archinaut

nirgends.......... sicher... nie

08.07.2011 | 03:11

Nachschlag

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hebt die Kostenobergrenze für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses um 38 Millionen auf 590 Millionen Euro an zum Datum 06.07.2011:

Dieser Nachschlag reicht allerdings nicht, weil für die Kuppel weitere 28,5 Millionen Euro anzusetzen sind. Der Millionenspuk – Kosten steigen um gespenstische 66 Millionen Euro lautet die Schlagzeile auf der Titelseite des Berliner Kuriers am 7. Juli mit der Frage das Tages: Soll auf das Stadtschloss eine millionenteure Kuppel? Mit Ja antworten 22 Prozent, mit Nein 13 Prozent, zur Aussage Brauche das ganze Stadtschloss nicht lassen sich satte 65 Prozent der antwortenden Leser hinreißen.

Für eine Sanierung des asbestverseuchten Palastes der Republik war nach der Wende kein Geld da. Jetzt aber genehmigt die Bundesregierung eine noch teurere Wiederherstellung des barocken Stadtschlosses. Das ist der Gipfel vom unwürdigen Schauspiel um den Abriss Ost. Erst fiel das Lenindenkmal, dann der Palast. Und am Ende muss wohl der Steuerzahler die Luxus-Kuppel bezahlen, kommentiert Ronald Gorny.

Die 600 Millionen-Marke für den Schlossbau wird also im Jahr 2011 erstmalig gesprengt. Die Kostensteigerung habe die Bundesregierung durch die Verschiebung des Baubeginns zu verantworten, stellt der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Thierse als Mitglied im Stiftungsrat fest, wie der Tagesspiegel berichtet.

Wir haben durch den Beschluss des Ausschusses grünes Licht für den Bau an sich erhalten, wird Wilhelm von Boddien als Vertreter des Spendenvereins zitiert, im Millionenrausch verspricht er großzügig 80 Millionen Euro an Spenden für die Fassade einzusammeln, dazu 15 Millionen für die Kuppel, 10 Millionen für die Rekonstruktion der Portale  und Durchgänge sowie 3,3 Millionen für ein Dachcafé...

Die Steigerung von 552 auf 618 Millionen Euro bedeutet eine Kostenerhöhung um rund 12 Prozent. An dieser Stelle sollte man anmerken, dass infolge der planerischen Durcharbeitung zwischen Vorentwurf und Entwurf eines Bauwerks oft Kostensteigerungen um 20 Prozent oder mehr zu verzeichnen sind.

Der Haushaltsausschuss hat die Kostenobergrenze für das geplante Stadtschloss erhöht. Eine gute Entscheidung? fragt der Tagesspiegel seine Leser, am Tag nach der Abstimmung im Haushaltsausschuss findet der großzügige Nachschlag noch wenig Zustimmung:

616 Leser stimmen für Ja, mit dem Stadtschloss entsteht schließlich ein Kulturzentrum im Herzen Berlins (entspricht 36 Prozent).

1073 stimmen für Nein, die Bundesmittel für das Schloss sollten sinnvoller aufgewendet werden als für Schein-Historie (entspricht 64 Prozent).

500 Jahre Widerstand sind nicht vergessen....

Im Mai 2012 sollen die bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen. Die Grundsteinlegung ist für April 2013 geplant, Mitte 2019 soll das Humboldt-Forum im Berliner Schloss eröffnet werden.

Ob man im Jahr 2019 das Geld noch in Euro zählt?

 

 

Hier endet der 174. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

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Kommentare
jayne schrieb am 08.07.2011 um 07:48
das erinnert mich sehr an dresdner gegebenheiten und befindlichkeiten, nur daß da eine mehrheit sich für zuckerbäckerwerk (frauenkirche) und waldschlößchenbrücke ausgesprochen hatte - doch ersteres kündet hie wie da von einem historistischen oder gar restaurativen geist in dieser republik, wobei ich überhaupt nichts gegen das restaurieren vorhandener bauwerke habe ... Gut, daß Du an der sache dran bleibst, die so aberwitzig ...
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 00:35
Ach, liebe jayne,
Du hast recht, und der Effekt ist vielschichtig:
der Rückgriff verhindert die Suche nach dem angemessenen Umgang mit diesem Ort,
mit der politischen wie mit der geschichtlichen Dimension,
und dieser Rückgriff könnte auch belegen,
dass es bei den politischen Entscheidungsträgern insgesamt an Gestaltungswille mangelt.....

