bertamberg

Gesundheit, Geld oder Leben?

04.11.2011 | 17:07

Ernst in Exeter – Delegitimation eines mephistophelischen Despoten

Ich bin der Geist, der stets verneint...“: Wenn irgendwo Kritik an naturheilkundlichen Methoden zu lesen ist, kann man mit fast 100%iger Sicherheit sich darauf verlassen, dass irgendwann als Quelle für die vertretene Meinung der Name Edzard Ernst auftaucht. Was immer er an naturheilkundlichenVerfahren untersucht hat, seine Urteil war so gut wie immer: Therapeutisch ungeeignet, weil „nicht bewiesen“, „widerlegt“ oder „gefährlich“.

Bei aller Berechtigung, Therapieentscheidungen möglichst fundiert zu treffen ist es aber in der Medizin üblich, traditionelle Verfahren oder Ansichten beizubehalten, auch wenn sie sich nicht vollends rational und perfekt begründen lassen. Um ein etwas bekannteres Beispiel zu bemühen: Die synthetische Acetylsalizylsäure wurde fast 100 Jahre lang rezeptiert, bevor der Wirkmechanismus annähernd vollständig analysiert und verstanden worden war. Ich möchte auch daran erinnern, dass dem synthetischen Arzneimittel eine Jahrtausende dauernde Phase voranging, in der der salizinhaltige Weidenrinde als Phytotherapeutikum eingesetzt worden war, nur gestützt auf intuitives schamanisches Wissen und überlieferte Indikationsgebiete.

Für Edzard Ernst spielt das keine Rolle. Weil er kein ernstzunehmender seriöser Wissenschaftler ist, stellt der quasi religiöse Fanatismus, mit dem er seinen Job als Profesor für (die Verunglimpfung der) Komplementärmedizin in Exeter macht, eine üble, schwer durchschaubare intellektuelle Bauernfängerei dar, was hier punktuell belegt werden soll.

Edzard Ernst beruft sich gerne darauf, dass er auch als Homöopath praktiziert habe, um seine Kompetenz hervorzuheben. Er kann heute ebenso wenig als Homöopath bezeichnet werden, wie eine Frau Pauli als CSU-Mitglied. Wer sich eindeutig von etwas distanziert hat, sollte aufhören zu betonen, es mal gewesen zu sein. Er bestätigt nur, was seit langem immer wieder konstatiert werden muss:

Interessanterweise erleben wir die heftigste Kritik oft von denen, die die geringsten praktischen Erfahrungen mit Naturheilverfahren im weiteren Sinne haben.“(Weber K., Naturheilverfahren heute - eine (polemische) Stellungnahme. In: Der Praktische Arzt, Zeitschrift für den Hausarzt, 26. Jg. Heft 18 (1989), S. 29-31, 1989: 30, nach Twenhöfel, Ralf (1994): Homöopathie und Schulmedizin - Zur Soziologie eines Konfliktes, Haug Heidelberg, S. 62).

Als in der FAZ (3.1.2007), dem Handelsblatt (2.1.2007) und regionalen Medien vor der Behandlung mit Mistelextrakten gewarnt worden war, nahm PD Dr. Jörg Schierholz dies zum Anlass, exemplarisch auf­zuzeigen, wie Edzard Ernst mit einem medizinischer Irrtum arbeitet, um etablierte Therapiever­fahren wie die Misteltherapie oder die Homöopathie in Misskredit zu bringen und Patienten systematisch zu verunsichern.

Die Warnung vor Misteltherapie bezog sich auf einen Artikel von Prof. Ernst, der im British Medical Journal veröffentlicht worden war (Ernst E: Mistletoe as a treatment for cancer - Has no proved benefit, and can cause harm. British Medical Journal 2006; 333: 1282-1283 )

Schierholz stellte richtig:

1. Ernst rückte eine bei der Misteltherapie erwünschte Lokalreaktion (Hautrötung) in den Bereich einer Krebserkrankung („mimicking metastatic malignancy induced by injection of mistletoe") und interpretierte sie als schwere Nebenwirkung obwohl er es besser hätte wissen müssen. Denn die zitierte Originalliteratur, mit der die Negativaussagen untermauert wurden, beinhaltet im Gegensatz dazu explizit, dass unter einer Misteltherapie in der Regel keine schweren Nebenwirkungen beobachtet werden (Huber R: Effects of a lectin- and a viscotoxin-rich mistletoe preparation on clinical and hematologic parameters: a placebo-controlled evaluation in healthy subjects. The Journal of Alternative and Complementary Medicine 2002; 8 (6): 857-866).

