archinaut

nirgends.......... sicher... nie

06.05.2010 | 00:46

Lied der Peitsche

Heiß die Presse, groß wie ein Bett, Hitze wie Herdplatten, stöhnt die Hydraulik und öffnet den glatten Stahl, brennend rollt die Luft, der Geselle stößt die dampfenden Platten mit dem Schieber in meine Richtung, brüllt: Greif zu, Arschloch...Ist es Winter? Ist es Sommer? Jeden Freitag wird die Furnierpresse aufgeheizt, ein Geselle, ein Lehrling, drei Stapel Furnier, Spanplatten für Seiten, für Böden, für Türen, Rühr’ den Leim an! Schlaf’ nicht ein! Der erste Eimer, zweite Eimer, dritte, Konsistenz wie Hafergrütze, Farbe auch: Rühr weiter, bis die Klumpen glatt sind!

Er meint’s nicht ernst, denke ich, beiß’ besser die Zähne zusammen, hast es doch selbst gewählt....

Träum nicht, gieß’ den Leim in die Maschine, stell’ Dich rüber, pass auf, hier kommt die Erste!  Durch die beiden Führungsrollen der Maschine wächst mir die erste Platte zu, gleichmäßig verteilt, gelb und glitschig der Leim oben wie unten: Greif zu, wenn Du loslässt, geht sie in’ Arsch! Press die bloßen Handflächen seitlich gegen die Kanten, der Geselle springt um die Maschine, greift auch, wir legen die Platte ab auf dem vorbereiteten Furnier, die passende Furnierlage obendrauf, wisch die Hände ab an der blauen Schürze, greif die nächste Platte bis die Lage voll ist...... Das ist Dein Job, Du bist hier der Lehrling! 

Heiß die Presse, groß wie ein Bett, Hitze wie Herdplatten, stöhnt die Hydraulik und öffnet den glatten Stahl, brennend rollt die Luft, der Geselle stößt die dampfenden Platten mit dem Schieber in meine Richtung, brüllt: Greif zu, Arschloch... Greif mit bloßen Händen mir die dampfendheiße Platte, eine, die nächste, vergiß’ den Schmerz, der Leim an den Handflächen brennt, kein Handschuh (würd’ nur mit der Haut verkleben): Raus mit der Scheiße, die Presse darf nicht auskühlen!

Hundert Grad braucht der Heißleim zum Abbinden, Duroplast kommt bei Hitze, hab’ ich gelernt, alle fünf Minuten wird die Presse entladen, mit verklebten, verbrannten Händen greif’ ich die nächste Platte, greif’ in die brechenden Furnierkanten, greif’ in die scharfkantigen Leimnähte am Plattenrand, reiß’ die erhitzte, ausgebackene Platte aus dem Herd, in den Stapel mit Zwischenholz, nächste, nächste, letzte.....

Los jetzt, wo bleibst Du, weiter, weiter! Lass die frischgeleimten Platten fliegen, ordne flink auf dem glühenden Herd, der Geselle fährt die Presse zu, achte jetzt auf Deine Finger.... steht er schon an der sauberen Seite der Leimmaschine?

Grindig wie Echsenhaut sklerotisiert der Leim die Haut meiner Hände ..... nächste Woche ist das wieder weg!

Termin! Termin!

Furnier am Freitag!

Zuschnitt am Montag!

Furnier die Kanten am Dienstag!

Bohren und Schleifen am Mittwoch!

Spritzen am Donnerstag (Lack, farblos)!

Termin zum Aufbau beim Kunden: Freitag!

 

Erstens: Wir sagen hier nicht Azubi, wir sagen Lehrling.

Zweitens: Ich möchte Sie duzen, weil ich alle Lehrlinge duze.

Drittens: Die Lehrlinge fegen hier jeden Abend die Werkstatt aus, am Freitag wird richtig sauber gemacht, auch die Filter der Spanabsaugung.