Vielen Dank für Deinen Kommentar,
freue mich, dass dieses Thema noch nicht langweilig ist!
poor on ruhr schrieb am 08.07.2011 um 09:47
Lieber archie,

vielen Dank für die Infos. Es ist wirklich ein Wahnsinn mit dem Schloß und wieviel Millionen dafür aufeinmal da sind, wenn´s teurer wird. Die reaktion lässt sich die Rekonstruktion und Implementierung des reaktionären Zeitgeistes in architektonischer Form ganz schön was kosten. Für so was ist Geld da genauso wie für Bundeswehreinsätze in Afghanistan.

Ich kann nur den Kopf schüüten und mich ins große NEIN einreihen.

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 00:53
Lieber por,
das Geld ist bisher nicht da,
sie müssen es erst noch eintreiben.....
Wenn das Schloss dann fertig ist,
fallen die Bewirtschaftungskosten an,
daran sind schon viele gescheitert:
de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._%28Bayern%29

Herzliche Grüße
archie
claudia schrieb am 09.07.2011 um 01:11
>>Für so was ist Geld da genauso wie für Bundeswehreinsätze in Afghanistan.<<
Na ja, Geld an sich ist nicht das Problem, lieber por.
Eher schon wer es verdienen und abgeben muss...

Die Kosten des Afghanistankrieges liegen übrigens weit unter dem Geldumsatz des globalen Heroinumsatzes...
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 02:17
Ja, da sehe ich auch eine gewisse Unwucht:
Das Schloss sollte von freiwilligen Zahlungen gebaut werden (=Spenden), aber da scheinen noch viele Milliönchen zu fehlen....
poor on ruhr schrieb am 10.07.2011 um 18:20
@claudia
Naja,
Auf jeden Fall gibt es in Afghanistan trotz Bundeswehrrot blühende Landschaften?

Ob solche Opiumfelder eigentlich schön aussehen?

Kohl hatte sicher andere blühende Lanschaften gemeint, aber als Wähler/ Wählerin darf man da wohl nicht so anspruchsvoll sein.
poor on ruhr schrieb am 10.07.2011 um 18:22
@archie

Da werden die Befürworter wohl keine Bange haben müssen. Bei so einem Schwachsinn wie dem Schloß hilft auch heute noch Vater Staat gerne.

Man lässt sich das "neue Preußen" wie es in der letzten Freitag so schön stand, schließlich ja was kosten.
archinaut schrieb am 11.07.2011 um 01:09
Lieber por,

Deine Befürchtungen teile ich.
Das wird "durchgezogen",
koste es, was es wolle.....

Herzliche Grüße
archie
weinsztein schrieb am 15.07.2011 um 03:06
Hi por (10.07.2011, 18:20),

blühende Mohnfelder sind überaus schön anzusehen. Nach der Blüte wachsen Kapseln, von Nahem betrachtet von hinreißender Anmut.

Anspruchsvoller als Wähler solltest Du schon sein, wenn auch der Morphingehalt von Mohnsamen unbedenklich ist. Der Genuss mohnreicher Speisen wie Mohnschnecken vom Lieblingsbäcker kann als Nachweis von Drogenkonsum dienen und so - als Opiat - auch Dein Verhalten als Wähler beeinflussen.
archinaut schrieb am 16.07.2011 um 01:37
Hallo weinsztein,
da war doch was...:
"Wahlen sind Opium fürt's Volk..."
oder so ähnlich?

Herzlichst
archie
archinaut schrieb am 16.07.2011 um 01:38
Hallo weinsztein,
da war doch was...:
"Wahlen sind Opium für's Volk..."
oder so ähnlich?

Herzlichst
archie
poor on ruhr schrieb am 16.07.2011 um 11:46
@Weinzstein

Danke. :)

Schön geschrieben. ....aber beim Wählen der Linken kann man doch nicht von Drogenkonsum sprechen, oder? :)

Liebe Grüße

por

und auch von mir Gruß an hibou

falls Du ihn mals siehst.
poor on ruhr schrieb am 16.07.2011 um 11:49
@redaktion

@archie

"Wahlen sind Opium für's Volk..."

Bitte, Bitte, bitte liebe Redaktion, VERÖFFENTLICHEN!