2. Die Studienübersicht, die E. Ernst als Nachweis für fehlende Wirksamkeit zitierte, war veraltet und berücksichtigte die wichtigsten klinischen Studien zur Wirksamkeit der Misteltherapie nicht (Ernst E: Anthroposophical Medicine: A systematic review of randomised clinical trials. Wiener Klinische Wochenschrift 2004; 116 (4): 128-130).

3. Eine weitere Referenz, die Ernst zitierte, um das Gefahrenpotential der Mistel zu belegen (Salier R, Kramer S, Iten F, Melzer J: Unerwünschte Wirkungen der Misteltherapie bei Tu­morpatienten - eine systematische Übersicht. In: Scheer R, Bauer R, Becker H, Fintelmann V) , beweist das Gegenteil: Die sehr gute Verträglichkeit der Misteltherapie.

4. Die anekdotisch aufgezählten „schweren Nebenwirkungen", wie beispielsweise Nierenversagen, Ulzerationen, Parästhesien oder Induktion von Herpes, wurden nie mit einer Misteltherapie in Zusammenhang gebracht und sind übliche Begleiterkrankungen bei Tumorpatienten.

5.Die von Ernst zitierten Laboruntersuchungen, die eine Stimulation von Tumorzellen beweisen sollten, wurden wegen methodischer Mängel stark kritisiert, unabhängige Wissenschaftler konnten die Ergebnisse nicht bestätigen.

Schierholz zog als Fazit: Ernsts Beitrag beruht nicht auf einer soliden und aktuellen Kenntnis der relevanten wissenschaftlich-medizinischen Literatur. (Schierholz, Jörg: Vom publizistischen Irrlauf einer medizinischen Fehlinterpretation. Editorial. EHK 2007; 56: 125). Ich füge hinzu: Mit Recht könnte man das wesentlich pointierter formulieren.

Ein ähnlich vernichtendes Urteil über Ernst ist sogar in der Times zitiert : „Professor Ernst seems to have broken every professional code of scientific behaviour by disclosing correspondence referring to a document that is in the process of being reviewed and revised prior to publication. This breach of confidence is to be deplored." Horton R: Peer review of Prince's study into alternative medicines [letter to the editor]. The Times, August 16th 2005: 16 ; vgl auch :The Homeopathy Debate. In: THE JOURNAL OF ALTERNATIVE AND COMPLEMENTARY MEDICINE Volume 11, Number 5, 2005, pp. 779–785. www.homeopathy.org/research/editorials/acm_2005_11_8.pdf)

Auch Prof. Dr. Robert Jütte kommt in seiner Rezension des Buches von Ernst/Singh (Singh, S., Ernst, E. (2009): Gesund ohne Pillen – Was kann die Alternativmedizin? Carl Hanser München) zu vernichtenden Aussagen wie “Epistemologische Probleme kennt das Autorengespann offenkundig nicht. (…) Auffällig ist die Ignoranz gegenüber methodischen und sachlichen Einwänden, die führende Forscher auf dem Gebiet der Komplementärmedizin gegen den selektiven Blick dieser beiden 'Experten' haben.” (…) So nutzt die echte Akupunktur angeblich nur den Placebo-Effekt. Dagegen haben schon 2005 Lewith/Pariente/White [ www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1193550/] nachgewiesen, dass bei der Scheinakupunktur, die mit Teleskopnadeln täuschend echt durchgeführt wird, andere Gehirnareale aktiviert werden als bei der üblichen Nadelsetzung. (…) Wenn ihre Art der wissenschaftlichen Beweisführung den Autoren nicht ausreichend erscheint, um eine Therapie als Quacksalberei zu 'entlarven', dann müssen andere Totschlagargumente herhalten. So werden Risiken ausgemalt, die inzwischen längst von der Forschung relativiert sind, wie etwa bei der Chiropraktik.

