Hanning Voigts

Blog von Hanning Voigts

23.11.2011 | 14:59

Hamburg: Wagenplatz „Zomia“ geht in die Offensive

Einen Tag vor einer möglichen Räumung des Wagenplatzes „Zomia“ in Hamburg-Wilhelmsburg sind die Wagenbewohner in die Offensive gegangen: Überraschend haben sie heute Morgen eine Brachfläche im Stadtteil Bahrenfeld besetzt, der zum Bezirk Altona gehört. Zuvor hatte die SPD in Altona den Zomia-Aktivisten eine andere, kleinere Fläche als Übergangslösung angeboten. Das Angebot wurde mit dem Ultimatum versehen, bis spätestens Donnerstag dorthin umzuziehen.

„Zomia bleibt selbstbestimmt“, sagte Simon Holzapfel, ein Sprecher der Wagengruppe, dem Freitag. „Bevor wir uns künstlichen Sachzwängen oder einem Ultimatum unterwerfen, nehmen wir die Dinge lieber selbst in die Hand.“ Weil es hieß, dass Zomia in Altona willkommen sei, habe die Gruppe jetzt zusätzlich zu ihrem Platz in Wilhelmsburg eben einen Fläche in Altona besetzt.

Für Holzapfel ist klar, dass die Hamburger SPD derzeit versuche, Zomia durch das Hin und Her zwischen den verschiedenen Bezirken „weichzukochen“. Schließlich erfolge das Angebot aus Altona nur, damit Markus Schreiber, der Bezirksamtsleiter in Mitte, Zomia endlich los sei. Daher ist Holzapfel auch verärgert über das Ultimatum und die Vorwürfe, Zomia stelle zu hohe Ansprüche. Schließlich sei die Gruppe bereit, nach Altona zu ziehen, wolle aber eine feste Zusage für eine Dauerfläche – und keine weiteren Zwischenlösungen. „Mit Vorwürfen kann man keine gemeinsamen Lösungen erarbeiten“, sagte Holzapfel. „Mit Diffamierungen geht man nur gegen Leute vor, die man in der Öffentlichkeit bloßstellen will.“

Aus dem Bezirk Altona ist zur Stunde noch keine Stellungnahme zu bekommen. Die zuständigen Stellen müssten sich ob der neuen Sachlage noch beraten, sagte eine Sprecherin dem Freitag. Ein Sprecher des Bezirks Mitte, der Zomia an seinem ursprünglichen Platz in Wilhelmsburg vertreiben will, sagte, durch die neue Besetzung ändere sich die Situation nicht. Da Zomia nicht in Mitte bleiben könne, hoffe der Bezirk, dass die Gruppe jetzt vollständig nach Altona umzöge. Andernfalls werde „bald“ eine Räumung in Wilhelmsburg erfolgen. „Das war nie das, was wir wollten, aber wir sind darauf vorbereitet.“

Zum Hintergrund des Streits um „Zomia“:
www.freitag.de/politik/1146-hamburg-deine-bauwagen

 
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Kommentare
Hanning Voigts schrieb am 23.11.2011 um 16:32
Update von 16:28
Wie es aussieht, wird die Besetzung in Bahrenfeld nicht geduldet. Die Polizei ist bereits vor Ort, nach Angaben der Gruppe Zomia mit schwerem Räumgerät. Die Finanzbehörde, der die fragliche Fläche gehört, bestätigt soeben, dass sie den Bezirk Altona in seinem Ziel unterstützt, die Fläche so schnell wie möglich zu räumen. Für Zomia wird es also eng: Als letzter Ausweg bietet sich derzeit offenbar nur noch der vom Bezirk Altona angebotene Platz am Holstenkamp an. Aktuelles erfährt man u.a. im Liveticker von Zomia: twitter.com/#!/wp_zomia
Hanning Voigts schrieb am 23.11.2011 um 19:24
In Hamburg geht ein ereignisreicher Tag zu Ende. Heute Abend gab es noch eine Demonstration für Zomia, etwa 300 Leute haben daran teilgenommen. Der Platz in Bahrenfeld ist offenbar wieder geräumt.
tinyurl.com/c54t293
Wie es jetzt weitergeht, werden die nächsten Tage zeigen. Die Gruppe Zomia scheint jedenfalls nicht bereit zu sein, den kleinen Platz am Holstenkamp als Übergangslösung zu akzeptieren, ein anderes Angebot scheint ihr aber niemand machen zu wollen. Jetzt bleibt abzuwarten, ob der Bezirk Mitte morgen ernsthaft seine Drohung wahr macht und den eigentlichen Zomia-Platz in Wilhelmsburg räumen lässt.
anna T. schrieb am 23.11.2011 um 20:23
da hätte ich als Schlagzeile:"Zomia setzt auf Provokation"
genommen ...

Zomia sollte es auch nicht auf die Spitze treiben.Dem Herrn Schreiber auch noch eine steile Vorlage bieten...naja...

Ein Absatz aus der Hamburger MOPO:
>>Die Politiker,die sich für sie einsetzen,sind dagegen
sauer über den Alleingang. SPD-Fraktionschef Andreas Dressel: „Das war kein Beitrag zur Deeskalation und hat vieles an Lösungsbereitschaft kaputt gemacht.“ Auch die Bezirks-Grünen sind unglücklich über das „provokante Verhalten“, so Stadtentwicklungsexperte Christian Trede. Dennoch ist die Tür nicht zu: „Unser Angebot steht immer noch. Der Bauwagenplatz ist in Altona weiter willkommen<<
brefcourte schrieb am 23.11.2011 um 21:30
die rote flora muss bleiben !
Hanning Voigts
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Logbuch
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