archinaut

nirgends.......... sicher... nie

28.06.2011 | 00:02

Wald II

Was tun Wälder? Sie gehen niemals früh zu Bett. Sie warten bis der Holzfäller kommt. Was bedeutet der Sommer für die Wälder? Die Zukunft; die Jahreszeit, in der die Schatten zu Worten werden und wortbegabte Wesen den Mut aufbringen, die Mitternacht um hundert Uhr zu suchen. All das gehört der Vergangenheit an, so scheint’s mir. Kann sein.

Glaubten Nachtigallen an Gott in jener Vergangenheit? In jener Vergangenheit glaubten Nachtigallen noch nicht an Gott. Sie waren in Freundschaft verbunden. Und welche Stellung nahm der Mensch ein? Mensch und Nachtigall sahen sich in der günstigsten Lage zum Träumen: Sie hatten am Wald einen Mitschuldigen. Was heißt Träumen? Du verlangst zuviel von mir. Ein Traum ist eine Frau, die einen Baum fällt.

 

Max Ernst,

Biographische Notizen (Wahrheitsgewebe und Lügengewebe)

Aus:Max Ernst, Ausstellungskatalog Köln/Zürich 1962/63

 

 

Hier endet der 173. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

Next

Back

 Klick zum Gästebuch

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
KalleWirsch schrieb am 28.06.2011 um 00:13
Wälder schenken uns Atem und atmen unseren Atem.
archinaut schrieb am 28.06.2011 um 00:29
Oh, vielen Dank für diesen luftigen Kommentar,
lieber Kallewirsch!

Jetzt habe ich versucht, Deinen Alexandra-Kommentar (Mein Freund der Baum...) hier einzubinden,
ist mir aber nicht gelungen :-))
archinaut schrieb am 28.06.2011 um 00:41
Oh danke,
was für ein Gastgeschenk!!!
glaubdir schrieb am 28.06.2011 um 00:46
@kallewirsch, dieses lied halte ich wieder für absolut geeignet, laut meiner kleinen widerholungswiderstandstheorie aus der matrix auszusteigen und sich selbst zu stärken. ich mags. ;-)
glaubdir schrieb am 28.06.2011 um 00:21
@archinaut, "Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran." schöner satz. kommt mir bekannt vor. ;-)
archinaut schrieb am 28.06.2011 um 00:32
GlaubsDir, lieber glaubdir ;-))
Danke für die Blumen,
egal ob geliehen oder gekauft!
glaubdir schrieb am 28.06.2011 um 01:01
@archinaut, gern erdachte und geschenkte blumen. das klee z.b. wurde eigens von mir mittels anfrage in einem blumenladen aus einem dunklen hinterzimmer befreit und es hat es mir wirklich viel gedankt.
vielleicht hatte karl aus meiner kindheit nen anteil dran. ;-)
archinaut schrieb am 28.06.2011 um 09:43
Du hast unterdrückte, versklavte Pflanzen befreit?
Eine schöne Idee !-))
glaubdir schrieb am 29.06.2011 um 19:18
@archinaut, irgendwie muß man ja positive erfahrungen sammeln. ;-)
archinaut schrieb am 30.06.2011 um 00:46
....oh ja, früh übt sich,
wer ein Meister werden will ;-))
poor on ruhr schrieb am 28.06.2011 um 21:21
Lieber archie,

genial ausgesuchtes Zitat von Max Ernst. Vielen Dank dafür.

Es klingt toll. Beim nochmaligen Lesen fällt mir aber auf, dass mir das Zitat doch nicht so lecht zugänglich ist, wie angenommen.

Kannst Du da einem älteren Mann mit ein,zwei Sätzen durch die Dunkelheit des Waldes helfen, wie Du das siehst?

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 29.06.2011 um 01:44
Lieber por,
im Wald gibt es viele Tiere,
jedes lebt in seiner eigenen Welt,
und doch teilen sie ihren Lebensraum.....
im Text von Max Ernst muss man keine Bedeutung suchen, denke ich. Jeder Leser wird etwas anderes finden, was ihn anspricht. Ich vermute, dass der Text als
"Automatische Niederschrift" entstanden ist,
dazu setze ich hier den Wikipedia Link
de.wikipedia.org/wiki/%C3%89criture_automatique

Max Ernst hatte wahrscheinlich bei der Niederschrift nichts bestimmtes im Sinn, so wie ein Wald ja auch nicht nach einem vorgefertigten Plan entsteht.