Und wenn Sie die anderen Lehrlinge aufwiegeln, weil Sie schon volljährig sind und Abitur haben, dann beenden wir das Ausbildungsverhältnis am gleichen Tag.....

die Fronten sind schon im Vorstellungsgespräch geklärt.

 

Großenheidorn liegt am Steinhuder Meer, Klein Heidorn einige Kilometer entfernt zwischen Ackerflächen, Kuhweiden und einem Fliegerhorst der Bundeswehr, 300 Einwohner vielleicht, das höchste Haus ragt über drei Stockwerke, hochtrabend immer noch Möbelfabrik genannt, in dritter Generation hat mein Lehrmeister das Etablissement übernommen.

Mein Vater hat die Lehrlinge noch mit Holzschuhen unter die Bank getreten! brüllt er, wenn sein Jähzorn Futter sucht.... später höre ich: Nachts verprügelt er die Frau.

Meine Monate unter der Sonne Floridas verblassen als Erinnerung, nachts im Traum höre ich deutsche Stimmen, wie man sie nicht mag in vielen Ländern, als Reiseandenken trage ich nur noch ein Lächeln, das ich mitgebracht habe, keep smilin’.

Warum lachst Du immer so blöd! Denkst wohl, Du wärst was Besseres? Eine rhetorische Frage, wenn ich den Gesichtsausdruck des Gesellen richtig deute... wir sind auf Montage beim Kunden: Bohrmaschine, 8er Schlagbohrer rein, danach holst Du die Zwingen aus dem Wagen!

Das Lied der Peitsche ist nie verstummt.

 

Hier endet der 89. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.05.2010 um 01:24
Du bist zu schnell für mich, archie; ich will zurück nach Florida und du hetzt mich durch die Werkstatt, durch die 'brennend rollende Luft'...schon habe ich klebrigen, glühenden Leim an den Händen...Doch was sich einbrennt, ist die Stimme, der Wortlaut, die Beklemmung, die (unsichtbaren) Schlieren der Peitsche...
Danke für den Einblick.
LG
Leif
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 02:03
Werde versuchen, mich zu bessern :-))
Vielen Dank für's Einblicknehmen.....

Herzlichst
archie
goedzak schrieb am 06.05.2010 um 08:35
Wehe, Du besserst Dich!!! Mann, eh, ich hatte es damals mehr mit Metall, aber das hier triffts, so atmosphärisch. Meine Hochachtung! Die Peitschen-Metapher, da unterläuft Dir eine etwas einseitige Interpretation, es gibt nicht nur das Arbeiter-Leid an der 'entfremdeten' Arbeit, sondern auch den Proleten-Stolz, der aus der Bewältigung dieser Last kommt. Und es gibt sogar fast immer auch Anteile, die die individuellen Fähigkeiten fordern, was auch stolz machen kann. Diese Ambivalenz von Last und Stolz, das macht Arbeiter sensibel gegenüber Leuten, die vielleicht 'wohlmeinend'-mitleidig auf sie schauen. Dann maulen sie schnell mal "Denkst wohl, Du wärst was Besseres?"

Denk nicht, dass ich die Typen idealisiere, aber man verfällt allzu leicht in Kopfarbeiterdünkel. (Wobei im Wort 'Kopfarbeiter' für viele heute schon zuviel 'Arbeiter' drin steckt. Das nur nebenbei.)
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 10:31
Vielen Dank für Deine Aufnahme,
wortmächtiger Goedzak :-))

Michael Angele hat hier im Freitag mal die Diskussion angestossen, welche deutschen Worte in Ost und West mit unterschiedichen Bedeutungen unterlegt wurden, dazu gehört natürlich der ganze Komplex "Arbeit", "Arbeiter" etc.
Die Hochachtung vor der "Arbeit" als Grundlage der sozialen Existenz wurde natürlich im Osten viel umfassender und gründlicher gepflegt (bis zur Persiflage vielleicht), im Westen verlief die Entwicklung über Mitspracherechte, Personalräte etc. anders.
Der "Proletenstolz", den Du benennst, ist bestimmt ein wichtiges Motiv, kann auch eine Tröstung sein wie der Blick auf den Gekreuzigten (wandelte ich auch im finstersten Tal, oder so), was aber bleibt als Möglichkeit für die vielen "Beschäftigten" unseres größten Arbeitgebers, der "Agentur für Arbeit"?