:)

Herzliche Grüße

por
Magda schrieb am 08.07.2011 um 11:02
Ach Mensch, es ist wirklich ein unwürdiges Spiel. Und der Abriss des Palastes war ein völlig unsinniger Fußtritt. Man hätte den so schön ironisch aufbrezeln können. Am besten mit Kuppel. :-))
Das mit dem Mehrbedarf habe ich auch gehört. Sind die denn alle verrückt geworden?
jayne schrieb am 08.07.2011 um 11:08
mit kuppel zum verkuppeln mit der gegenwart, könnt ich mir schön vorstellen ...
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 01:02
"...aufbrezeln.... Am besten mit Kuppel. :-))"
Ein überzeugendes Konzept, liebe Magda,
gut vorstellen kann ich mir auch das
Aufkuppeln mit Brezeln....;-))

Aber im Ernst:
Hätt's nicht auch eine steingemetzte Barockbekleidung des Volkspalasts getan?
Für den Winter?
Für den Sommer lieber eine leichte Bambusfassade....
goedzak schrieb am 08.07.2011 um 11:15
Gangster! Mafia! Berlusdingsbums...
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 01:05
Meinst Du Wolfgang Thierse ?
So als Ein-Mann-Mafia ?-))
goedzak schrieb am 09.07.2011 um 11:41
Nein, der ist doch 'n Taliban.
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 23:53
..... ein katholischer Taliban?
Wie gut, dass Matussek noch nix gemerkt hat !-))
h.yuren schrieb am 08.07.2011 um 23:26
danke, archie.
das unternehmen samt vorgeschichte möchte doch nur demonstrieren, was es mit der rückwärtsrepublik auf sich hat. schlösser brauchen wir wirklich, möglichst barocke dinger, die mal ausgebrannt oder gesprengt waren. das ist doch unsere aufgabe für die zukunft, die in der vergangenheit begraben liegt oder?

nix da, goedzak, gangster und kriminalitäten an die wand zu malen! versuch doch mal, dich in die bratköpfe hineinzuversetzen, hab bitte verständnis für den mangel an verstand!
würden wir nicht genauso schrecklich sein, wenn wir in deren haut steckten?!
ok, ich sag ja schon nichts mehr.
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 01:43
Bitte sehr, lieber h. yuren,
sag es ruhig weiter:
"rückwärtsrepublik"
hat mir gut gefallen !-))
luggi schrieb am 09.07.2011 um 11:51
Nun ja, ein zweiter Versuch für einen Ballast der Republik.

Vielleicht könnte jemand ja 100 Jahre später von dort eine sozialistische Republik ausrufen ... aber bitte nur einer ... der Richtige.
archinaut schrieb am 09.07.2011 um 23:58
Jeder braucht eine zweite Chance:
"Am 9. November 2018, 12 Uhr, ruft Karl Liebknecht vom Balkon des Berliner Schlosses die "Sozialistische Republik" aus. Diesmal schafft er es zwei Stunden vor Philipp Scheidemann, der im Reichstagsgebäude die "Berliner Republik" proklamieren will."
SuzieQ schrieb am 15.07.2011 um 02:22
Und genau damit hast du den i-Punkt:
es würde voll und ganz genügen, den Balkon wiederherzustellen, eine kühne Konstruktion:Balkon vom Schloss ohne Schloss.
Historisch vollkommen ausreichend.Und modeeern-reduzierte architektur.
Und:wieviele Kuppeln braucht es in Bärlin?
die vom reichstag ist doch mehr als genug!
Achja, und ne schöne Lampe davor wär schön...
...vor dem im Raum schwebenden Balkon.
Und rechts und links Romeo und Juliette
:) sq
archinaut schrieb am 16.07.2011 um 01:34
Liebe SuzieQ,

Du hast den "Berliner Schwebebalkon" erfunden,
herzlichen Glückwunsch!

Jetzt müssen wir nur noch das passende Stück dazu schreiben, mit fiesen Königen, grausamen Hexen und aufsässigen, jungen Antiglobalisten, die das alte Stück neu interpretieren....;-))

archie
SuzieQ schrieb am 16.07.2011 um 01:51
Guten Morgen archinaut,

mal sehen, ich guck mich mal in der fc um, große Bandbreite, Interpretationsvielfalt,Kennt vorhanden, :)
und dann gehen wir auf Tournee,
Welturaufführung in
.
.
.
.
.
Wuppertal,
surprise
lieben gruss von mir
archinaut schrieb am 17.07.2011 um 00:06
Wuppertal klingt vielversprechend für die Welturaufführung, liebe SuzieQ,
wir spielen in der Schwebebahn,
die Publikumsmassen lagern
am Ufer der Wupper
ovationieren
haltlos
archinaut
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