Bezeichnend, dass Ernst und Singh ihr eigenes Wissenschaftsverständnis überhaupt nicht thematisierem, sondern nur nach mittelalterlicher Marktschreierart verkünden, dass das eigene Buch hinsichtlich der „Wahrheit über die Alternativmedizin“ an „wissenschaftlicher Strenge, Autorität und Unabhängigkeit nicht übertroffen ist“. (Singh, S. / Ernst/E.: Gesund ohne Pillen, Hanser München 2008, S. 11)

Ein Politiker, der sich nicht  an die Regeln des politischen Betriebes hält und sich so kompromittiert hätte, hätte in einer funktionierenden Demokratie zurücktreten müssen. Aber in der Medizin ist es ja  üblich, auch die wissenschaftlichen Arbeiten von als Betrügern entlarvten Doctores  in der Bibliothek stehen zu lassen. Dennoch  darf es wundern, wenn für Mephisto-Abklatsch Ernst und seine Art von “Wissenschaftlichkeit” anscheinend andere Maßstäbe gelten sollen als diejenigen, die er  für andere  einfordert. Der Spiegel schrieb zu Ernst: “An Ernst prallen die Argumente der Homöopathen ohnehin ab wie an einer Betonwand." Ein zweifelhaftes Lob, wenn einem von seinen Freunden nachgesagt wird, ein dialogunfähiger Betonkopf zu sein. Die Mauer der politischen Betonköpfe ist stark am Bröckeln. Edzard, es wird ernst.

 
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Kommentare
Yola schrieb am 04.11.2011 um 18:52
Danke. Guter Artikel.
bertamberg schrieb am 05.11.2011 um 09:55
@ Yola schrieb am 04.11.2011 um 18:52
Danke für das Feedback. :-)))
tlacuache schrieb am 04.11.2011 um 19:51
:-)
Auf das Merdeisters Schwert auf dich runtersaust...
;-)
---
P.S.
Meiner Einschaetzung nach naehert ihr euch im laufe der Jahre noch an, und wenn's 2025 werden muss...
(mein Wort in XXXXXX Ohr)
;-)
Yola schrieb am 04.11.2011 um 20:48
@tlacuache
Merdeisters Schwert...?
Meinst du den Halloween-Scherzartikel ;-)?

www.amazon.de/Halloween-Schwert-mit-Blut-Ger%C3%A4usch/dp/B000V1TOY6
bertamberg schrieb am 05.11.2011 um 10:03
@ tlacuache schrieb am 04.11.2011 um 19:51

Manche Duelle finden wegen Ungleichheit der Waffen nicht statt. Andere deswegen nicht, weil etwas nicht zur Kenntnis genommen wird.

Es ist doch paradox: Man sagt: "Du bist Luft für mich" um auszudrücken, dass einem einer egal ist und dabei hinkt der Vergleich, weil Luft überlebensnotwendig ist:

"Jan und Julian sind Brüder,
lieben sich, doch hin und wieder,
wie es bei Geschwistern Brauch,
streiten sich die beiden auch.

Julian ruft ärgerlich:
„Du bist künftig Luft für mich,
ab sofort und ganz und gar
für mich völlig unsichtbar“.

Jan entgegnet gut gelaunt
und sein kleiner Bruder staunt:
„Für dich Luft zu sein, das wäre
für mich eine große Ehre.