Vielleicht steht uns die "Peitsche im Kopf" einer längst fälligen Neuerfindung der Arbeit im Weg:

"Lachend und schwatzend trafen sie sich in der erfischenden Kühle der siebten Morgenstunde an den farbenfrohen, noch schlummernden Maschinen....... der Vorarbeiter machte einen (guten!) Witz, sie umarmten sich alle und gingen dann an ihr Tagewerk......."
goedzak schrieb am 06.05.2010 um 10:53
Das mit der Neuerfindung der Arbeit ist ja voll im Gange, nur nicht in diesem utopischen Sinne, denn gleichzeitig wird auch die Peitsche neu erfunden bzw. ihre Gestalt und Wirkungsweise modernisiert. Darüber aber machen sich all die Protagonisten der 'neuen' Arbeit Illusionen. Früher hieß es mal, wenn ich ein Häuschen besitze und im Job nen weißen Kittel, bin ich kein Arbeiter mehr. Heute meinen das die, die mit dem Notebook zu Hause sitzen.

Oh, ich habe gerade ein heftiges Dejavu-Gefühl. Haben wir darüber schon mal gesprochen?
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 13:33
Nein, lieber Goedzak,
gesprochen nicht,
aber es gibt ja andere Wege
(hat chrisamar in diesem Forum eingeführt :-))

Ich glaube eigentlich, dass jeder Mensch zu arbeitsähnlichen Aktivitäten neigt, wenn er nicht unterdrückt, erniedrigt, verspottet etc. wird...

Ob Ritalin der Ersatz für die TV-Anästhesie ist?
Aber da laufe ich jetzt off-topic,,,,,
Deaktivierter Nutzer schrieb am 06.05.2010 um 14:03
@archinaut
Für die Perlen schlage ich vor:
"Ich glaube eigentlich, dass jeder Mensch zu arbeitsähnlichen Aktivitäten neigt,..."

Ich habe übrigens die Buna-Karbidofenhölle kennengelernt. Allerdings waren wir als zusätzliche Arbeitskräfte (Oberschüler und Studenten) immer höchst willkommen und wurden geradezu erwartet. Und manchmal etwas hofiert. Verpflegung kostenlos, manchmal im Privatauto der Meisterin nach der 12-Stunden-Schicht nach Hause usw. Ob das schon zarte Ansätze einer anderen Art der Arbeit waren? Trotz der Schwere und der erheblichen gesundheitlichen Gefährdung?

Hab' den Text gern gelesen. Erinnerungen, wenn auch erheblich andere.
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 20:45
Lieber GerhardHM,
danke für's Lesen
- und für den Perlen-Vorschlag :-))

Die Buna-Karbidofenhölle war wohl kein begehrter Arbeitsplatz, daher der gewiss zutreffende Eindruck, als Arbeitskraft hofiert zu werden (in einem Wirtschaftsleben, dessen heimliche Währung Arbeitskräfte waren, nehme ich an :-))

Eine Möbeltischlerei stellte ich mir früher als Idylle vor: Holz! Natur! Schöpferische Tätigkeit!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.05.2010 um 08:44
So gehen sie dahin, die Lebensirrtümer von Idylle und Paradies. Und sterben doch nie aus.
Ich hing als sehr junger Mensch der Försterei ein wenig nach. Ursache war ein Försteronkel, der mich öfter mit in den Wald nahm. Er vorneweg durch den tiefen Schnee, ich stolz behangen mit seiner Kruppstahlflinte hinterher. So fängt man eigentlich junge Menschen. Er aber riet mir dringend von dieser Berufswahl ab. Aus seiner, ganz sicher begründeten Sicht war es nichts anderes als rücksichtslose Holzproduktion. Gegen die Vernunft der Natur.
Diesen Traum träume ich immer noch:Wald, Tiere, Natur. Die große Harmonie, die es schon seit Jahrhunderten nicht mehr gibt. Und wohl nur vor der Menschheit gab. Aber wo kommt diese Sehnsucht nach der Harmonie des großen Ganzen her?