Das Gedicht/der Text entsteht also Wort für Wort, Satz für Satz als Neuschöpfung, ohne zu einem Ganzen gezwungen zu werden.

Besonders schön finde ich die Passage:
"Glaubten Nachtigallen an Gott in jener Vergangenheit? In jener Vergangenheit glaubten Nachtigallen noch nicht an Gott. Sie waren in Freundschaft verbunden."
Hier kann man gut sehen, wie sich aus einem einzelnen Wort der nächste Satz entwickelt, der Text aber ständig eine neue, unerwartetete Richtung einschlagen kann.

Ich hoffe, dass ich ein bisschen Hintergrund vermitteln konnte und wünsche viel Spass beim Selber-Probieren...

Herzlichst
archie
poor on ruhr schrieb am 29.06.2011 um 17:18
Lieber archie,

herzlichen Dank für die Erläuterung.

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 30.06.2011 um 00:44
Lieber por,

bin halt ein Surrealismus-Fan,
dafür verstehe ich nix von Kirschen (=Fussball;-))

Herzlichst
archie
poor on ruhr schrieb am 01.07.2011 um 09:37
Lieber archie,
Is doch o.k.

Im Rheinland zu dem Essen auch noch auch noch außer zum Ruhrgebiet gehört, sagt man ja, dass jeder Jeck anders ist.

Jecken sind sie Teilnehmer am Karneval soll aber in dieser redewendunf einfach für Menschen stehen. ;)

Herzliche Grüße

por
SuzieQ schrieb am 02.07.2011 um 03:35
na sowas archie, hätte ich beinahe Wald II verpasst.....

bei Nachtigall fällt mir die Lärche ein,
Nadelbaum, der seine Nadeln abwirft, wien Laubbaum,trapps.

Dann fällt mir der Gingko biloba ein, nicht Fisch,nicht Fleisch, sprich nicht Nadel- noch Laubbaum, ganz eigene Familie (sprich: eigene Klasse, einzige Ordnung, einzige Familie, eine lebende Gattung).
Und vom Kuratorium Baum des Jahres zum "Baum des Jahrtausends" ernannt.

Dann fällt mir ein, die UNESCO hat fünf deutsche Buchenwälder aufgenommen ins Weltkulturerbe....
Wälder, die z.T.jahrzehntelang unbehelligt waren von "Zivilisierten", jetzt aber Wege für Besucher bekommen.
Ob damit den Buchen geholfen ist?

Dann fallen mir die "Superbäume" in Singapur ein:
www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,771405,00.html,
und nochmal zurück zum Gingko, eigentlich Ginyko:

"Gingko Biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie´s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?

J.W.v.Goethe, 1815"

Ja und da ist noch der Nashornkäfer, Affinität Eiche, trotz der Verwandtschaft zum Maikäfer verschmähen sowohl der erwachsene Käfer als auch seine Larven lebende Pflanzen, sprich sie stehen "nur" auf Totholz.

Wenig surreal, sehr waldisch,
Blattgold von Suzie, :)
SuzieQ schrieb am 02.07.2011 um 04:38
ein neuer Versuch für eine Ansicht der Superbäume:

www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/bild-771405-231728.html
archinaut schrieb am 03.07.2011 um 03:21
"na sowas archie, hätte ich beinahe Wald II verpasst..... "

den Wald kann man gar nicht verpassen, liebe SuzieQ,
der ist immer da, egal ob wir hinsehen oder nicht ;-))

Herzlichst
archie
archinaut schrieb am 03.07.2011 um 03:23
Danke für Goethe,
und natürlich für den tollen Singapur-Link!
archinaut
Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
Ort:
Quedlinburg/Berlin
Mitglied seit:
2 Jahre 42 Wochen
Zuletzt aktiv:
24.05.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 333
Kommentare: 5394
Mein Web:
Logbuch
22:16
Hakan Civelek hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:04
DagmarSchatz hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
22:04
luddisback hat gerade einen Kommentar geschrieben.
21:52
luddisback hat gerade einen Kommentar geschrieben.
21:48
GeroSteiner hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG