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18.11.2009 | 01:17

Philosophie für Gelangweilte-Die Klingonentheorie

Philosophie für Gelangweilte- Eine Heldengeschichte aus unendlichen Weiten

 

-Kooptierter Beitrag zum Konstanzer Exzellenzcluster 16-

„Star Trek“, mit Kirk und Spok an Bord ist, im Gegensatz zu der Thesen des reduktionistischen Möglichkeitsphilosophen David Lewis, ein wahres Spielgelbild für unsere Möglichkeiten. Ausserhalb unserer Welt der Vorstellung bewegt sich darin nichts.

So müssen die Crew Mitglieder nicht daran zweifeln, ob sie von Klingonen angegriffen werden, die Film-Handlung schreibt ihnen vor, dass es so ist. Das Schiff, die „Enterprise“, erhält Treffer, meist erst von einer unsichtbaren Macht, aber dann stellt sich heraus, er waren die Klingonen. Sie werden sichtbar gemacht, machen sich selbst sichtbar und manchmal schaffen sie es sogar, wieder zu verschwinden.

Kein Mensch auf dieser Erde denkt, es gäbe in unserer Realität tatsächlich „Klingonen“, es sei den Klingonen stehen symbolisch, z.B. für unerklärliche Fähigkeiten, die Übermacht, die aber doch besiegt oder gezähmt wird, wie der Teufel in uns, der Fremde weit draußen. Denn sie sind ja erdacht von Menschen, die sich auch die „Föderation“ ausdachten, die Kirk und seine Multikulti-Crew auf die Erkundung möglicher fremder Welten schickten.

Klingonen weisen ihre Anwesenheit in der fiktionalen Handlung durch Wirkungen nach. Sie sprengen und fasern und photonieren vor sich hin, das es eine Lust ist. In der Fiktion wohlgemerkt, dieser menschlichsten aller Möglichkeitswelten, sind die Klingonen sogar eine ganz starke Macht und sie verwenden, da sie als existierende Wesen beschrieben werden, starke Kräfte und sichtbare Veränderungen in der Welt der Sternenflotte. Klingonen lassen sich zu Vertragsverhandlungen einladen, sie verstehen Spaß nur in ruppiger Form, und irgendwann einigen sie sich auf Zeit mit Kirks und Spoks Welt.

Schwieriger wird es, wenn die möglichen „Studenten“, die geneigten Leser, sich mit Dingen beschäftigen müssen, die zwar als existent behauptet und geglaubt werden, deren Wirkungen aber, geistig und materiell als eher schwach eingeschätzt werden. - Das sind durchaus wichtige Dinge, durchaus Dinge, die einen wesentlich geringeren Abstraktionsgrad und auch weniger Diversität aufweisen als Rodenberrys „Star Trek“. Unter Umständen die Driftbewegung eines Überträgermoleküls an seiner Rezeptottasche auf der Oberfläche einer Nervenzelle, die wir , Gott sei es geklagt, mittlerweile sogar sichtbar machen können. Allerdings nur elektronisch verstärkt und eben nicht als starke Wirkung spürbar. - Dürfen wir den erweiterten Sinnen trauen? - Könnte uns doch nur ein Schlag treffen, auf das wir überzeugt sind.

Je weiter weg wir den Glauben an Wunderheilung, Magie, Gedankenübertragung, Vision, Esotherik und paranormale Phänomene in eine voraufgeklärte Welt zurück verlegen, sie eben historisch als nur möglich, nicht wirklich betrachten, desto erstaunter tun wir, weil sich ganze Jahrhunderte und Jahrtausende lang Menschen als anfällig für solche Möglichkeiten erwiesen haben und trotzdem gut oder schlecht leben konnten. - Wir dürfen ja zum Beispiel raten, ob der Messias schon gekommen ist, oder, ob er noch erwartet wird, und dürfen gleichzeitig kalkulieren, ob der Glaube oder Nicht-Glaube daran unseren Vorrat an Möglichkeiten so erschöpft, dass wir brüsk ablehnen zu denken, der Messias komme vielleicht mehrfach, sei schon mehrfach gekommen, werde wieder kommen und dann auch wieder gehen, oder möglicherweise gibt es ihn gar nicht.