Übrigens habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, daß auch die allerübelste Arbeit Spaß machen kann, wenn die Beziehungen zwischen den Menschen fair und freundlich sind. Sehr gute ChefInnen wissen das. Und sehr gute ArbeiterInnen auch. Ich gebe zu, es ist selten der Fall.
archinaut schrieb am 07.05.2010 um 23:42
GerhardHM, Du schriebst
"Aber wo kommt diese Sehnsucht nach der Harmonie des großen Ganzen her?"

Natürlich gibt es immer störende Einflüsse von außen (Wetter, Termine, nervige Kunden), aber man muss einfach versuchen, interne Destruktionstendenzen rechtzeitig zu erkennen, zu neutralisieren oder (im Idealfall) kreativ zu nutzen. Das geht am besten, wenn "die Beziehungen zwischen den Menschen fair und freundlich" sind, wie Du schreibst.
archinaut schrieb am 07.05.2010 um 23:42
GerhardHM, Du schriebst
"Aber wo kommt diese Sehnsucht nach der Harmonie des großen Ganzen her?"

Natürlich gibt es immer störende Einflüsse von außen (Wetter, Termine, nervige Kunden), aber man muss einfach versuchen, interne Destruktionstendenzen rechtzeitig zu erkennen, zu neutralisieren oder (im Idealfall) kreativ zu nutzen. Das geht am besten, wenn "die Beziehungen zwischen den Menschen fair und freundlich" sind, wie Du schreibst.
jayne schrieb am 06.05.2010 um 08:15
gnadenloser kreislauf, für manche ein leben lang, auch auf der geistigen ebene ..., danke für den eindrücklichen text.
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 10:37
Liebe Jayne,

da stimme ich Dir zu
"auch auf der geistigen ebene"
muss ein Lächeln ja noch kein Grinsen sein :-))

Herzlichen Dank für's Lesen
merdeister schrieb am 06.05.2010 um 09:59
Für mich wäre das nix aber ich kann auch keine Häuser bauen. Ich gehe mal duschen, bei der Lektüre bin ich ins Schwitzen gekommen.
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 10:39
Oha, Lesen kann manchmal anstrengend sein.......
Daher besonders großen Dank an Dich,
dass Du die Mühe nicht gescheut hast :-))

Werde mich bessern (s.o. :-))
Alien59 schrieb am 06.05.2010 um 10:51
Vor allem auch mal wieder gut geschrieben - Inhalt alleine macht ja noch nicht unbedingt einen guten Text aus.
Gern gelesen - und überlegt, wie es wohl heute in solchen Firmen zugeht.
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 13:46
Liebe Alien,
es geht nicht anders zu, befürchte ich....
aber vielleicht ist es in Amman fröhlicher :-))

Und vielen Dank für das freundliche Lob!
Alien59 schrieb am 07.05.2010 um 10:53
Meine Überlegung war eher, wie heute die Azubis von den Ausbildern behandelt werden - ich denke, in vielen Branchen zwar vorsichtiger, aber wohl auch nicht immer netter.

Arbeiten in Amman - vielleicht weniger verbissen, aber wohl nicht minder hart. Gerade hier gilt auf dem Arbeitsmarkt, jeder ist ersetzbar - wer also vom Lohn leben muss, sieht zu, dass er den Job nach Möglichkeit behält.
archinaut schrieb am 07.05.2010 um 23:31
Ein weites Feld, liebe Alien59,

gerade im Alter ab fünfzehn, sechzehn wäre es wichtig, einen Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen, der nicht demotiviert oder erniedrigt, der zwar fordert, aber nicht Unmögliches fordert.