Denn auch du bist Luft für mich,
ganz genau wie ich für dich.
Menschen könnten doch nicht leben,
würde es die Luft nicht geben“.

www.platinnetz.de/artikel/du-bist-luft-fuer-mich-329553

Mal seh'n was kommt.
ed2murrow schrieb am 05.11.2011 um 09:53
So ganz frei von Dämonen ist Ihr Schrieb auch nicht gerade, lieber bertamberg. Vermischen Sie nicht wieder Pflanzenheilkunde mit dem, was sich als Homöopathie bezeichnet? Ist Ihr „um etablierte Therapiever¬fahren wie die Misteltherapie oder die Homöopathie in Misskredit zu bringen und Patienten systematisch zu verunsichern“ nicht lediglich die Fortführung dieser Vermischung verbunden mit der Suggestion (!), es handele sich tatsächlich um „etablierte Therapieverfahren“? Und schließlich: Ist nicht gerade die Geschichte von ASS und Bayer Anlass dafür, einmal zu schauen, welche Irrwege „auf intuitives schamanisches Wissen und überlieferte Indikationsgebiete“ zurückzuführen sind?

Denn das andere Präparat, das ungefähr zur gleichen Zeit (u.a. als Medikament gegen damals sog. Nervenkrankheiten) von Bayer (später. I.G. Farben) heiß beworben wurde, war das Diacetylmorphin, besser bekannt als Heroin. Ausgerechnet die Synthese jener Opiate, die von Schamanen oft und gerne konsumiert werden, um ihren Trancezustand zu erreichen, wurde, Zitat Wikipedia: „ … in einer massiven Werbekampagne in zwölf Sprachen als ein oral einzunehmendes Schmerz- und Hustenmittel vermarktet. Es fand auch Anwendung bei etwa 40 weiteren Indikationen…“. Über die Wirkungsweise von Heroin brauchen wir uns genauso wenig auszulassen wie über den (diskutierten) frühen Bestandteil von Coca-Cola: Gegen die Höhenkrankheit und Hungergefühle kauen südamerikanische Hochland-Campesinos immer noch (und in Ermangelung von Alternativen, nämlich von ausreichender Nahrung) Coca-Blätter. Und das hat mit den hiesigen Schneestürmen vor allem bei sich selbst stressenden Menschen wenig zu tun.

Dass Ernst den Prince of Wales als „Schlangenölverkäufer“ bezeichnet hat -denn der steckte hinter der sog. Affäre um angeblich verletzte Diskretion- macht ihn mir nicht nur sympathisch, sondern schärft den Blick dafür, wer sonst noch als derartiger Salesman in Betracht kommt.
bertamberg schrieb am 05.11.2011 um 10:53
@ ed2murrow schrieb am 05.11.2011 um 09:53
Lieber ed2murrow,
Sie fragen: "Vermischen Sie nicht wieder Pflanzenheilkunde mit dem, was sich als Homöopathie bezeichnet?"
Hahnemann hat 1827 den Begriff des Potenzierens eingeführt, aber schon 1796 den Begriff "Homöopathie".

Zentral für die Homöopathie ist nicht die Potenzierung, sondern das Simile-Prinzip und der Arzneiversuch am gesunden Menschen. Am Anfang der Homöopathie stand die Urtinktur (§§266 und 267 Organon), die erste Dezimalverdünnung, die mit D1 bezeichnet wird.

Die homöopathische Urtinktur und der alkoholische Pflanzenauszug der Phytotherapie haben Verwandschaft, die Unterscheidung kann man danach treffen, ob das Mittel nach dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) hergestellt wurde oder nicht.

Zum Stichwort "etablierte Therapieverfahren": Die Homöopathie war im Verlauf ihrer Geschichte noch nie gezwungen, wegen unerwünschter Nebenwirkungen ein Medikament vom Markt zu nehmen, während für die nichthomöopathische Medizin der Arzneimittelskandal fast zum Dauerzustand geworden ist. Insofern ist es keine Suggestion, das Adjektiv "bewährt" zu benutzen.

Die Vermarktung von Heroin als Beleg für die Irrwege schamanischen Wissens heranzuziehen leuchtet mir nicht ein.

