archinaut

nirgends.......... sicher... nie

04.05.2010 | 07:30

Vierte Forderung an Utopia

Hör den Chor der Getriebenen: Was erwarten wir von der Stadt unserer Träume? Recht!

Die Entfaltungsmöglichkeiten für das Individuum, das große Freiheitsversprechen der Stadt also, soll durch Verordnungen und Gesetze geschützt werden. So begründet die Gerichtsbarkeit ihre Aufgabe in der Stadtgesellschaft.

Gemeinschaften definieren sich über Regeln, die verbindlich vereinbart werden. Regelverstöße können bestraft werden. Auf diese Weise wird das Machtgefüge der Gemeinschaft systematisch geordnet und kontinuierlich fortgeschrieben.

In Städten können Geltungsbereiche unterschiedlicher Regel­systeme eingerichtet werden. Markt- und Zollrecht, Asylrecht in Kirchen, ethnische Prägungen, die Bannmeile um den Regierungsbezirk, die Festsetzung eines Sanierungsgebietes verändert die rechtliche Situation der Hausbesitzer, der Bewohner und Gewerbetreibenden.

Kämpfe um zukünftige Macht werden auf den Territorien der Stadt ausgetragen und schaffen neue Allianzen und Kräfteverhältnisse. Wo nichts zu gewinnen ist, da zerfallen mächtige Gegner zu Staub. Wem die Straße gehört, der regiert vielleicht bald die Stadt.

Nicht zu überblicken die Fülle an Gesetzen, Verordnungen und Auslegungen, das Rechtssystem kann als wegloser Dschungel erscheinen. Wir sind von Regeln umstellt. Bewegung ohne Kollision scheint unmöglich.

 

Ein Topist* muss also mit der Machete seinen Pfad bahnen. Sein Gerechtigkeitsempfinden soll ihm dabei als Kompass dienen. Trifft er weitere, die in die gleiche Richtung streben, so ist das ein gutes Zeichen: hier ist eine Expedition unterwegs. Bündnisse sind die Basis von Gemeinschaft. Solidarität schafft neues Recht. 

 

 

 

 

*Topist: wie lange habe ich dieses Wort schon gesucht!

PAOLI:... Wie kann man bestimmte Theorien recyclen? Nicht neue entwerfen. Wir sind keine Utopisten, sondern Topisten. Utopie ist ein nicht existierender Ort, Topos aber ist das, was da ist. Topisten sind Leute, die mit dem, was da ist, basteln und spielen, und nicht den großen Gegenentwurf machen.

Interview Guillaume Paoli im kreuzer online am 15.09.2008

 

 

 

Hier endet der 88. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

Erste Forderung -  Gesellschaft

Zweite Forderung - Freiheit

Dritte Forderung -  Reichtum

Vierte Forderung - Recht

Fünfte Forderung – Wissen

Sechste Forderung – Erinnerung

Siebte Forderung – Überraschung

Achte Forderung - Geheimnis

Neunte Forderung - Spiegelbild

Zehnte Forderung - Dauer

 

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Kommentare
Fritz Teich schrieb am 04.05.2010 um 07:54
Meistens ist das ja nicht so willkuerlich, wie hier dargestellt, sondern an praktischen Beduerfnissen orientiert. Wie zum Beispiel das Magdeburger Stadtrecht. Das haben sich dann andere Staedte abgeguckt, bis nach Kiew.
archinaut schrieb am 04.05.2010 um 11:49
Kiew hat das Magdeburger Stadtrecht übernommen?
Wer hat es dorthin gebracht?
hibou schrieb am 04.05.2010 um 08:26
"Stadt" ist selbst ein Topos. Siehe "Stadtluft macht frei". Draussen im Dorf sindse noch religiös.... Nee ohne Flax: Die Stadt stand schon immer, es war sozusagen ihr Gründungssiegel, zwischen den grossen Maechten: Kirche und Staat (die sich mit Augurenlaecheln bekaempften, in Wirklichkeit aber gegen "Stadt" waren, da deren BürgerInnen sie in ihrer fleischgewordenen Ausbeutunghaltung störten und "Recht" verlangten). Oha, jetzt wirds wieder mittelalterlich. Aber im Ernst: sind wir überhaupt aus dem Mittelalter hinausgelangt?
archinaut schrieb am 04.05.2010 um 11:45
Die Existenz war an Weiden oder Äcker gekoppelt, die den Landesherren gehörten mit allem, was darauf lebte (Fürst oder Kloster), vielleicht an Fisch- oder Jagdrechte, die bezahlt werden mussten... erst mit der Möglichkeit, als Handwerker oder Kaufmann ein Auskommen zu finden, ein Haus zu begründen, konnte sich später die um Unabhängigkeit ringende Bürgerstadt entwickeln, auch Städtebünde bilden mit eigenen Regeln...... die Entwicklung des Rechtswesens in den verschiedenen Kulturkreisen hat sehr vielfältige Entwicklungen hinter sich, immer wieder ist Balance zwischen Gesellschaft und Individuum neu zu justieren.....
poor on ruhr schrieb am 04.05.2010 um 09:56
Lieber archie

recht so! Das Recht mmuss beiden Forderungen mit dabei sein. Sehr interessant. Auch die Zeile aus dem Interview mit Paoli ist eindrucksvoll.
archinaut schrieb am 04.05.2010 um 11:47
Lieber rr,

ohne Recht bleibt nur Unrecht,
das kann keiner von uns wollen :-))

Herzlich links
archie
poor on ruhr schrieb am 04.05.2010 um 12:05
Lieber archie,

das finde ich auch. ;) Daher ist diese Forderung an Utopia wirklich vollkommen beRECHTigt! Überzeugend fand ich auch Deine abschließenden Sätze mit "Solidarität schafft neues Recht" als Highlight!

Herzliche Grüße

rr
poor on ruhr schrieb am 04.05.2010 um 12:15
Lieber Archie,

ich habe mich blöd in dem eine Kommentar ausgedrückt.
Das Recht als Deine vierte Forderung an Utopia ist natürlich vollkommenberechtigt, aber nicht weil ich das finde sondern aufgrund der überzeugenden Argumentation in Deinem Blog. :( Sorry.

rr
archinaut schrieb am 04.05.2010 um 12:23
Huch, lieber rr,
fand' ich gar nicht,
dass Du Dich blöd ausgedrückt hast :-))

Danke für Deine Meinung!

Herzlich
archie
poor on ruhr schrieb am 04.05.2010 um 12:26
Danke. :)

rr
KalleWirsch schrieb am 04.05.2010 um 17:52
Wobei sich auch das Recht immer wieder neu erfinden muss, wie die Stadt, ihre Bewohner. Es muss immer auf dem prüfstand stehen, ob es den Menschen und seinen Bedürfnissen noch gerecht wird. Und natürlich der Stadt, als dem Ganzen.
archinaut schrieb am 05.05.2010 um 00:24
Ja, Recht, Gesetze und Gerechtigkeit sind immer wieder zu überprüfen, es kann notwendig sein neue Schutzziele zu vereinbaren, und hoffentlich gibt es gelegentlich eine Entrümpelung :-))
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