Ausbildung ist eine Kunst...
goedzak schrieb am 06.05.2010 um 11:06
Hier noch ein Ossi-Kommentar zum Thema, von wegen der kulturellen Differenz, archinaut (das Video ist leider schlecht...)



Und der text dazu:

Lieb ein Mädchen
(Komp.: Claus Winter / Text: Kurt Demmler)

lieb ein mädchen mit sonne im gesicht
steht am fließband die lange lange schicht
steht sie am fließband und macht den einen griff
bis ihn beendet der sirene pfiff

hat zwei hände die wissen was sie solln
manchmal müde und manchmal angeschwolln
an die acht stunden, hat man die passiert,
weiß man kaum, wie man noch seine gabel führt

doch mit dem kopf kann sie machen was sie will
denn der kopf hat immer frei dabei
der baut geschichten und schlösser in der still
und die zeigt sie mir am abend wenn sie will
und hat dann auch ihre hände wieder frei

lieb ein mädchen, das beste das ich krieg
geht nicht gern, doch sie geht in die fabrik
und ihre warme erfinderische hand
wird zur maschine acht stunden lang am band

doch mit dem kopf...
jayne schrieb am 06.05.2010 um 11:46
lieber goedzak, dieses lied kenne und schätze ich auch, doch über die strophe doch mit dem kopf kann sie machen was sie will
denn der kopf hat immer frei dabei
der baut geschichten und schlösser in der still
bin ich schon früher immer gestolpert, weil das einfach so nicht funktioniert - wenn Du bei der arbeit in gedanken woanders bist, wie das so schön heißt, wirst Du z.b. automatisch langsamer ... In einem übertragenen sinne mag das angehen, nämlich daß die arbeiterin den inhalt/ gegenstand ihrer arbeit nicht verinnerlicht hat ...
goedzak schrieb am 06.05.2010 um 12:01
Als Beschreibung jeglicher Erscheinungsform von Industriearbeit taugt das sicher nicht. Ich selbst hatte nach dieser Akkordknüppelei die Möglichkeit, im Werkzeugbau zu arbeiten. Da musste man natürlich sehr bei der Sache sein.

Aber als es noch um irgendwelche Wellen für den Lkw W50 ging, wo ein Rohling ein-, nach Bearbeitung wieder auszuspannen und in eine Palettenkiste abzulegen war, und das so 2000 mal pro Schicht, da kam irgendwann der Zeitpunkt, wo der Körper keine rationale Steuerung mehr brauchte. Von da an gingen die Gedanken spazieren. Dahin muss man aber erst mal kommen, das ist auch eine Sinnes- und Verstandesleistung, diesen Grad von 'automatischer', rein sinnlich gesteuerter Körperaktion zu erreichen, die beim Blick auf die mit glänzenden Wellen gefüllte Palette am Schichtschluss ein wenig Stolz auf die Leistung nach sich ziehen konnte. Wenn man jung ist und das nicht schon 10, 20 jahre gemacht hat.
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 13:35
Arbeit macht frei, das meine ich übrigens ohne jede Ironie, aber
"Dahin muss man aber erst mal kommen,"
wie Du zu recht sagst....
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 13:41
Liebe jayne,
leider geht es mir so, dass meine Aufmerksamkeit bei Arbeiten, die ich als stumpfsinnig empfinde, abschweifen und in Gedanken Luftschlösser bauen, manchmal aus dem Stück, das ich gerade in den Fingern hab :-))
poor on ruhr schrieb am 06.05.2010 um 11:26
Lieber archie,

Klasse! Eindrückliche Geschichte aus der Arbeitswelt, die mir sehr gefallen hat. Passende Metaphern. Danke.

