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Um 21:00 Uhr hat Silvio Berlusconi gegenüber Staatspräsident Giorgio Napolitano seinen Rücktritt als Ministerpräsident erklärt. Zuvor war in der Abgeordnetenkammer des Parlaments das Stabilitätsgesetz verabschiedet worden, das die Umsetzung der gegenüber der Europäischen Union eingegangenen Verpflichtungen zur Haushaltssanierung enthält. Gleichzeitig wurde ein Finanzrahmenplan bis 2014 verabschiedet.
Nach Rücktritt des Ministerpräsidenten ist es nun Aufgabe des Staatspräsidenten, eine Persönlichkeit mit einer neuen Regierungsbildung zu beauftragen. Einziger Kandidat dafür ist Mario Monti, 68, der am vergangenen Mittwoch von Napolitano zum Senator auf Lebenszeit für seine „Verdienste um Wissenschaft und soziale Belange“ ernannt worden ist. Der gelernte Wirtschaftswissenschaftler ist damit permanentes Mitglied der zweiten parlamentraischen Kammer in Rom, dem Senat.
Mario Monti, der unter anderem 1994 bis 2004 Europäischer Binnenmarkts-, danach Wettbewerbskommissar war, hatte in den vergangenen Tagen intensive Gespräche mit allen in Parlament vertretenen Parteien. Dabei kristallisierte sich seine Kandidatur unter der Voraussetzung einer sogenannten technischen Exekutive heraus, die für eine Umsetzung der Sparbeschlüsse verantwortlich zeichnen und unmittelbar danach Neuwahlen ausschreiben soll. Die bisherigen Regierungsparteien, Berlusconis Popolo della Libertà (PdL) und die Lega Nord erklärten, dass sie nur unter dieser Voraussetzung einer neuen Regierung ihr Vertrauen aussprechen werden. Die Lega Nord betonte, dass sie an der neuen Exekutive nicht teilnehmen werde, was vor allem das Ausscheiden von Roberto Maroni, dem langjährigen Innenminister, und Umberto Bossi, Chef der Lega und Minister für die Föderalismusreform, bedeutet.
Ein Junktim, das von Berlusconi persönlich in den letzten Tagen ins Spiel gebracht worden war, als Stellvertreter Montis entweder den ehemaligen Justizminister und möglicher Nachfolger Berlusconis als Parteichef Angelino Alfano oder aber Unterstaatssekretär Gianni Letta zu installieren, war zuvor am Widerstand der Opposition gescheitert. Beide gehören zu den engsten politischen Weggefährten Berlusconi. Alfano zeichnete als Fachminister für mehrere Gesetze verantwortlich, die es dem Medien-Unternehmer ermöglichten, in mindestens drei Strafprozessen straflos zu bleiben.
Mario Monti, der seit Jahren Präsident der privaten Eliteuniversität Bocconi in Mailand ist, wird am Sonntag seine Konsultationen intensivieren, um zu Beginn der Woche, wie gesagt wird: auch mit Blick auf die Öffnung der Börsen eine Namensliste für das Exekutiv präsentieren zu können.
Die Nachricht vom Rücktritt Berlusconis wurde von Zehntausenden von Menschen, die seit den Nachmittagstunden vor dem Präsidentenpalast, dem Parlament und dem Amtssitz des Ministerpräsidenten gewartet hatten, mit Begeisterung aufgenommen. Sprechchöre „Fuori la Mafia dallo Stato“ (Raus mit der Mafia aus dem Staat) begleiteten die Fahrt Berlusconis von seiner Residenz Palazzo Grazioli zum Amtssitz des Staatspräsidenten am Quirinal. e2m
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Für seinen Abgang zahlen die Italiener schon mal 21% MWST. Und was mir an den Italiener am meisten gefällt ist das die ganz unverhohlen happy sind!
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Hoffentlich sind sind sie erst mal unverhohlen happy, sammeln sich dann und wehren sich im Bewusstsein, dass Stabilitätsgesetze pro EU ebensowenig ehern sind wie Strafvereitelungsgesetze pro Berlusconi.
