der Geschäftsführer in sein Büro kommt, versucht er gerade eine Zweiraumwohnung in ein Klassenzimmer zu quetschen.....

Aber das Wohnzimmer ist doch viel zu klein, Herr Karski, versucht der Chef einzuwirken, und das Zimmer hat nur acht Quadratmeter, das ist zu klein für ein Schlafzimmer....

So wollen die Leute das haben, sagt Karski, Sie sind nicht von hier, Sie können das nicht wissen! Finster durchbohrt sein Tunnelblick den matt leuchtenden Bildschirm. Außerdem muss ich morgen fertig sein, damit ich die Wirtschaftlichkeitsberechnung noch schaffe!

 

Herr Karski will allein zur Bürgerversammlung gehen, um sein Projekt vorzustellen. Acht kleine Wohnungen hat er in der alten Dorfschule geplant. Am nächsten Tag ist er wortkarg, er hat das Projekt vorgestellt, aber er weiß nicht, ob ein Auftrag folgt.

 

Zwei Tage später telefoniert der Geschäftsführer mit dem Amtsleiter und fragt nach, ob die Bürgerversammlung eine Entscheidung getroffen hat.

Der Amtsleiter zögert..... ja, wenn das Projekt sich irgendwann gerechnet hätte..... Herr Karski hätte es vielleicht etwas freundlicher rechnen müssen, mit leisem Bedauern in der Stimme.

 

Am nächsten Tag übergibt Karski seine Kündigung, schriftlich in einem weißen Umschlag, fristgerecht zum Quartal: Es geht nicht, hier ist kein Platz mehr für mich! sagt er dazu: Sie sind Architekt, ich bin Bauingenieur.... Aber bitte sagen Sie den anderen noch nichts!

 

 

Hier endet der 230. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

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Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 18.12.2011 um 18:58
ach herrje, wie es so zugeht. Übrigens finde ich 8 quadratmeter schlafzimmer okay, wenn der begehbare kleiderschrank auch 8 hat und die wohnküche 30 ...
was ist denn aus der alten schule geworden? 12 wohnungen oder 1loft?
archinaut schrieb am 19.12.2011 um 01:02
Liebe kay.kloetzer,
die Wohnküche mit 30 ist üppig,
oder ersetzt sie auch Salon und Bibliothek
(alles riecht nach Gänsebraten ;-))?

Mein erstes Zimmer war kleiner als 8 qm,
insgeheim bin ich ein Alkoven-Fan
de.wikipedia.org/wiki/Alkoven_(Bettnische)
leider etwas aus der Mode gekommen:
vielleicht schaffe ich es irgendwann mal,
eine Wohnung ganz um einen Alkoven herum zu organisieren....
kay.kloetzer schrieb am 19.12.2011 um 01:09
alkoven ist genial! gern denke ich an die bauernstuben auf hallig langeneß, wo es die gab und also gibt. anfangs habe ich mir meine buden vergleichbar gestellt, aber eine schrankhöhle ist eben doch nur ein möbelhaufen.
(was mich übrigens fertigmacht, ist, dass ich mir inzwischen ein paar socken stricken kann, während sich hier eine seite aufbaut.)
archinaut schrieb am 19.12.2011 um 01:14
... Du kannst aber schnell stricken!

Ja, zum Alkoven gehört eine dicke Wand,
am besten nicht zu kalt (also keine Außenwand!),
und als I-Tüpfelchen noch ein Sturm,
der draußen an den Fensterläden zerrt.....
kay.kloetzer schrieb am 19.12.2011 um 01:26
schnell?!?!?

ja, oder die nordsee, die an der unterkante wellt. und die kinder spielten - 1962, glaube ich - zur ablenkung mit ihren holzbötchen (im bett sitzend im meer).
archinaut schrieb am 19.12.2011 um 01:47
... ein Bett als Insel im Meer,
was für ein vielversprechendes Bild,
damit ziehe ich mich für heute gerne zurück
in meinen Alkoven
(und träume davon,
als Leuchtturmwärter aufzuwachen ;-))

Möge auch Dein Schiff sein Ziel erreichen...
kay.kloetzer schrieb am 19.12.2011 um 01:53
mein schiff wird immer kreuzen, und seien es die lottozahlen, an ...
archinaut schrieb am 21.12.2011 um 00:06
.... hoffentlich hat Dein Schiff
Glück mit dem Kreuzen....
poor on ruhr schrieb am 18.12.2011 um 19:56
Lieber archie, das sind diese Scheußlichkeiten wie sie heute in der Arbeitswelt leider zum Alltag geworden sind. Bitte hörenicht auf davon zu schreiben. Du hast so was von recht.
Du zeigst so zielgenau darauf wo diese Gesellschaftebhen nicht menschlich ist.

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 19.12.2011 um 01:09
Lieber por,

Meinungsverschiedenheiten kann es überall geben,
aber viele hängen inzwischen so an ihrem Job,
dass sie sich eher qäulen,
als zu kündigen...

Von der Tretmühle
in die Zwickmühle!

Herzliche Grüße
archie
poor on ruhr schrieb am 20.12.2011 um 21:59
Lieber archie,

ja, so kann das Leben laufen!

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 21.12.2011 um 00:07
pardon
für die Buchstabenquälerei ;-))
archinaut
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