Das das Traditionswissen jedoch von heutigen Pharmakonzernen aufgegriffen wird, ist z.B. in Gisela Graichens Buch "Heilwissen versunkener Kulturen",Econ Verlag München 2004 dokumentiert. Eine ethnobotanische Studie verglich die von sechs Indianergruppen Mexikos benutzten Arzneipflanzen und kam zu dem Ergebnis, dass "eine Reihe von Arzneipflanzen von verschiedenen Ethnien zu gleichen therapeutischen Zwecken eingesetzt" wird, obwohl "ein direkter Kontakt zwischen den Gruppen kaum möglich" ist. "In jedem Fall zeigt die vielfach identische Nutzung, dass nach den Vorstellungen der jeweiligen Indianergruppen Pflanzen eine bestimmte 'erwartete' pharmakologische Wirkung haben. Für die moderne Wissenschaft ein wichtiger Hinweis für die spätere Analyse im Labor." (S. 171)
ed2murrow schrieb am 05.11.2011 um 12:24
Zum Kapitel „Homöopathie“ und ihre „Medikamente“ verweise ich nicht nur auf die früheren Diskussionen. Vielmehr bringe ich den Blog von Samuele Riva „Homöopathie: Mythos und Legende“ in Erinnerung, in dessen dritten Teil per Video auch sehr schön veranschaulicht wird, wie die von Ihnen genannten „Wirkprinzipien“ zum Leben erweckt werden.

Wenn Sie also schreiben: „Die Homöopathie war im Verlauf ihrer Geschichte noch nie gezwungen, wegen unerwünschter Nebenwirkungen ein Medikament vom Markt zu nehmen“, dann ist das die Suggestion, dass solche überhaupt Wirkung entfalten. Wäre es so, müsste auch Leitungs- oder Mineralwasser mit Arsen C4 vom Markt genommen werden. Und in der Tat gibt es nur ein Wirkprinzip dabei, das von Natur aus und per definitionem kausale Nebenwirkungen ausschließt, das ist der Placebo-Effekt. „Harm“loser geht es nicht.

Natürlich wird Heilwissen von Pharmaunternehmen aufgegriffen. Mehr noch: Wer sich wirklich dafür interessiert, sollte sich einmal mit Johannes Gottfried Mayer et al. beschäftigen und noch genereller mit der Forschungsgruppe Klostermedizin. Der Arzneimittelhersteller Abtei will dabei, Zitat: „"als Vermittler zwischen Erfahrungsmedizin und heutiger Therapieanforderung (...) entschieden der unreflektierten Übernahme des alten Wissens in vermeintlich alternative Heilverfahren entgegenwirken.
bertamberg schrieb am 05.11.2011 um 12:49
Lieber ed2murrow,

das von Ihnen ins Feld geführte "Mineralwasser mit Arsen C4" ist mit Sicherheit nicht entsprechend den Regeln des HAB hergestellt, von daher kann es nicht als solches bezeichnet werden.
ed2murrow schrieb am 05.11.2011 um 12:57
Sie meinen das hier?

bertamberg schrieb am 05.11.2011 um 19:00
@ ed2murrow schrieb am 05.11.2011 um 12:57

Lieber ed2murrow, ich schrieb: "Zentral für die Homöopathie ist nicht die Potenzierung, sondern das Simile-Prinzip und der Arzneiversuch am gesunden Menschen." und sie steuern wieder auf die Frage der Potenzierung.

Der Placebo-Begriff erklärt gar nichts, den sollten Sie mal auf dem Müllhaufen der nichtssagenden Begriffe entsorgen (vgl. auch meine Blogbeiträge dazu www.freitag.de/community/blogs/bertamberg/placebo---dekonstruktion-einer-zweckluege-teil-5)

Im Lancet war mal die Frage gestellt worden: "Warum ist es denn falsch, ein Placebo zu geben, wenn wesentliche Bestandteile der modernen Therapeutik nicht besser sind als Placebos?" (Shall I please? Editorial. Lancet II, 1465-1466 (1983)

Maimon und Morelli schätzten, dass 35-45% der ausgestellten Rezepte keine spezifische Wirkung auf die Erkrankungen hätten, für die sie verordnet wurden (Clinical Pharmacology. Basic Principles in Therapeutics. macmillan, New York 1978)

Ein passend ausgesuchtes Homöopathikum hat eine spezifische Wirkung, aus Gründen, die wir nicht rational eindeutig belegen können.