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@ weinzstein,
Selbstverständlich hat alles einen ganz üblen Beigeschmack!!! Mario Monti wurde praktisch durch die EU eingesetzt. Er wurde nicht von den Italienern gewählt! Ähnlich die EU in Griechenland. Ähnlich die EU-Erweiterung 2004, die 2003 mit dem "Beitrittsvertrag" 2003 in Athen beschlossen wurde. Dann das 2. durch die EU erzwungene Referendum in Irland. Politische Entscheidungen werden zunehmend in Brüssel und nicht mehr durch die gewählten Regierungen gemacht. Ich sehe das mit Blick zurück auf Jugoslawien mittlerweile im kritischer. |
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@Rosa Sconto 11:50h
>Mario Monti wurde praktisch durch die EU eingesetzt. Er wurde nicht von den Italienern gewählt!< > Politische Entscheidungen werden zunehmend in Brüssel und nicht mehr durch die gewählten Regierungen gemacht. < Auch wenn Monti eine große Chance für Italien sein kann,nach Berlusconi kann es eh nicht noch schlimmer werden,sollte man doch genau beobachten ,wer in Zukunft die Strippen zieht. Die Italiener lassen sich kein "zweites Griechenland" gefallen.Dann wird das Land in Schutt und Asche gelegt,man denke an die Ausschreitungen in Rom vor ein paar Wochen... und da gibt es noch Genua und Mailand und Padova und Bologna und so weiter. |
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@ Anna,
klar Du hast da voll meine Zustimmung! Jeder vernüftige Mensch ist froh das dieser "Clown" weg ist. Und auch was die Belastbarkeitsgrenze der italienischen Bevölkerung betrifft sehe ich es genauso. Obwohl wir hatten das auch immer von den Franzosen angenommen, - und da herrscht beängstigende Ruhe vor dem Sturm mit einer blonden Frau als nationalistische Neuausgabe einer Jeanne d'Arc für verstörte Franzosen. Ich rege mich nur über die mangelde Sensibilität bei Beschlussfassungen in Brüssel über souveräne Staaten auf. Bezlebub treibt Teufel aus, oder was ist da los? Jede dieser willkürlichen Entscheidungen aus Brüssel hat dann immer eine Zunahme an Lokal-Patriotismus zur Folge. |
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>Ich rege mich nur über die mangelde Sensibilität bei Beschlussfassungen in Brüssel über souveräne Staaten auf.<
Dann sind wir schon zwei die sich darüber aufregen ,Rosa.Aber da sollten sich, ziemlich schnell,ganz viele Menschen Gedanken machen,aufregen und handeln... |
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erectare humanum est
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Gestern am späten Abend war hier noch kein Text. War da auch "die Technik schuld?" ;-D Aber jetzt ist's besser.
Ja, wie kommt die EU eigentlich dazu einen Regierungschef abzulösen und den ehemaligen Binnenmarkts Kommissar zu installieren, ihn mit der Durchsetzung der wirtschaftlichen Ziele zu beauftragen und dann danach erst Neuwahlen zuzulassen? Ich denke wir haben hier ein ganz ganz grosses Problem mit dem Demokratieverständnis innerhalb der EU. Es macht wenig Sinn über die Installation von "Technokraten" zu lamentieren, schießlich stehen die für eine gewisse Qualifikation, trotzdem darf nicht übersehen werden das viele dieser "Technokraten" doch erst für das Dilemma verantwortlich sind in dem sich die EU heute befindet. |
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In einem interessengeleiteten Kampf gegen den EURO-Wirtschaftsraum installiert Brüssel neoliberal ausgerichtete Technokraten, um dem makroöknomischen Dilletantismus der letzten Jahre mit akademische Excellenz zu kaschieren - das Volk freut sich zum Teil, als wenn die gesamte Nomenklatura ausgetauscht worden wäre, der IWF, seit seiner strikten Verfolgung des Washington Consensus schon lange keine mehr wirklich seriöse unabhängige Institution, bestimmt die wirtschaftspolitischen Direktiven des italienischen Staates! Über was soll ich mich dahingehend überschwenglich freuen können? Das Berlusconis überbordendes Strafregister für die ermitteldenden Staatsanwälte, die gerade in Italien über sehr viel mehr Unabhängigkeit als in der hiesigen BRD verfügen, nicht ausreichente, ist weiterhin als skandalös zu bezeichnen und zeigt den Zustand und die Ohnmacht der dortigen Judikative und Exekutive gegenüber ein sich teilweise nicht mehr kontrollieren lassendes politisches System. Sicherlich, Berlusconi kann sich zumindest keine maßgeschneiderten Gesetze mehr zusammenzimmern, aber die Gefahr, dass er das ein weiteres mal als Saubermann auf die politische Bühne zurückkehrt, ist gar nicht so gering, sollten die Sparmaßnahmen nämlich für weite Teile der Bevölkerung als unzumutbar herausstellen. Da wird er sogar mit dem Bonmot auftrumpfen dürfen, dass in seiner letzten Amtszeit ein leichter Haushaltsüberschuss erzielt wurde...
Joseph E. Stiglitz: www.youtube.com/watch?v=FjAG_WNe99U&feature=related |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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