Herzliche Grüße

rr
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 13:38
Lieber rr,

wenn Dir etwas gefällt, was ich gemacht habe,
dann freue ich mich, weil ich denke:
Bin doch nicht auf dem Holzweg.....

Ein Lächeln an die Ruhr
archie
poor on ruhr schrieb am 06.05.2010 um 13:41
Lieber archie,

Dein Lächeln an die Ruhr wird hier von mir dankbar aufgefangen. Du bist wirklich nicht auf dem Holzweg.
So ähnlich habe ich die Arbeitswelt früher auch schon erlebt und es iost ziemlich toll, wie es Dir gelungen ist, diese Eindrücke im Blog umzusetzen.

Herzliche Grüße

rr
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 13:48
Lieber rr,

ach, ich befürchte, die Welt der
Arbeitsplatzinhaber und Nichtarbeitsplatzinhaber
erlebt die Peitsche auch heute ohne Änderung.

Vielen Dank für Dein herzliches Lob!

archie
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.05.2010 um 00:22
Die Peitsche hat m. e. mehr denn je Hochkonjunktur, in Form des peinlichen Gefühls der Minderwertigkeit, der Erniedrigung gegenüber anderen, der Entehrung, gerade in der klassischen Industrie, wo der Arbeitsplatzverlust immer häufiger und brutal zuschlägt.
archinaut schrieb am 08.05.2010 um 00:45
..... das Phänomen begegnet uns doch in jedem Supermarkt, liebe Leif, und wenn es nur noch halb so viele Märkte oder Kassen gäbe, wäre der Druck gleich doppelt so groß.
Magda schrieb am 06.05.2010 um 14:12
Oh Mann, diese harte Arbeit unter Zeitdruck - wie hast Du denn dann die Hände verarztet? Das muss aber schlimm ausgesehen haben. Und diese Abläufe, das ist immer, wenn Norm gearbeitet wird, immer Druck und immer Gehetze. Arbeitsunfall programmiert.

Bei meinem Lehrbetrieb wurden die Lehrlinge auch noch mit dem Vornamen angeredet. Und dabei lebten wir in einem sozialistischen Land. Und das "Wohl was Besseres" kenne ich auch. Man brauche nich was Besseres, nur ein bisschen anders zu sein.

Aber liest sich auch genau so wie es war.
archinaut schrieb am 06.05.2010 um 20:33
die Hände, liebe Magda:
Nach der ersten Stunde war der Leim stabiler als jede Hornhaut, künstliche Schwielen sozusagen, die sich im Laufe der Woche stückchenweise wieder abschälten....

"Wohl was Besseres": da reicht ja ein leiser Verdacht, Beweise sind nicht nötig :-))

Freut mich, dass Du hier vorbeischaust!
hibou schrieb am 07.05.2010 um 23:47
danke, Alder.....bei mir wars net Leim aber Metalltropfen...
Grüsse
hibou
archinaut schrieb am 08.05.2010 um 00:33
.. Metalltropfen?
Bestimmt über 100 Grad....
hoffentlich alles gut überstanden!

Grüß Dich im Nu
ferner hibou :-))
hibou schrieb am 13.05.2010 um 07:00
Das Ei des Kolumbus - gell, Herr Leusch? - ist tatsaechlich, den jungen Leuten den Arbeitsplatz als etwas Schönes "einzublaeuen". Das gelingt heut nur sehr selten.
hibou schrieb am 13.05.2010 um 07:01
„Die Liebe und die Arbeit sind die beiden einzigen wahren Dinge in unserem Leben. Sie gehören zusammen: sonst ist es schief. Die Arbeit ist selbst eine Form der Liebe.“
(Marilyn Monroe, 1960)
archinaut schrieb am 13.05.2010 um 15:52
Was für ein schönes Zitat, Arbeiter hibou
(könnte auch sagen Liebender hibou :-))
hibou schrieb am 13.05.2010 um 17:39
gell, die Marylin.......
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