Und die vielgerühmten Doppelblindstudien sind oft fragwürdig, weil echte Doppelblind-Bedingungen sehr schwer zu realisieren sind, mitunter unmöglich, wie u.a. Sir Austin Bradford Hill mitteilte (Personal view. Br. med. J. 290, 1074 (1985).
merdeister schrieb am 05.11.2011 um 19:17
Der Despot in Aktion:
bertamberg schrieb am 06.11.2011 um 23:53
@ merdeister schrieb am 05.11.2011 um 19:17

Dass sie den Terminus "Despot" ohne Anführungszeichen übernehmen, könnte den Schluss zulassen, dass Sie ihn als Bewertung gelten lassen.

Ansonsten: Nicht jedem, der wie ein lieber Opa auftritt, nehme ich das ab. Mitunter verbirgt diese Attitüde eher etwas.
merdeister schrieb am 12.11.2011 um 18:45
Dass sie den Terminus "Despot" ohne Anführungszeichen übernehmen, könnte den Schluss zulassen, dass Sie ihn als Bewertung gelten lassen.

Das ist natürlich ein Hin- wenn nicht ein Beweis!
gedankenabfall schrieb am 10.11.2011 um 21:52
Liebe(r) bertamberg.

In deiner Argumentation oben finden sich doch einige Löcher.

Du beginnst damit, die Berechtigung traditioneller Medikamente mit dem Traditionsargument zu begründen und verwechselst im gleichen Satz auch noch Aufklärung des Wirkmechanismus mit Nachweis der Wirksamkeit.

Dass Phytotherapeutika ausschließlich basierend auf „intuitive[m] schamanische[m] Wissen“ darf wohl bezweifelt werden, damit unterstellst du den Menschen praktisch grenzenlose Blödheit. Einen Beleg für die Behauptung bleibst du schuldig.

Homöopathie und Phytotherapie werden unzulässigerweise vermischt.

Du behauptest, dass Edzard Ernst sein Praktizieren der Homöopathie herausstreichen würde, um seine Autorität zu untermauern. Du unterschlägst dabei jegliche Belege. Ich selbst habe das noch nicht erlebt.

Übelstes ad hominem: Du wirfst Edzard Ernst „quasireligiöse[n] Fanatismus“ vor, die „Verunglimpfung der Komplementärmedizin“, „Bauernfängerei“ vor; und propagierst im gleichen Atemzug Homöopathie und Misteltherapie - natürlich ebenfalls ohne auf grundlegende Kritik an der Lehre des magischen Wassers eine Antwort zu haben ("spezifische Wirkung, die man rational nicht belegen kann“ – was soll da bedeuten).

Das nützt es auch nichts, dass du kleinlich angebliche Versäumnisse von Ernst aufzählst – die nicht einmal von dir selbst recherchiert sind, sondern die ein PD Doktor Schierholz und Professor Doktor Jütte, und was weiß ich für Autoritäten behaupten. Dass Ernst die evidenzbasierten Teile der Alternativmedizin durchaus anerkennt, wird unterschlagen.

Ein von Geifer und Galle triefender Artikel, ohne eigene Gedanken, doch nur die alten Fehlschlüsse wiederholend.

Und ist dir dieses Herumreiten auf „Mephisto“ nicht etwas peinlich?
bertamberg schrieb am 11.11.2011 um 12:32
@ gedankenabfall schrieb am 10.11.2011 um 21:52

Danke für den Beitrag. Ich werde darauf zurückkommen.

