archinaut

nirgends.......... sicher... nie

01.11.2010 | 01:43

Oktobersturm

 

Dieser Blog kommt aus der Zukunft. Oktober 20?? Seit Monaten liegt der archinaut: am Berliner Schlossplatz.

Nach dem Essen möchte Marlene vor der Tür rauchen, Will hat große Mühe, ihr Feuer zu geben: Dunkelschwere Wolkenhorden hetzen über die Stadt, getrieben vor einer kalten, stürmischen Luftfront, harte Böen jagen Laub und Dreck von den Flächen. Tages Licht stirbt in rötlichen Strahlen, verschwendet letzte Kraft in den brüllenden Wolkensturm. In der Ferne kreischt ein später Vogelschwarm.

Schattenlos freigeräumt breitet sich das Schussfeld rings um die Baustelle im Flutlicht der Strahlerbatterien aus. Posten des Sicherheitsdienstes patrouillieren über die Gerüste, bis sie den nächsten Schutzstand erreicht haben, hinter Bohlenverschlägen verschmelzen ihre Schemen mit den Schatten der Gerüste, darin der Wind ein Konzert beginnt.

Dumpfe Frequenzen schlagen aus dem Lärm, durch den dunklen Wolkenschaum tanzt ein Helikopter aus der Tiefe des Himmels heran, schleudert und dreht wie eine heulende Hornisse über der Baustelle, den Böen fast ein Spielzeug, hält mühsam die Position.

Eine schwere dunkle Limousine rollt jetzt in den Lichtkreis, ein zweite, dritte und vierte...... zwölf gepanzerte Wagen hintereinander gleiten in eine leicht gewölbte Linie, rollen aus bis in den Stand, kein Geräusch durchdringt das tösende Treiben der Winde vor dem archinaut:

Marlene zieht unruhig an der Zigarette. „Keine Sorge,“ hört sie die Stimme von Alex, „Sie können uns nicht sehen!“

Für einen langen Moment verharren die Limousinen bewegungslos in der schattenfrei beleuchteten Zone vor dem dunklen Massiv der Baustelle, hinter schwarzen Scheiben ist kein Gesicht, keine Gestalt im Inneren der Karossen zu erkennen..... die Turbinen des Helikopters röhren, die Rotoren kreisen hochfrequent......dröhnend steigt die Flugmaschine auf und dreht ab gegen den Wind über die Dächer des Häusermeers. Die schwarzen Wagen folgen nach kurzer Zeit, leuchtend ziehen die eiligen Rücklichter eine rote Spur in die Dämmerung der Stadt.

 


Hier endet der 122. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

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Kommentare
hibou schrieb am 01.11.2010 um 06:52
Höre grade Jonny Cash/Joni Mitchell "Girl of the North Country" dazu...... is freilich zu kitschig für Deinen Text :-) Immerhin kommt "Borderline" im Text vor...
archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:29
Danke hibou......
der Soundtrack ist noch variabel....

archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:35
Auch die Doors
sind nicht sicher vor komischen Grusel-Videos.....
luggi schrieb am 01.11.2010 um 09:40
Hat das was mit Roland Koch zu tun?

Sonst fällt mir nur Baumafia oder ein großes, spanisches Bauunternehmen ein.
archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:37
Roland Koch ist bestimmt dabei,
wenn schwarze Limousinen aufkreuzen...
archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:52
..und Danke fürs Reinschmecken,
lieber luggi!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.11.2010 um 09:40
Nirgends sicher. Nie.

Guter Text. Spannend, bildhaft, anregend. Bitte mehr.
archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:39
Geneigte Leif,
sicher mehr...:-))

Lieben Dank für die herzliche Aufmunterung!
Berliner schrieb am 01.11.2010 um 11:05
Ich träume... sehr schöner Beitrag...
archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:40
Oh, das freut mich,
Dank für den traumhaften Kommentar, lieber Berliner!
Magda schrieb am 01.11.2010 um 19:39
"Bitte bleib dran." - Genau, genau archinaut bleib dran. Leg nicht ab ohne Bedeutung.

Sehr expressives Stück. Herbstlich sturmdurchtost. Wunderbar. Nein, sie können Euch nicht sehen...sie sehen nie das Wichtige. (beigesteuerter Tiefsinn)
archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:43
Danke, liebe Magda,
besonders auch für den tiefgesteuerten Beisinn....
hoffgentlich fliegt Dir nicht das Blech wech

poor on ruhr schrieb am 01.11.2010 um 19:53
Schön und wundervoll geschrieben. Irgendwie eine unheimliche und beklemmende Szenerie! Beeindruckend!
archinaut schrieb am 01.11.2010 um 23:45
Keine Sorge lieber por,
ist alles erfunden (oder?)

Herzlichen Dank für Deinen freundlichen Komentar!
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