Dabei ist unserer Realität ja durchzogen von Möglichkeitskalkülen, die jeder implizit oder explizit anstellt, die manchmal zu ganz abstrusen Ergebnissen führen, z.B. bei der Einschätzung von Risiken. So werden wir von den lieben Nächsten mit Vorliebe gemordet, halten aber meistenteils  Fremde für die einzig möglichen Täter, die schon irgendwo in der Welt lauern, nur um uns zu Opfern zu machen.

Ein einfaches Beispiel. Wir stellen uns vor, dass es einen „Exzellenz-Cluster“ gibt und dieser Exzellenz-Cluster irgend eine wissenschaftliche Aufgabe hat, -sie wird, im Gegensatz zur „Exzellenz“, nicht genannt-, aber man ahnt und assoziiiert es, hat eine Intuition, was damit gemeint sein könnte, weil die hübsche Geschäftsführerin der Möglichkeiten dazu philosophische, aber kaum exzellente, Andeutungen macht. Was noch viel spannender wäre, im Sinne des Nachdenkens über Möglichkeiten, wenn dieser Exzellenzcluster völlig frei sei, was er überhaupt in dieser Absicht bedenken möchte, im Sinne der Wissenschaft, mit den Kritierien der Wissenschaft.

Letzteres ist gerade im Bereich des Nachdenkens über Möglicheiten vielleicht ein Wagnis, unter Umständen ein Hemmnis, wie eben auch die Frage, ob sich Möglichkeiten mathematisch oder mit einem logischen Kalkül abbilden lassen und damit schärfer zu fassen wären. - Leibniz hätte vielleicht noch an diese Möglichkeit geglaubt, denn ihm war ja der Geist gegeben, in der Mathematik eine göttliche Emanation sehen zu können.

Vor dem a priori Wissen über die alltägliche Welt der Möglichkeiten, haben die meisten Naturwissenschafler und auch ein Teil der Philosophen gehörige Furcht, denn es lässt sich schlecht in einer Theorie abbilden, nicht gefügig machen und sträubt sich gegen einfache oder wenig differenzierte Erklärungen, für die man in der weiten Wissenschaftswelt aufgrund der leichteren Überprüfbarkeit eine Vorliebe hat. Ja, es gibt sogar Philosophen, die grundsätzlich daran glauben, es existiere keine Möglichkeit ausserhalb des überprüfbaren Wissens, wirklich Erkenntnisse zu erlangen.

Leider, oder besser, wir sind im Studium generale und nicht im Rigorosum der Exzellenz, hält sich die Welt nicht an die Grundannahme methodisch strenger Denker, sie muss beständig erzählt werden und wir, wir glauben das dann. - Manchmal.

Liebe Grüße

Christoph Leusch

 

Anmerkungen, die Sie aber keinesfalls lesen sollten:

  • Viel Wissenswertes zu David Lewis: plato.stanford.edu/entries/david-lewis/

  • Exzellenzcluster 16 der Universität Konstanz

    www.exc16.de/cms/

     

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    Kommentare
    tlacuache schrieb am 16.06.2011 um 06:34
    Interessant,
    besonders:
    "Intellektuelle Milieus lassen sich nicht verordnen, sondern allenfalls klug befördern. Deshalb gibt es im Cluster auch keinen Fünfjahresplan und keine zentrale thematische Agenda, auf die alle Wissenschaftler verbindlich eingeschworen werden..."
    Nur so jet dat...
    LG
    bertamberg schrieb am 16.06.2011 um 10:33
    "Dabei ist unserer Realität ja durchzogen von Möglichkeitskalkülen, die jeder implizit oder explizit anstellt, die manchmal zu ganz abstrusen Ergebnissen führen, z.B. bei der Einschätzung von Risiken."

    Auskunftsersuchen an Frau Aigner und Herrn Ramsauer:
    Wie hoch ist das Risiko, heute in Hamburg von einem mit Sprossen garnierten Salat an einer EHEC-Infektion zu erkranken, im Vergleich dazu, wenn man einen vergleichbaren Salat in München isst?

    Wie hoch ist das Risiko, heute in Hamburg oder München einen Verkehrsunfall mit Personenschaden zu erleiden im Vergleich zum EHEC-Erkrankungsrisiko?

    Setzen Sie die beiden Risiko-Quotienten zueinander in Beziehung und quantifizieren Sie die Dringlichkeit von Vorbeugemaßnahmen.
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