Viele Grüße

bertamberg
bertamberg schrieb am 11.11.2011 um 12:40
Frage an die Redaktion:
"gedankenabfall" ist als Seite nonexistent. Wem muss ich diesen Gedankenabfall zuordnen?
bertamberg schrieb am 11.11.2011 um 12:41
Frage an die Redaktion:
"Gedankenabfall" ist als Seite nonexistent. Wem muss ich diesen User/Blogger "Gedankenabfall" zuordnen?
gedankenabfall schrieb am 11.11.2011 um 13:26
Ich bin kein Bloguser hier, sondern lediglich Kommentator. Mich findest du via Twitter @gedankenabfall.

Der Nick deutet nur an, dass ich mich auch irren kann ... und das auch des öfteren tue.
gedankenabfall schrieb am 11.11.2011 um 16:21
Vermutlich ist das über meinen Usernamen schon klar, aber sicherheitshalber will ich es noch einmal erwähnen: ich habe unter dem Link „Fehlschlüsse“ mein eigenes Blog „Detritus“ verlinkt.

Nicht, das hier Missverständnisse aufkommen ...
bertamberg schrieb am 19.11.2011 um 15:14
@ gedankenabfall schrieb am 11.11.2011 um 16:21

Hallo Gedankenabfall,

aus zeitlichen Gründen möchte und muss ich mich beschränken. Was ich mit diesem Blogbeitrag thematisiere, ist die Frage der Kompetenz von Experten, und die Frage der Verallgemeinerungsfähigkeit ihrer Expertisen, alle Beispiele beziehen sich darauf. Ich habe meine Antwort in einen eigenen Blog gestellt, weil es doch zu umfangreich geworden ist (www.freitag.de/community/blogs/bertamberg/ernst-enttaeuschende-wissenschaft).

Ein Gedanke noch zu Ihrem Nick: „Gedankenabfall“ erscheint mir als ein Nomen, das zu sehr von linearem Denken des Homo pseudosapiens geprägt ist. Die Natur kennt keinen Abfall, sondern verwertet alles in irgendeiner Form. Aus Abfall wird durch verarbeitende Mikroorganismen Humus. Detritus ist die Vorstufe von Humus. Je mehr Nährhumus vorhanden ist, umso stabiler der Dauerhumus.

Vielleicht können Sie noch folgende Frage beantworten: Weswegen sollte man noch randomisierte klinische Studien machen, wenn man mit der „Never-change- a-winning-team-Strategie mit Lernalgorithmus“ Erfolgswahrscheinlichkeiten schneller und zuverlässiger ermitteln kann?

Ich wünsche mir und Ihnen, dass die Anmerkungen der im Medizinbereich tätigen Physiker Bornholdt und Dubben auf fruchtbaren Boden fallen.

Mit freundlichen Grüßen

bertamberg
ed2murrow schrieb am 11.11.2011 um 15:31
Den Artikel finde ich als Pendant zum Blog sehr spannend:

blog.esowatch.com/?p=4870
merdeister schrieb am 12.11.2011 um 18:42
Huhu,

möchten Sie eigentlich noch erwähnen, dass es bei der Kritik von Horton eher um Etikette ging, als um wissenschaftliches Arbeiten? Oder dass es sich um einen Leserbrief gehandelt hat?

In 2005, a report by economist Christopher Smallwood, personally commissioned by Prince Charles, claimed that CAM was cost-effective and should be available in the National Health Service (NHS). Ernst was initially enlisted as a collaborator on the report, but asked for his name to be removed after a sight of the draft report convinced him that Smallwood had "written the conclusions before looking at the evidence".[10] The report did not address whether CAM treatments were actually effective and Ernst described it as "complete misleading rubbish."[10]

Ernst was, in turn, criticised by The Lancet editor Richard Horton for disclosing contents of the report while it was still in draft form. In a letter to The Times Horton wrote: "Professor Ernst seems to have broken every professional code of scientific behaviour by disclosing correspondence referring to a document that is in the process of being reviewed and revised prior to publication. This breach of confidence is to be deplored."[11]

Prince Charles' private secretary, Sir Michael Peat, also filed a complaint regarding breached confidentiality with Exeter University. Ernst has claimed[10] that circumstances surrounding the ensuing University investigation led to his retirement.

