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Ich habe mir oft Vorwürfe gemacht und werde sie mir weiter machen, schreibt mein Großvater auf Seite 162 seiner Lebenserinnerungen, ob wir ihn vielleicht zu sehr zu dieser freiwilligen Hilfsbereitschaft, selbst wenn sie unter Gefahren zu leisten war, erzogen haben. Auch dieser Gedanke quält mich, daß ich ihn zu meinem alten Regiment geschickt habe, obwohl seine Vorgesetzten bei der Flak ihn gerne für diese Waffe behalten wollten. – Gott, der Herr, hat es anders gewollt. Ein blühendes Menschenleben – noch nicht ganz 18 Jahre alt – ausgestattet mit den schönsten Gaben des Körpers und des Geistes war ausgelöscht worden, kaum, daß es den ersten Schritt ins Leben getan hatte. Wir haben ihn am 21. Januar 1944 auf dem Spandauer Friedhof beerdigt, die Grabrede hielt Pfarrer Bumke, der ihn auch konfirmiert hatte; wir kauften eine große Grabstelle, auf der auch L. und ich begraben werden sollen. Ob wir diese Absicht ausführen werden, nachdem unser Lebensweg eine ganz andere Richtung genommen hat, wissen wir noch nicht.
Sein Sohn war kaum so alt wie der junge Mann, der später mein Vater wird. Meine Großeltern sind nicht in Berlin-Spandau begraben.
Hier endet der 219. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:
Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.
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Es gibt glückliche und unglückliche Zeiten. "Meine Kinderjahre" von Fontane (1989 gestorben) zu lesen, ist über die glücklichen Zeiten. Die nach 1945 geborenen haben auch Glück gehabt. Das sollten sie zu schätzen wissen - trotz mancher Mühsal.
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Liebe(r?) Zeitleser,
jede/r möchte sich glücklich einrichten - in seiner/ihrer Zeit..... ob es ein Recht auf Glück gibt, ist aber nicht sicher: www.sueddeutsche.de/leben/brasilien-das-recht-auf-glueck-1.1054197 |
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Lieber archinaut,
das Datum der Beerdigung wird erwähnt, nicht aber das des Todes. Dazu das 'große' Grab, angedacht und nicht verwirklicht; noch dazu die Vorwürfe und die gequälten Gedanken. Fiktion und Realität, Schein und Sein, dran bleiben... Lieben Gruß von SuzieQ |
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Ja, muntere Suzie,
... das "große" Grab klingt besonders unheimlich für uns Nachgeborene, möglicherweise wegen des Datums in den letzten Kriegsmonaten, vielleicht auch nur, weil wir unseren eigenen Tod so gern verdrängen: da liegt die Fernbedienung, hier sehe ich eine neue Zeitung, drüben wartet die Tastatur, die dürstet nach meinen Fingern (bilde ich mir ein ;-)) Zum Weiterleben muss man Verdrängen... sonst wächst die Bedrängnis. Herzlichen Nachtgruß an Suzie sendet archie |
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Ja, wortgewaltiger archinaut,
magst auch Du einfach mal Klartext schreiben, selbst wenn Dir das Fragwürdige so nah liegt, verdrängt wird hier gar nichts, weshalb Bedrängnis eh keine Chance bekommt, es gibt Freunde und die, welche dazu werden ob ihrer Klarheit... Herzlich zurück, sq |
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Reich beschenkst Du mich, flinkbloggende Suzie,
mich, dem "das Fragwürdige so nahe liegt....." ;-)) und so würde ich gerne Fragen, ob nicht viele von uns "zu sehr zu dieser freiwilligen Hilfsbereitschaft, selbst wenn sie unter Gefahren zu leisten war..." erzogen wurden. Dafür steht als Klartext: Kadavergehorsam Morgen scheint wieder die Sonne, wünscht Dir archie |
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Missverständnis?
"Dafür steht als Klartext: Kadavergehorsam" Würdest Du Deinen Großvater befragen können, sorry, möchte nicht pietätlos erscheinen, würde er Dir antworten: 'den Umständen entsprechend' Wobei die Umstände wiederum fragwürdig sind, (nicht scheinen) und Erziehung Dich da nicht weiterbringt. Eher: der gesunde Menschenverstand, wenn er denn nicht ausgeschaltet ist wg Kadavergehorsams... Man kann lesen, man kann überlesen, man kann nicht lesen, man kann sich eigene Gedanken machen oder auch nicht. Allgemein würde ich das Herz sprechen lassen und den Bauch, beide sind kompetent, was das (Zwischen-) Menschliche angeht, drängen sich aber auch nicht auf. Sie sind einfach. Und wirken, so vor sich hin. In Schubladen finden sich weder Herz noch Bauch, eher verkorkstes Hirn mit Drunterdurchdenken, nicht Drüberwegfliegen. Was fliegen geht, ist der Respekt. Ein Phänomen, weit verbreitet hier in der FC, bleib Du, woran Du bist, ich hab mein Eigenes. Ja, und ich fühl mich wohl dabei, macht es noch dazu Sinn. Denn: es ist alles ganz einfach, ich bin so frei. "Morgen scheint wieder die Sonne" Liest Du auch manchmal, was Du schreibst? So im Nachhinein, mein ich, diesmal und überhaupt, jenseits von Gedanken, es könne jemand mitlesen... Gruß |
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Ja, ich lese auch, was ich schreibe.