Quelle

Haben Sie erwähnt, welche Probleme Herrn Ernst aus dem Konflikt mit dem Prinzen erwachsen sind?

A letter was sent from Clarence House to the vice-chancellor of Exeter University, Steve Smith. The letter alleged a breach of confidence by Ernst. Having been sent a draft of the Smallwood report, Ernst was so horrified by the scientific standards in that document, he felt obliged, in the public interest, to speak out about it. Ernst was contacted by a newspaper, which had a copy of the draft, and described the initial findings as “outrageous and deeply flawed”. He added: “It is based on such poor science, it’s just hair-raising. The Prince … also seems to have overstepped his constitutional role”

Prof Ernst was doing exactly what academics are meant to do. As a result he was subjected to a very prolonged disciplinary procedure, and for a year it was not obvious whether he’d keep his job. For a Prince, in a constitutional monarchy, to put pressure on a university to silence a conspicuously honest academic is just not acceptable.

Quelle

Und wie ein Despot klammerte Ernst sich mit aller Macht an seine Position.

Edzard Ernst wurde 1993 Professor für Alternativmedizin und hat sich eine ziemliche Reputation als Forscher und Mann der Wissenschaft aufgebaut. Aber 2005 nahm die Geschichte eine bemerkenswerte Wendung. Der Ökonom Christopher Smallwood, persönlich von Prinz Charles beauftragt, behauptete, dass eine Menge Geld durch den Einsatz alternativer Behandlungsmethoden gespart werden könne. Leider wurde diese Position nicht durch Beweise gestützt. Nicht einmal im Ansatz! Edzard Ernst nannte es “kompletten, irreführenden Unsinn.”. Um die Geschichte kurz zu fassen, der Privatsekretär von Prinz Charles beschwerte sich über Edzard Ernst, der in der Folge “persona non grata” an seiner Universität wurde.

Herrn Ernst waren weitere Mittel versprochen worden, aber alle Quellen versiegten zu diesem Zeitpunkt. (Was eigentlich eine offensichtliche Entwicklung ist, die meisten alternativmedizinischen Institutionen wollen offenbar nicht, dass echte Wissenschaft sich mit ihren Methoden beschäftigt.) Die Universität hatte ihm versprochen, dass sie eine Summe in Höhe der anfänglichen Mittel seiner Abteilung bereitstellen werde, aber das geschah nicht. Die Abteilung war dann nicht in der Lage, alle Mitarbeiter zu halten. Ernst wurde informiert, dass seine Abteilung bei seiner Pensionierung aufgelöst werden solle.

Und so verhandelte er. Der Deal: Sofortiger Ruhestand und erneute Halbtags-Anstellung für ein Jahr, um zu helfen, einen Nachfolger zu finden. Die Abteilung würde weiter bestehen.
Quelle
bertamberg schrieb am 15.11.2011 um 18:40
Zur Vorgeschichte dieser Emeritierung gäbe es sicher noch Einiges zu sagen, in meiner baldigen Antwort an gedankenabfall werde ich darauf teilweise eingehen. Vorab nur eine Reminiszenz.

Nach Hanns Eisler war Bert Brecht ein “genialer, ungeheurer intelligenter und scharfsinniger Mensch gewesen, den man eigentlich nie belehren konnte.” Eisler erzählte gerne eine Anekdote darüber, wie es ihm einmal doch geglückt sei: Als Eisler Brecht in Hollywood besuchte, berichtete Brecht ,”daß gerade ein bekannter Filmregisseur bei ihm gewesen sei, der schon nach einer Stunde tödlich gekränkt Brechts Haus verlassen habe. Er wolle nie mehr mit ihm zusammenarbeiten. “Ich verstehe den Mann nicht”, fuhr Brecht fort, “Ich habe doch nur die Wahrheit gesagt.” [Eisler fragte zurück:] “Lieber Brecht, wie laut?”

(nach: Hans-Peter Müller: Ein Genie bin ich selber! Hanns Eisler in Anekdoten, Aphorismen und Aussprüchen, Verlag Neue Musik Berlin 1984, S. 24)
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