"Kadavergehorsam" bezog sich nicht auf den konkreten Fall, ich wollte nur meinem Eindruck Ausdruck geben, dass auch heute noch zum Gehorsam erzogen wird, nicht zur Mündigkeit.... Und weil dieser Gedanke schwarz ist, wollte ich mich mit der Hoffnung auf den Sonnenaufgang verabschieden, liebe Suzie. Hoffentlich kein Missverständnis... |
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Gestern war 'Elternsprechtag' in der Schule.
Der Mathelehrer sagt, ich will ja nicht sagen, dein Kind ist vorlaut, es ist ja auch schon ziemlich weit, kennt Ironie... So wollte ich immer, dass meine Kinder sein werden, damit sie sich durchsetzen können, mit ihrem eigenen Kopf. Mit einer gehörigen Portion Humor und mit Bauch und Kopf. Manchmal wünschte ich schon, sie würden mehr 'gehorchen', aber das war nur aus meiner eigenen Bequemlichkeit gewachsen. Ich liebe es, zu sehen, dass sie keine verhuschten, kleinen Mäuse sind. Und ihrer Mamsi machen sie es auch nicht einfach, auch das liebe ich. Gruß sq |
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Eine wahre Erkenntnis, weise SuzieQ:
"Manchmal wünschte ich schon, sie würden mehr 'gehorchen', aber das war nur aus meiner eigenen Bequemlichkeit gewachsen."..... ;-)) Gelegentlich ist es anstrengend, die Kleinen auf eigene Füße zu stellen, damit sie laufen, wohin Kopf und Bauch sie führen können..... aber es ist das Schlimmste, ihre Flügel zu brechen. Liebe Grüße archie |
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Also, lieber Lieber,
manchmal, also manchmal... Wir haben hier ein Projekt laufen, seit Ende Februar, man könnte uns eine Schauspieltruppe nennen, wir spielen etwas vor, unser Publikum ist bedeckt, naja, mehr oder weniger, Du glaubst gar nicht, wie viel Spaß es bringt, obwohl es wahnsinnig zeitaufwändig ist und echt an die Substanz geht. Nevertheless, es macht Sinn: Wir gaben ihnen Wurzeln und auch Flügel, weder noch wurde gebrochen, na, am Datenschutz knabbern wir, wenig, ist eigentlich gegessen, vorm 11.11.11 schon. Alles andere ist Zugabe, wie gehabt, Geschenke werden verteilt, sicher noch vor Weihnachten, versprochen. ; )) Liebe Grüße zurück sq |
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"....obwohl es wahnsinnig zeitaufwändig ist und echt an die Substanz geht."
Ich bin auch noch nicht sicher, auf welcher Seite der work-life-balance ich die Bloggerei einordnen muss ;-)) Gruß zur Nacht archie |
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das ist faszinierend, weil er es, vermute ich, vor allem für sich und seine familie geschrieben hat. es wichtig war, diese gedanken zu hinterlassen, nicht nur zu teilen, sondern zu bewahren.
welche richtung hat der lebensweg denn genommen? und warum sind sie nicht in spandau begraben? wie ist das eigentlich für Dich, all das lesen zu können? bringt es Dich auf nicht gestellte Fragen? liebe grüße kk |
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Liebe kk,
nach dem Krieg haben sie sich in Hessen bei Verwandten wiedergefunden.... dort sind sie geblieben, weil Berlin für sie untergegangen war. In Hessen liegt ihr Grab, etwas westlich des "Eisernen Vorhangs", der ja inzwischen verrostet ist. An dieser Stelle seiner Erinnerungen frage ich mich natürlich, wie es ist, ein Kind zu verlieren... Läuft die Zeit danach rückwärts? Bleibt sie stehen? Heute habe ich im Radio einen Bericht über die Hinterbliebenen von jungen, türkischen Wehrpflichtigen gehört, die bei Einsätzen gegen die PKK gefallen sind, man hörte im Hintergrund die Totenklagen und die unendlich traurigen Gesänge, und ich frage mich, warum uns diese Lieder fehlen... Nachdenklich grüßt Dich archie |
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Die unendlich traurigen Gesänge helfen, Trauer zu schneller bewältigen, lieber Archinaut. Musiktherapie wird hier in der Türkei seit Jahrhunderten eingesetzt, vor allem gegen Depressionen.
Diese traurigen Gesänge von Hinterbliebenen junger türkischer Wehrpflichtiger und diese traurigen Gesänge von Hinterbliebenen junger kurdischer PKK-Kämpfer, auch immer wieder Marschmusik und diese Nationanbeterei hier & dort. Dauernd Heldenbeerdigungen und kein Ende in Sicht. Danke, Archie. |
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Ein tiefgründiger Hinweis, lieber weinsztein:
"Musiktherapie wird hier in der Türkei seit Jahrhunderten eingesetzt, vor allem gegen Depressionen." Diese Gesänge, wenn auch nur kurz im hintergrund, haben mich an einer Stelle berührt, wo ich dachte taub zu sein.... |
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Du dachtest nur, taub zu sein.
Du bist es nicht, Archie. Lass uns weiter unsere Väter und Großväter reden und über diese unendlich traurigen Gesänge. |
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Ja, das klingt gut, wie Du es sagst......
überVäter und Großväter reden und über diese unendlich traurigen Gesänge.... (wie beruhigend: ich bin doch nicht taub!) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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